Torgau ist eine Große Kreisstadt mit etwa 20.000 Einwohnern und Verwaltungssitz des Landkreises Nordsachsen in Sachsen. Mit Dreiheide bildet Torgau die Verwaltungsgemeinschaft Torgau/Dreiheide.

Geographie Geographische Lage Die Stadt Torgau liegt im Norden des Freistaates Sachsen am westlichen Ufer der Elbe in einer Höhe von etwa 85 Metern über dem Meeresspiegel. Westlich von Torgau beginnt die Dübener Heide, die sich im Westen bis Eilenburg und im Norden bis Gräfenhainichen und Kemberg erstreckt. Südwestlich der Stadt liegt der Große Teich, der vom Schwarzen Graben, aus Richtung Audenhain kommend, gespeist wird. An den See schließt sich südlich der Torgauer Ratsforst an.

Die nächsten größeren Städte sind im Uhrzeigersinn beginnend im Westen: Eilenburg (27 Kilometer, weiter bis nach Leipzig 50 Kilometer), Bad Düben (28), Bad Schmiedeberg (22, weiter bis zur Lutherstadt Wittenberg 45), Herzberg (23), Bad Liebenwerda (28) und Riesa (37).

Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in die Kernstadt Torgau sowie folgende Ortsteile:

Geschichte Anfänge bis zur Leipziger Teilung Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort unter dem Namen Torgove in einem Dokument aus dem Jahr 973. Wann der Ort eine Stadt wurde, ist nicht datiert. Zumindest aus dem Jahr 1267 findet sich eine Notiz, die von der Stadt Torgau spricht.

1344 erfolgte die Ersterwähnung der Bürgerwehr Die Geharnischten im Städtebund Torgau, Oschatz und Grimma, die in der Wurzener Fehde 1542 Berühmtheit erlangte.

1485 fand die Leipziger Teilung zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht statt.

Herkunft und Bedeutung des Namens der Stadt Im Laufe der Jahre variierten die Schreibweisen des Namens von Torgau im Unterschied zu vielen anderen Ortsnamen nur geringfügig.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M–Z. Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 512. In zahlreichen Urkunden und Akten steht zum Beispiel:

973: Turguo 1004: Torgua, Turgua 1119: Thurgovve, es wird ein mercatus (mercatus ist Handel, Markt, Messe)Bernhard J. Müller (Hrsg.): Taschenbuch Latein, Latein – Deutsch (= Compact Silverline Wörterbuch). Unter Mitarb. von Domingo Avilés. Nachdruck. Compact, München 2010, ISBN 978-3-8174-9026-4. genannt. 1181: Thurugowe 1204: Ein Adelsgeschlecht nennt sich nach der Stadt, von Torgau 1234: Torgowe 1243: Turgowe 1350: Turggo, civitas Turgow (civitas ist Bürgerrecht oder Bürgerschaft) 1406: Thurgaw, Turgaw, Torgau seit 1791 wird Torgau wie in der Gegenwart geschrieben und gesprochen.

Der Name ist altsorbischer Herkunft; „torg“ bedeutet Markt (vgl. ). Torgow ist also ein Marktort.

Zeit der Reformation mini|Torgauer Artikel Der sächsische Kurfürst Ernst machte Torgau zur Residenz seines Machtbereiches. Schloss Hartenfels wurde zur Hauptresidenz der ernestinischen Kurfürsten: Hier residierten Friedrich der Weise, Johann der Beständige und Johann Friedrich. Torgau war mit Schloss Hartenfels zu der Zeit das politische Zentrum der Reformation und ist heute eine wichtige Lutherstätte in Sachsen. Überliefert ist der Spruch: „Wittenberg ist die Mutter, Torgau die Amme der Reformation“. Im März 1530 verfasste Martin Luther hier gemeinsam mit Jonas, Melanchthon und Bugenhagen die Torgauer Artikel. Johann Walter, der Herausgeber des ersten evangelischen Chorgesangbuchs, arbeitete ab 1526 als Stadtkantor in Torgau.

mini|hochkant|Grabmal von Katharina von Bora Im Schmalkaldischen Krieg von 1546 bis 1547 unterlagen die protestantischen Landesfürsten Kaiser Karl V. Infolge der Wittenberger Kapitulation kam neben anderen Gebieten auch Torgau vom ernestinischen Sachsen unter Johann Friedrich zum albertinischen Sachsen unter seinem Vetter Moritz in Dresden. Durch den gleichzeitigen Wechsel der Kurwürde blieb es in Kursachsen. Schloss Hartenfels war fortan nur noch Nebenresidenz, verlor jedoch nie die symbolische Bedeutung für die reformatorische Bewegung.

