Die Schlacht an der Konzer Brücke war eine Episode des Holländischen Krieges. Am 11. August 1675 erfochten mit Kaiser Leopold I. verbündete Truppen einen Sieg über ein Heer des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Der Triumph vereitelte den Versuch eines französischen Entsatzheeres, die Belagerung der seit 1673 französisch besetzten Stadt Trier durch kaiserliches Militär aufzubrechen. In der Folge ergaben sich die Belagerten am 6. September 1675.

Kommandeur des französischen Entsatzheeres war Marschall François de Créquy (auch: de Créqui). Das kaiserliche Koalitionsheer befehligte Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg. Beratende Funktionen hatten dessen Bruder, der Osnabrücker Fürstbischof Ernst August, sowie Herzog Karl IV. von Lothringen (Georg Wilhelms und Ernst Augusts beider Bruder Johann Friedrich war als Herzog von Braunschweig-Calenberg (Hannover) französischer Parteigänger). Eine schlachtentscheidende Rolle spielte der kaiserliche Generalwachtmeister Otto de Grana.

Der Schlachtort liegt unweit von Trier, zwischen Wasserliesch und Konz unterhalb der Granahöhe, nahe der Mündung der Saar in die Mosel.

Vorgeschichte Im Devolutionskrieg hatte Ludwig XIV. einen ersten erfolgreichen Versuch unternommen, das französische Territorium nach Nordosten auszudehnen. War damals noch Spanien der Hauptgegner und die Spanischen Niederlande Ziel der Aggression, wandte sich der Sonnenkönig bald auch gegen das Heilige Römische Reich. Die unzureichend geschützte Westgrenze des durch Kleinstaaterei geschwächten Reichs war für dessen Expansionspolitik eine leichte Beute. So hatte Ludwig XIV. schon 1670 das Herzogtum Lothringen besetzt und dessen Herrscher, Karl IV., vertrieben. Nur vier Jahre nach Beendigung des Devolutionskrieges rüstete Frankreich zum Angriff auf die Vereinigten Niederlande. Ludwig XIV. wollte sich an dem einstigen Bündnispartner im Devolutionskrieg für dessen 1667 zu Breda geschlossenen Separatfrieden rächen, was ihn zum für ihn nachteiligen Aachener Frieden von 1668 gezwungen hatte. Von Interesse war außerdem die Schwächung der niederländischen See- und Handelsmacht.

Sein Vorhaben sicherte Frankreich im Vorfeld diplomatisch ab. Es schloss Allianzen mit England, Bayern und Schweden, und verband sich vertraglich mit fast allen Fürsten im strategisch wichtigen Niederrheingebiet. Über Subsidienverträge wurden Köln und Münster zur Stellung eigener Truppen verpflichtet. Im Bund mit Frankreich waren außerdem Osnabrück und Calenberg (Hannover). Der deutsche Kaiser erklärte 1671 seine Neutralität. Mittels Neutralitätsverträgen gewann Frankreich die Unterstützung Pfalz-Neuburgs mit den Herzogtümern Berg und Jülich, sowie Kurtriers, das mit der Mosel einen wichtigen Nachschubweg kontrollierte. Brandenburgs Großer Kurfürst, als Landesherr des strategisch wichtigen Herzogtums Kleve von Frankreich umworben, schlug sich zunächst auf Hollands Seite; darum wurde Kleve bei Kriegsausbruch kurzerhand von den Franzosen besetzt. mini|Karl Kaspar von der Leyen, Darstellung aus einem Krönungsdiarium aus dem Jahre 1658

Die fatale Grenzlage zwischen den Territorien der traditionell verfeindeten Bourbonen und Habsburger zwang vor allem den Trierer Landesherren Karl Kaspar von der Leyen zu einer opportunistischen Neutralitätspolitik, die sich dem aktuell Mächtigeren andiente. Ab Mai 1672 gab es regelmäßige Truppen- und Provianttransporte auf der Mosel; allein in der Zeit von April bis August zählten Augenzeugen annähernd 200 Versorgungsschiffe. Der Kurfürst blieb fernab vom Geschehen: Hauptstadt war zwar Trier, doch residierten die Landesherrn seit 1629 auf Schloss Philippsburg in Ehrenbreitstein – heute Stadtteil von Koblenz.

