mini|310px|Abordnung von NVA-Fallschirmjägern (links) zum XI. SED-Parteitag mini|Angehörige der 2. Kompanie des Luftsturmregiments 40 beim Sprungdienst im Rahmen einer der jährlich stattfindenden Jug-Übungen mini|NVA-Fallschirmsprungabzeichen Grundversion bzw. 40 Sprünge
Das Luftsturmregiment 40 (LStR-40) war der einzige Luftlande-Truppenteil und, neben dem Kampfschwimmerkommando 18 und den Spezialaufklärungskompanien 3 und 5Bernd Biedermann: Die Militäraufklärung der NVA - Ehemalige Aufklärer berichten: Im Zentrum und im Einsatz Dr. Köster Verlag Berlin, 2007, S. 303 ff, ISBN 978-3895746604, eine von drei Spezialeinheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Es ging 1986 aus dem Fallschirmjägerbataillon 40 hervor. Am 6. Oktober 1969Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik 1949–1984. Militärverlag der DDR, Berlin (DDR), S. 267. erhielt es den Ehrennamen „Willi Sänger“.
1960 in Prora auf Rügen als Mot.-Schützenbataillon 5 aufgestellt, wurde der Verband mehrmals umbenannt und war ab 1972 dem Kommando Landstreitkräfte direkt unterstellt. Ab 1982 erfolgte die Verlegung auf den Truppenübungsplatz Lehnin bei Potsdam. Die Fallschirmjägerausbildungsbasis in Burg bei Magdeburg gehörte nicht zum LStR-40, sondern unterstand direkt dem Kommando Landstreitkräfte und war somit eine selbständige Einrichtung. Die Bezeichnung Fallschirmjägerausbildungsbasis 40 (FJABas-40, in der Truppe auch als FJAB-40 bezeichnet) trug den Tarnnamen „Huflattich“. Der Verband (LStR-40 war im Sprachgebrauch der NVA ein Truppenteil) wurde am 30. Juni 1991 in Lehnin aufgelöst, etwa ein halbes Jahr nach der Auflösung der NVA.
Auftrag Auftrag der Fallschirmjäger der NVA und ähnlicher Verbände in anderen Armeen des Warschauer Pakts war es, in rückwärtigen Gebieten des Gegners Ziele zu nehmen oder zu zerstören, den Nachschub und die Moral des Gegners zu beeinträchtigen sowie gegnerische Kräfte zu binden. Das Einsatzprofil beinhaltete im Wesentlichen die drei Kernbereiche militärische Aufklärung, Kommandoeinsätze und Spezialeinsätze. Hauptziel des Einsatzes war die Vernichtung von Massenvernichtungswaffen, insbesondere von Kernwaffeneinsatzmitteln (KWEM).
Aufklärung Unter militärischer Aufklärung wurden die Einsätze zur Gewinnung von Informationen in der operativen Tiefe des Gegners durch Beobachtung und Meldung mittels elektronischer Mittel zusammengefasst.
Bezogen auf den Standort, die Lage und die Einsatzart konnte dies beispielsweise beinhalten: die Beobachtung von militärischen, ökonomischen und administrativen (politischen, gesellschaftlichen) Zielen; das Ermitteln von Zielzuweisungsdaten zur Einsatzvorbereitung von Jagdbomberkräften (unter Zuhilfenahme von Forward Air Controllern) sowie detaillierter Daten und Informationen zur Vorbereitung von Artillerie- und Raketenschlägen; das Ausspähen der Heranführung gegnerischer operativer und strategischer Reserven (Häfen, Flugplätze, Eisenbahnanlagen) und die Richtungen ihrer Verlegung; das Überwachen gegnerischer V.I.P. und die Aufklärung gegnerischer Aufklärungskräfte im eigenen Hinterland.
Kommandoeinsätze Beim Kommandoeinsatz mit Handstreich, Hinterhalt oder Überfall wurde die Enttarnung der eingesetzten Fallschirmjäger billigend in Kauf genommen. Dabei wurde die vollständige Vernichtung des Überfallobjektes angestrebt, wodurch Spuren nicht zu vermeiden waren, und die mit großer Wahrscheinlichkeit für gegnerische Abwehrkräfte Ansatzpunkte gegen die handelnden Fallschirmjäger lieferten.
Auch deshalb waren Kommandoeinsätze bis ins Detail zu planen, wobei möglichst auch Worst-Case-Szenarien in Betracht zu ziehen waren. Ausweichen und die Rückführung der Einsatzkräfte waren dabei zu planen.