1552 reiste Luthers Witwe Katharina von Bora nach Torgau, um sich vor der in Wittenberg ausgebrochenen Pest in Sicherheit zu bringen. Bei einem Kutschenunfall brach sie sich jedoch das Becken und starb am 20. Dezember 1552 in Torgau an den Folgen. In ihrem Sterbehaus befindet sich ein ihr gewidmetes Museum. Ihr Grabmal in der Kirche St. Marien ist eine der Torgauer Sehenswürdigkeiten.

18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts mini|Karte von Torgau um 1756. mini|Karte von Torgau und Umgebung um 1770. Am 3. November 1760 fand mit der Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen die letzte große Schlacht des Siebenjährigen Krieges statt.

Im Jahr 1811 wurde auf Befehl Napoleons die Festung Torgau ausgebaut. Im Rahmen der Befreiungskriege wurde sie Ende 1813 von Preußen nach vorheriger Belagerung erobert. Torgau fiel nach dem Willen der Sieger und den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 dauerhaft an Preußen in der Provinz Sachsen.

mini|Katholische Kirche und Schule nach dem Brand 1906.

Ab 1854 gab es vorrangig für die katholischen Soldaten in preußischen Diensten eine katholische Kirche; sie brannte 1906Die Brandkatastrophe in Torgau. In: Stadt Gottes. Familienzeitschrift der Steyler Missionare. Ausgabe Deutschland. Steyler Missionare, Missionsdruckerei Steyl, Nettetal/Steinhausen 1906, S. 517. ab und wurde 1909 an anderer Stelle durch einen größeren Nachfolgebau ersetzt. Am 13. August 1864 gründete sich die Turnerfeuerwehr Torgau, später Freiwillige Feuerwehr Torgau. 1927 nahm Villeroy & Boch das Steingutwerk Torgau in Betrieb.

Zur Zeit des Nationalsozialismus, in den Jahren von 1943 bis 1945, war Torgau Sitz des Reichskriegsgerichts. Im Wehrmachtgefängnis Torgau auf Fort Zinna wurden über 1000 Todesurteile verhängt und vollstreckt. Opfer der Hinrichtungen waren unter anderem Wehrdienstverweigerer, Zeugen Jehovas, Widerstandskämpfer und amerikanische Kriegsgefangene. Heute befindet sich hier der Erinnerungsort Torgau (Stiftung Sächsische Gedenkstätten).

Torgau beherbergte von Februar 1941 bis April 1945 in einer ehemaligen Druckerei in der Naundorfer Straße den Sitz der Verwaltung des Kriegsgefangenenlagers Stalag IV D. Während im Lager in Torgau etwa 800 Kriegsgefangene lebten, waren am 1. Oktober 1944 insgesamt 45.223 Kriegsgefangene im Stalag IV D in Torgau registriert. Sie wurden fast alle auf Arbeitskommandos im Umland verteilt.

Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945) verzeichnet namentlich vier jüdische Einwohner Torgaus, die deportiert und ermordet wurden.Suche im Gedenkbuch. Suchen nach: Torgau – Wohnort. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv; abgerufen am 22. Dezember 2021.

„Begegnung an der Elbe“ mini|hochkant|Sowjetisches Denkmal anlässlich des Zusammentreffens der Alliierten Truppen mini|Elbebrücke 2012 Torgau erlangte Ende des Zweiten Weltkrieges internationale Berühmtheit, als sich am 25. April 1945 sowjetische und US-amerikanische Truppen an der Elbe bei der Stadt trafen und am 26. April 1945 diesen „Elbe Day“ für die Kameras auf der zerstörten Elbebrücke in Szene setzten.Siehe auch über 40 Filme auf YouTube, abgerufen am 7. Januar 2017.

Den ersten Kontakt hatten die beiden Armeen während des Krieges in Europa am 25. April 1945 an der Elbe bei Strehla, 30 Kilometer flussaufwärts von Torgau.. Der Gedenktag „Elbe Day“ erinnert an dieses Ereignis. Einer der damals am Treffen teilnehmenden US-Soldaten, Joe Polowsky, setzte sich später für die Anerkennung des 25. April als „Weltfriedenstag“ ein. Gemäß seinem letzten Willen wurde er 1983 auf dem evangelischen Friedhof in Torgau begraben.

Nachkriegszeit bis 1989 Von September 1945 bis Oktober 1948 betrieb der NKWD in Torgau im früheren Wehrmachtgefängnis Fort Zinna und in der nahe gelegenen Seydlitz-Kaserne die Speziallager Nr. 8 und Nr. 10.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Torgau, das zuvor dem ehemaligen preußischen Regierungsbezirk Merseburg angehört hatte, Teil des neu gegründeten Landes Sachsen-Anhalt. 1952 folgte im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR die Zuordnung als Kreisstadt zum Bezirk Leipzig.

Zwischen 1964 und 1989 gab es in Torgau einen Geschlossenen Jugendwerkhof.

