mini|hochkant=1|Alleinstehendes Hamza mini|hochkant=1|Schreibung des Hamzas
Das Hamza (; ; ; in älteren deutschen Texten (bis ins 19. Jahrhundert) auch Hamsa,beispielsweise: Leopold Göschl: Kurze Grammatik der arabischen Sprache mit einer Chrestomathie und dem hierzu gehörenden Wörterverzeichnis, Wien 1867, in anderen Umschriften auch Hamzah) ist ein Schriftzeichen der arabischen Schrift. Es ist in mehreren arabisch-basierten Alphabeten mit unterschiedlichen Funktionen in Verwendung.
Im Arabischen wird das Graphem Hamza für die Schreibung des Phonems verwendet, das in der Standardaussprache dem stimmlosen glottalen Plosiv (auch Glottisschlag, IPA: ; wie im deutschen Wort beachte in exakter norddeutscher Aussprache) entspricht.
Hamza wird entweder über oder unter ein Trägerzeichen gesetzt oder in einer unverbundenen alleinstehenden Form geschrieben, die genaue Schreibung unterliegt detaillierten Regeln (s. u.). Das Zeichen gilt in der klassischen Lehrmeinung nicht als Buchstabe und hat im Gegensatz zu den 28 Zeichen des arabischen Alphabets kein Äquivalent in einer anderen semitischen Schrift. Hamza entstand erst um das 8. Jahrhundert, als der Buchstabe Alif einen Bedeutungswandel vollzog und ein neues Zeichen für den Glottisschlag als notwendig erachtet wurde.
In anderen arabisch geschriebenen Sprachen markiert Hamza einen Hiatus, zeigt einen Wortbeginn mit einem Vokal an oder findet als Umlaut- oder diakritisches Zeichen Verwendung.
Erscheinung
Im Gegensatz zu den 28 „echten“ arabischen Buchstaben ist die Erscheinungsform des Hamza nicht von seiner Position im Wort (initial, medial, final, isoliert) abhängig. Das Zeichen existiert nur in einer Form, die im modernen Arabisch über oder unter einen Trägervokal, genannt, oder „auf die Linie“ zu setzen ist. Als Trägervokal können im Arabischen die Buchstaben Alif (), Wāw () und Yāʾ () fungieren, wobei Yāʾ als Hamzaträger (außer in maghrebinischen Ausgaben der Lesung des Nāfiʿ) seine diakritischen Punkte verliert. Hamza „auf der Linie“ bezeichnet ein neben den vorgehenden Buchstaben gesetztes unverbundenes Hamza ohne Trägerzeichen; im Koran finden sich trägerlose Hamza-Zeichen auch direkt über oder unter der Verbindungslinie zwischen zwei Buchstaben. Weitere Zeichen für das arabische Phonem Hamz sind Madda und Wasla (siehe Taschkīl).
In der arabischen Schrift anderer Sprachen findet sich das Hamza auch über und unter anderen Trägerzeichen. Als diakritisches Zeichen wird Hamza in der paschtunischen Schrift über dem Ḥāʾ () und im Ormuri über dem Rāʾ () verwendet. In der arabischen Schrift des Kasachischen dient ein „hohes“ Hamza als Umlautzeichen; im Kashmiri ist neben dem „normalen“ auch ein gewelltes Hamza in Verwendung – beide Formen dienen der Vokalisierung und können über und unter sämtlichen Konsonantenzeichen und Alif auftreten. Nur am Wortende zu finden ist Hamza über Čhōťī hē () und Baŕī yē () im Urdu sowie im Persischen über dem Hāʾ ().
Folgt der Trägerbuchstabe Alif auf ein Lām, kommt Hamza über oder unter die obligatorische Ligatur Lām-Alif ().
Entstehung und Entwicklung des Zeichens Die Erfindung des Graphems Hamza steht in engem Zusammenhang mit einem Bedeutungswandel des Buchstabens Alif, der um das 8. Jahrhundert die Funktion als Zeichen für den Glottisschlag ablegte und stattdessen als Vokal-Dehnungszeichen in Gebrauch kam.
