Das Mauser Modell 98 wurde als Gewehr 98 im Jahr 1898 beim preußischen Heer eingeführt. Es ist ein Mehrladegewehr basierend auf dem Verschlusssystem des deutschen Waffenherstellers Mauser. Die Repetierwaffe mit Zylinderverschluss und dem in die Waffe integrierten Magazinkasten für fünf Patronen wurde ab 1898 in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Die wohl bekanntesten Ausführungen sind das bereits genannte Gewehr 98 (G98) und der Karabiner 98k mit kürzerem Lauf. Mit einer Gesamtzahl von größenordnungsmäßig 100 Millionen hergestellten Einheiten ist das verwendete Mauser System 98 eines der weltweit meistproduzierten Waffen-Verschlusssysteme.
Verwendung Das Gewehr 98 erhielt die Zulassung durch die preußischen Behörden im Jahr 1898, eingeführt als „Modell 98“ im Kaliber 8 × 57 (7,92 × 57 mm). Das Königreich Bayern erhielt die Mauser-Lizenz erst am 17. September 1901 für die Königlich Bayerische Gewehrfabrik in Amberg. Erst am 2. Mai 1900 hatte Prinzregent Luitpold das Gewehr 98 für die bayerische Armee als Ordonnanzwaffe angenommen. Der Grund waren die schlechten Erfahrungen mit dem Vorgänger, dem Gewehr 88 (das nicht von Mauser stammte, sondern von der GPK entwickelt worden war und daher auch den Namen Kommissionsgewehr trug). Die Infanterie des Deutschen Heeres war während des Ersten Weltkriegs überwiegend mit dem Gewehr 98 ausgerüstet. Die Kavallerie, Pioniere und sonstige Spezialtruppen verwendeten verschiedene Karabiner mit dem Mauser-System 98. Nach dem Kriegsende wurden in der Reichswehr überwiegend die Karabiner 98a und Karabiner 98b verwendet. Das Nachfolgemodell Karabiner 98k wurde ab 1935 in der Wehrmacht und so auch als Standardwaffe im Zweiten Weltkrieg verwendet. Das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung setzt den Karabiner 98k noch im protokollarischen Dienst in Dekoausführung ein. Der Verschluss Mauser System 98 wird auch in einer ganzen Reihe anderer Gewehre verwendet, beispielsweise dem spanischen Santa Barbara FR 8.
Entwicklung mini|350px|Schnittmodell
Die Entwicklung des Gewehres begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch Mauser in Oberndorf am Neckar. 1898 wurde die Waffe standardisiert und in das Deutsche Heer eingeführt, daher auch der Name: G(ewehr) 98. Unterschiedliche Hersteller deckten den Rüstungsbedarf. Zehn Jahre später wurde eine neue, kürzere Variante hergestellt, die sich auch für andere Aufgaben eignen sollte. Sie war ein Kompromiss zwischen Leistung, Tragbarkeit und Handlichkeit. Das Modell Mauser Karabiner 98AZ (später Kar98a (klein a)) überzeugte durch einen hervorragend konstruierten, robusten Drehzylinderverschluss mit zwei vorne liegenden Verriegelungszapfen und einem rückwärtigen Sicherheitszapfen.
Der Mauserverschluss war Vorbild für viele Konstruktionen. Gewehre der Modell-98-Serie und deren Weiterentwicklungen und Varianten wurden über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren in großer Zahl hergestellt und weltweit verbreitet. Schätzungen gehen von etwa 100 Millionen produzierten Gewehren aus. Selbst heute sind Varianten des Karabiners noch in Gebrauch, im zivilen Bereich vorwiegend als Jagdgewehr, in Entwicklungsländern auch häufig als Polizei- und Militärwaffe.
Es gibt verschiedene Versionen von Karabinern 98, die alle als Karabiner mit System 98 zusammengefasst werden. Die Karabiner Artillerie, Kavallerie, A und AZ wurden im Ersten Weltkrieg verwendet. Die Karabiner 98b und 98a wurden von der Reichswehr und anderen bewaffneten Formationen zur Zeit der Weimarer Republik getragen, dabei ist das Modell 98a mit dem 98AZ identisch. Der Karabiner 98 kurz und das Gewehr 33/40 wurden von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendet. Der K98 ist eine polnische Kopie des deutschen Karabiner 98b. Oft wird der Karabiner 98 k fälschlicherweise mit „K98“ abgekürzt.
