Die Topik ([] (Ausspracheunterschied zum linguistischen Begriff T[ɔ]pik), von altgriechisch ta topiká, abgeleitet von altgriechisch tópos „Ort, Platz, Stelle“) ist ein auf Aristoteles zurückgehender Fachbegriff der Rhetorik und bezeichnet eine Systematik zur Kategorisierung und zum Auffinden von Argumentationsmustern (sog. Topoi) zum Zwecke der Überzeugung.Gert Ueding: Klassische Rhetorik. (= Beck’sche Reihe. C. H. Beck Wissen. 2000). 3. Auflage. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46265-0.Wagner: Topik. 2009, Sp. 605.
Der Topik-Begriff in der klassischen Rhetorik Topik bedeutete in der griechischen Antike die Lehre von der Auffindung des Stoffes zum Zweck der rhetorischen Behandlung eines beliebigen Gegenstandes, insbesondere aber die systematische Zusammenstellung allgemeiner Begriffe und Sätze (Topen, lat. loci communes), die beim Ausarbeiten von Reden als Richtschnur oder Leitfaden für die Auffindung und Wahl zweckmäßiger Beweisgründe dienen sollten. Insbesondere ist die Topik eine Systematik, mit der „kunstgemäße Beweise“ (lateinisch: probationes artificiales) entwickelt werden können.Gert Ueding, Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte. Technik. Methode. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 1994, ISBN 3-476-01236-0, S. 230 ff. Die Topik ist damit die erste systematische Erfassung jener Vorgänge, die der Bildung von allgemein anerkannten Überzeugungen zugrunde liegen. Ferner behandelt sie auch die Nutzung oder Methoden der Veränderung von Überzeugungen zum Zwecke der Überredung (lateinisch: persuasio).Gert Ueding, Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte. Technik. Methode. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 1994, ISBN 3-476-01236-0, S. 234 ff.
Topik und Überzeugung Das topische System ist, ideengeschichtlich betrachtet, als Vorläufer moderner Verfahren zur Analyse, Nutzung und Änderung der Einstellungen von Individuen und Gruppen zu sehen.Gert Ueding: Klassische Rhetorik. (= Beck’sche Reihe. C. H. Beck Wissen. 2000). 3. Auflage. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46265-0, S. 33 ff. und 79 ff. Besondere Schnittmengen hat das System der klassischen rhetorischen Topik mit der modernen kognitiven Verhaltenstherapie, insbesondere mit der besonders verbreiteten Technik „Kognitive Umstrukturierung“. Die Nähe zum topischen System der antiken Rhetorik ist in der psychologischen Forschung gleichwohl wenig bekannt, obwohl der im Verständnis der Topik begründete sokratische Dialog als zentrale Methode für das Infragestellen von dysfunktionalen Kognitionen im Rahmen der heutigen Verhaltenstherapien anerkannt ist.Beate Wilken: Methoden der Kognitiven Umstrukturierung. Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. (= Urban-Taschenbücher. 466). 3., aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-017965-9.
Entwicklungsgeschichte Die Topik wurde von den späteren griechischen Rhetorikern und Grammatikern sowie mit Vorliebe von den Römern behandelt, beispielsweise von Cicero in seinen Schriften „De inventione“ und „Topica“. Im Mittelalter verlor die Topik sich in leere Spielereien.
In neuerer Zeit hat man eine besondere Behandlung der Topik als unersprießlich ganz aufgegeben. Diese Entscheidung war jedoch keineswegs unumstritten. Giambattista Vico kritisierte die Vernachlässigung der Topik, da ohne sie keine reichhaltige Rede möglich sei.
In der Grammatik ist Topik die Lehre von den Stellen, welche den einzelnen Wörtern im Satz und den Sätzen in der Periode zukommen. Diese Definition gehört jedoch, wie einige andere Nutzungen des Wortes „Topik“ nicht in das Bedeutungsfeld, das dieses Wort im System der klassischen Rhetorik hat.
Literatur Aristoteles: Topik
Theodor Viehweg: Topik und Jurisprudenz: Ein Beitrag zur rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung. 5. Auflage. C. H. Beck, München, 1974, ISBN 978-3-406-04910-1.
Einzelnachweise
Kategorie:Rhetorik