Klein-Umstadt ist ein Stadtteil von Groß-Umstadt im östlichen Teil des südhessischen Landkreises Darmstadt-Dieburg am nördlichen Rand des Odenwaldes. Von den acht, zwischen 1971 und 1977 im Zuge der Gebietsreform in Hessen der Stadt Groß-Umstadt angegliederten, ehemals selbständigen, Gemeinden, ist Klein-Umstadt der bevölkerungsmäßig größte Stadtteil.
Geographie mini|Blick nach Norden von unterhalb der Wendelinuskapelle über Streuobstwiesen auf das Mitteldorf in die Mainebene. Am rechten Bildrand der Nachbarort Kleestadt
Geographische Lage Klein-Umstadt liegt am nördlichen Rand des Mittelgebirges Odenwald in einer flachen Mulde des Lössgebietes, circa 40 km südöstlich von Frankfurt am Main entfernt und etwa in der Mitte zwischen Darmstadt und dem unterfränkischen Aschaffenburg, ca. 7 km südöstlich von Dieburg.
Klein-Umstadt besteht aus der extrem breitgezogenen Gemarkung Klein-Umstadt und grenzt im Norden an den Ortsteil Kleestadt, im Osten an die Gemeinde Schaafheim und den Schaafheimer Ortsteil Radheim, südöstlich an den Umstädter Stadtteil Dorndiel, mit dem südöstlichen Zipfel an den Stadtteil Wald-Amorbach der Stadt Breuberg, im Süden an den Umstädter Stadtteil Raibach, im Südosten und Südwesten an die Kernstadt von Groß-Umstadt, im Westen an den Stadtteil Richen. Die östliche Gemarkungsgrenze ist der direkte Übergang zur alten Bachgauer Landwehr. Innerhalb der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Grünheckerhof Häuserhof
mini|links|hochkant=3|Panorama der Untermainebene von den letzten Ausläufern des Odenwaldes auf Klein-Umstädter Gemarkung mit Blick über Kleestadt in die östliche Dieburger Bucht (Gersprenzniederung) bis Frankfurt und Hanau, begrenzt am Horizont vom Taunus mini|Blick von Nordwesten nach Südosten auf das am auslaufenden Odenwald liegende Klein-Umstadt. Auf dem Binselberg sind schwach die vier Windräder zu sehen. Am rechten Bildrand anschließend (geografisch in südliche Richtung) befindet sich der Ziegelwald (bekannt durch die Altsteinzeitfunde durch Otto Völzing). mini|links|hochkant=3|Panorama der Untermainebene nach Westen in die Dieburger Bucht und das Messeler Hügelland
Geologie Klein-Umstadt hat durch seine Hanglage am nördlichen Ausgang des Odenwaldes östlich der Otzberg-Bruchzone eine abwechslungsreiche geologische Beschaffenheit. Klein-Umstadt liegt naturräumlich in der östlichen Untereinheit Kleine Bergstraße (Naturraum 231.3) des Reinheimer Hügellands im Tal des unterhalb des Binselberges entspringenden Amorbaches. Die tiefste Stelle der Gemarkung liegt bei 161 m NHN nördlich des Bahnhofes am hier die Bahnstrecke unterquerenden Amorbach, die den Ort überragende Wehrkirche auf 203 m NHN, das Ortsende Richtung Radheim liegt bei etwa 225 m NHN, der höchste Punkt der Gemarkung im Bereich des Binselberges um den Windpark bei etwa 359 m ü. NHN. Der östliche Teil der Gemarkung setzt sich über den Binselberg in die Natureinheit 144, dem Sandstein-Odenwald, Naturraum 144.68 – dem Breuberg-Odenwald – fort.
Am hier in die Tiefe auslaufenden Kristallinen Odenwald, entstanden durch die Variszische Orogenese, findet sich ein Untergrund aus Granit und Granitgneis (380 Millionen Jahre). Dieser wird im Oberdorf von Tonsteinen (Zechstein) und in der südlichen und südöstlichen Gemarkung vom auslaufenden unteren Buntsandstein des Odenwälder Buntsandstein überdeckt. Zu nennen ist noch der Umstädter Quarzporphyr, eine Ablagerung aus Vulkanen, die vor rund 270 Millionen Jahren aktiv waren und schwere Ausbrüche verursachten. Wer will, kann dabei im Quarzporphyr nach Turmalinen suchen. Im Mitteldorf und im Bereich der Weinlage Stachelberg liegt dieser ignimbritische permische Rhyolith (Rotliegend) an der Oberfläche.
Im Tertiär kam es zum Einbruch des Oberrheingrabens, mit einhergehenden erneuten basaltischem Vulkanismus an den alten Störungszonen. Sehr schön ist das an den Basaltsäulen des markant liegenden nahen Otzberg am Naturdenkmal des Säulenbasalts zu sehen. Bariumführende hydrothermale Lösungen, die diesen Bereich des Odenwald durchzogen, führten zu Erzführenden und verkieselten Schwerspat Lagerstätten.