Am 12. März 1672, fünf Tage vor seiner offiziellen Kriegserklärung an die Niederlande, eröffnete England den Seekrieg mit einem Angriff auf den heimkehrenden Smyrna-Handelskonvoi im Ärmelkanal, auf Höhe der Isle of Wight.Rif Winfield: British Warships in the Age of Sail, 1603–1714: Design, Construction, Careers and Fates. Seaforth Publishing, 2009, ISBN 978-1-84832-040-6. Frankreich erklärte im April den Krieg. Aufmarschbasis und Nachschubroute für den Angriff von Osten her bildeten die Territorien an Niederrhein und Mosel, über die 100 000 Mann gegen Holland vorrückten. Der Hauptstoß führte jedoch durch das mit Frankreich verbündete Hochstift Lüttich gegen Hollands stärkste Festung, das exterritorial gelegene Maastricht. Die Angriffsmacht verstärkten Köln mit 18 000 Mann und Münster mit etwa 25 000 Mann. Münster scheiterte nach anfänglichen Erfolgen Ende August 1672 und abermals im April 1673 an der niederländischen Festung Groningen. Die Operationen der Franzosen nahmen indes bedrohliche Ausmaße an. Sie eroberten binnen kurzem mehrere spanisch-luxemburgische und niederländische Festungen und konnten Anfang Juli 1673 auch Maastricht einnehmen. Am Tiefpunkt des sogenannten Rampjaars angelangt, durchstachen die verzweifelten Niederländer im Juni/Juli die Meerdeiche und setzten ihr Land unter Wasser. Der französische Vormarsch wurde abrupt gestoppt.

Besetzung Triers durch die Franzosen 1673–75 mini|Der französische König Louis XIV. bei der Gründung des Pariser Observatoriums im Jahre 1667

Die nun freiwerdenden Truppen setzte Ludwig XIV. zum Teil gegen Kurtrier ein, dessen wankelmütige Neutralitätspolitik Frankreichs Nachschub über Mosel und Niederrhein gefährdete. Zudem war ihm bekannt geworden, dass der Trierer Kurfürst einige kaiserliche Kompanien zum „Schutze“ der Stadt Trier eingelassen hatte. Der Seitenwechsel Kurtriers war damit augenscheinlich geworden. Ein französisches Korps von etwa 10.000 Mann folgte Our und Sauer bis Oberbillig und besetzte Anfang August Igel. Dem Heerführer, Marschall Turenne, hatte der Sonnenkönig aufgetragen, von der Bevölkerung 133.000 Livres als Kontribution für den Unterhalt seiner Truppen einzutreiben. Die Einwohner waren dazu nicht in der Lage. Ein Bericht des Trierer Amts St. Maximin, der im Stadtarchiv in Trier aufbewahrt wird, schildert die desolate Situation: „Alle Dorfschaften sind überfüllt mit dem [französischen] Kriegsvolck, Musquetiers und der Leibguarde des Königs. Es ist nicht ein einziger Cavallier von ihnen, der nicht ein oder zween Diener habe. Es sind Häuser, worin 6 oder 8 zugleich und so viel Knecht und Pferdt inlogiert (einquartiert) sein. Sie verderben und verhergen den ganzen Erndt (Ernte). Es ist ein Elend und Jammer zu sehen und zu hören der armen vorhin verderbten Unterthanen Geschrei und Lamentationes (Klagen).“ Das nötige Bargeld beschafften sich die Franzosen von den Behörden und Klöstern der Region. Aufgrund der wachsenden Not wandte sich der Trierer Kurfürst mehrfach an den Reichstag mit der Bitte um Hilfe. Zunächst ohne Erfolg.

Am 24. August 1673 hatte Turenne die Stadt Trier mit ihren schätzungsweise 6000 Einwohnern vollständig eingeschlossen. Nach der Weigerung, eine 5000 Mann starke französische Garnison aufzunehmen, kam Trier vom 31. August bis zum 9. September 1673 unter Artilleriebeschuss. 500 Mann kurtrierisches Militär, eine Kompanie kaiserliche Soldaten sowie ein bewaffnetes Aufgebot aus Bürgern, Handwerkern und Studenten leisteten Widerstand, mussten aber doch kapitulieren. Bis zu 500 Franzosen waren gefallen, ebenso eine geringere Anzahl der Verteidiger. Ludwig XIV. schrieb in einem Brief an seinen Kriegsminister Louvois: 6000 Franzosen, Schweizer und Engländer besetzten die Stadt. Die Verwaltung übernahm ein französischer Gouverneur. Die kurtrierischen und kaiserlichen Truppen, die sie verteidigt hatten, setzten sich per Schiff auf der Mosel in Richtung Koblenz ab.

In der Folgezeit bauten die Franzosen die Stadt bis Ende 1674 zu einer Festung aus. Um für die Abwehr eines möglichen Angriffs der kaiserlichen Truppen freies Schussfeld zu haben, ließen sie fast alle Gebäude außerhalb der Stadtmauern niederreißen. Dieses Vorhaben war Ende 1674 abgeschlossen, die Stadt glich danach in der Tat einer Festung, aber ihre Umgebung war verwüstet. Weitere französische Stützpunkte werden Wittlich, Neumagen, Bernkastel, Mayen, Saarburg, Karthaus und die Konzer Brücke.

