Die Provinz Friesland (offiziell , auf Deutsch auch Westfriesland) ist eine der zwölf niederländischen Provinzen. Zu ihr gehören (seit 1942) alle bewohnten westfriesischen Inseln mit Ausnahme von Texel. Mit ihnen ist Friesland die zweit­nördlichste niederländische Provinz, gelegen zwischen dem IJsselmeer im Westen und der Provinz Groningen im Osten. Die Hauptstadt ist Leeuwarden ().

Die Provinz Friesland (1814) bildet die Fortsetzung der Herrschaft Friesland (1498–1795) und des Departements Friesland (1801–1814).

Die Provinz ist die einzige, in der neben Niederländisch auch eine andere Sprache Amtssprache ist, das nahe verwandte Friesisch (Westfriesisch). So gut wie alle Einwohner sprechen allerdings (auch) Niederländisch und auf Niederländisch werden die meisten Texte verfasst. Zwar gibt es keine bedeutende Unabhängigkeitsbewegung, doch ist in Friesland das Regionalbewusstsein stärker ausgeprägt als in anderen Provinzen.

Friesland ist in den Niederlanden bekannt für das Schlittschuhlaufen, das in besonders strengen Wintern den Wettlauf Elfstedentocht hervorbringt. Benannt ist der Wettlauf nach den historischen elf Städten Frieslands, die nicht unbedingt die einwohnerstärksten Orte der modernen Provinz sind. In Friesland gibt es auch einige eigene Sportarten und es wird das Wattwandern betrieben.

Name Bis zum 1. Januar 1997 hatte die Provinz zwei offizielle Namen, den niederländischen Namen Friesland und den friesischen Namen Fryslân. Seitdem ist nur noch der friesische Name offiziell. 2004 beschloss das niederländische Innenministerium, generell nur noch den friesischen Namen in Dokumenten zu verwenden. Gängig ist im Niederländischen hingegen weiterhin der niederländische Name Friesland.

Im deutschen Sprachraum ist für die Provinz Friesland auch die Bezeichnung Westfriesland bekannt. Der Name ist eine analoge Bildung zu den Bezeichnungen der deutschen Regionen Nordfriesland und Ostfriesland. Im internationalen Kontakt kann diese Benennung allerdings zu Missverständnissen führen, da „West-Friesland“ in den Niederlanden die Bezeichnung für die gleichnamige Region in der Provinz Noord-Holland ist. Um diese ungenaue Bezeichnung zu vermeiden und um eine Verwechslung mit dem deutschen Landkreis Friesland oder der ebenfalls Friesland genannten gesamtfriesischen Region auszuschließen, wird die Provinz nach ihrer bereits historisch bedeutsamen Lage westlich des Flusses Lauwers auch als Westerlauwers Friesland oder das west(er)lauwersche Friesland benannt.

It Heitelân () ist eine weitere verbreitete umgangssprachliche Bezeichnung für die Provinz. Sie wird häufig benutzt, wenn die starke Verbundenheit zur friesischen Heimat ausgedrückt werden soll. Auch unter den nationalen Friesen ist die Bezeichnung verstärkt in Gebrauch.

Im Jahre 1996 erlaubte die Regierung in Den Haag die freie Ortsnamenwahl in Friesland. Danach konnten die Gemeinden und die Provinz eigenständig entscheiden, ob sie einen niederländischen oder einen friesischen Namen tragen wollen. Die Provinz Friesland wurde daraufhin zum 1. Januar 1997 in Provinsje Fryslân umbenannt. Bis jetzt sind diesem Beispiel 11 von 31 friesischen Gemeinden gefolgt. Es gibt vereinzelte Bestrebungen, Friesland zu einem selbstständigen Staat unter der niederländischen Krone zu machen. Insgesamt sind solche Bestrebungen aber eher schwach.

Geographie Die Provinz Fryslân liegt am IJsselmeer im Westen und an der Nordseeküste im Norden der Niederlande. Es grenzt im Osten an die Provinzen Groningen und Drenthe, im Süden an die Provinzen Overijssel und Flevoland.

Der höchste Punkt der Provinz Fryslân mit 45 m über NAP liegt auf der Nordseeinsel Vlieland (). Auf dem Festland ist der höchste Punkt 27 m hoch, der tiefste −2 m.

Fryslân wird in sechs verschiedene Landschaftsbereiche unterteilt die Watteninseln Ameland () Schiermonnikoog () Terschelling () und Vlieland () die Wattenküste die IJsselmeerküste Südwest-Friesland die tiefe Mitte und die Wälder im Südosten.