Der auslaufende Sandstein-Odenwald geht im nördlichen und westlichen Teil der Gemarkung in die Hanau-Seligenstädter Senke (Hanauer Becken oder auch Östliche Untermainebene) über, mit dem Ausläufer der Dieburger Bucht in der nordwestlichen Gemarkung und besteht aus tertiären Ablagerungen überdeckt von jüngeren Flussablagerungen sowie Löss- und Flugsanddecken. Dabei wurde die Lösslandschaft über die Jahrhunderte durch tief ausgeschnittene Hohlwege geprägt.
Oberhalb des Ortes finden sich zwei Aussichtspunkte mit Blick auf markante Naturräume Hessens. Zum einen von der Wendelinuskapelle, zum anderen von unterhalb des Binselberges (die Kuppe selbst ist inzwischen so bewachsen, dass die Wander- und Aussichtspunkte ohne Funktion sind) bieten sich eindrucksvolle Sichten auf die Höhen des Reinheimer Berglandes, des Messeler Hügellandes und des Taunus, auf die Dieburger Bucht als Teil der Hanau-Seligenstädter Senke und somit Teil der naturräumlichen Haupteinheit Untermainebene, alle genannten Teil des Rhein-Main-Tieflands.
Geschichte Von der Steinzeit bis zu den Römern Jahrhundertelang war der Ort eine selbständige Gemeinde mit einer wechselvollen Geschichte, die nachweisbar bis ins Spätmittelalter zurückreicht. Siedlungsfunde in den benachbarten Stadtteilen und der weiteren Umgebung belegen sogar eine Besiedelung der Gegend seit der Steinzeit (Ziegelwald bei Richen), über die Jungsteinzeit Kultur der Michelsberger bis zu Funden der Bandkeramik aus ca. 3000 v. Chr. Grabhügel aus der Bronzezeit, das Manngrab aus der Hallstattzeit in der Nachbargemarkung Münster (Hessen) Ortsteil Altheim und Gräberfunde in Umstadt belegen keltische Besiedelung bis in die La-Tène-Zeit. Wo der Menhir (umgesetzter Standort nahe dem Geopunkt) einzuordnen ist, kann nicht mehr verifiziert werden. Römische Ausgrabungen (Hauptgebäude einer Villa rustica) und ein alemannischer Friedhof (Funde in der Kernstadt) vervollständigen die Zeugnisse aus der Zeit der Civitas Auderiensium bis in die jüngere Geschichte. Restfunde einer Villa rustica an der Gemarkungsgrenze Klein-Umstadt zu Richen sind bekannt, aber noch nicht ergraben. Eines der römischen Andenken ist auch der Weinanbau in der Klein-Umstädter Einzellage Stachelberg der Odenwälder Weininsel, welche zum Weinanbaugebiet Hessische Bergstraße gehört.
Mittelalter mini|links|hochkant|Spätmittelalterliche Reste des Freihofs (Fachwerk auf Odenwälder Sandstein) mit einfachem Doppelwappen der Wais von Fauerbach und Schelle von Umstadt mit der Jahreszahl 1519 und einer noch ungeklärten Darstellung eines Musikanten, die aber als Darstellung des heiligen Wendelin vermutet werden kann. mini|Allianzwappen der Wais von Fauerbach (Löwe) und Schelle von Umstadt (rechte Faust) am Pfarrhaus des Dorfes, datiert 1516 mini|Der Ort in einer kolorierten Federzeichnung (um 1600); zweitälteste Darstellung Klein-Umstadts mini|Siegelabdruck des Orts- bzw. Gerichtssiegels von 1735 mit Jahreszahl von 1666 unter der Kirche. Im Vergleich zum späteren daraus abgeleitetem Ortswappen befindet sich rechts des Kirchturms noch ein weiterer Gebäudeansatz und im Kirchenschiff sind drei Fenster abgebildet. Der umlaufende Text ist nicht vollständig zu entziffern.
