miniatur|Engelsdarstellung mit Hackbrett im Kloster Himmelkron miniatur|Hackbrett nach Virdung 1511
Das Hackbrett ist ein Typ einer Kastenzither, deren Saiten mit Klöppeln angeschlagen werden. Die Klöppel oder Schlägel bestehen aus Holz und können mit Leder oder Filz überzogen sein. Hackbretter sind Saiteninstrumente, die nach der Art der Tonerzeugung auch zu den Schlaginstrumenten gezählt werden. Zwischen Nordamerika, West- und Osteuropa, dem Mittleren und dem Fernen Osten sind regional unterschiedliche Formen von Hackbrettern verbreitet. Unter der deutschen Bezeichnung „Hackbrett“ werden im engeren Sinn Formvarianten verstanden, die in der alpenländischen Volksmusik beheimatet sind.
Form Das Instrument kann Trapez-, Halbtrapez-, Rechteck- oder Flügelform aufweisen. Moderne Instrumente haben die Form eines gleichschenkligen Trapezes. Darüber laufen meist über zwei Stege Metall-Saiten. Pro Ton sind in der Regel zwei, drei oder mehr Saiten gruppiert, das Hackbrett ist also zwei-, drei-, vier- oder fünfchörig. Die Saiten werden mit Stimmwirbeln gestimmt. Bauart und Auswahl der Schlägel haben eine wesentliche Auswirkung auf die Klangfarbe. Zur Erzielung besonderer Effekte kann man die Saiten auch mit den Fingern zupfen (Pizzicato).
Geschichte mini|Auf dem Gemälde Anbetung des Christuskindes von Jacob Cornelisz. van Oostsanen, 1512, spielt ein Engel Hackbrett. (Mitte, unten) Das Hackbrett könnte aus dem Byzantinischen Reich nach Europa gekommen sein; jedoch gibt es vor der Mitte des 15. Jahrhunderts kaum Hinweise auf seine Existenz. Die älteste bekannte Abbildung, die sich zuverlässig als Hackbrett identifizieren lässt, ist ein Medaillon auf dem Elfenbeindeckel des byzantinischen Melisende-Psalters, der um 1140 datiert wird. Darauf ist König David zu sehen, der mit zwei Stöckchen ein trapezförmiges Saiteninstrument schlägt. Ein direkter organologischer Bezug zu den erst 300 Jahre später, Anfang des 15. Jahrhunderts, in Mitteleuropa auftauchenden, rechteckigen Hackbrettern ist zweifelhaft. Als eher wahrscheinlich gilt eine eigenständige europäische Entwicklung dieses Typs mit dieser Spielweise.Reinhard Tafferner: Das Hackbrett in der Alten Musik. In: , Nr. 27, 2012, S. 4
Paul M. Gifford (2001) meint, Voraussetzung für die Schlagtechnik bei Saiten sei ein gezogener Stahldraht, den es erst seit dem 14. Jahrhundert gebe. Geschmiedeter Draht sei für Musikinstrumente ungeeignet, und Darmsaiten ergäben gezupft einen besseren Klang. Ein Einfluss aus dem Nahen Osten liegt allerdings für einen der Vorläufer des Hackbretts nahe, das Psalterium. Gifford datiert das Psalterium seit dem 11. Jahrhundert, es wurde aus den genannten Klanggründen eher gezupft als geschlagen.
Die Version, die sich in Frankreich aus dem Psalterium entwickelte, wurde auf Französisch doulcemèr genannt, dieser Name stammt vermutlich vom lateinischen dulce melos, „süßes Lied“ oder „lieblicher Klang“. Im englischen Sprachraum heißt das Hackbrett heute noch dulcimer. Anscheinend wurde die deutsche Bauform jedoch populärer als die französische. www.cutedogmusic.com Zweifelsfrei belegt ist das Hackbrett seit 1370 in einer Reihe mitteleuropäischer Darstellungen als langgestrecktes Bassinstrument, das zunächst mit nur einer, später mit bis zu drei Saiten bezogen ist. Der Korpus des Instruments wurde beim Spielen an der Schulter angelehnt. Dieses mitteleuropäische (deutsche) Hackbrett hat sich aus der string drum, dem tambourin à cordes oder Saitentamburin entwickelt, einem mit einem Stock geschlagenen Instrument, oft nur mit einer Saite, das auch heute noch in der Provence von Musikanten gespielt wird, die gleichzeitig dieses Instrument und eine Einhandflöte (galoubet) spielen. Daraus entstand das heute überwiegend gespielte Hackbrett.
