mini|270px|Luftaufnahme der Festungsstadt Cité von Carcassonne in Frankreich, welche Vorbild für das Spiel ist.
Carcassonne ist ein Legespiel von Klaus-Jürgen Wrede (Autor) und Doris Matthäus (Illustration). Erschienen ist es im Oktober 2000 im Münchner Hans im Glück Verlag. Benannt wurde das Spiel nach der Cité von Carcassonne, einer mittelalterlichen, auf einem Hügel der Altstadt von Carcassonne im Süden Frankreichs gelegenen Stadt, deren „Festungslandschaft“ Thema des Spiels ist.
2001 wurde Carcassonne mit dem Kritikerpreis Spiel des Jahres und dem Deutschen Spielepreis ausgezeichnet. Bis 2025 wurden weltweit über 12 Millionen Exemplare des Grundspiels sowie mehr als 6 Millionen Erweiterungen verkauft. Der Gesamtumsatz des Franchise überschritt damit 400 Millionen US-Dollar. Das Spiel erschien in mehr als 22 Sprachen und wurde in über 35 Ländern vertrieben. Somit gehört Carcassonne zu den erfolgreichsten Familienspielen weltweit. Durch den großen Erfolg von Carcassonne erschienen über die Jahre zahlreiche Erweiterungen zum Grundspiel, weitere eigenständige Spiele sowie PC- und Konsolenumsetzungen.
Spielkonzept In Carcassonne erstellen die Spieler mittels Zusammenfügen quadratischer Kärtchen bzw. Plättchen gemeinsam eine Landkarte. Durch Spielfiguren (Gefolgsleute) können die Spieler Städte, Straßen, Klöster und Wiesen für sich vereinnahmen und erhalten Punkte, sobald das jeweilige Gebiet abgeschlossen ist (mit Ausnahme der Wiese, deren Wertung stets erst nach Spielende Berücksichtigung findet) oder das Spiel endet, weil keine unverbauten Spielkärtchen mehr verfügbar sind. Nach der Wertung der auf der Landkarte befindlichen Gefolgsleute gewinnt derjenige Spieler, der die meisten Punkte für sich verbuchen konnte. Die Gefolgsleute werden im Englischen Meeple genannt – ein Kofferwort aus my + people. Spätestens seit Erscheinen der Neuen Edition im Jahre 2014 verwendet auch der Hans im Glück Verlag diese Bezeichnung für die Spielfiguren.
Zu Beginn des Spiels wird das (vorgegebene) Startkärtchen in die Mitte des Tischs gelegt. Alle anderen Kärtchen werden verdeckt auf einen oder mehrere Stapel verteilt. Ist ein Spieler an der Reihe, zieht er ein Kärtchen, zeigt es seinen Mitspielern, um sich von ihnen „Tipps geben“ zu lassen, legt es passend an die bestehende Landkarte an (was zu Beginn des Spiels ausnahmslos immer möglich ist, da im Spiel insgesamt nur drei verschiedene Kanten existieren – Stadt, Straße und Wiese –, welche die Startkarte – eine Halbstadt mit gerader Straße – allesamt aufweist) und darf sodann einen Gefolgsmann aus seinem Vorrat von sieben Gefolgsmännern (ein achter dient als Zeiger auf der Zähltafel) auf einen Bestandteil (Stadtteil, Wiesenstück, Straßenabschnitt oder Kloster) des soeben gelegten Kärtchens setzen. Durch das Anlegen werden manche der Bestandteile Teil eines größeren Objekts (Stadt, Wiese oder Straße). Je nach Platzierung wird die Spielfigur unterschiedlich benannt: mini|Spielfiguren von Carcassonne Ritter, wenn sie sich in einer Stadt befindet. Wegelagerer, wenn sie auf einer Straße steht. Mönch in einem Kloster. Bauer auf einer Wiese (wird hingelegt und bleibt bis zum Spielende liegen).
Beim Einsetzen der Spielfigur ist zu beachten, dass sich auf dem gesamten Objekt (Stadt, Wiese oder Straße) zuvor noch kein anderer Gefolgsmann befinden darf, auch kein eigener. Jedoch kann es dazu kommen, dass mehrere gleichartige Objekte (Städte, Wiesen oder Straßen), die bereits von Gefolgsleuten besetzt sind, durch geschicktes Anlegen miteinander verbunden werden und danach von mehreren Gefolgsleuten besetzt sind.
