Fulfulde (auch Ful; , ) gehört zum atlantischen (auch „westatlantischen“) Zweig der Niger-Kongo-Sprachen. Der östliche Dialekt der Sprache wird Ful oder Fulfulde genannt, der westliche Dialekt oft Pulaar (oder Poular).
Eine relativ nah verwandte Sprache ist das Wolof.
Verbreitung Ful wird in einem langen Band durch den Sahel und die Savanne vom Senegal und Guinea bis in den Sudan gesprochen. Größere Gebiete, in denen Ful gesprochen wird, sind das Futa Jalon, das Fouta Toro, die Massina im Niger-Binnendelta um Djenné sowie Nordnigeria, Südniger und vor allem Nordkamerun (Hochland von Adamaua), wo es auch zur interethnischen Kommunikation dient. Das Ful gehört neben dem Hausa zu den weitestverbreiteten Sprachen (West-)Afrikas und ist eine wichtige Verkehrssprache, die in Westafrika, wie auch unter afrikanischen Flüchtlingen in Europa, teilweise als Lingua franca fungiert.Heike Niedrig: Bildungsinstitutionen im Spiegel der sprachlichen Ressourcen von afrikanischen Flüchtlingsjugendlichen. 2002, S. 7 f. Auf Themenpool-Migration.eu (PDF; 467 KB), abgerufen am 6. Februar 2019. Ful wird von etwa 7300 Personen in kleinen Gruppen im Norden Ghanas gesprochen.Fulfulde, Maasina: A language of Mali. In: Ethnologue – Languages. Auf Ethnologue.com, abgerufen am 6. Februar 2019. Die bedeutendste Fulfulde-Poetin ist Nana Asma’u (1793 bis 1864).
Das Ful wird in mehreren Staaten der Sahara und des Sahel gesprochen von: den Bororo, Plural: Wororbe, die bis heute nur wenig islamisiert sind, einen recht ursprünglichen Rindernomadismus betreiben und in Mali und Niger anzutreffen sind. den Tukulor (Toucouleurs) in Mauretanien und Senegal. den sogenannten Haus-Fulbe, die mit Usman dan Fodio die Stadtstaaten Nordnigerias erobert haben, einem strengen Islam anhängen und heute immer mehr in den Hausa aufgehen. der Bevölkerung Nordkameruns, die ein grammatisch vereinfachtes Fulfulde als Lingua franca gebrauchen, jedoch ihre ethnische Identität meist bewahrt haben.
In Sierra Leone sprechen (Stand 2015) knapp 173.000 Menschen Fullah als Hauptsprache.Sierra Leone 2015 Population and Housing Census national analytical report. Statistics Sierra Leone, Oktober 2017, S. 89ff.
Herkunft
In Afrika hat sich die Sprache anscheinend vom Pulaar (Mauretanien, Senegal) aus verbreitet, welches die größte Komplexität aufweist, und sich von dort aus nach Mali, Niger und Tschad ausgebreitet, sowie zum Futa-Dyalon. Dort sind Vereinfachungen entstanden, die sich dann nach Togo, Nord-Nigeria und Kamerun fortgepflanzt haben.
Das Pulaar vertritt auch die Sprache weitestgehend; in ihm gibt es, im Gegensatz zu fast allen anderen Dialekten, durch die Träger der Sprache selbst erstellte Wörterbücher,Mamadou Niang: Pulaar-English / English-Pulaar Standard Dictionary. eine Koran-Übersetzung,Oumar Bā: Le Coran. auch Foren, eine Wikipedia, Übersetzungen technischer Begriffe (zum Beispiel Firefox), Untersuchungen der SpracheYero Sylla: Grammatical Relations and Fula Syntax. 1979. sowie Erfassung und Versuche der Reinhaltung von Fremdwörtern usw.
Dialekte Die folgende Übersicht ordnet die Dialektgruppen des Fulfulde und gibt ihre Sprecherzahlen und Verbreitungsgebiete an.
Die Dialekte des Fulfulde:
Ful Fula, Fulfulde, Fulani, Pulaar, Peul (18 Millionen Muttersprachler, 22 Millionen mit Zweitsprechern.)
Ost-Fulfulde Zentral-Ost-Niger-Fulfulde (500.000) West-Niger-Burkina-Faso-Fulfulde (1,2 Millionen); Dialekte: Barani, Gawobe, Gourmantche, Jelgooij, Liptaako, Bogande, Gelaajo, Seeba-Yaga, Dallol-Boso, Bitinkore Nigeria-Fulfulde (8 Millionen); Dialekte: Kano-Katsina, Bororo, Sokoto und andere Adamaua-Fulfulde (Kamerun) (1 Million); Dialekte: Maroua, Garoua, Ngaonder, Kanmbarire, Bilkiri und andere Bagirmi-Fulfulde (Tschad) (200.000)
West-Fulfulde Borgu (Benin-Togo) (350.000) Maasina-Fulfulde (Mali) (1 Million); Dialekte: Maasina, Douenza, Seeno und andere Fuuta Jalon (Guinea, Mali) (3 Millionen); Dialekte: Kebu Fula, Fula Peta Pulaar (Senegal, Mauretanien, Gambia) (3 Millionen); Dialekte: Tukulor (ethnisch Wolof), Futa Tooro = Jeeri, Fulacunda
Schriftzeichen Arabische Schrift Fulfulde wurde vor der Kolonisation von vielen Gelehrten und Gelehrten auch in der arabischen Schrift oder Ajami geschrieben, darunter von Usman dan Fodio und den frühen Emiren der nordnigerianischen Emirate.