Versionen mini|350px|Mauser Karabiner 98 kurz alternativtext=|mini|350x350px|Mauser Karabiner 98AZ (später klein a) mini|Frontansicht mit Mündung, Korn, Bajonetthalterung und Aufnahme für den Putzstock mini|Seitengewehr S84/98 III für den Kar98k mini |Zusammengefasstes Feuer auf ein Luftziel mit Gewehr 98 im Hamburger Fremdenblatt vom 27. Dezember 1914 mini|Lagerhalle im norwegischen Stavanger mit mehreren zehntausend, bei Kriegsende überlassenen Mauser Modell 98 der deutschen Wehrmacht (1945)
(Hinweis: Da sehr viele Varianten und Versionen existieren, werden hier nur die wichtigsten aufgeführt.) Mehrladegewehr Modell Mauser 98 (G98) Die 1240 mm lange Grundversion, die ab 1898 hergestellt wurde, war die Standardwaffe des Deutschen Heeres während des Ersten Weltkriegs. Neben dem neu konstruierten Zylinderverschluss besaß das Gewehr einen 740 mm Lauf für die verbesserte 8×57IS-Patrone. Markant war die Quadranten-Visiereinrichtung des Konstrukteurs Lange, die ab 1905 eine Einteilung von 400 bis 2000 Meter aufzeigte. Zum Gewehr gehörten ein verstellbarer Ledertrageriemen, ein Mündungsschutz mit Klappe, wodurch die Laufreinigung ohne Abnahme des Mündungsschutzes möglich wurde, und das lange Bajonett 98. Während des Ersten Weltkrieges wurden geringfügige Änderungen durchgeführt. Unterschiedlichste Bajonette, u. a. das bekannte Modell 98/05, wurden bis 1918 für Gewehr und Karabiner entwickelt.
Karabiner 98 Kavallerie Um einen modernen und vor allem mit anderen Truppenteilen kompatiblen Ersatz für den Karabiner 88 (auch Kommissionsstutzen genannt) zu haben, führte die deutsche Kavallerie 1900 eine verkürzte Version des Gewehr 98 ein. Er hatte einen flachen löffelartigen, abgekröpften Kammerstängel. Seine Lauflänge beträgt 435 mm.
Karabiner 98 Artillerie Um ebenfalls eine moderne und munitionskompatible Waffe zu haben, führte auch die Artillerie einen Karabiner mit dem Mauser-System 98 ein, dieser ersetzte das Gewehr 91 und war bis auf eine Zusammensteckeinrichtung mit dem Karabiner 98 Kavallerie identisch. Diese Einrichtung erlaubte es Soldaten ihre Waffen zu Pyramiden zusammenzustecken.
Karabiner 98A Um einen einheitlichen Karabiner für Artillerie und Kavallerie zu haben, wurde 1902 der „Karabiner mit Aufpflanzvorrichtung für des Seitengewehr 98“ eingeführt. Seine Lauflänge beträgt 435 mm. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern hat er eine andere Schäftung und das Korn wird nun von Kornschutzbacken geschützt. Es ist der erste Karabiner, der in geringem Umfang auch an Spezialeinheiten ausgegeben wurde.
Karabiner 98AZ (nach 1918 Karabiner 98a) Da der Karabiner 98A wegen seines kurzen Laufes zu einem enormen Mündungsfeuer neigte, was vor allem Spezialeinheiten bemängelten, wurde 1908 der „verlängerte Karabiner 98 mit Aufpflanz- und Zusammensteckvorrichtung“ eingeführt. Seine Lauflänge beträgt 590 mm, was im Vergleich zum Karabiner 98A Probleme mit dem Rückstoß und Mündungsfeuer verringerte. Im Gegensatz zum flachen Kammerstängel seiner Vorgänger erhielt er einen angewinkelten Kammerstängel mit Kugelkopf. Kenntlich war er zudem an dem fast bis zur Mündung reichenden Ganzschaft mit Handschutz, einem unten angesetzten Dorn zum Zusammenstellen mehrerer Karabiner und dem mit einem Scharnier aufklappbaren Oberring. Er war während des Ersten Weltkrieges eine beliebte Alternative zum langen und unhandlichen Gewehr 98, bewährte sich im Grabenkampf und wurde überwiegend an Sturmtruppen ausgegeben. Nach dem Krieg wurde die Namenspolitik der Karabiner geändert und aus dem Kar98AZ wurde der Kar98a (klein a). Mit der Einführung eines neuen, schwereren Geschosstyps für die deutsche Standardpatrone 8 × 57 IS wurden 1923 Probleme mit dem Rückstoß und Mündungsfeuer weiter verringert.
