ANNO – AustriaN Newspapers Online ist ein Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek zur Retrodigitalisierung von österreichischen historischen Zeitungen und Zeitschriften. Das Projekt ging im August 2003 mit 15 Zeitungen online, im Februar 2015 waren auf der Website des Projekts über eine Million Ausgaben von 636 Zeitungen und Zeitschriften kostenlos und im Volltext les- und downloadbar. Die ältesten Ausgaben stammen aus dem Jahr 1568, bis auf wenige Ausnahmen müssen die angebotenen Ausgaben aus urheberrechtlichen Gründen mindestens 70 Jahre alt sein.

Ziel des Projekts ist in erster Linie die verbesserte Zugänglichkeit der digitalisierten Zeitungen und Zeitschriften, aber auch die Schonung der Originale, die nach der Digitalisierung nur noch in Sonderfällen von Bibliotheksbesuchern benützt werden. Im Rahmen von ANNO werden nicht einzelne wertvolle oder von Benutzern nachgefragte Objekte retrodigitalisert; wie an den Zahlen erkennbar, handelt es sich um eines der Massendigitalisierungsprojekte der Österreichischen Nationalbibliothek.

Die Scans werden zum größten Teil von einem Dienstleister angefertigt und von der Nationalbibliothek geprüft, weiterverarbeitet und online gestellt. Im Lauf des Projekts wurde damit begonnen, die Bilddateien mittels Texterkennungsprogrammen in Fließtexte umzuwandeln. Bis jetzt sind rund 8 Millionen der über 14 Millionen Zeitungs- und Zeitschriftenseiten aus den Zeiträumen von 1689 bis 1918 und 1938 bis 1944 nicht nur als Bilddatei, sondern auch als durchsuchbare Textdatei abrufbar. Der schrittweise Ausbau der Volltextsuche war bis Ende 2015 geplant, ab dann sollten alle vorhandenen Scans OCR-gelesen und alle neuen Zeitungen und Zeitschriften sofort durchsuchbar sein.

Benutzung Die online gestellten Zeitungen und Zeitschriften sind auf der ANNO-Website über verschiedene Sucheinstiege abrufbar. Kennt man einen gewünschten Titel mit Namen, kann er über eine alphabetisch geordnete Liste gefunden werden. Eine zweite Möglichkeit ist es, über einen Kalender einen gewünschten Tag aufzurufen, unter dem dann sämtliche von diesem Tag verfügbaren Zeitungen angezeigt werden. Die Zeitschriften werden nach der Auswahl eines Jahres unterhalb des Kalenders aufgelistet. Seit 2013 werden die Zeitschriften und Zeitungen für das Finden relevanter Titel auch mit Schlagwörtern aus der Gemeinsamen Normdatei versehen.Christa Müller: Alter Wein in neuen Schläuchen. Der aktuelle Stand der Zeitungsdigitalisierung, ein Zwischenbericht, 2013, S. 152. So können innerhalb der „thematischen Suche“ beispielsweise Titel zu den Themenbereichen „Feuerwehr“, „Architektur“ oder „Landwirtschaft“ gefunden werden. Über die „Volltextsuche“ ist ein Teil des Bestands (mit einem Erscheinungsjahr zwischen 1689 und 1918 sowie zwischen 1938 und 1944) auch textlich durchsuchbar, wobei allerdings die Qualität der Texte sehr unterschiedlich ist. Dieser Umstand ist auf den aktuellen Entwicklungsstand der Texterkennungssoftware für ältere Drucke sowie auf die oft sehr schlechte Druckqualität älterer Zeitungen zurückzuführen. Die Zeitungen und Zeitschriften, die im OCR-gelesenen Volltext vorliegen, können auch über den digitalen Lesesaal der Nationalbibliothek durchsucht werden. Bei einigen Titeln ist auch das Inhaltsverzeichnis textlich erfasst, in solchen Fällen sind auch einzelne Artikel und deren Autoren suchbar. Neben der Suche nach Titeln, nach Datum und der Volltextsuche, kann auch nach Erscheinungsorten und Sprachen gesucht werden. Für die Suche nach Erscheinungsorten steht zusätzlich eine interaktive Weltkarte zur Verfügung.