Für Kommandoeinsätze wurden unter anderem folgende Zielobjekte in Betracht gezogen: Kernwaffeneinsatzmittel und Artilleriesysteme, die zum Verschuss von Kernmunition geeignet waren. Gefechtsstände der gegnerischen Großverbände in der vermutlichen Hauptschlagrichtung gegen die eigenen Kräfte, oder die vermutlich der Hauptlast der gegnerischen Angriffskräfte ausgesetzt waren. Systeme der EloKa, Fliegerleitsysteme und Führungs- und Waffeneinsatzsystem der Luftwaffe. wichtige Waffensysteme (Aufklärungskomplexe, chemische Massenvernichtungswaffen, biologische Waffen usw.) Verkehrstechnische Einrichtungen wie Marschstraßen, Brücken (Viadukte bzw. Aquädukte), Staudämme, Verschiebebahnhöfe, E-Werke, Fernsehtürme, Hafenanlagen, Flugplätze Lager von operativer Bedeutung (Munitions-, Treibstoff- und andere Lager), wichtige Einzelpersonen oder Personengruppen im rückwärtigen Gebiet des Gegners Vernichtung oder Gefangennahme gegnerischer Kräfte im eigenen Hinterland.
Spezialeinsätze Spezialeinsätze sollten von besonders für den verdeckten Einsatz geschulten Soldaten durchgeführt werden und hätten in der Regel eine weitreichende operative Bedeutung gehabt. Mögliche Einsatzarten waren: Observierung hochgestellter Persönlichkeiten des militärischen und politischen als auch des wirtschaftlichen Lebens und bei Notwendigkeit Entführung solcher Persönlichkeiten oder deren Tötung Rückführung von für den Warschauer Pakt wichtigen Personen aus dem rückwärtigen Gebiet des Gegners verdeckte Handstreiche in Bunkern und besonders gesicherten Anlagen der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Führung und Erfüllung von Aufgaben in diesen Anlagen Ausbildung, Beratung und Teilnahme an Einsätzen von in Illegalität handelnden Gruppen wie den K-Gruppen, auch auf eigenem, vom Feind besetzten Territorium. Handlungen in Spannungsperioden, vor Ausbruch eines Krieges, im rückwärtigen Gebiet des Feindes. Handlungen gegen Diversanten und andere kleinere, gegnerische Truppen auf eigenem Gebiet.
Anfang der 1960er Jahre als Fallschirmjägerbataillon aufgestellt, durchlief der Truppenteil aufgrund von Änderungen in der sowjetischen Militärdoktrin mehrere Umorganisationen und Umbenennungen. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde er zum Regiment ausgebaut, wobei das ursprüngliche Konzept des Einsatzes in kleinen, unabhängigen Kampfgruppen nicht aufgegeben wurde.
Organisation Kommandeure
Dienstgrad Name Dienstzeit BemerkungOberstleutnantEhrhard Bernhagenab 15. Februar 1962Erster BataillonskommandeurMajorHubert Pardellaab 13. September 1962später OberstHauptmannEgon Gleauab 1. September 1966später Generalmajor Kdr. 4.MSDOberstleutnantWerner Schulzab 15. April 1968später MajorMajorKurt Elsnerab 1. November 1971MajorFriedhelm Reddigab 1. September 1973später OberstMajorMichael Langerab 1979OberstleutnantJürgen Flacheab 2. August 1981später OberstMajorKlaus-Dieter Krugab 15. August 1983ab 1. Dezember 1986 erster Regimentskommandeur letzte Dienststellung: Stabschef einer DivisionMajorFrank Lippertab 15. August 1988MajorNorbert Seiffertab 15. September 1989letzter NVA-Kommandeur OberstleutnantHarald Altmannbis 30. Juni 1991Auflösung
In den Anfangsjahren war die Luftlandetruppe wie ein für die NVA typisches leichtes Schützenbataillon gegliedert, das als einzelne Kompanien oder als geschlossener Gesamtverband eingesetzt werden konnte. Im Laufe der Zeit entwickelten die Fallschirmjäger den Einsatz in kleinen Kampfgruppen – eine Taktik, die sich auch in ähnlichen Einheiten anderer Länder durchsetzte. Teams von fünf bis zwölf Soldaten wurden dabei eine oder mehrere begrenzte Aufgaben übertragen. In der NVA hieß das Konzept „Einsatzgruppentaktik“, die Verwendung mehrerer solcher Gruppen „koordinierter Einsatz“. Die Einsatzgruppen konnten die Stärke eines Fallschirmjägerzuges erreichen, wenn es der Auftrag erforderlich machte. In den Anfangsjahren des TT gab es in der NVA nur wenige Absetzflugzeuge. Das änderte sich mit der Schaffung der AN-26 Staffel in Dresden und der engen Zusammenarbeit des Fallschirmjägertruppenteils mit dem Transporthubschraubergeschwader 34 (Brandenburg-Briest). Bis etwa 1983 beschränkte sich die NVA-Fallschirmjägertruppe lange auf die Taktik der Einsatzgruppen und operierte damit wie eine Spezialeinheit. Besonderes Augenmerk wurde auf militärische Körperertüchtigung und Nahkampf sowie eine umfangreiche Schießausbildung gelegt. Den Einsatzgruppen wurden Spezialisten wie Einsatzgruppenfunker, Scharfschützen und Sprengtaucher mit einer halbjährigen Pioniertaucherausbildung in Havelberg bei der Taucherlehreinheit 40 (TLE-40) zugeordnet. Jährlich wurden 10 bis 15 Fallschirmsprünge während des Sprunglagers oder mehrtägiger Ausbildungen zumeist mit Rundkappenfallschirmen RS 3/8 absolviert. Hinzu kamen Ausbildungsabschnitte in der Funk-, Spreng-, Bergsteiger- und Skiausbildung. Die Leistungsfähigkeit der Truppe wurde halbjährlich durch das Kommando Landstreitkräfte überprüft.
