mini|B-29-Bomber beim Bombenabwurf über Japan mini|Einem US-Bomber wird bei der Bombardierung Berlins das Höhenleitwerk durch eine Bombe eines darüber fliegenden Flugzeuges zertrümmert

Als Flächenbombardement bzw. Flächenbombardierung wird das Bombardement großer Flächen durch den strategischen Luftkrieg mit einer Vielzahl von Bomben bezeichnet, bei der keine bestimmten Punkte, sondern Zielzonen, gleich ob militärisch oder zivil, getroffen werden sollen. Angriffsmittel sind vorwiegend Bomber, insbesondere schwere strategische Bomber; Angriffsziele sind vorwiegend Städte und Großstädte. Der Tod von Zivilisten wird dabei billigend in Kauf genommen (Kollateralschaden) oder ist sogar ausdrückliches Ziel des Angriffs. Bei Flächenbombardements wird zum Beispiel beabsichtigt, eine kriegswichtige Industrie zu zerstören, massierte Stellungen des Gegners zu zerschlagen und/oder die Loyalität der Bevölkerung des feindlichen Landes zu schwächen, um auf dem Weg eines politischen Umsturzes einen Krieg gewinnen zu können.

Geschichte Die Geschichte des Luftbombardements ist eng verbunden mit der Geschichte des modernen Luftkriegs, deren Anfänge im Wesentlichen im Ersten Weltkrieg liegen. Erstmals kamen in diesem Krieg neben weittragenden Geschützen von Kriegsschiffen und an Land (beispielsweise das Paris-Geschütz) auch die neuentwickelten Bomber-Flugzeuge sowie Militärluftschiffe für Angriffe auf Ziele im gegnerischen Hinterland zum Einsatz. Dabei wurden neben Angriffen auf militärische Ziele vermehrt auch Angriffe zur Terrorisierung der feindlichen Zivilbevölkerung als Mittel der Kriegsführung genutzt. Unter anderem war London häufiges Ziel deutscher Bomber- und Zeppelinangriffe.

Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und die Entwicklung der Luftfahrt in der Zeit danach machten deutlich, dass in zukünftigen Kriegen Flugzeuge eine wichtige taktische und strategische Rolle spielen würden. In seinem Buch Luftherrschaft stellte der italienische General Giulio Douhet bereits 1921 das Bombardieren von Zivilbevölkerung und Industrieanlagen als Mittel der künftigen Kriegführung als unvermeidlich dar.Giulio Douhet: The Command of the Air. New imprint. Translated by Dino Ferrari. Air Force History and Museums Program, Washington D.C. 1998, ISBN 0-16-049772-8, S. 9, 10, (Originaltitel: Dominio dell'Aria. Amerikanische Originalausgabe: Coward-McCann, New York NY 1942). Das Buch erregte in den militärischen Kreisen aller größeren Nationen Aufsehen und hatte besonders in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich erheblichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Luftstreitkräfte und deren Taktik. In der 1928 aufgestellten Trenchard-Doktrin des britischen Luftmarschalls Hugh Trenchard wurde der offensive strategische Luftkrieg als Einsatzdoktrin der Royal Air Force in künftigen Kriegen gegen Industriestaaten festgelegt.

Luftangriffe auf bewohntes Gebiet als Mittel der Aufstandsbekämpfung, häufig mit dem Ziel der Einschüchterung feindlich gesinnter Zivilisten und teilweise unter Einsatz von chemischen Waffen und Brandbomben, wurden in der Zwischenkriegszeit unter anderem von den Briten im Irak, den Franzosen in Syrien, den Italienern und Spaniern in Afrika und den Japanern in China durchgeführt.

Guernica, Spanischer Bürgerkrieg Als erstes Flächenbombardement in Europa seit dem Ersten Weltkrieg gilt der deutsche Luftangriff auf Guernica im Spanischen Bürgerkrieg 1937, der von deutscher Seite als taktischer Angriff zur Zerstörung einer Brücke zu rechtfertigen versucht wurde.

Zweiter Weltkrieg

mini|Rotterdam nach der Zerstörung und Enttrümmerung Die Bombardierung von Städten wurde als Mittel der Kriegführung gleich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges beim Überfall auf Polen von der deutschen Luftwaffe am 1. September 1939 gegen Wieluń mit 87 deutschen Sturzkampfflugzeugen eingesetzt. 70 Prozent der Stadt wurden zerstört.Joachim Trenkner: Ziel vernichtet. In: Die Zeit, 07/2003, (Online). Danach folgte der Angriff am 13. September 1939 auf Frampol und anschließend die Schlacht um Warschau in Kombination mit Artilleriebeschuss durch das Heer. Beim schweren Bombardement mit Sprengbomben durch die deutsche Luftwaffe auf die niederländische Stadt Rotterdam am 14. Mai 1940 starben 814 Einwohner.

