mini|Sven Hedin mini mini|Wappen Sven Hedins
Sven Anders Hedin , KCIE (* 19. Februar 1865 in Stockholm; † 26. November 1952 ebenda) war ein schwedischer Geograph, Topograph, Entdeckungsreisender, Fotograf, Reiseschriftsteller und ein Illustrator eigener Werke. In vier Expeditionen nach Zentralasien erforschte er den Transhimalaya (nach ihm auch Hedingebirge genannt), die Quellen der Flüsse Brahmaputra, Indus und Sutlej, den See Lop Nor sowie Überreste von Städten, Grabanlagen und der Chinesischen Mauer in den Wüsten des Tarimbeckens. Posthum veröffentlicht wurde sein Atlas Zentralasiens.
Überblick über Leben, Werk und Wirkung Studium und erste Reisen Sven Hedin war der Sohn des Stockholmer Stadtarchitekten Abraham Ludvig Hedin (1826–1917) und dessen Ehefrau Anna Berlin.Der jüdische Einwanderer Abraham Brode oder Brody aus Preußen nahm bei seiner christlichen Taufe am 17. März 1771 in Malmö den Namen Johann Christian Berlin an. (nach: Bruno Binder: Sven Hedins Vorfahr aus Frankfurt a. d. O. In: Mitteilungen des Historischen Vereins für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder, 31 (1930) S. 69–72.) Er studierte bei dem deutschen Geographen und Chinaforscher Ferdinand Freiherr von Richthofen. Nach der Promotion, dem Erlernen zahlreicher Sprachen und Dialekte sowie nach zwei Reisen durch Persien befolgte er nicht den Rat von Richthofens, sein Geographiestudium fortzusetzen und sich mit den Methoden der geographischen Forschung vertraut zu machen; deshalb musste er später die Auswertung seiner Expeditionsergebnisse anderen Wissenschaftlern überlassen.
Erste drei Expeditionen In drei Expeditionen zwischen 1894 und 1908 durch die Gebirge und die Wüstengebiete von Zentralasien kartierte und erkundete er die Gebiete von Chinesisch-Turkestan (jetzt Xinjiang) und Tibet. Bereits 1902 war er in den Adelsstand erhoben worden, als bis heute letzter Schwede, der nicht Mitglied des Königshauses war. Als Mitglied zweier wissenschaftlicher Akademien hatte Hedin Stimmrecht bei der Wahl von Nobelpreisträgern. Im Jahr 1909 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt, deren Cothenius-Medaille er 1925 erhielt.
Mit seinen Expeditionsaufzeichnungen legte er die Grundlagen für eine genaue Karte Zentralasiens. Durch wissenschaftliche Dokumentationen und populäre Reisebücher mit eigenen Fotografien, Aquarellen und Zeichnungen, durch Abenteuerberichte für junge Leser und Vortragsreisen im Ausland wurde er weltweit bekannt.
Zu den Empfängen, die Hedin erlebte, zählen: 1890 bei König Oskar II. 1890 bei Schah Naser od-Din 1896 bei Zar Nikolaus II. ab 1898 häufig bei Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn 1902 beim Vizekönig von Indien Lord Curzon 1903, 1914, 1917, 1926, 1936 bei Kaiser Wilhelm II. 1906 beim Vizekönig von Indien Elliot-Murray-Kynynmound 1907, 1926, 1933 beim 9. Panchen Lama Thubten Chökyi Nyima (= Taschi Lama) 1908 bei Kaiser Mutsuhito 1910 bei Papst Pius X. 1910 bei Theodore Roosevelt 1915 und später bei Hindenburg 1929 und 1935 bei Chiang Kai-shek 1935, 1939, 1940 (2 ×) bei Adolf Hitler
Politische Einstellung In seiner Eigenschaft als Mitglied der Schwedischen Akademie der Kriegswissenschaften befürwortete Hedin den Bau des Kriegsschiffes Sverige. Er beeinflusste die Borggårdskrise auf Seiten der Konservativen. Im Ersten Weltkrieg stellte er sich in seinen Veröffentlichungen ausdrücklich auf die Seite der deutschen Monarchie und ihrer Kriegsführung. Durch dieses politische Engagement verlor er bei den Kriegsgegnern Deutschlands sein wissenschaftliches Renommee, die Mitgliedschaft in deren geographischen Gesellschaften und gelehrten Vereinigungen sowie jede Unterstützung bei seinen geplanten Expeditionen.