Die arabische Schrift entwickelte sich vermutlich aus der nabatäischen Schrift, einer Konsonantenschrift, in der – wie in den meisten semitischen Alphabeten – ein Glottisschlag mit dem Buchstaben Ālaf notiert wurde. Im Aramäischen wurde dieser Laut zunehmend abgeschwächt artikuliert; im Nabatäischen übernahm Ālaf zusätzlich die Funktion des Schriftzeichens für ein finales /ā/. Ālaf hatte somit schon in dieser Phase seiner Entwicklung zwei Funktionen (Zeichen für Glottisschlag und langes /ā/), jedoch wurde erst mit dem Alif der arabischen Schrift auch die Dehnung eines kurzen /a/ zum langen /ā/ in der Wortmitte markiert:The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 3. 1971; S. 150–152
Anfangs wurden lange /ā/ mit einem kleinen hochgestellten Alif markiert. Kurz vor der Wirkungszeit des Sprachgelehrten al-Farāhīdī (8. Jahrhundert) wurde jedoch dazu übergegangen, stattdessen Alif als Mater lectionis zu setzen.Weil 1905–1906: S. 11–13 Die Redaktion des Koran war schon abgeschlossen; sein Konsonantengerippe galt als gottgegeben – es zu verändern war nicht erlaubt, jedoch konnte man (kleine oder farbige) Zeichen hinzufügen. Das Einsetzen von (roten) Alifs als Dehnungszeichen erfolgte uneinheitlich, ohne festen Plan und in mehreren Perioden. Im Laufe der Zeit wurde – besonders im osmanischen Reich – aus roten Alifs normale Alifs. In der Kairiner Koranausgabe von 1924 wurden über fünftausend solcher eingefügten Dehnungsalif wieder aus dem Text genommen und durch hochgestellte kleine Alifs ersetzt. Auch im modernen Arabisch wird in einigen Worten ein langer /ā/-Laut nicht mit Alif als mater lectionis, sondern mit diesem optionalen Hilfszeichen geschrieben.
mini|Arabische Kalligraphie: 68. und 69. Vers der Sure (al-Māʾida) im maghrebinischen Duktus – für Hamz wurden hier gelbe Punkte gesetzt Frühe Systeme zur Unterscheidung der vokalischen und konsonantischen Funktionen eines Zeichens verwendeten hierzu verschiedene Varianten zusätzlicher Punkte. Ein gelber oder grüner Punkt, der durch seine Stellung über, neben oder unter dem Trägerzeichen zugleich die Vokalisierung ausdrückte, zeigte die korrekte Artikulierung des Trägers als Hamz an; in einem anderen System wurde der Glottisschlag durch doppeltes Setzen des Vokalpunktes beiderseits des Trägerzeichens markiert.Nöldeke 1860: S. 313–315
mini|links|250px|Kalligraphie aus dem 10. Jahrhundert (18. Vers der Sure al-Māʾida): Dem Text in schwarzer Tinte wurden später rote Punkte für die Vokalisation, goldene Geminierungszeichen (Schadda) und grüne Hamza hinzugefügt – Schadda und Hamza haben hier bereits ihr heutiges Erscheinungsbild Der Ursprung des heutigen Zeichens für den Glottisschlag in der arabischen Schrift () wird überwiegend, so etwa von Richard LepsiusLepsius 1861, S. 143 f. und Kees Versteegh, in der initialen Form des Buchstaben ʿAin () vermutet, des Zeichens für den stimmhaften pharyngalen Frikativ [], dessen Lautqualität der des Hamza am nächsten käme. Heinrich Alfred Barb führte hingegen mehrere Beispiele aus der arabischen und persischen Sprache an, aus denen er eine Abwandlung zum Hamza aus der isolierten Form des Yāʾ ohne Punkte () ableitete.Heinrich Alfred Barb: Über das Zeichen Hamze und die drei damit verbundenen Buchstaben Elif, Waw und Ja der arabischen Schrift. Kgl. Hof & Staats Druckerei, 1858. S. 95ff Theodor Nöldeke zufolge ist Barbs Annahme jedoch „durchaus unrichtig“.Nöldeke 1860: S: 314
Als Erfinder des Zeichens in seiner heutigen Form gilt laut dem Historiolinguisten Versteegh der arabische Grammatiker Abū l-Aswad ad-Duʾalī (7. Jahrhundert). Abū l-Aswad habe begonnen, kleine ʿAins in Texte einzufügen, wo ein Wāw, Yāʾ oder Alif in den Dialekten des Hidschāz als Langvokal, im Koran jedoch als Glottisschlag auszusprechen sei.Kees Versteegh: The Arabic language. Edinburgh University Press, 2001. ISBN 978-0-7486-1436-3; S. 56 Der Orientalist Gotthold Weil schreibt diese Neuerung hingegen al-Farāhīdī zu. In der Verwendung von Alif als mater lectionis sah al-Farāhīdī, so Weil, eine Verwechslungsgefahr mit dem Glottisschlag, und kennzeichnete das konsonantisch verwendete Alif daher mit einem übergesetzten Lesezeichen.Weil 1905–1906: S. 11
Anfangs war stets Alif Kursī eines Hamza.Mary Catherine Bateson: Arabic language handbook. Georgetown University Press, 2003. ISBN 978-0-87840-386-8; S. 56 Während Hamz im klassischen Arabisch Phonemcharakter hat, war er im nicht-klassischen Arabisch, auf welchem die arabische Orthographie basiert, nur im Wortanlaut erhalten und in Form eines Alif verschriftet. In allen anderen Positionen war Hamz durch verschiedene Arten von Tachfīf al-hamza zu /y/ oder /w/ abgeschwächt, entfallen oder durch eine Dehnung des vorstehenden Vokals ersetzt. In der Orthographie des klassischen Arabisch wurde jenes Zeichen zum Träger des Hamzazeichens, das in der nicht-klassischen Orthographie den abgeschwächten oder ersetzten Glottisschlag darstellte – somit wurden auch Yāʾ und Wāw mögliche Hamzaträger. Wenn im nicht-klassischen Arabisch Hamz entfiel, erhielt die klassische Orthographie ein Hamza ohne Träger.Fischer 2002: S. 10f
siehe auch: Geschichte der arabischen Schrift
Hamza und das arabische Alphabet Arabische Gelehrte sind sich sowohl beim Hamza als auch beim Alif uneinig, ob diese als Buchstaben des arabischen Alphabets zu bezeichnen sind. In der klassischen Lehrmeinung hat Alif den Status als Buchstabe. Alif lässt sich aus dem phönizischen Alphabet ableiten und ist somit viel älter als Hamza. Hamza steht jedoch für den Laut, den die Vorläufer des Alif repräsentierten.