Eine Stadt bzw. Straße ist fertiggestellt, wenn sie keine offenen Kanten bzw. Enden mehr besitzt; ein Kloster ist fertiggestellt, wenn die Klosterkarte komplett von acht (eigenen oder fremden) Spielkärtchen umgeben ist. Wird mit dem Anlegen eine Stadt, eine Straße oder ein Kloster fertiggestellt, kommt es augenblicklich zur Wertung, und zwar erhält derjenige Spieler, welcher das fertiggestellte Objekt durch einen Gefolgsmann besitzt, einen Punkt je beteiligter Kartenanzahl gutgeschrieben, bei Klöstern also neun, bei Straßen einen und bei Städten zwei Punkte pro Karte (und zwei pro abgebildetem Wappen pro Stadtkarte). Kommt es zur Situation mit mehreren Gefolgsleuten unterschiedlicher Spieler, gewinnt derjenige mit der Überzahl. Bei Gleichstand erhalten alle beteiligten Spieler die volle Punktzahl. Alle dort vorhandenen Gefolgsleute gehen an ihren Spieler zurück. Gefolgsleute auf Wiesen (Bauern) jedoch werden hingelegt, um zu verdeutlichen, dass sie bis zum Spielende dort liegen bleiben.
Am Spielende werden unvollendete Städte, Straßen und Klöster mit je einem Punkt pro beteiligter Karte gewertet. Vor allem die Bauern haben dann großen Einfluss, denn jede fertige Stadt, die an eine Wiese grenzt, bringt deren Besitzer(n) jeweils drei Punkte unter Mehrheitsbestimmung analog zu den Regeln bei Städten und Straßen. Damit ist Carcassonne bis zum Schluss spannend, weil die Punkte der Schlusswertung das Blatt noch sprichwörtlich in letzter Sekunde wenden können.
+ Punktewertung Während des Spiels fertiggestellt Spielende Stadt ohne Kathedrale 2 Punkte pro Karte2 Punkte pro Wappen3 Punkte für jede Burg 1 Punkt pro Karte1 Punkt pro Wappen mit Kathedrale 3 Punkte pro Karte3 Punkte pro Wappen keine Wertung Straße ohne Wirtshaus 1 Punkt pro Karte3 Punkte für jede Burg mit Wirtshaus 2 Punkte pro Karte3 Punkte für jede Burg keine Wertung Kloster, Burg 1 Punkt1 Punkt für jede angrenzende Karte3 Punkte für jeden angrenzenden Weinberg 1 Punkt1 Punkt für jede angrenzende Karte Wiese ohne Schwein keine Wertung 3 Punkte für jede angrenzende, fertiggestellte Stadt mit Schwein 4 Punkte für jede angrenzende, fertiggestellte Stadt
Vor diesem Hintergrund entwickeln die Spieler ihre Strategien, um die meisten Punkte zu generieren. So ist es recht beliebt, mit Gefolgsleuten der/des Kontrahenten besetzte Objekte in (Punkte-)Besitz zu nehmen (ugs. auch „Einzecken“ genannt), indem man eine Karte in der unmittelbaren Nähe zu einem besetzen Gebiet (zum Beispiel einer Stadt, in der ein Gefolgsmann eines Gegenspielers steht) passend ablegt, einen Gefolgsmann auf diese stellt und in den nächsten Runden versucht, diese Objekte zu einem einzigen (gemeinsamen) Objekt zu verbinden. Dies funktioniert sowohl mit Städten und Straßen als auch mit Wiesen.
Geschichte Entwicklungsgeschichte Carcassonne ist das erste veröffentlichte Spiel von Klaus-Jürgen Wrede. Im Jahr 1992 stand sein erstes Spiel Scippo kurz vor der Veröffentlichung im Hexagames-Verlag. Dieser ging jedoch insolvent. Anschließend versuchte sich Wrede als Buchautor. Für seine Recherche zu einem Buch über den Genter Altar reiste er 1999 nach Südfrankreich in die Gegend von Carcassonne, um sich mit der Geschichte der Katharer zu befassen. Während dieser Reise schmiedete er die Ideen zu dem Spiel, aus dem Carcassonne wurde. Gemeinsam mit dem Prototyp für Mesopotamien reichte er es bei drei Verlagen ein. Wrede fand Mesopotamien besser als Carcassonne und war überrascht, als der Hans im Glück Verlag zusagte und Carcassonne noch zur SPIEL ’00 veröffentlichte. Welchen Erfolg das Spiel langfristig haben würde, war für ihn nicht abzusehen. Es wurden aber schon auf der Messe 2.000 Exemplare von Carcassonne verkauft.
