Das Stadion Graz-Liebenau, traditionell Liebenauer Stadion, ist ein Fußballstadion im Bezirk Liebenau der österreichischen Stadt Graz, Bundesland Steiermark, und zugleich das größte seiner Art in der Stadt. Es ist die Heimspielstätte der beiden Profifußballvereine aus Graz, des SK Sturm Graz und des GAK. In direkter Nachbarschaft südlich liegt die Eissporthalle Merkur-Eisarena mit 4126 Plätzen.

Das Stadion wurde in den Jahren 1994 bis 1997 als Neubau des 1951 eröffneten Bundesstadions Liebenau geplant und errichtet. Zusätzlich als Veranstaltungsort für Bundes-, Zweit- und Regionalliga-Spiele sowie Europacup-Partien nutzt der ÖFB die Arena als Spielstätte der österreichischen Fußballnationalmannschaft und zur Ausrichtung diverser Finalspiele (ÖFB-Cup und Supercup).

Im Juli 2011 war die Arena einer der Austragungsorte der American-Football-Weltmeisterschaft 2011 in Österreich.

Geschichte Errichtung als Bundesstadion Liebenau

1929 sollte das Sportplatzareal, auf dem das Liebenauer Stadion seit Anfang an stand und steht, erstmals ausgebaut werden. Es diente dem Verein Grazer SC Straßenbahn als Sportstätte. Später nutzte der Sportverein Wacker (Grazer Sportvereinigung) das Areal. Anschließend wurden daraus die Werksportanlagen der Firma Steyr Daimler Puch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verödete die Anlage jedoch massiv und 1950 gab die Bundessportverwaltung der Republik Österreich einen Bescheid zur Errichtung eines Bundessportplatzes im Grazer Süden. Anfangs als reine Leichtathletikanlage geplant, wurde das Stadion im Rahmen des Baus zu einem Fußballstadion mit englischem Rasen erweitert. Sogar ein Hallenbad und ein Kunsteisplatz wurden nach und nach errichtet. Am 9. Juni 1951 fand die Eröffnung des Bundesstadion Liebenau statt. Das Stadion diente zuerst dem Steirischen Fußballverband als Spielort seiner Landesauswahl, die am 9. Juni 1951 mit einem Freundschaftsspiel gegen den englischen Klub AFC Sunderland hier das erste Fußballspiel abhielt.Seite 35 (PDF; 6,5 MB)

Durch den Ausbau in den folgenden Jahren, darunter die Errichtung der Flutlichtanlage 1955 sowie die Deckung und der Ausbau der Tribünen 1970, wurde das Liebenauer Stadion zusehends attraktiver für die Grazer Klubs GAK und Sturm. Bislang wurden schon Spiele mit erhöhtem Besucherandrang sowie Fernsehpartien ins Bundesstadion verlegt, nun bezogen es zuerst Sturm (1974–1982) und später der GAK (1975–1986) als neue fixe Heimstätte. Auch die österreichische Nationalmannschaft konnte am 10. September 1970 (0:1 gegen Jugoslawien) erstmals nach Liebenau geholt werden und spielte hier bis heute (Stand: 21. August 2015) insgesamt 17 Mal. LUV Graz spielte einmalig im Jahr 1991 vor 5500 Zuschauern in Liebenau, nachdem man als damaliger Regionalliga-Verein das Halbfinale des ÖFB-Cup erreichte.

mini|Stadionturm neben der Arena

Neubau Nachdem das Bundesstadion immer renovierungsbedürftiger wurde, entschloss man sich anstelle der Renovierung einen Neubau vorzunehmen. 1994 starteten die Verhandlungen mit dem Bund wegen einer Übernahme des Stadions durch die Stadt Graz. Diese Übernahme erfolgte im Dezember 1994 gemeinsam mit der Zustimmung des Grazer Gemeinderates bezüglich einer 20-prozentigen Mitfinanzierung zum Neubaukonzept. Im Jänner 1995 beschloss die Steirische Landesregierung einstimmig eine 30-prozentige Förderung der Neubaukosten. Man forderte ein 15.000 Zuseher fassendes Stadion, welches auch für internationale Spiele nutzbar sein musste. Eine öffentliche Ausschreibung, ein Wettbewerb zur Realisierung des Stadions startete. Ziel des Wettbewerbes war neben dem Neubau des Stadions die bestmögliche Nutzung aller umgebenden Flächen (samt Errichtung von Parkgaragen, eines Einkaufszentrums, eines Fitnesscenters sowie Büro- und Wohnflächen). Eine Investorengruppe mit den Geschäftspartnern Granit Ges.m.b.H. und der Architektengruppe Team A Graz gewann schließlich den Wettbewerb und begann das Stadion Liebenau samt Sportzentrum zu bauen.Seite 36 (PDF; 6,5 MB)