Nach dem deutsch-französischen Waffenstillstand von Compiègne setzte die britische Militärführung in Ermangelung anderer militärischer Optionen auf den strategischen Luftkrieg nach den Vorgaben der Trenchard-Doktrin. Gemäß dieser Doktrin hatte das Vereinigte Königreich bereits seit Mitte der 1930er-Jahre seine Luftwaffe mit Fernbomberverbänden ausgerüstet. Dies ermöglichte der britischen Militärführung die schnelle Wahrnehmung dieser strategischen Option im Frühjahr 1940.

Zu häufigen großflächigen Angriffen der Royal Air Force kam es jedoch erst nach den deutschen Luftangriffen auf die britischen Inseln im Rahmen der Luftschlacht um England. Die deutschen Luftangriffe folgten einem ursprünglich dreistufigen Angriffsplan. Ihr Ziel war die absolute Luftherrschaft über weite Teile Süd- und Südwestenglands als Voraussetzung für die geplante Invasion Englands (Unternehmen Seelöwe). Die erste Stufe des Plans sah Angriffe auf Flugplätze und Radarleitstationen (Sector Stations) vor, die zweite Angriffe auf Zentren der britischen Luftrüstung. Die dritte Stufe sah die direkte taktische Luftunterstützung bei der geplanten Invasion vor. Stufe drei wurde nicht umgesetzt, Stufe zwei nur zum Teil. Als Antwort auf einen britischen Nachtangriff auf Berlin begann stattdessen am 7. September 1940 die Luftwaffe mit einem Tagangriff auf London den in England so bezeichneten Blitz, dem bis Mai 1941 43.000 Menschen zum Opfer fielen, davon knapp die Hälfte in London. Ziel der Angriffe war dabei vorwiegend die Terrorisierung der Zivilbevölkerung, obwohl weiterhin auch Industrieziele wie die Hafenanlagen im Londoner East End angegriffen wurden. Zu den bekanntesten Angriffen dieser Phase zählt der Luftangriff auf Coventry 14. November 1940. Coventry wurde wegen seiner Bedeutung für die britische Luftrüstung (Rolls-Royce Flugzeugmotorenwerke) zum Ziel. Bei dem Flächenangriff der deutschen Luftwaffe starben 568 von 328.000 Einwohnern. Die schweren deutschen Angriffe des Blitz ließen im Vereinigten Königreich Rufe nach Vergeltung laut werden. Sie waren somit ein Grund für die starke Ausweitung der Flächenbombardements deutscher Städte. mini|Luftaufnahme der USAAF der großflächig zerstörten Innenstadt von Braunschweig vom 12. Mai 1945.

Geringe Treffgenauigkeit Umstritten ist bis heute, ob treffgenauere Bombenabwürfe die flächenhafte Zerstörung von bewohnten Stadtgebieten hätten verhindern können. Der damalige Stand der Technik und die große Höhe, aus der die Abwürfe zum Eigenschutz erfolgten, führte zu einer erheblichen Streuung der Bomben.

Selbst bei riskanten Tagangriffen mit guter Sicht war die Treffgenauigkeit der Bomber so schlecht, dass 40 % der Bomben weiter als 600 m vom Zielpunkt entfernt einschlugen. Die anfängliche deutsche Lufthoheit zwang die Bomber zu Nachtangriffen, wodurch die Treffgenauigkeit auf die oft verdunkelten Ziele wesentlich sank. Selbst mit dem im Kriegsverlauf entwickelten Zielradar trafen nur 4,4 % der Bomben innerhalb von 300 m rund um das anvisierte Ziel.

Neben diesen technischen Einschränkungen waren im Einsatz auch Abweichungen von der idealen Flugroute oder zu frühe Abwürfe unter dem Flak-Feuer ein weiterer Faktor. Beispielsweise detonierten bei den Nachtangriffe der Royal Air Force auf Dresden, Köln, Essen, Bremen 50 % der Bomben weiter als ein und bis zu zwei km vom vorgesehenen Ziel entfernt.