Chinesisch-Schwedische Expedition
Mit finanzieller Unterstützung der Regierungen von Schweden und Deutschland führte er 1927 bis 1935 die internationale und interdisziplinäre Chinesisch-Schwedische Expedition durch, bei der sich 37 Wissenschaftler aus sechs Ländern an der wissenschaftlichen Erforschung der Mongolei und Chinesisch-Turkestans beteiligten. Trotz der chinesischen Gegendemonstrationen gelang es Hedin nach monatelangen Verhandlungen in China, die Expedition durch chinesische Forschungsaufträge und durch die Teilnahme chinesischer Wissenschaftler auch zu einer chinesischen Expedition zu machen und einen Vertrag auszuhandeln, der dieser Expedition, die im Kriegsgebiet mit ihrer Bewaffnung und 300 Kamelen wie eine Invasionsarmee aussah, Reisefreiheit gewährte; die Finanzierung blieb die private Aufgabe von Hedin.
Hedin begab sich 1927 mit 60 Mann Begleitung, 300 Kamelen und 40 Tonnen Gepäck auf seine letzte Forschungsreise. Im Auftrag der deutschen Regierung, getarnt als Finanzierung durch die Luft Hansa,Hans Böhm: Finanzierung der Zentralasienexpedition Hedins: „Strengste Geheimhaltung wird von allen Beteiligten als unerlässlich angesehen“. In: Erdkunde. Bd. 57, H. 1 (2003), S. 40–54. sollte er prüfen, ob eine Flugverbindung zwischen Deutschland und China über die großen Wüstenflächen möglich sei. Während der laufenden Expedition hatte es Hedin wegen seiner angegriffenen Gesundheit, wegen des Bürgerkrieges in Chinesisch-Turkestan und wegen langdauernder Kriegsgefangenschaft sehr schwer, nach der Geldentwertung in der Weltwirtschaftskrise notwendige finanzielle Mittel für die Expedition zu beschaffen, die Logistik für die Versorgung der Expedition im Kriegsgebiet sicherzustellen und den Zugang der Expeditionsteilnehmer zu den zwischen Warlords umkämpften Forschungsgebieten zu erreichen. Die Durchquerung der riesigen Wüste Gobi und der „Todeswüste“ Taklamakan verlangten Mensch und Tier alles ab. Nach acht Jahren blieb Hedin am Ende „Sieger über die Wüste“ und erfüllte sich einen Lebenstraum – er löste das Rätsel um den wandernden See Lop Nor.Chinesisches Kulturzentrum Berlin: Fremde Teufel. ZDF-Dokumentarfilme des Regisseurs Bernd Liebner
mini|In diesem Haus in Stockholm, Norr Mälarstrand 66, bewohnte Sven Hedin ab 1935 mit seinen Angehörigen die oberen drei Stockwerke
Auswertung der Chinesisch-Schwedischen Expedition Nach seiner Rückkehr wohnte Hedin in Stockholm zusammen mit seinen Geschwistern in einer modernen Hochhausanlage. Dort lebte er bis zu seinem Tod.
Die nach Schweden gesandten archäologischen Fundstücke wurden drei Jahre lang wissenschaftlich ausgewertet und danach entsprechend dem Vertrag an China zurückgegeben. Das während der Expedition zusammengetragene wissenschaftliche Material wurde von Hedin und den anderen Expeditionsteilnehmern ab 1937 für die weltweite Ostasienforschung in mehr als 50 Bänden veröffentlicht. Als ihm schließlich das Geld für die Druckkosten ausging, verpfändete er seine große, wertvolle Bibliothek, die mehrere Räume füllte, um die Herausgabe weiterer Bände zu ermöglichen.
1935 stellte er sein exklusives Wissen über Zentralasien nicht nur der schwedischen Regierung, sondern auch den Regierungen in China und Deutschland in Vorträgen und Vier-Augen-Gesprächen mit den politischen Repräsentanten Chiang Kai-shek und Adolf Hitler zur Verfügung. Hedins Nähe zum Nationalsozialismus zerstörte sein Ansehen und führte ihn in eine gesellschaftliche und wissenschaftliche Isolation.
Bei Kriegsende beschlagnahmten Truppen der US Army im deutschen Verlag Justus Perthes in Gotha die Unterlagen für Hedins geplanten Central Asia atlas. Der US Army Map Service bat Hedin anschließend um Mitarbeit und finanzierte den Druck und die Veröffentlichung.