Zum 1000-jährigen Stadtjubiläum am 5. Juni 1973 ließ der Rat der Stadt Torgau ein Goldenes Buch anfertigen, in das sich seitdem Gäste der Stadt eintragen. Es wurde von der Papierfabrik J. W. Zanders hergestellt, ist 40 × 40 × 5 cm groß und etwas mehr als 4 kg schwer.

Seit der Wende Als mit der Wiedervereinigung 1990 die Grenzen der neuen Bundesländer festgelegt wurden, gelangte Torgau im Ergebnis einer Volksbefragung zusammen mit dem Großteil des Bezirks Leipzig zu Sachsen.

Zum 1. Januar 1994 wurde Torgau Verwaltungssitz des Landkreises Torgau-Oschatz und zum 1. August 2008 des Landkreises Nordsachsen. Die ehemalige Kreisstadt Delitzsch hat zwar deutlich mehr Einwohner, ist jedoch dezentral gelegen.

Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

Eingemeindungen Am 20. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständige Gemeinde Werdau und der Ortsteil Repitz der Gemeinde Döbern eingegliedert. Am 1. Januar 1994 wurden Graditz und Melpitz eingemeindet. Am 1. Januar 2009 erfolgte die Eingemeindung der zuvor selbstständigen Gemeinde Pflückuff, die Stadtfläche wurde dadurch von 42,08 km² auf 90,33 km² mehr als verdoppelt. Mit der Eingemeindung von Zinna mit Wirkung zum 1. Januar 2013 stieg die Fläche der Stadt über 100 km².

Ehemalige Gemeinde bzw. Gutsbezirk Datum Anmerkung Altenau Teileingliederung (4,1 ha) der wüsten Mark in den Gutsbezirk Repitz Beckwitz Zusammenschluss mit Loßwig, Mehderitzsch, Staupitz und Weßnig zu Pflückuff Bennewitz Eingemeindung nach Weßnig Borack (Boragk) Eingemeindung der wüsten Mark nach Mehderitzsch Eiserkuth Eingemeindung der wüsten Mark nach Staupitz Graditz Graditz, Gutsbezirk zwischen 1928 und 1930 Eingemeindung nach Graditz Kranichau Eingemeindung nach Mehderitzsch Kranichau, Gutsbezirk Rittergut zwischen 1928 und 1930 Eingemeindung nach Kranichau Kunzwerda, Gutsbezirk Freigut zwischen 1928 und 1930 Eingemeindung nach Weßnig Loßwig Zusammenschluss mit Beckwitz, Mehderitzsch, Staupitz und Weßnig zu Pflückuff Mahla, Gutsbezirk Freigut zwischen 1928 und 1930 Mehderitzsch Zusammenschluss mit Beckwitz, Loßwig, Staupitz und Weßnig zu Pflückuff Melpitz Obernaundorf Eingemeindung der wüsten Mark nach Staupitz Pflückuff Repitz Umgliederung von der Gemeinde Döbern nach Torgau, (zwischen 1928 und 1930 Eingliederung des Gutsbezirks Repitz in die Gemeinde Döbern) Schloßwiesen Eingemeindung der gemeindefreien Grundstücke nach Staupitz Staupitz Zusammenschluss mit Beckwitz, Loßwig, Mehderitzsch und Weßnig zu Pflückuff Welsau Eingemeindung nach Zinna Werdau Weßnig Zusammenschluss mit Beckwitz, Loßwig, Mehderitzsch und Staupitz zu Pflückuff Weßnig, Gutsbezirk Rittergut zwischen 1928 und 1930 Eingemeindung nach Weßnig Zinna (Flur 5) Umgliederung von ca. 36,5 ha (Teil der Gemarkung Zinna Flur 5) nach Torgau (Gemarkung Torgau Flur 41) Zinna (Flur 11 und 12) Umgliederung von 190,0902 ha (Gemarkung Zinna Flur 11 und Zinna Flur 12) nach Torgau Zinna

Bevölkerung Jahr Einwohner 1831 6.440 1885 10.988 1946 18.455 1950 19.683 1960 19.690 1981 21.222 1984 21.508 Jahr Einwohner 1999 19.571 2002 19.062 2004 18.843 2005 18.719 2007 17.837 2010 19.688 2012 20.248 Jahr Einwohner 2013 20.092 2014 19.964 2015 20.047 2017 20.088 2018 20.065 2019 19.883 2020 19.768 Jahr Einwohner 2021 19.625 2022 20.178 2023 20.063 2024 19.992 2025 19.855

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022.

Politik

Stadtrat Der Stadtrat setzt sich seit der Stadtratswahl vom 9. Juni 2024 wie nebenstehend aufgeführt zusammen. Frühere Wahlen sind tabellarisch aufgelistet.