Die angebotenen Bestände sind nicht nur online einsehbar, auch Downloads der hochauflösenden Bilddateien im Dateiformat JPEG sind möglich. Ganze Ausgaben können als PDF-Dateien heruntergeladen werden, wobei der Seitenbereich gewählt werden kann. Darüber hinaus lässt sich der (reine) Text einer angezeigten Seite abrufen.

Verwertung – Copyright Die Österreichische Nationalbibliothek hält auf ihren Webseiten Inhalte bzw. Digitalisate von ihren Beständen online abrufbar. An diesen Inhalten macht die Österreichische Nationalbibliothek kein eigenes urheberrechtliches Verwertungsrecht geltend. Sie erklärt sich insofern auch mit einer Nachnutzung dieser Inhalte in der abrufbaren Webauflösung ausdrücklich einverstanden. Dies gilt auch für die Verwendung dieser Inhalte in Online-Foren, Blogs und in Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram, Pinterest etc. Die Inhalte dürfen deshalb auch in der Wikipedia verwendet werden. Ausgenommen sind Scans, die vom Kooperationspartner Google erstellt wurden. Dort gilt diese Zustimmung zur Nachnutzung mit der Einschränkung, dass die Scans nur zu nicht kommerziellen Zwecken genutzt werden dürfen, was der Lizenz CC-BY-SA widerspricht.Nutzung, ÖNB. Abgerufen am 24. Juli 2020.

Bestand Im Jahr 2013 waren über 500 verschiedene Zeitungs- und Zeitschriftentitel online, von denen insgesamt über 500.000 Ausgaben vorhanden waren.Christa Müller: Alter Wein in neuen Schläuchen. Der aktuelle Stand der Zeitungsdigitalisierung, ein Zwischenbericht, 2013, S. 150. Der Bestand wurde seither allerdings laufend erweitert. Am Ende des Startjahres 2003 waren es 15 verschiedene Titel mit über 49.000 Ausgaben und 700.000 Seiten., S. 9 und , S. 24, beide abgerufen am 8. Juli 2014.

Gemäß dem Sammelauftrag und den strategischen Zielen der Österreichischen Nationalbibliothek sind solche Zeitungen und Zeitschriften online, die in den heutigen und ehemaligen Grenzen Österreichs erschienen sind. Vorrangig werden Titel digitalisiert, deren Druckausgabe sich in einem schlechten physischen Zustand befindet (Einband oder Papier) und von denen noch keine oder nur eine qualitativ schlechte Mikrofilmausgabe hergestellt wurde. Sobald die digitale Ausgabe online geht, werden die Druckausgaben für die Benützung gesperrt und in separaten Magazinen aufbewahrt. Weiters Vorrang haben Titel, deren Druckausgabe häufig benutzt wird und Titel, für deren Digitalisierung Kooperationspartner gefunden werden.Christa Müller: ANNO – AustriaN Newspapers Online. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online. Eine Digitalisierungsinitiative der Österreichischen Nationalbibliothek, 2005, S. 145 f. Die Erscheinungsjahre der angebotenen Titel sind aus urheberrechtlichen Gründen auf die Zeit bis vor jeweils 70 Jahren begrenzt. So wurden die Ausgaben des Jahres 1942 für die Leser im Jahr 2013 hinzugefügt, der Jahrgang 1943 im Jahr 2014 usw.Helmut Spudich: Second Life für alte Zeitungen. In: Der Standard, 14. Oktober 2009, im Online-Archiv abgerufen am 4. Juli 2014. Ausnahmen bilden Titel, für die eigene Zusatzabkommen mit den Rechtsnachfolgern oder den aktuellen Rechteinhabern abgeschlossen werden.Christa Müller: ANNO – AustriaN Newspapers Online. Eine Zeitungs-Massendigitalisierungs-Initiative der Österreichischen Nationalbibliothek. Warum Bibliotheken digitalisieren, 2008, S. 545. Insgesamt bietet ANNO im Jahr 2014 Ausgaben in 12 verschiedenen Sprachen an. Im OCR-gelesenen Volltext zur Verfügung stehen 2014 rund 3 Millionen der angebotenen Zeitungsseiten.