Landschaft und Geologie In der Provinz Friesland schließt sich an die im Osten und Süden gelegene pleistozäne (eiszeitliche) Aufschüttungslandschaft der Geest, in der Geschiebelehm und Sand den Untergrund bilden und die in größerem Umfang von holozän (nacheiszeitlich) entstandenen Mooren bedeckt ist, meerwärts ein bis zu 30 Kilometer breiter Gürtel von tiefer gelegenem Marschland an, dem wiederum das Wattenmeer mit den Watteninseln vorgelagert ist.

Geest- und Moorlandschaft

Am weitesten westlich erstreckt sich die Geestlandschaft im Süden, wo sie im Gaasterland mit Geschiebelehm-Kliffs an das IJsselmeer grenzt. Generell senkt sich dieses Fundament der friesischen Landschaft nach Nordwesten. Seine Oberfläche liegt bei Appelschaa rund 9 m über NAP, taucht dann unter das Marschland ab und befindet sich im Marschgebiet (zum Beispiel bei Firdgum) etwa 7 m unter NAP.

Geschiebelehm (keileem), Stauchmoränen (stuwallen): Die Geestlandschaft Frieslands verdankt ihre Entstehung dem Vordringen des skandinavischen Inlandeises bis zu einer Linie Haarlem–Nijmegen in der vorletzten Eiszeit, der Saale-Kaltzeit. Der Untergrund der Geest, Grundmoräne mit einigen Stauchmoränen besteht aus dem vom Gletscher hinterlassenen Geschiebelehm (Till, keileem), einem Gemisch aus Ton, Schluff, Sand, Kies und Steinbrocken. Besonders große, als Findlinge (zwerfkeien) bezeichnete Geschiebeblöcke, gibt es unter anderem in Burgum (der Poppestien) und Rottum (der größte Findling der Niederlande).

An einigen Stellen überragen Stauchmoränen (stuwallen) das Umland. Durch den Gewichtsdruck und den Schub der Eismassen wurde dort der Untergrund hochgepresst, also förmlich aufgestaucht. Die Stauchmoränen auf Texel, bei Steenwijk, Hoogeveen und Coeforden (etwas südlich der Provinz Friesland) markieren eine Eisrandlage der Saale-Kaltzeit. In Friesland verdankt das Gaasterland sein bewegtes Relief solchen Stauchmoränen. Vor den Moränen schuf nach Westen abziehendes Schmelzwasser des Gletschereises ein breites Urstromtal, das Oerstroomdal Vecht, das heute nur noch von kleinen Flüssen benützt wird. Linde, Tjonger, Boorne, Smalle Ee und Zwemmer verlaufen in solchen alten breiten Schmelzwasserrinnen. Die Seen Morra, Fluessen und Heeger Meer liegen in einem von einer Gletscherzunge ausgeschürften Tal.

Unter dem Geschiebelehm lagern ältere eiszeitliche, vorwiegend sandig-kiesige Sedimente, unter anderem die Ablagerungen eines frühpleistozänen Flusssystems, das seinen Ursprung im Ostseegebiet hatte.

Der Decksand (zandgebieden): In der folgenden, der letzten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit, erreichte das Eis die Niederlande nicht mehr. Es herrschten hier periglaziale Verhältnisse: eisige Stürme bliesen aus dem vegetationsarmen Umland Sand aus und lagerten ihn als Decksand (dekzand), teils zu Sandrücken aufgehäuft, teils großflächig auf dem Geschiebelehm ab.

Zwischen Drachten und Dokkum bietet der Naturpark Noordelijke Friese Wouden ein abwechslungsreiches, sanft gewelltes Landschaftsbild. Der Geschiebelehm ist auch hier in unterschiedlicher Mächtigkeit von Decksand überlagert, der nach der Abtragung der Friesland einst weithin bedeckenden Torfmassen (s. u.) wieder an die Oberfläche gelangte. Landschaftsprägend sind hier Hecken auf niedrigen Erdwällen (houtwallen) und Erlen-Einfriedungen (elzensingels) längs Entwässerungsgräben, welche die einzelnen Parzellen begrenzen und einst zur Einhegung des Weidviehs dienten. Häufig treten hier rundliche, oft von einem meist mit Gebüsch bewachsenen Ringwall umgebenen Teiche auf. Sie entstanden gegen Ende der letzten Kaltzeit. Damals bildeten sich so genannte Pingos, einen Eiskern enthaltende Sandhügel. Dieser Eiskern wurde durch aufquellendes und dabei gefrierendes Grundwasser genährt. Der Temperaturanstieg zum Ende der Weichselkaltzeit führte zum Schmelzen des Eiskerns, wobei die Sanddecke abglitt und einen Ringwall um das sich mit Schmelzwasser füllende Zentrum bildete.