Jeder Fallschirmjäger wurde in mehreren Verwendungen ausgebildet. Dazu fanden Lehrgänge statt, um die Fallschirmjäger weiter zu spezialisieren. In der Regel durchlief ein Soldat bei den Fallschirmjägern der NVA zusätzlich zu seiner normalen Ausbildung, innerhalb der drei Jahre mindestens einen, oft zwei oder drei Speziallehrgänge wie der Kfz- und panzertechnischer Lehrgang, Scharfschützenlehrgang, Taktiklehrgang, Nahkampflehrgang für Spezialisten (Erweiterung des normalen Nahkampfprogramms), Sanitätslehrgang (ebenfalls Erweiterung des normalen Ausbildungsprogramms), Lehrgang zur Aufklärung und Spezialtaktik der NATO-Streitkräfte.
Der Lehrgang über den Einsatz und Umgang mit Kernminen wurde hingegen von ganzen Dienstjahren gleichzeitig besucht.
Nach der Umstellung auf das sowjetische Luftsturmkonzept blieben Teile dieses Einsatzkonzeptes erhalten. Da außerdem weder der Verband, noch die Lufttransportkapazitäten entsprechend den Erfordernissen der neuen Doktrin wuchsen, änderte sich an den praktischen Einsatzmöglichkeiten nichts Wesentliches.
Die Fallschirmjäger waren bis 1972 dem Militärbezirk V (Nord) und danach direkt dem Kommando Landstreitkräfte (KdoLaSK) unterstellt. Der Tarnname des Luftsturmregiments 40 (LStR-40) lautete „Lötzinn“.
Rekrutierung und Ausbildung
Rekrutierung mini|Kartenstudium während eines Marsches mini|Soldaten werden im neu übernommenen Objekt in der Beelitzer Straße in Lehnin vereidigt. Jeder Fallschirmjäger einer Kampfeinheit musste sich für mindestens drei Jahre verpflichten.
Jeder Fallschirmjäger in einer Fallschirmjäger- bzw. Luftsturmkompanie oder dem Sprengtaucherzug (später in Aufklärungszug umbenannt) war Freiwilliger. Spätestens bei der Musterung musste ein Wehrpflichtiger, wie bei der Bundeswehr auch, den Wunsch äußern zu dieser Truppe zu kommen und wurde auf Sprungtauglichkeit untersucht. Bei Tauglichkeit wurde er zu dem in seiner Nähe befindlichen Bezirksausbildungszentrum (BAZ) der GST delegiert und bekam dort die Ausbildung der GST für die Laufbahn Fallschirmjäger. Das geschah in den Sommermonaten von April bis Oktober, je eine Woche im Monat unter Befreiung von Schule oder Lehre. Hier führten meist ehemalige Fallschirmjäger der NVA die Ausbildung mit den Jugendlichen durch.
Die Ausbildung beinhaltete lange Geländeläufe und Märsche sowie den Umgang mit Karte und Kompass allein oder in der Gruppe, Tastfunkausbildung (nur Geben von Zahlen), Schießausbildung mit Kleinkaliberwaffen, Überwinden der Sturmbahn und unterschiedlicher Hindernisse. Hinzu kam die Fahrschulausbildung für die Klassen 5 und 1 (LKW und Motorrad). Wer diese Ausbildungen nicht vor Dienstantritt absolvierte, wurde selten in den Truppenteil einberufen.