Der Verlag unter Leitung von Bernd Brunnhofer erkannte, dass das Spiel für viele Spieler interessant sein dürfte, denn es vereint Puzzlen mit Taktik. Ursprünglich sollte mit jeder angelegten Karte (Spielzug) ein Gefolgsmann (auch Meeple genannt) irgendwohin gestellt werden dürfen. Da diese ursprüngliche Regel dazu führt, dass sich die Meeple an wenigen attraktiven Stellen sammeln und damit kein cleveres Spiel benötigen, wurde dies von Seiten des Verlages geändert. Ebenso änderte Bernd Brunnhofer die Anzahl der Gefolgsleute von zehn auf sieben (im Feld) und führte die Regelung ein, dass die Meeple nach einer Wertung wieder zum Spieler zurückkommen. Somit wurden interessantere Entscheidungen provoziert, da nun eine Bewertung nach Wiederverwendung der Meeple entsteht und Wertungen nicht immer offensichtlich besser oder schlechter sind. Der Kartentyp „leere Wiese“ wurde zudem gegen Karten mit Klöstern ausgetauscht. Ansonsten sind in der Grundversion nur noch kleinere Änderungen wie genaue Punktzahlen, optische Elemente o. Ä. bekannt.
Wrede lehnte zuerst Erweiterungen ab, erinnerte sich aber an ähnliche Wünsche zu anderen Spielen, weshalb inzwischen zehn große und 34 Mini-Erweiterungen veröffentlicht wurden. Das Buch, für welches er ursprünglich nach Frankreich reiste, wurde schließlich 2015 veröffentlicht.
Auflagen des Brettspiels Mittlerweile sind vier unterschiedliche deutsche Auflagen des Spiels erschienen. Die zweite Auflage korrigierte die mit 70 Feldern zu kurz geratene Zählleiste zu einem Rundkurs und formulierte die Spielanleitung verständlicher. In der dritten Auflage (jetzt mit dem Aufdruck „Spiel des Jahres“ auf dem grafisch veränderten Deckel) wurde eine Spielregel – die sogenannte „Bauernregel“ – vereinfacht. In der vierten Auflage wurde die Bauernregel dann nochmals modifiziert. Insgesamt existieren also drei verschiedene Regeln für Carcassonne. Die ersten Auflagen wurden mit der Altersangabe „ab 10“ verkauft; später hat man das Spiel auf „ab 8“ heruntergesetzt. Bei der Neuen Edition wurde sie auf „ab 7“ verringert. Mittlerweile lautet die aktuellste Version 3.1. und hat weitere leichte Änderungen wie mehr Details auf den Plättchen erfahren.
Es kann mit zwei bis fünf Spielern gespielt werden. Die erste Erweiterung Wirtshäuser und Kathedralen fügt den ursprünglichen Gefolgsleuten – in den Farben Blau, Gelb, Grün, Rot und Schwarz – Graue (ursprüngliche Ausgabe) bzw. Pinke Gefolgsleute hinzu und ermöglicht es so, zu sechst zu spielen. Viele weitere Farben sind zudem im Fanshop Cundco.de verfügbar. Die Big-Box-Edition 2014 ermöglicht das Spielen zu acht durch das Hinzufügen von Gefolgsleuten in den Farben Pink und Violett.
2025 erscheinen nun 10 neue „große“ Erweiterungen, die die bisherigen 10 ersetzen. Dabei wurden alle Erweiterungen generalüberholt oder sogar komplett neu geschaffen. Sie werden nun als Auflage 3.1. bezeichnet.
Erweiterungen
Carcassonne erfreute sich innerhalb kürzester Zeit einer großen und dauerhaften Nachfrage. Der Verlag berichtet, dass viele Rückmeldungen von Spielern eingegangen sind, die nach weiteren Landschaftskarten verlangen.
Das Spielprinzip bleibt im Wesentlichen gleich. Erweiterungen verlängern in erster Linie die Spielzeit, ermöglichen aber auch das Spielen mit mehr Personen. Große Erweiterungen werden mit etwa einer Viertelstunde bemessen. Auch führen sie kleinere Ergänzungen ein, indem neue Spielfiguren und neue Abbildungen auf den Karten weitere Handlungen ermöglichen. Ein Carcassonne-Spiel kann durch die Erweiterungen und mehrere Grundspiele erheblich verlängert werden. Generell sind die Erweiterungen beliebig kombinierbar. Auswirkungen der Erweiterungen untereinander sind aber vor allem bei den Mini-Erweiterungen nicht ausreichend beschrieben.
Carcassonne-Sondereditionen „Das Schicksalsrad“ Bei Das Schicksalsrad handelt es sich um eine eigenständige Version von Carcassonne. Das Spiel beinhaltet Landschaftskarten und Gefolgsleute ähnlich wie das Grundspiel, wurde aber um die „Schicksalsradtafel“ und zugehörige Regeln erweitert. Die Schicksalsradtafel dient als Startplan, an den im Laufe des Spiels die Landschaftskarten angelegt werden und der neue Aktionen mit sich bringt.