Der Spatenstich zum Bau erfolgte am 9. Jänner 1995. Ursprünglich wurde das, im Winter 1996/97 fertiggestellte, Fußballstadion nach dem aus Thal stammenden Bodybuilder und Schauspieler, sowie späteren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger benannt (Arnold Schwarzenegger Stadion Graz-Liebenau). Feierlich eröffnet wurde es vor 15.400 Zuschauern am 9. Juli 1997 (exakt 46 Jahre nach dem ersten Spiel im Bundesstadion) mit dem 91. Grazer Stadtderby GAK gegen Sturm Graz, welches Sturm Graz mit 4:0 für sich entscheiden konnte. Das erste Tor im neuen Stadion erzielte Roman Mählich bereits in der dritten Spielminute.

Kontroverse um den Stadionnamen; Namensänderung Im Dezember 2005 entbrannte eine Diskussion um eine Namensänderung des seinerzeitigen Arnold-Schwarzenegger-Stadions, da Schwarzenegger als Gouverneur von Kalifornien unter anderem am 12. Dezember 2005 ein gestelltes Gnadengesuch des zum Tode verurteilten Stanley „Tookie“ Williams ablehnte. Zwischenzeitlich forderten Politiker sogar die Aberkennung seiner österreichischen Staatsbürgerschaft.Raimund Löw: . In: Ö3. 21. Dezember 2005 (Internet Archive) Wiederholt forderten Politiker, insbesondere die der Grünen und der KPÖ, die Umbenennung des Stadions.Kritik an Schwarzenegger aus alter Heimat. In: ORF. 13. Dezember 2005Neuer Name für Schwarzenegger-Stadion? In: ORF. 15. Dezember 2005

Dieses Mal waren die Stimmen, die eine Umbenennung bejahten, intensiver. Bevor im Grazer Gemeinderat Einigkeit erzielt werden konnte, kam Schwarzenegger einer Entscheidung zuvor: Er entzog der Stadt Graz das Recht auf die Verwendung seines Namens, insbesondere als Namensgeber des Fußballstadions.Schwarzenegger schickt Ehrenring zurück. In: ORF. 19. Dezember 2005 Er stellte den Grazern das Ultimatum, bis Jahresende 2005 seinen Namen vom Stadion entfernen zu lassen, ebenso von sämtlichen Internetseiten und Unterlagen, die mit seinem Namen für Graz warben oder im Zusammenhang mit der steirischen Landeshauptstadt standen. In der Nacht zum 26. Dezember 2005 wurde schließlich sein Name vom Stadion entfernt, sodass nur noch Stadion Graz-Liebenau zu lesen war. Man hatte diesen nächtlichen Zeitpunkt gewählt, um der Presse keine Möglichkeit für eine entsprechende Bild-Berichterstattung zu geben, und dennoch waren einzelne Pressevertreter vor Ort.

Kurz darauf startete die Grazer Stadtregierung unter der Leitung des damaligen Grazer Finanzstadtrates Wolfgang Riedler (SPÖ) einen Aufruf an Firmen, worauf sich diese um das Namenssponsoring für das Stadion bewerben konnten. Als Gewinner stellte sich einige Zeit später das Unternehmen UPC Telekabel heraus.

Am 17. Februar 2006 wurde der restliche Teil Stadion Graz-Liebenau entfernt, und bereits einen Tag später präsentierte man den neuen Namen des Stadions: UPC-Arena.Stadion Liebenau heißt künftig „UPC Arena“. In: ORF. 18. Februar 2006 Das erste Spiel im Stadion unter neuem Namen war das am selben Tag stattfindende 125. Grazer Derby zwischen dem SK Sturm und dem GAK, welches torlos endete.

Stadiondebatte Mit der Neueröffnung des Stadions in Liebenau 1997 wurde es von beiden großen Grazer Vereinen als Heimstätte genutzt. In den folgenden zehn Jahren erreichten beide Vereine ihre sportlichen Höhepunkte. Allerdings übernahmen sich beide dabei auch finanziell und verkauften ihre ursprünglichen Heimstätten. Die mittlerweile denkmalgeschützte Gruabn gehört nun der Stadt Graz und dient dem Grazer SC, dessen Sportplatz verbaut wurde, als Heimstätte. Der GAK-Platz in der Körösistraße wurde verbaut.

