mini|hochkant=1.2|Caterina dé Medici, François Clouet zugeschriebene Miniatur, um 1555 (Victoria & Albert Museum, London) rahmenlos|zentriert|80px|klasse=skin-invert-image

Caterina Maria Romula de’ Medici (, , * 13. April 1519 in Florenz; † 5. Januar 1589 in Blois) war Prinzessin von Urbino sowie aus eigenem Recht souveräne Gräfin der Auvergne und entstammte der einflussreichen florentinischen Familie der Medici. Durch Heirat mit Heinrich II. war sie ab 1547 Königin von Frankreich, nach dem Tod ihres Mannes Regentin für ihre minderjährigen Söhne. Im Zusammenhang mit der Hochzeit ihrer Tochter Margarete von Valois mit dem Bourbonen Heinrich von Navarra (später Heinrich IV. von Frankreich) ist die Bartholomäusnacht zu sehen, der Auftakt zur erneuten Hugenottenverfolgung in Frankreich.

Familie Katharina von Medici entstammte der Familie der Medici, die Florenz von 1434 bis 1737 bis auf zwei Unterbrechungen in den Jahren 1494–1512 und 1527–1530 beherrschte. Sie wurde als Tochter von Lorenzo di Piero de’ Medici (1492–1519) und der Bourbonin Madeleine de la Tour d’Auvergne (1495–1519) am 13. April 1519 in Florenz geboren. Die Ehe zwischen der französischen Hochadeligen und dem Abkömmling einer italienischen Familie, die von vielen in Frankreich lediglich als reiche Kaufmannsfamilie angesehen wurde, aber nicht zum europäischen Hochadel zählte, war auf Betreiben des französischen Königs Franz I. und des der Medici-Familie angehörenden Papstes Leo X., eines Onkels von Lorenzo di Piero, zustande gekommen. Franz I. beanspruchte mehrere italienische Fürstentümer, darunter das Herzogtum Mailand, benötigte aber einen starken Verbündeten, um diese Ansprüche durchsetzen zu können. Die Ehe sollte die Allianz mit dem Papst festigen.

Kindheit Die Verwandte des Papstes mini|Porträt des Papstes Leo X., alias Giovanni de’ Medici, mit den Kardinälen Giulio de’ Medici, dem späteren Clemens VII., und Luigi de’ Rossi, Gemälde von Raffael, entstanden 1518–1519 (heute in den Uffizien, Florenz)

Katharina wurde als einzige Tochter von Herzog Lorenzo von Urbino aus der Familie der Medici und seiner Frau Madeleine de la Tour d’Auvergne am 13. April 1519 im Palast der Medici in Florenz geboren. Katharinas Mutter starb am 28. April 1519 an den Folgen der schweren Entbindung. Katharinas Vater, der wahrscheinlich an Syphilis und Tuberkulose litt, erlag am 4. Mai 1519 einer schweren Erkrankung. Nach seinem Tod übernahm Katharinas Großonkel, Papst Leo X., die Vormundschaft über sie.

Franz I. von Frankreich wünschte, dass die Waise – dank ihrer Mutter eine sehr wohlhabende Erbin und mit dem französischen Adel qua Herkunft verbunden – am französischen Königshof aufwachsen sollte. Leo X. folgte diesem Wunsch jedoch nicht, sondern ließ sie als Kleinkind von Florenz nach Rom bringen, ernannte sie zur Herzogin von Urbino und plante, sie später mit dem Sohn seines gleichfalls früh verstorbenen Bruders Giuliano de’ Medici, Ippolito de’ Medici, zu verheiraten. Leo X. starb jedoch am 1. Dezember 1521. Danach wurde überraschend der Niederländer Adriaan Floriszoon als Hadrian VI. zum neuen Papst gewählt. Kardinal Giulio de’ Medici, ein Cousin des verstorbenen Medici-Papstes, der bis zu diesem Zeitpunkt großen Einfluss an der römischen Kurie hatte und sich Chancen auf die Papstnachfolge ausgerechnet hatte, zog sich daraufhin nach Florenz zurück. Katharina von Medici wurde in seinem Gefolge in ihre Geburtsstadt zurückgebracht.