Der Sprachwissenschaftler al-Farāhīdī zählte im 8. Jahrhundert 27 oder 28 Buchstaben im arabischen Alphabet (ob er Hamza/Alif aus dem Alphabet strich oder ihm nur den ersten Platz verwehrte ist nicht zu ermitteln), sein Schüler Sībawaih 29 – er erkannte sowohl Hamza als auch Alif als Buchstaben an. Abū l-ʿAbbās al-Mubarrad, ein Grammatiker aus dem 9. Jahrhundert, strich Hamza aus seinem Alphabet, da es sein Erscheinungsbild mehrfach gewechselt hatte und kein Buchstabe mit feststehender Gestalt sei, nahm Alif am Ende des Alphabets auf und kam dadurch auf 28 Buchstaben. Der Orientalist Gotthold Weil bezeichnet die Aufnahme von sowohl Alif als auch Hamza ins Alphabet als „linguistisch und historisch unrichtig“ – Hamza und das Dehnungs-Alif hatten bis zur Erfindung des Graphems Hamza eine gemeinsame Form, ebenso wie heute noch die Buchstaben Wāw und Yāʾ, die als Konsonant und als Dehnungszeichen ebenso eine Doppelfunktion haben.Weil 1905–1906: S. 9–11
Hamza in der arabischen Sprache mini|hochkant=2|: kalligraphisch dargestellter Titel der 21. Koransure (in moderner Orthographie) – Hamza tritt hier am Wortende alleinstehend und über der Ligatur Lām-Alif auf mini|[] /
In der arabischen Sprache ist Hamza Graphem für das Phonem Hamz, welches im Hocharabischen dem Phon [] (stimmloser glottaler Plosiv) entspricht. Die Regeln zur Schreibung des Hamza im modernen Standard-Arabisch weisen einige Unterschiede zur Orthographie des Koran auf. Im modernen Arabisch enthält auch ein Alif mit Madda das Phonem Hamz (gefolgt von /ā/), wohingegen die Madda im Koran ein reines Längungszeichen ist, das nicht nur über Alif gesetzt werden kann.
Hamza und Madda sind Grapheme für das , am Wortbeginn auch Trennungsalif genannt. Hamzatu l-qatʿ ist ein vollwertiger Konsonant,Badawi, Carter, Gully 2004: S. 11–14 der auch als Radikal wie in auftaucht, mit einer Schadda geminiert werden und an jeder Position im Wort auftreten kann.Weil 1905–1906: S. 7 Wasla, Graphem für ein „Hilfshamza“ (), existiert hingegen nur am Wortanfang und beinhaltet ein Hamz nur im absoluten Anlaut.
Steht Hamza über oder unter einem Trägervokal, ist dieser zwar ein Hinweis auf die korrekte Aussprache, selbst jedoch nicht auszusprechen. Die Schreibung des Hamzas unterliegt detaillierten Regeln, jedoch werden Hamzas am Wortbeginn oft weggelassen.
Der arabische Artikel wird bei mit Hamza beginnenden Wörtern so wie vor Mondbuchstaben nicht assimiliert.
siehe auch: Der Glottisschlag im Arabischen
Hamza-Schreibregeln im Modernen Standard-Arabisch
Hamza-Formen im modernen Arabisch Grundform: über Alif: unter Alif: über Yāʾ: über Wāw:
Wortbeginn