Während sich Sturm Graz nach einem Zwangsausgleich wieder finanziell erholte, wurde der GAK in die Regionalliga versetzt und musste nach weiteren Pleiten überhaupt von der niedrigsten Spielklasse neu durchstarten.„Eine Frechheit“ - die Grazer Stadionfrage, Kronen Zeitung vom 28. April 2021, abgerufen am 5. Oktober 2023 Seitens Sturm Graz wurde man zunehmend unzufrieden mit der Stadionsituation. Nötige Adaptierungen durch die Stadt, vor allem für internationale Bewerbe, ließen auf sich warten. Gleichzeitig beklagt man als Mieter die mangelnden Möglichkeiten um finanzielle Erlöse zu schaffen; so liegen zum Beispiel die Schankrechte nicht beim austragenden Verein. Die Abwesenheit des GAK im Profifußball nutzte Sturm Graz um Druck auf die Stadt zu machen. Man präsentierte Ausbaupläne und bekundete mehrmals Interesse am Kauf des Stadions. 2019 schaffte der GAK wieder den Weg zurück in den Profifußball (zweithöchste Spielklasse) und trägt seitdem seine Heimspiele wieder in der Merkur-Arena aus. In der Grazer Stadtpolitik wurde geprüft, ob eine Lösung mit zwei Fußballstadien finanziell tragbar wäre, oder ob das Liebenauer Stadion nach einer Champions-League-tauglichen Neugestaltung die Heimstätte für beide Vereine bleibt.Zwei-Stadien-Lösung weiterhin Priorität, orf.at, abgerufen am 4. Oktober 2023 Im Oktober 2024 gab es dann die endgültige Absage an eine Zwei-Stadien-Lösung. Die Stadt kündigte eine Studie für den weiteren Ausbau an. Das Stadion soll dabei wieder tauglich für die Champions League werden, auf mehr als 20.000 Plätze ausgebaut werden und die Außendarstellung flexibel an die Farben und Logos beider Vereine anpassen können.Schlusspfiff in der Stadion-Frage: Kein Neubau in Graz, Kurier am 8. Oktober 2024

Position von Sturm Graz Pläne für Erweiterung – „Tor zur Stadt“ Als Christian Jauk Präsident des SK Sturm Graz wurde, trat er mit dem Plan an, das Stadion in Liebenau zu einem reinen Sturm-Stadion zu machen.Sturm Graz: Neuer Präsident möchte Foda behalten, die Presse vom 18. Jänner 2012, abgerufen am 5. Oktober 2023 Am 10. September 2012 präsentierten die Verantwortlichen des SK Sturm Graz die Pläne für einen möglichen Umbau des Stadions, das in seinem damaligen Zustand zahlreiche Vorgaben der UEFA und des ÖFB für internationale Bewerbsspiele nicht mehr erfüllte.

Neben der notwendigen Adaptierung und Verbesserung der Sicherheitstechnik, der Flutlichtanlage, des Medienbereichs und der Mannschaftskabinen wurde ein Ausbau des VIP-Bereichs um 750 m² geplant. Weiters gab es Pläne, die Kapazität des Stadions durch den Umbau der Nordkurve auf Stehplätze, welche bei internationalen Spielen zu Sitzplätzen umfunktioniert werden können, um ca. 3300 auf 18.700 Plätze zu erhöhen.

Ebenfalls angedacht war eine Überplattung des Stadionvorplatzes und der angrenzenden Ulrich-Lichtenstein-Gasse, auf der eine Fanmeile mit Fan-Shop, Vereinsmuseum, Gastronomie und weiteren Freizeitmöglichkeiten geschaffen werden sollte. So könnte man einerseits Straßenverkehr und Besucher voneinander trennen, andererseits eine spektakuläre Stadteinfahrt herstellen.Peter Klimkeit: . In: Kleine Zeitung. 10. September 2012 (mit Konzept als PDF; 830 kB) In einem PPP-Modell sollte auch die Tiefgarage um 200 Plätze erweitert werden.

Umbau in kleinerem Rahmen und Besucherrekord Die Pläne für das „Tor zur Stadt“ wurden mit der Zeit verworfen. Zum Rückrundenstart der Saison 2015/16 wurden jedoch die ersten notwendigen Adaptierungen fertiggestellt und eröffnet. Pläne für weitere kleinere Umbauten konkretisiert.Grazer Gemeinderat beschließt “Update” für Merkur Arena bei skysportaustria.at, abgerufen am 7. September 2020. Im Laufe der Jahre wurden diese realisiert, die meisten davon, etwa Modernisierung der Kabinen, Elektrik und Sicherheitstechnik, sind für den Besucher kaum wahrnehmbar. Auch zusätzliche Gastro-Boxen, Toiletten und zwei Glaskästen unter dem Dach, die als TV Studio verwendet werden können, wurden hinzugefügt.

Ende Juli 2016 gab es die auffälligste Umbaumaßnahme der jüngeren Vergangenheit. In den Sektoren 10–12, entspricht dem heimischen Fansektor, wurden die Sitze abgebaut und verkauft. Diese wurden durch Wellenbrecher und Stehplätze mit ausklappbaren Sitzen ersetzt, wodurch das Stadion eine Kapazität von 16.764 Zuschauern erreichte. In der 6. Bundesliga-Runde gegen SCR Altach konnten die Stehplätze erstmals genutzt werden.