Papst Hadrian VI. starb nach nur zweijähriger Amtszeit, und am 19. November 1523, knapp zwei Monate nach Hadrians Tod, wurde Giulio de’ Medici zum Papst gewählt. Als Papst Clemens VII. regierte er bis 1534. Katharina war damit nicht nur aufgrund des Erbes ihrer Mutter eines der reichsten jungen Mädchen Europas, sondern aufgrund ihrer Verwandtschaft mit dem Papst, der ein Sohn des Bruders ihres Urgroßvaters war, auch eine interessante Heiratskandidatin für die Nachkommen europäischer Fürstenhöfe. Clemens VII. ließ sie in einem der Medici-Paläste in Florenz unter Obhut ihrer Tante Clarice Strozzi aufziehen.

Geisel der Stadt Florenz 1526 ging Clemens VII. ein Bündnis mit Frankreich, Venedig, Florenz und England ein, um den Einfluss von Karl V., des zukünftigen Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, in Italien zu begrenzen. In den folgenden militärischen Auseinandersetzungen unterlagen die Truppen des Bündnisses. Am 6. Mai 1527 fielen kaiserliche Truppen in Rom ein, plünderten die Stadt (Sacco di Roma) und belagerten die Engelsburg, die dem Papst als Zuflucht diente.

Die Niederlage, die Clemens VII. in Rom erlitt, führte zu Unruhen in Florenz und zu einem republikanischen Zwischenspiel in der Stadt, die bislang unter Einfluss der Familie Medici gestanden hatte. Die achtjährige Katharina de Medici, nun eine wertvolle Geisel der Republik Florenz, wurde zuerst im Konvent Santa Lucia und anschließend im Konvent Santa Caterina da Siena gefangen gehalten. Auf Intervention des französischen Botschafters, der ihre Lebensumstände im Konvent Santa Caterina da Siena als unwürdig empfand, wurde Katharina am 7. Dezember 1527 in den vornehmen Konvent Santa Maria Annunziata delle Murate gebracht. In diesem Kloster, das ein Rückzugsort für verwitwete wohlhabende adlige Damen war, wurden auch junge Mädchen aus adeligen Häusern erzogen. Der Konvent war in der Vergangenheit von der Medici-Familie finanziell unterstützt worden, die Äbtissin war Katharinas Taufpatin. Das Mädchen wurde freundlich aufgenommen und bekam eine große komfortabel eingerichtete Klosterzelle zugewiesen. Sie lebte dort drei Jahre. Ihre Biografin Leonie Frieda führt ihre guten Umgangsformen, ihr sicheres und einnehmendes Auftreten und ihre Vertrautheit mit den Riten und Traditionen der katholischen Kirche auf diese Jahre zurück. Katharina von Medici lernte Griechisch, Latein und Französisch und interessierte sich für Mathematik.

Am 29. Juni 1529 unterzeichneten Clemens VII. und Karl V. einen Friedensvertrag. Clemens versprach Karl V. die Krönung zum Kaiser. Karl V. wollte Clemens im Gegenzug unterstützen, die Medici in Florenz wieder als Herrscher einzusetzen. Clemens’ illegitimer Sohn Alessandro de’ Medici sollte außerdem mit Karls illegitimer Tochter Margarethe von Parma verheiratet werden. Bereits im Oktober 1529 begann die Belagerung der Stadt Florenz durch kaiserliche Truppen. Während Pest und Hungersnot in der belagerten Stadt Opfer forderten, wurde innerhalb der florentinischen Regierung diskutiert, was mit der nun elfjährigen Katharina geschehen solle. Zu den ernsthaft diskutierten Vorschlägen gehörte es, sie nackt in einem Korb von den Stadtmauern herabzulassen, damit sie im Kanonenfeuer der kaiserlichen Truppen umkomme. Erwogen wurde auch, sie als Prostituierte in einem der Bordelle arbeiten zu lassen, um damit alle weiteren Heiratspläne zunichtezumachen, die Clemens VII. für sie hegen könnte. Entschieden wurde jedoch lediglich, sie wieder im Konvent Santa Lucia unterzubringen, wo man sie sicher verwahrt glaubte. Als eine kleine republikanische Truppe am 20. Juli 1530 kam, um Katharina aus dem Konvent Maria Annunziata delle Murate abzuholen, war das junge Mädchen überzeugt, dass man sie zu ihrer Exekution führen wollte. In Vorbereitung darauf hatte sie sich die Haare geschoren und ein Nonnengewand angelegt. Auf einem Esel reitend wurde sie unter Schmährufen und Drohungen der hungernden florentinischen Bevölkerung durch die engen Straßen ins Konvent Santa Lucia überführt.