Auch im Drents-Friese Wold zwischen Appelschaa und Diever prägt der Sand das Landschaftsbild. Das Flugsandgebiet des Aekingerzand (Kale Duinen) ist durch übermäßige Nutzung der sandigen Heideflächen entstanden. Vor allem schadete das Abplaggen der Heidevegetation zur Verwendung als Stallstreu und anschließend als Dünger der Landschaft. In den vegetationsfrei gewordenen Gebieten konnte der Wind den ungeschützten Decksand zu Flugsandrücken (stuifzandwallen) und Dünen (duinen) aufwehen. Die höchste Erhebung des festländischen Frieslands, der 26 Meter hohe Bosberg bei Appelscha, ist ebenfalls eine durch die Bewaldung stabilisierte Binnendüne. Auch in der Umgebung von Beetsterzwaag hinterließ die Übernutzung eine karge Heidelandschaft auf den Böden des Decksands. Schon im 18. Jahrhundert wurde – wie auch noch später im Sandgebiet üblich – mit der Aufforstung des Gebiets begonnen, in dem nun das Patriziat seine Sommersitze errichtete. Am bekanntesten ist das Landgut Oranjewoud (1829) bei Heerenveen, wo schon 1678 ein adliger Wohnsitz mit großen Parkanlagen existierte. Die Aufforstung diente im 19. Jahrhundert nicht nur dem Schutz der Sandlandschaft, sondern ermöglichte auch die Lieferung von Grubenholz für den Bergbau im Süden des Landes. In der Bakkeveenschen Heide erlebt man eine abwechslungsreiche Landschaft von Heidefeldern, Feuchtgebieten und Dünen.

Moore und Sandrücken: Mit dem nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg stieg auch der Grundwasserspiegel, was zur Vernässung weiter Gebiete hinter der Küste führte. Es bildeten sich etwa ab 7000 v. Chr. ausgedehnte Sümpfe und Moore. Vom Grundwasser gespeiste Niedermoore entwickelten sich zu Hochmooren mit meterhohen Polstern aus Torfmoos (Sphagnum), die auf das Niederschlagswasser angewiesen sind. Die Moordecke, der sogenannte Basistorf (basisveen), wurde aber bei noch immer steigendem Meeresspiegel durch Sturmfluten angegriffen und in großem Umfang weggespült oder von Meeressedimenten bedeckt. Vor etwa 3500 Jahren waren die nördlichen Niederlande bei anhaltender Vernässung aber wieder fast völlig von Mooren bedeckt.

Die dünn besiedelte, gewässerreiche, spärlich bewaldete friesische Moorlandschaft breitet sich zwischen den östlichen Sandgebieten (den Ausläufern des Drenthe-Plateaus) und der Marschlandschaft aus. Sie befindet sich zwischen Rinsumageest im Norden und Stavoren und Lemmer im Süden in Frieslands niedriger Mitte (lage midden). Das Relief wird im Moorgebiet vielfach leicht belebt durch pleistozäne Decksand- oder auch Geschiebelehmrücken, die schon früh als Siedlungsstandorte wichtig wurden. Heute sind ehemalige Torfgewinnungsgebiete mit ihren Wasserflächen beliebte Wassersportareale. Ausgedehnte, sich durch eine reiche Flora und Fauna auszeichnende Gebiete mit von Schilfgürteln gesäumten Weihern und Seen, Sumpfgelände, Bruchwäldern und im Winter zum Teil unter Wasser liegendem Grünland stehen unter Naturschutz.

Die Erschließung der Moorlandschaft: Am meerseitigen Rand der Moorlandschaft, wo Hochfluten die Moorvegetation mit einer Sand-Schlickauflage bedeckten, setzte die Erschließung der Moore schon in den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende ein. Die Kultivierung der Moore hatte allerdings immer wieder eine fatale Nebenwirkung. Die notwendigen Entwässerungsarbeiten führten zum Einsacken des austrocknenden und an der Luft oxidierenden Torfs, damit zur Bodensenkung und diese zu Überflutungen, denen viel Kulturland und ganze Dörfer zum Opfer fielen. Beispiele sind das im Fluessen-See versunkene Alt-Elahuizen und im Tjeukemeer der Kirchhof von Rohel.

Längere Zeit kam das Moorgebiet als Siedlungsstandort nicht mehr in Frage. Erst gegen Ende des 9. Jahrhunderts n. Chr. setzte wieder eine intensivere Besiedlung der Moorlandschaft ein. Dabei drangen die Menschen längs der größeren Bäche, auf deren Uferwällen sie sich zunächst ansiedelten, in das unwirtliche Gebiet vor. Spuren der mittelalterlichen Besiedlung sind zahlreiche flache Moorwarften (veenterpjes).