Um 1450 werden die Bezeichnungen Dulce Melos (lateinische Traktate), Doulcemer und Hackbrett (1447 in einem Zürcher Ratsbuch) verwendet. Ein Kupferstich von 1470 zeigt ein weiterentwickeltes Instrument, gespielt von einer Dame höheren Standes. Es ist mit vier Saiten über zwei Teilungsstegen ausgestattet und somit auf eineinhalb Oktaven (diatonische Stimmung) erweitert. „Dulce Melos“ ist die Bezeichnung des Hackbretts in der lateinischen Gelehrtensprache des 15. Jahrhunderts. Sie findet sich zuerst in einer unbetitelten Handschrift des Arztes und Astronomen Heinrich-Arnold von Zwolle, verfasst um 1440 in Dijon. Behandelt sind darin Harfe, Orgel, Cembalo und Clavichord. Das außerdem erwähnte Dulce Melos sei ein Saiteninstrument, das mit einem Stab geschlagen werde („cum baculo fit contactus cordarum“). Die gleiche Bezeichnung kommt auch im „Tractatus de musica“ (verfasst ca. 1460) des Paulus Paulirinus de Praga vor. Danach war das Dulce Melos ein rechteckiges Instrument mit einer Schallöffnung, über dessen Resonanzboden Metallsaiten gespannt waren. Wenn diese mit einem Stäbchen (ligniculo) oder einem Plektrum (penna) angeschlagen würden, ergäben sich die süßesten Töne und Klänge.
Ein Altarblatt des holländischen Malers Jacob Cornelisz. van Oostsanen bezeugt bereits 1512 die wechselweise Saitenführung über einen Teilungssteg und durch dessen Öffnungen hindurch. Auch das oben gezeigte Bild von Virdung (1511) lässt diese Saitenführung erahnen.
Verbreitung miniatur|Ein diatonisches Hackbrett englischer Bauart (hammered dulcimer) miniatur|Ein E-Hackbrett Unter der Bezeichnung Dulcimer ist das Hackbrett 1470 in England nachweisbar, die amerikanische Variante hammered dulcimer ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt. Sie unterscheidet sich vom Appalachian dulcimer, einer schlanken, amerikanischen Bordunzither. Das persische Hackbrett Santur wurde im 17. Jahrhundert erstmals dargestellt, sein Name ist jedoch älter. In den 1950er-Jahren fand der Santur Eingang in die nordindische klassische Musik. Das thailändische Hackbrett heißt Khim. Ab dem 18. Jahrhundert gelangten mit Schlägeln geschlagene Kastenzithern wahrscheinlich von Europa nach China (Yang-Qin). Eine andere Theorie besagt, dass die iranische Variante des Hackbretts (Santur) den Landweg über Zentralasien eingeschlagen habe. Dem steht jedoch entgegen, dass die Wirbel des Yang-Qin wie beim europäischen Hackbrett auf der abgeschrägten Deckplatte angebracht, beim iranischen wie beim irakischen Santur jedoch an der Flanke angebracht sind. Von China aus verbreitete es sich weiter nach Korea (Yanggum), Japan (Sangen Dakin), Vietnam und Kambodscha (Khîm).
Das osteuropäische Zymbal (cimbal, cimbalom) ist erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts in Ungarn belegt. Es wurde seit 1637 auch von jüdischen Wandermusikanten genutzt, die in Prag die böhmische Cymbaltradition anstießen. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts brachten Wandermusikanten unterschiedlicher Provenienz das Instrument als Bandura in die Ukraine und nach Belarus. Die Entwicklung des zu seiner Zeit legendären pantalonischen Cymbals 1697 von Pantaleon Hebenstreit fußte auf böhmischer Tradition. Es war etwa viermal so groß wie das normale Hackbrett, hatte einen doppelten Resonanzboden und verwendete sowohl Metall- als auch Darmsaiten.
1717 fasste das englische Dulcimer an der Küste Nordamerikas Fuß, gleichzeitig wurde es in China als Yangqin (yang ch'in, fremde Zither) adaptiert. Währenddessen fand das Hackbrett in der Gestalt des Salterio (salterio tedesco, wörtlich „deutsches Psalterium“) Eingang in die italienische und spanische Barockmusik. Nach zögerlichen Anfängen kam das Hackbrett im Verlauf des 18. Jahrhunderts in einigen Regionen Österreichs (Kärnten, Salzkammergut, Osttirol und Steiermark) sehr in Mode.
1874 erfand Venczel József Schunda in Budapest das in kürzester Zeit sehr erfolgreiche Pedalcimbalom in chromatischer Stimmung und einem Saitenaufbau ähnlich dem Salzburger Hackbrett. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelten der Salzburger Tobi Reiser und der Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner ein vollchromatisches Hackbrett ohne Teilungsstege, das zu den 6-plus-6-Instrumenten zählt.