Die Schlacht an der Konzer Brücke mini|Kupferstich der Schlacht an der Konzer Brücke. Im Hintergrund die unterhalb von Taverne (Tawern) aufmarschierten Franzosen (f), davor die Reichstruppen (b,c), unterhalb davon die Consarbruck nebst Furten, hinten rechts der Liescher Berg mit Granahöhe (a)

Inzwischen aber wendete sich das Blatt gegen den Sonnenkönig. Im Mai 1672 war Brandenburg-Preußen unter dem Großen Kurfürsten an die Seite der Niederlande getreten (die er 1673 mit dem Vertrag von Vossem wieder fallen ließ), im Juni 1672 folgte der Kaiser. Das Jahr 1674 brachte den entscheidenden Umschwung: Österreich-Habsburg schmiedete eine anti-französische Koalition mit Spanien, Dänemark, Brandenburg, dem Kurfürstentum Sachsen, Wolfenbüttel und Lüneburg (Celle), Kassel und Kurtrier. Der Münsteraner Fürstbischof Galen wechselte die Seiten und schloss am 22. April 1674 einen Separatfrieden mit den Niederlanden. Am 11. Mai zog der bis dahin mit Ludwig verbündete Kölner Kurfürst Maximilian Heinrich nach. Dieser hatte schon im November 1673 nach neuntägiger Belagerung seine wichtigste Festung Bonn verloren und war nun zum Bündniswechsel gezwungen. Damit war der französische Nachschubweg über die Mosel und den Niederrhein lahmgelegt. Mit dem Frieden von Westminster (1674) fiel England von Frankreich ab und wechselte zu Habsburg. Als am 24. Mai 1674 der Reichstag den Reichskrieg gegen Frankreich erklärte, stießen auch Brandenburg und das bisher mit dem Sonnenkönig alliierte Osnabrück ins anti-französische Lager. Zu den wenigen Reichsteilen, die Frankreich treu blieben, zählten Bayern und Calenberg.

Zunächst geplant war ein Vorgehen gegen die an der Seite Frankreichs stehenden Schweden in Bremen-Verden. Ein Machtwort des Kaisers lenkte das Unternehmen dann in den Moselraum gegen Trier, um von dort aus gegen Lothringen oder das Elsass vorzurücken, wo starke französische Kräfte bis an Tauber und Main vorgedrungen waren. Drei Armeen wurden im Frühjahr 1675 für den Einsatz gegen Frankreich konzentriert, eine davon nahe Köln für den Einsatz an der Mosel. Die größten Kontingente stellten Lüneburg (5 000 Infanteristen, 3 000 Reiter, und mit 14 Geschützen die gesamte Artillerie) und Osnabrück (3 000 Fußtruppen, 800 Reiter). Münster und Trier waren mit jeweils 3000 Mann Fußtruppen beteiligt, hinzu kamen kaiserlich-österreichische Truppen (2000 Infanteristen, 1500 Reiter) sowie solche der Spanischen Niederlande (2000 Infanteristen). Herzog Karl IV. von Lothringen kommandierte mit 2 500 ReiternJean-Charles Fulaine: Le duc Charles IV de Lorraine et son armée. 1624–1675. Éditions Serpenoise, Metz 1997, ISBN 2-87692-324-6. das Gros der Kavallerie. Im Ganzen zählte die Reichsarmee etwa 25 800 Mann, davon 18 000 Infanterie und 7 800 Kavallerie. Im Anmarsch waren außerdem 2000 Mann Fußtruppen aus Mainz, die jedoch erst nach der Schlacht eintrafen.

Die Streitmacht brach am 14. Juli in Oberhausen und Bergheim auf und erreichte Anfang August Schweich. Nach dem Bau einer hölzernen Behelfsbrücke bei Pfalzel über die Mosel standen die Alliierten am 4. August vor den Mauern der Stadt Trier und begannen mit deren Einschließung. Ludwig XIV. ließ daraufhin ein Entsatzheer mit etwa 10 800 Mann Infanterie, 5400 Mann Kavallerie und 11 Kanonen in Marsch setzen. Den Befehl hatte Marschall Créquy inne. Ursprünglich zur Unterstützung Condés ins Elsass anberaumt, machte er nun bei Zabern kehrt und langte über den Saargau kommend bei Tawern an, unweit des späteren Schlachtfeldes. Danach rückten die Franzosen weiter vor und hielten nun die Ebene unterhalb der (später so genannten) Granahöhe, diese selbst und die an sie angrenzenden niedrigen Terrassen am Rande des Liescher Berges besetzt.