Frühe urkundliche Nennungen von 1229 als Omestad minor und 1261 als Vnnestat sind heute nicht mehr zweifelsfrei Klein-Umstadt zuzuweisen. Der erste zweifelsfreie urkundliche Nachweis des ehemaligen Haufendorfes war um 1305.vgl. Literatur: Manfred Schopp: Klein-Umstadt in der Geschichte 1305–2005. Einleitung; vgl. ebenso die Referenz zum urkundlichen Erstnachweis des Adelsgeschlechts der Kesselstatt. Der fehlerhafte LAGIS-Eintrag von 1229 im ist Wenigumstadt im Bachgau zuzuordnen. Urkundliche Nennungen von 1261 (W. Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. 1937) und 1287 (Staatsarchiv Wertheim: Urkunde R-US US 1287) sind nicht endgültig zugeordnet. Anfänglich noch als Unnestat (1317), ville Unstat (1361), Unstad (1377), Onstad (1437), 1451 dann Clein Omstat und 1475 als Unstatt,Georg Wilhelm Justin Wagner (Großherzoglich Hessischer Hofrath): Die Wüstungen im Großherzogtum Hessen. Prov. Starkenburg, Hofbuchhandlung von G. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 110. () Kleyn Unstat (1493), 1522 als Klein UmbstatLandesarchiv Baden-Württemberg / Staatsarchiv Wertheim, Urkunde Nr. R-US 1522 September 15 oder Clein Umbstadt (1552) bekannt, war der Ort von einer Stadtmauer, besser gesagt Wehrmauer umgeben. Die östliche Hälfte des alten Dorfkerns wurde nach einem schweren Großbrand 1859, der das Dorf nahezu völlig einäscherte, wieder neu aufgebaut. Im westlichen Ortskern ist dagegen die alte, verwinkelte Siedlungsstruktur erhalten geblieben. Dort finden sich auch heute noch Überreste der mittelalterlichen Wehrmauer, die das kleine Dorf einst komplett umfasste.
Wehrkirche Die heutige Pfarrkirche war mit einem Mauerring in diese Wehranlage integriert. Das romanische Langhaus geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück, während der Chor im 15. Jahrhundert umgebaut wurde. Im Inneren der Kirche findet sich eine der ältesten gotischen Steinkanzeln in Hessen. Der gotische Chor der Klein-Umstädter Wehrkirche wurde vermutlich zwischen 1450 und 1470 errichtet. Auch heute noch bestimmt die spätestens um 1425 erbaute Wehrkirche das Bild des Stadtteils. Die vermutlich erste und älteste bronzene Glocke (Denkmal) des Dreiergeläuts der Kirche kam 1541 von der bekannten Frankfurter Glocken-, Geschützgießer und Büchsenmacherfamilie Konrad Gobel.Frankfurter Biographie. Erster Band, Bd. A–L, W. Kramer, 1996, 481 Seiten, S. 254.Sebastian Scholz: Die Inschriften der Stadt Darmstadt und der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Gross-Gerau. Vlg. L. Reichert, 1999, 388 Seiten, S. 114. Stolz ist die Kirchengemeinde auch auf eine renovierte Kurfürstenbibel aus dem Jahre 1665.
Geschichtliche Erwähnungen 1432 wurden die Gebrüder Rudolf und Konrad Gayling von Altheim vom Pfälzer Kurfürsten Ludwig III. mit einem Hof am Ort (genannt Grehecken heute Grünhecker Hof) belehnt.J. S. Ersch, J. G. Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyklopadie der Wissenschaften und Künste. Erste Sektion A–G, Abs. „Gaukes-Gefreiter“, Hrsg. M. H. E. Meier, Brockhaus, Leipzig 1852, S. 119. 1451 hatten die Eppstein Besitz im Ort, das an Winther von Wasen als Lehen vergeben war.Regina Schäfer, Historische Kommission für Nassau (Hrsg.): Die Herren von Eppstein: Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. 2000. S. 379. Der einstige Freihof mit seinem Fachwerk aus dem 16. Jahrhundert ist heute baulich verändert. Eine dort und am Evangelischen Pfarrhaus angebrachte Wappentafel erinnern an das Geschlecht der Schelle von Umstadt.Dieter Krieger: Hessisches Wappenbuch, Familienwappen, HFW, Band 1, C. A. Starke Verlag, Alsbach 1999. 1548 bekam der Hofmeister und Kämmerer Kraft Georg von Boineburg zu Stedfeld von Landgraf Philipp I. von Hessen die heimgefallenen Lehensgüter der Gebrüder Phillip und Caspar von Dudelsheim als Mannlehen. Dabei stand die verwendete Bezeichnung einer Niedernburg wohl für den Freihof und seine Güter.Ludwig Baur (Hrsg.): Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde. Band 8, Darmstadt 1856, S. 43 f. Dies ist nicht mit dem Burgstall Dorndiel zu verwechseln, der am östlichen Ende der Klein-Umstädter Gemarkung lag.
Das Relief des heiligen Wendelin () ist in Zusammenhang mit der gleichnamigen und weithin sichtbaren Kapelle (Bau Ende 15. Jahrhundert) in den Weinbergen zu finden. Das Kloster Höchst hatte im Mittelalter Grundbesitz im Dorf.
Nachweisbar von 1542 bis zur Vertreibung um 1933 gab es jüdische Mitbürger im Ort.Quellen zur Geschichte der Juden. Hessisches Staatsarchiv Marburg: 1267–1600, Band 2, S. 587 1550 hatte Jakob Gans von Otzberg einen Weingarten in der Gemarkung in Besitz.