Area Bombing Directive Vor dem Hintergrund verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen von Forschungseinrichtungen des britischen Air Ministry über die Zielgenauigkeit, die Waffenproduktion, das Verlustrisiko und die „Effektivität“ bereits erfolgter britischer Luftangriffe (Butt Report) kam es damals zu der Entscheidung der britischen Militärs, verstärkt Brandbomben und Luftminen über dicht bebauten Stadtgebieten Deutschlands abzuwerfen, um so einen Feuersturm zu entfachen. Diese Strategie wurde am 14. Februar 1942 in der vom Chef des britischen Luftstabs Charles Portal entwickelten Area Bombing Directive festgelegt. In den Begleitakten dieser Richtlinie vermerkte Portal hierzu: „Es ist klar, daß die Zielpunkte die Siedlungsgebiete sein sollen und beispielsweise nicht Werften oder Luftfahrtindustrien.“ Die Umsetzung dieser Strategie fiel dem Chef des RAF Bomber Command, Luftmarschall Arthur Harris, zu. Dieser wurde von Premierminister Winston Churchill, dem Vorsitzenden des Kriegskabinetts beauftragt, das morale bombing gemäß der Direktive zu führen. Dieses sollte durch gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung, insbesondere die Industriearbeiterschaft, deren Moral brechen und ihren Widerstandswillen schwächen.

Die Area Bombing Directive stellte einen bedeutsamen Politikwechsel dar. Hohe Verluste der deutschen Zivilbevölkerung wurden damit nicht mehr nur billigend in Kauf genommen, sondern sie wurden zum eigentlichen Ziel der Luftangriffe. Zur Durchführung dieser Strategie wurden in einer detaillierten, nach Priorität sortierten Zielliste zuerst alle deutschen Städte mit über 100.000 Einwohnern, später auch alle mit über 15.000 Einwohnern erfasst. Nach dieser Liste wählte das britische Bomber Command seine Ziele aus. Diese Liste ermöglichte auch das flexible Zuweisen von Ausweichzielen, falls ein Ziel, zum Beispiel wegen ungünstiger Wetterbedingungen, nicht erreichbar war. Verfahren wie der Bomberstrom, Zielmarkierung durch Pfadfinderflugzeuge und präzise Funknavigation sind eng mit dem Bombenkrieg der Royal Air Force gegen Deutschland verbunden. Dem britischen Luftkrieg gegen Deutschland fielen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 420.000 und 570.000 Zivilisten zum Opfer. Auch die Verluste der angreifenden Royal Air Force waren sehr hoch. Von 125.000 eingesetzten Soldaten wurden 55.000 getötet, also 44 % während der Angriffe. Bei den deutschen Luftangriffen auf das Vereinigte Königreich starben bis 1945 etwa 60.000 Menschen.

Pfadfinderflugzeuge Pfadfinderflugzeuge flogen vor und im Flugzeugverband. Ihre Aufgabe war das Führen des Verbandes zum Ziel und die Identifizierung und Markierung des Angriffszieles. Während die vorausfliegenden Maschinen die Erstmarkierung übernahmen, hatten die im Verband fliegenden Maschinen die Aufgabe, die Zielmarkierung immer wieder zu erneuern, um einen möglicherweise von Dunkelheit, Rauch und Feuer eingehüllten Zielpunkt erneut für die anfliegenden Bomber klar zu definieren.

Die Pathfinder Force des RAF Bomber Command (später No. 8 (Pathfinder Force) Group) wurde im August 1942 aufgestellt. Die US-amerikanische 8th Air Force folgte 1943 mit der 482nd Bombardment Group (Pathfinder). Die bei Nachtangriffen zur Zielmarkierung in Gruppen eingesetzte Leuchtmunition der Pfadfinderflugzeuge bekam von der deutschen Bevölkerung den Spitznamen „Christbäume“.

Deutscherseits führte die Kampfgruppe 100 beim Luftangriff auf England und den Luftangriffen auf Moskau sämtliche Weg- und Zielmarkierungen durch.Wolfgang Dierich: Die Verbände der Luftwaffe 1935–1945. Gliederungen und Kurzchroniken – eine Dokumentation. Sonderausgabe. Heinz Nickel, Zweibrücken 1993, ISBN 3-925480-15-3, S. 140. Im April 1943 entstand die I. Gruppe/KG 66 als Pfadfinderverband. Sie war in Frankreich stationiert und führte bei Luftangriffen auf England (z. B. Unternehmen Steinbock) Weg- und Zielmarkierungen durch.Wolfgang Dierich: Die Verbände der Luftwaffe 1935–1945. Gliederungen und Kurzchroniken – eine Dokumentation. Sonderausgabe. Heinz Nickel, Zweibrücken 1993, ISBN 3-925480-15-3, S. 131.

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