Etymologie Die in den verschiedenen Ländern gebräuchlichen Bezeichnungen für Hackbrett lassen sich in Gruppen ordnen:
„Hackbrett“ deutet einerseits auf die Schlagtechnik, andererseits auf die Bauform: hakkebord oder hakbord (niederländisch), hakkebraedt (dänisch), hackbräde (schwedisch). Hammered dulcimer ist die Anglisierung von dulce melos und bedeutet „lieblicher Klang“ Auf Schlagtechnik wie bei den Pauken (tympani) deuten: tympanon (französisch), timpan oder tiompan (irisch). Schlagtechnik wie bei Zimbeln (lateinisch cimbala, cymbala): cymbale (französisch), cymbali (russisch), cymbalki (polnisch), cimbalo (serbokroatisch), cimbolai (litauisch), cimbalom (ungarisch); vergleiche Cembalo.
Die traditionelle italienische Bezeichnung Salterio Tedesco (wörtlich „deutsches Psalterium“) für das Hackbrett deutet auf die in Italien verbreitete Meinung hin, das eigentlich gezupfte Psalterium würde nördlich der Alpen vorwiegend geschlagen.
Alpenländische Formen Steirisches Hackbrett: diatonisch gestimmt, mit Quinten- und Bass-Steg. Spielt in der Tanzmusik vor allem als Rhythmus- und Harmonie-Instrument eine wichtige Rolle. Der Quintensteg teilt die darüber gespannten Saiten im Verhältnis 2 zu 3. Auf derselben Saite erklingt also rechts etwa ein c, links ein g. Das oben abgebildete Hackbrett von Virdung zeigt 1511 bereits diesen Aufbau. Ähnlich aufgebaut ist auch das Walliser Hackbrett. Gespielt wird es mit blanken (oder mit Leder belegten) Holzschlägeln. Slowenisches Hackbrett: ähnlich dem Steirischen Hackbrett aufgebaut. Osttiroler Hackbrett: diatonisch gestimmt, jedoch höherer und größerer Korpus, schwerere Stahlsaiten als das Steirische Hackbrett. Mit kleinen, zusätzlichen Stegen ausgestattet („Schneller“, „Pedale“ oder Leittonscharniere genannt), kann man rasch mit der Hand einen Saitenchor durch Verkürzung um einen halben Ton höher stimmen. Appenzeller Hackbrett (Schweiz): Beim Appenzeller Hackbrett sind die Saiten zur Hälfte durch einen Steg teils in Quinten und teils in Sexten aufgeteilt und insgesamt chromatisch angeordnet. Es wird mit speziellen Klöppeln geschlagen, genannt „Ruten“. Salzburger Hackbrett: voll chromatisch gestimmt. Für die Alpenländische Volksmusik vom Salzburger Volksmusikanten Tobi Reiser und dem Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner entwickelt (nach einem Bericht von Reiser um 1920 bei einem steirischen Holzarbeiter gesehen) und 1927 nach dem Vorbild eines alten Osttiroler Hackbretts, das in seinem Besitz kam, und anderen, in Museen gesehenen Instrumenten gebaut: Statt diatonischer hat es eine chromatische 6+6-Stimmung, bei der die Saiten wie die Tasten bei der Neuklaviatur von Heinrich Josef Vincent angeordnet sind. Das erste Exemplar wurde 1935 hergestellt.Karl Heinz Schickhaus, 1981, S. 128–130 Statt der blanken Holzschlägel wurden mit Filz belegte Schlägel verwendet. Es findet als leicht transportables Instrument vor allem in der Stubenmusik oder Hausmusik Verwendung.In: Sänger- und Musikantenzeitung, Bayerischer Landwirtschaftsverlag, München, Heft 4, 1959; Text auch im Internet: Walliser Hackbrett (Schweiz): Das Walliser Hackbrett ist diatonisch gestimmt mit Quinten- und Bass-Steg. Das Grundprinzip ist gleich wie beim Steirischen Hackbrett. Ein raffinierter Mechanismus ermöglicht es, zusätzlich die Länge aller Seiten so zu verkürzen, dass sie einen halben Ton höher klingen. So ist es ohne weiteres möglich, in allen verschiedenen Tonarten oder auch chromatisch zu spielen.
Kompositionen in der Kunstmusik des 18. Jahrhunderts Christoph Willibald Gluck schrieb zwei Hackbrett-Partien in seiner Oper Le cadi dupé (Der betrogene Kadi, 1761). Paolo Salulini: Concerto G-Dur für Salterio, Streicher und Continuo (1751) Niccolò Jommelli: Sinfonia G-dur für Salterio, Streicher und Continuo