Wenige Wochen vor seinem Tod vermachte Hedin die Rechte an seinen Büchern und seinen Nachlass der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften.
Während die Sven-Hedin-Forschung in Deutschland und Schweden wegen Hedins Verhaltens in der Zeit des Nationalsozialismus jahrzehntelang stagnierte, wurden die wissenschaftlichen Dokumentationen seiner Expeditionen von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (Chinese Academy of Social Sciences) in die chinesische Sprache übersetzt und dann in der chinesischen Forschung aufgearbeitet und erschlossen. Gemäß den Empfehlungen, die Hedin der chinesischen Regierung 1935 gegeben hatte, wurden auf den von ihm ausgewählten Wegstrecken Straßen und Eisenbahnlinien gebaut, Staudämme und Kanäle zur Bewässerung der neuen Farmen im Tarim- und Yanji-Becken angelegt sowie die von der Chinesisch-Schwedischen Expedition gefundenen Lagerstätten von Erzen, Eisen, Mangan, Öl, Kohle und Gold für die Förderung erschlossen.
Zu den Entdeckungen der Chinesisch-Schwedischen Expedition gehörten auch viele bis dahin unbekannte asiatische Pflanzen und Tiere sowie Fossilien von Dinosauriern und ausgestorbenen Horntieren. Sie alle wurden nach Hedin benannt; ihre Namen wurden mit dem Zusatz hedini versehen. Den Chinesen blieb bei ihren Forschungen bis zur Jahrtausendwende verborgen, dass Hedin in den Jahren 1933 und 1934 in der Wüste Lop Nor Ruinen von Signaltürmen entdeckte, die belegen, dass die Chinesische Mauer einst bis nach Xinjiang gereicht hatte.
Leben Prägendes Kindheitserlebnis mini|Stockholm am 24. April 1880
Mit 15 Jahren erlebte Hedin die triumphale Rückkehr des schwedischen Polarforschers Adolf Erik Nordenskiöld nach der erstmaligen Befahrung der Nordostpassage. Er beschreibt das in seinem Buch Mein Leben als Entdecker folgendermaßen:
Erste Reise nach Persien mini|Sven Hedin (um 1900)
Im Mai 1885 machte Hedin sein Abitur an der Beskowschen Schule (Beskowska skolan) in Stockholm. Danach nahm er das Angebot an, den Schüler Erhard Sandgren als Hauslehrer nach Baku zu begleiten, wo dessen Vater als Ingenieur auf dem Erdölfeld von Robert Nobel arbeitete. Anschließend nahm er im Sommer 1885 einen Monat lang an einem Kurs in Topographie für Generalstabsoffiziere und einige Wochen lang am Unterricht im Porträtzeichnen teil, was seine einzige Ausbildung in Topographie und Zeichnen blieb.
Am 15. August 1885 reiste er mit Erhard Sandgren nach Baku. Er unterrichtete ihn dort sieben Monate lang und begann in dieser Zeit, Latein, Französisch, Deutsch, Persisch, Russisch, Englisch und Tatarisch zu lernen. In späterer Zeit erlernte er einige persische Dialekte sowie Türkisch, Kirgisisch, Mongolisch, Tibetisch und etwas Chinesisch.
Am 6. April 1886 verließ Hedin Baku und fuhr mit dem Raddampfer über das Kaspische Meer und ritt durch das Elburs-Gebirge nach Teheran, Isfahan, Schiras und zur Hafenstadt Buschehr. Von dort fuhr er mit dem Schiff den Tigris aufwärts bis Bagdad, kehrte über Kermānschāh nach Teheran zurück und reiste durch den Kaukasus über das Schwarze Meer nach Konstantinopel und von dort aus heim nach Schweden, wo er am 18. September 1886 eintraf. Über diese Reise veröffentlichte er 1887 das Buch Durch Persien, Mesopotamien und Kaukasien.
Studium Hedin studierte bei dem Geologen Waldemar Christofer Brøgger in Stockholm und in Uppsala von 1886 bis 1888 Geologie, Mineralogie, Zoologie und Latein. Im Dezember 1888 wurde er Kandidat der Philosophie. Vom Oktober 1889 bis zum März 1890 studierte er in Berlin bei Ferdinand Freiherr von Richthofen.
Zweite Reise nach Persien