Lateinische Schriftzeichen Es gibt: Aa, Bb, Ɓɓ, mb, Cc (wie tch aussprechen), Dd, Ɗɗ, nd, Ee, Ff, Gg, Ɠɠ oder ɲ (wie gn mit weichem g), Hh, ʔˀ oder ɦ, Ii, Jj (dsch), Kk, Ll, Mm, Nn, Ŋŋ (ng mit weichem g), Ññ oder ny (wie nh in senhor), ɲ (gñ weich ineinander übergehend), Oo, Pp, Qq, Rr, Ss, Tt, Uu, Vv, Ww, Xx (wie ch in Bach, kratzend), Yy (wie dt. j), Ƴƴ, Zz. Manche davon sind inoffiziell, lokal oder akademisch. ɓ, ɗ, ƴ erhält man, wenn man m, n, d anhaltend spricht und dabei den hinteren Teil der Zunge an den oberen Gaumen und nach hinten zurückzieht; sonstige etwa in qibla (Gebetsrichtung), taariixa (Geschichte), ɲ̩awnde (krank) oder ɲiiƴe (Zahn). Selbstlaute können lang sein, Selbst- und Mitlaute sind immer abwechselnd, alle Worte fangen mit einem Mitlaut an.
Fulfulde-AlphabetABMbƁCDNdƊEFGƓNgHIJNjKLMNŊƝOPRSTUWYƳ'Kleinbuchstabenabmbɓcdndɗefgɠnghijnjklmnŋɲoprstuwyƴ'Phonetischer Wert~~~~~~~
ADLaM
In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es erfolglose Versuche, eine eigenständige Schrift zu entwickeln, um Fulfulde zu schreiben. In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren schufen die beiden Teenager-Brüder Ibrahima und Abdoulaye Barry aus der Region Nzérékoré in Guinea das Adlam-Skript, das alle Klänge von Fulfulde genau wiedergibt. Die Schrift wird von rechts nach links geschrieben und enthält 28 Buchstaben mit 5 Vokalen und 23 Konsonanten.The Alphabet That Will Save a People From Disappearing, Kaveh Waddell, 16. November 2016, The Atlantic
Das Unicode-Konsortium fügte ADLaM im Juni 2016 dem Unicode-Zeichensatz hinzu.
Sprachstruktur Das Ful gehört zu den Sprachen mit Nominalklassensystem, wobei es über 24 Nominalklassen verfügt. Die interessanteste Nominalklasse ist die Personenklasse, die die Suffixe -’o, Plural: -e aufweist, die in der ganzen Sprachfamilie verbreitet ist und ihr Äquivalent in Bantu mu-, Plural: ba- hat und in der Form muntu, Plural: bantu „Mann“, „Männer“ dem ganzen Bantu-Sprachzweig seinen Namen gab (bekannt ist dieses Präfix zum Beispiel im Namen Watussi, eigentlich eine Pluralform von Tutsi).
Darüber hinaus verfügt das Ful, ähnlich dem in keiner Weise verwandten Keltischen, über sogenannte Anlautmutationen (wie auch andere atlantische Sprachen). Typisch für das Fulfulde sind auch sogenannte Implosiv-Laute.
Grammatik Verben Die meisten Verben kann man aktiv (-u- oder <-Ø->), passiv (-ee-), und manche auch selbstbezogen oder ohne Objekt (-aa-) benutzen. Dabei ist zu unterscheiden, ob der Vorfall schon abgeschlossen ist (Ereignis oder Eigenschaft: -i oder -u, -ii oder -e, -aa), oder nicht (momentan, künftig, möglich: -a, -o, -e):
jangude lernen: Mi jangi/janga Ich lerne im Allgemeinen/gerade danade schlafen: O danii/dano Er schlief/schläft jeyede gehören: Ɗum jeya/jeye . Das gehört ..