Gewehr 98/17 Als im Verlauf des Ersten Weltkrieges die erwähnten Mängel am Gewehr 98 zu Tage traten und man zudem die Produktion der Waffe vereinfachen wollte, entwickelte man ab 1917 das Gewehr 98/17, auch Versuchsgewehr 98/17. Im Vergleich zum G98 waren einige Teile des G98/17 arbeitszeit- und materialsparender ausgeführt, wobei keine neuen Maschinen hätten beschafft werden müssen. Zudem besaß das G98/17 ein Visier, welches bereits bei 100 Meter begann. Ähnlich dem japanischen Typ 38 Arisaka besaß das G98/17 einen Staubschutz über dem Zylinderverschluss. Eine neue Magazinzubringerplatte blockierte den Verschluss bei leer geschossenem Magazin und verhinderte so das Blindladen eines G98/17.
Zukunftsgewehr 18 Ein zweiter Versuch, eine an die Bedingungen des Ersten Weltkrieges angepasste Waffe zu fertigen, war das Gewehr 18, kurz G18, auch Zukunftsgewehr 18. Das G18 wurde mit Wechselmagazinen von fünf oder zehn Schuss geladen. Es existierte zudem ein spezielles Magazin mit einer Kapazität von 25 Schuss. Dabei konnte ein G18 alternativ mit Fünf-Schuss-Ladestreifen beladen werden. Der Magazinwechsel war nach dem Betätigen eines Elementes im Abzugsbügel möglich, jedoch nur bei geöffnetem Verschluss, was den versehentlichen Verlust des Magazins verhindern sollte. Das G18 übernahm die Idee eines Verschlussfanges und Staubschutzes vom G98/17, wobei der Staubschutz fest am Zylinderverschluss befestigt war und beim Repetieren mitlief. Der Schlagbolzen des G18 war hohl und beherbergte die dort deutlich besser geschützte Schlagbolzenfeder. Zur Massenproduktion des G18 kam es aufgrund des Kriegsendes 1918 nicht mehr.
Karabiner 98b Der Versailler Vertrag erlaubte dem Deutschen Reich nur eine bestimmte Anzahl an Gewehren zu besitzen. Aus diesem Grund wurde auf die weniger streng regulierten Karabiner ausgewichen, bis 1923 mit dem Karabiner 98b eine Waffe geschaffen wurde, bei der es sich lediglich um ein leicht abgeändertes Gewehr 98 handelte. Seine Lauflänge beträgt 740 mm wie beim Gewehr 98. Um als Karabiner durchzugehen, wurde der gekrümmte Kammerstängel mit Kugelkopf des Karabiner 98AZ verwendet und seitliche Trageriemenhalterungen angebracht. Zudem wurde bei diesem Modell das „Lange-Visier“ des Infanteriegewehres durch ein Tangentenvisier mit austauschbarer Rampe ersetzt. Viele G98 wurden so zum Karabiner 98b umgerüstet.
Mauser Standard Karabiner Dieses um 1924 für den Export in andere Länder geschaffene Modell hat zwar mit 1110 mm eine ähnliche Gesamtlänge wie der Karabiner 98a, übernahm jedoch im Vergleich zu diesem mehr Teile vom ursprünglichen Gewehr 98, um eine Herstellung auf dessen Maschinen zu ermöglichen. Hauptabnehmer waren China und südamerikanische Staaten, aber auch die SA und SS kauften einige Exemplare.
Karabiner 98 DRP (Mauser Banner) Als nach der Machtergreifung 1933 die Wiederaufrüstung begann, wurden die ersten Karabiner offiziell im Namen der deutschen Reichspost bestellt. Diese Modelle unterscheiden sich nicht vom Mauser Standard Karabiner, tragen jedoch mit D.R.P. den Stempel der Deutschen Reichspost. In Wirklichkeit gelangten die meisten dieser Waffen zur SA und später zur SS.
Karabiner 98k