Die umfangreichsten Titel waren 2013 die Wiener Zeitung mit mehr als einer Million Seiten, darauf folgten die Neue Freie Presse mit über 600.000, das Prager Tagblatt mit über 400.000, die Innsbrucker Nachrichten mit über 300.000 und die Linzer Tages-Post mit rund 250.000 Seiten.Christa Müller: Alter Wein in neuen Schläuchen. Der aktuelle Stand der Zeitungsdigitalisierung, ein Zwischenbericht, 2013, S. 150. Spitzenreiter unter den Tagen ist seit 2013 der 15. Juli 1916, für den 68 verschiedene Zeitungsausgaben einsehbar sind.Christa Müller: Alter Wein in neuen Schläuchen. Der aktuelle Stand der Zeitungsdigitalisierung, ein Zwischenbericht, 2013, S. 150. Der älteste Titel im digitalen Bestand ist die Fuggerzeitung, die handschriftlich ab 1568 erschien. Im Jahr 2005 kam mit der Zeitschrift „Zeitgeschichte“ erstmals eine rezente österreichische Fachzeitschrift in den digitalen Bestand., S. 27, abgerufen am 8. Juli 2014.

Vor dem Hochladen werden die Scans von der Nationalbibliothek einer Qualitätskontrolle unterzogen. Trotzdem kann es zu Mängeln und Fehlern kommen, beispielsweise dann, wenn die gedruckten Originale mangelhaft oder unvollständig sind.

Zugriffe 270px|mini|Die jährlichen Zugriffe auf ANNO in Millionen (die Messverfahren für die Zugriffsstatistik der ÖNB wurden in den Jahren 2007 und 2012 abgeändert), abgerufen am 8. Juli 2014. Wurde ANNO im ersten Jahr (2003) von durchschnittlich 250 Lesern pro Tag besucht,Christa Müller: ANNO – AustriaN Newspapers Online. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online. Eine Digitalisierungsinitiative der Österreichischen Nationalbibliothek, 2005, S. 146. so waren es 2014 bereits rund 2.500. Davon blieben 25 % länger als eine halbe Stunde, 10 % sogar länger als eine volle Stunde. Die übrigen 65 % sahen in kürzerer Zeit etwas nach. Die Aufrufe eines einzigen Tages kommen über 6400 Aushebungen in einem Bibliotheksmagazin gleich, einer Zahl an Aushebungen, die von einer physischen Bibliothek kaum bewältigbar ist.

Organisation und Verwaltung Die für das Projekt ANNO zuständigen Mitarbeiter der Nationalbibliothek gehören der Abteilung „Digitale Services“ innerhalb der Hauptabteilung „Digitale Bibliothek“ an. Finanziert wird ANNO zum größten Teil aus dem Haushalt der Nationalbibliothek.

Wie die anderen Digitalisierungsaktivitäten der Österreichischen Nationalbibliothek folgt auch ANNO der im Rahmen des i2010-Programms durch die EU geförderten Idee einer Informationsgesellschaft für alle und zur Demokratisierung des Wissens., S. 24, abgerufen am 7. Juli 2014.

Kooperierende Bibliotheken Im Zuge des Projekts werden sämtliche Ausgaben bestimmter Zeitungen und Zeitschriften gescannt und online gestellt. Sofern die Nationalbibliothek nicht selbst vollständig über alle Ausgaben verfügt, werden die fehlenden Exemplare von einer der zahlreichen kooperierenden Bibliotheken zur Verfügung gestellt. Die angewendeten technischen Methoden lassen es dabei zu, Lücken auch erst im Nachhinein aufzufüllen. Die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern ermöglicht es erstmals, auch eine Gesamtschau von Zeitungen und Zeitschriften zugänglich zu machen, deren Druckausgaben an verschiedenen Orten verteilt und an keiner Bibliothek vollständig vorliegen.Christa Müller: ANNO – AustriaN Newspapers Online. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online. Eine Digitalisierungsinitiative der Österreichischen Nationalbibliothek, 2005, S. 142; Christa Müller: ANNO – AustriaN Newspapers Online. Eine Zeitungs-Massendigitalisierungs-Initiative der Österreichischen Nationalbibliothek. Warum Bibliotheken digitalisieren, 2008, S. 543.

Schonung der gedruckten Originale