Päpstliche Heiratskandidatin mini|hochkant=0.9|Katharina von Medici, Porträt von Corneille de Lyon, um 1536 (Polesden Lacey, Surrey, England)

Am 12. August 1530 endete die Belagerung von Florenz; Clemens VII. nahm die Stadt wieder in Besitz. Katharina von Medici kehrte an den päpstlichen Hof in Rom zurück, wo sie bei ihrer Großtante Lucrezia Salviati, einer Schwester Leos X., lebte. Nach Florenz kehrte sie erst anlässlich der Inthronisation von Clemens’ VII. unehelichem Sohn Alessandro als Herzog von Florenz im Jahr 1532 zurück. Dabei nahm sie das erste Mal in ihrem Leben repräsentative Pflichten wahr.

mini|links|hochkant=0.9|Franz I. von Frankreich, Jean Clouet zugeschriebenes Porträt, um 1535 (Louvre, Paris)

Unterdessen schmiedete Clemens VII. in Rom Heiratspläne für sie. Ippolito de’ Medici, den Papst Leo X. einst als ihren Ehemann vorgesehen hatte, war von Clemens VII. zum Kardinal ernannt worden und befand sich seit 1532 als päpstlicher Legat in Ungarn. Um Katharinas Hand hatten sich bereits mehrere italienische Fürsten beworben; als Heiratskandidat war auch der uneheliche Sohn von Heinrich VIII., der Herzog von Richmond, diskutiert worden. Auch der schottische König Jakob  V. wurde erwogen. Kaiser Karl V. wünschte eine Heirat zwischen Katharina und Francesco II. Sforza, dem Herzog von Mailand. Für Clemens VII. hätte das nach der Heirat ihrer beiden unehelichen Kinder eine sehr enge Bindung an den Kaiser bedeutet. Gelegener war ihm daher der bereits 1531 unterbreitete Vorschlag des französischen Königs Franz I., seinen zweitgeborenen Sohn, Heinrich, den Herzog von Orléans, mit Katharina zu verheiraten.

Franz I. wünschte, dass seine präsumtive Schwiegertochter die Zeit bis zur Hochzeit am französischen Hofe verbrachte. Clemens VII. ließ das nicht zu, denn er fürchtete den Zorn des Kaisers, der mit Franz um die Vorherrschaft in Italien stritt und für den die Hochzeit einer Medici mit Heinrich von Orléans eine Niederlage bedeutete. Um Karl V. zu täuschen, setzte der Papst sogar seine Verhandlungen mit dem Herzog von Mailand über eine Hochzeit mit Katharina von Medici fort. Karl V. erreichten zwar Gerüchte, dass eine Heirat mit dem französischen Königshaus bevorstehe, doch hielt er sie angesichts der niederen Abstammung Katharinas für unvorstellbar.

Hochzeit mit Heinrich von Orléans mini|hochkant=1.3|Die Trauung Katharina von Medici mit Heinrich von Orléans, dem späteren König Heinrich II., vollzogen am 28. Oktober 1533 durch Katharinas Großonkel, Papst Clemens VII.

Die Hochzeit Heinrichs von Orléans mit Katharina von Medici fand im Oktober 1533 in Marseille statt. Katharina war 14 Jahre alt, ihr Bräutigam 14 Tage älter als sie. Clemens VII. ließ seine junge Verwandte überreich ausstatten: Er beauftragte Isabella d’Este, die berühmt für ihren Geschmack war, die Kleider auszuwählen, die Katharina an den französischen Königshof mitnehmen sollte. Umfangreich war auch der Schmuck, den er seiner Verwandten mitgab. Gerühmt wurde besonders ein großes Paar Ohrringe aus ungewöhnlich großen, birnenförmigen Perlen. Katharina schenkte sie später ihrer Schwiegertochter Maria Stuart. Diese nahm sie nach ihrer Verwitwung mit nach Schottland, und nach ihrer Hinrichtung trug Elisabeth I. sie.

Eine Flotte von mehr als vierzig Schiffen brachte Katharina nach Marseille. Begleitet wurde sie nicht nur von Papst Clemens VII. und 13 Kardinälen, sondern auch von einer großen Schar von Bischöfen und Mitgliedern des päpstlichen Hofes. In Marseille hatte man einen Holzpalast errichtet, um Katharina und ihre Begleiter zu empfangen. Der französische König, Franz I., der Bräutigam, Heinrich von Orléans, und das französische Gefolge wohnten im Palast des Comte de Provence an der Place Neuve. Eine große Kammer war zwischen dem Palast des Comte und dem Holzpalast für die italienische Hochzeitsgesellschaft errichtet worden, um von Außenseitern unbeobachtete Treffen zwischen dem Papst und dem französischen König zu ermöglichen.