Vergangenheit: Anhängen von: <nichts>, -ke, -ma an abgeschlossene Form: O daniike er schlief
Zukunft: letzten Selbstlaut verdoppeln mit -t- dazwischen: Mi danoto Ich schlafe (demnächst)
Verneinung: in fertige Form -aak-/-aan- (bzw. -aat, falls danach kein Buchstabe mehr kommt) für Zustand/Eigenschaft nach dem letzten Mitlaut einschieben, optional vorherigen Selbstlaut zu a wechseln: Mi jangaani Ich lerne nichts; Mi danotaako / danataano Ich werde nicht/nie schlafen . Falls dem Verb ein ni/no wegen Un-/Beendetheit des Ablaufs nachgestellt ist (s. u.), kann dies in die Verneinung eingeschoben werden, also -aanok-
Zur zusätzlichen Verstärkung oder Erklärung der Vergangenheit kann noch no, falls vollendet ma oder no ma, der Gegenwart ɗoni, (wo)ni oder (wo)na, enfatisch dann noch he mit angehängtem Pronom, eingeschoben oder hinzugefügt, der Zukunft ma verwendet werden; bei Verneinungen aber selten sinnvoll: Mi jangi no Ich habe gelernt ; Mi horii ma hebde mbuddi Ich hatte keinen Erfolg Geld zu kriegen ; Mi daniinoke ich habe geschlafen ; Mi danaakiino Ich hatte nicht geschlafen ; Mi danotaakino Ich werde nicht geschlafen haben ; Ma mi dano ich werde schlafen.
Konjunktiv, Konditional: Sätze der Art „Falls … wäre/hätte, (dann) würde …“ meist mit Ti/Si „falls“ (-i oft durch folgendes Pronom oder -o ersetzt), sowie kere / han(ti) „dann“, also: So … (no), (kere) … (no), wobei die Zeiten wie im Indikativ erfolgen, soweit nicht näher bestimmt : So mi dañi no (ma) mbuddi, (han) mi soodi (no) comci/tamseere Wenn ich Geld (gehabt) hätte, würde ich Wäsche/Brot kaufen (gekauft haben)
Bei aufeinanderfolgenden Verben steht das zweite im Infinitiv oder Konjunktiv, also Mi yiddi yahude Ich will gehen, Omo yiddi en yaha Er will (dass) wir gehen, Mi yahi Ich gehe, Miɗo (wo)ni yaha Ich gehe/laufe gerade . „… dass …“ wird mit yo, ngela oder Hinzufügung des Pronoms bei beiden Verben oder persönlichen Infinitiv gebildet: Omo yiɗdi (yo/ngela) enen dilli Er will (dass) wir weggehen, wird aber selten gebraucht.
Arten der Objekte und Subjekte Die Sachen sind vertikal in etwa 25 Klassen unterteilt. In welche Klasse etwas fällt, hängt oft von seiner Art ab. Es gibt Klassen für Einzahl, Mehrzahl, jeweils für normale Sachen oder für Personen, außer für die normale Größe auch ihr zugeordnete für Verkleinerung, Vergrößerung. Die Klassen sind o (Personen Einzahl), be (Personen Mehrzahl), ngal (Sachen) und andere. Jede Klasse hat für ihre Sachen eine von 3 möglichen Anlautstufen, mit der ihre Sachen anfangen, weich, hart oder nasal; die ihr zugeordneten Klassen für Mehrzahl usw. ebenfalls, meist von jener unterschiedlich; ferner hat jede Klasse horizontal 4 Suffixstufen, wobei alle Sachen gemäß ihrer Endung in eine fallen, die sich aber bei Mehrzahl usw. nicht ändert. Außerdem gehört zu jeder Einzahl-Klasse eine bestimmte Klasse für Mehrzahl, Verkleinerung oder Vergrößerung.
Eine Klasse ist etwa die nde-Klasse, Einzahl Sachen, mit der Anlautstufe 1 oder weich oder y-, mit den Endungen re-, re-, de-, nde- der 1. bis 4. Suffixstufe des Endlauts; die ngel-Klasse, kleine Sachen, Anlautstufe 2 also hart also ge-, mit den Endungen -el, -yel, -gel, -ngel in der 1. bis 4. Suffixstufe; die ngal-Klasse, große Sachen, Anlautstufe 2 hart nämlich ga-, mit den Endungen -al, -wal, -gal, ngal der 1. bis 4. Suffixstufe am Ende ; und die kon-Klasse, Mehrzahl kleine Sachen oder Personen, Anlautstufe 3 oder nasal nämlich nkon-, mit den Endungen -on, -hon, -kon, -kon . Jede Klasse hat dann ihre eigenen Pronomen etwa für Subjekt, direktes und indirektes Objekt, und andere ; etwa für die erstgenannte nde-Klasse : nde der/die/das, ndeya jener, der andere, ndeng genau dieser, kayre der-welcher, maare sein . Die -nde Einzahl-Klasse hat als ihre Mehrzahlklasse -de, als ihre Vergrößerung die -ngal – Klasse, als ihre Verkleinerungsklasse -ngel, und für die Mehrzahl der Verkleinerung -kon. Daraus ergibt sich für jedes ihrer Worte, dessen Mehrzahl, Vergrößerung, Verkleinerung, Mehrzahl Verkleinerung.