Office Open XML, auch bekannt als OOXML oder Microsoft Open XML (MOX) (ECMA-376 Office Open XML File Formats bzw. ISO/IEC 29500 Information technology – Office Open XML formats), beschreibt von Microsoft entwickelte Dateiformate zur Speicherung von Bürodokumenten auf XML-Basis, die den Daten- beziehungsweise Dateiaustausch zwischen verschiedenen Büroanwendungspaketen ermöglichen sollen.ntz Fachzeitschrift für Informations- und Kommunikationstechnik, VDE-Verlag, Heft 3–4/2008ECMA-376 (englisch)

Seit März 2026 ist die Verwendung in der öffentlichen Verwaltung zu Gunsten von ODF durch den Deutschland-Stack untersagt.

Von OOXML wurden insgesamt drei unterschiedliche Versionen spezifiziert und standardisiert, die untereinander nicht kompatibel sind: Version „ECMA-376“ und „ISO/IEC 29500:2008“ (in zwei Versionen, „Transitional“ sowie „Strict“).

Die erste Formatspezifikation wurde der Ecma International von Microsoft zur Standardisierung vorgelegt. Diese erfolgte am 7. Dezember 2006 als Ecma-Standard ECMA-376. Die Erstveröffentlichung als Norm ISO/IEC 29500 erfolgte am 19. November 2008 in geänderter Version.Publication of ISO/IEC 29500:2008, 19. November 2008 (englisch)

Zuvor wurde jedoch bereits die ebenfalls XML-basierte, aber herstellerunabhängige und quelloffene Spezifikation OpenDocument als Standard für die Interoperabilität von Bürodokumenten bzw. -Anwendungen durch die ISO und die IEC angenommen, und 2006 als internationale Norm ISO/IEC 26300 veröffentlicht. Im Gegensatz zum Microsoft Open XML-Standard standen beim OASIS OpenDocument-Standard laut Microsoft jedoch nicht die Anforderungen, Randbedingungen und Erfahrungen der Microsoft-Kunden im Vordergrund. MOX/OOXML soll genauer auf die „speziellen“ Arbeitsweisen von Microsoft-Office-Anwendungen zugeschnitten sein. In: office.microsoft.com, Microsoft, 2006 (englisch)

Vorgeschichte Durch die große Verbreitung von Microsoft Office hatten sich die dazugehörigen binären und proprietären Dateiformate von Microsoft Word, Microsoft Excel und Microsoft PowerPoint in vielen Bereichen als ein De-facto-Standard für den Dokumentenaustausch etabliert.

Der Aufbau dieser Office-Formate war jedoch nicht offen dokumentiert, sondern musste bei Microsoft lizenziert werden. Da die Kosten und vor allem die Lizenzbedingungen nicht für alle Anbieter akzeptabel sind, waren manche Konkurrenten (speziell Open-Source-Projekte) gezwungen, den Aufbau der Dateiformate durch Reverse-Engineering herauszufinden. Aufgrund der dem Reverse-Engineering anhaftenden Probleme und dem Umstand, dass die Dateiformate eng mit der inneren Arbeitsweise der Microsoft-Office-Anwendungen verknüpft sind, konnte es zu fehlerhafter Erzeugung und Darstellung von Dateiinhalten durch entsprechend entwickelte Konkurrenzanwendungen kommen. Mittlerweile hat Microsoft die Spezifikation der Formate veröffentlicht.

Um das automatisierte Erstellen und Verarbeiten von Microsoft-Office-Tabellenkalkulationsdokumenten zu vereinfachen, wurde mit Microsoft Excel 2002 ein XML-basiertes Dateiformat eingeführt In: Microsoft Knowledge Base (englisch) (XML SpreadsheetXML Spreadsheet Reference. Microsoft Developer Network (englisch)), das allerdings nur einen Teil der Excel-Funktionalität abspeichern kann.

Mit Microsoft Office 2003 wurde die XML-Unterstützung ausgeweitet, und es wurden neue XML-basierte Dateiformate eingeführt, vor allem in Microsoft Word.Bringing the XML Vision to the Desktop with Office 2003. Microsoft (englisch)

Für Microsoft Office 2007 wurden die XML-basierten Dateiformate überarbeitet und zum neuen Standarddateiformat bestimmt. Dieses Dateiformat bildet die Basis von Office Open XML.

Der ebenfalls auf XML basierende und 2006 bereits international genormte und quelloffene Standard für Dateiformate von Bürodokumenten ISO/IEC 26300 (OpenDocument 1.0, abgekürzt ODF), welcher ursprünglich von Sun Microsystems entwickelt wurde und durch die herstellerunabhängige Organisation OASIS nach wie vor gepflegt und weiterentwickelt wird, wird von Microsoft zwischenzeitlich zwar in allen Office-Anwendungen direkt unterstützt, als originäres Standard-Dateiformat für Microsoft Office allerdings abgelehnt. Unter anderem, da es angeblich noch zu sehr auf dem Dateiformat – und damit der Arbeitsweise und dem Funktionsumfang – von OpenOffice.org basiere und nicht geeignet sei, alle bereits existierenden Microsoft-Office-Dokumente abzubilden. In: office.microsoft.com, Microsoft, 2006 (englisch)

Verfechter von ODF halten dem jedoch entgegen, dass ODF durch proprietäre Erweiterungen selbstverständlich alle inkompatiblen Eigenschaften von Microsoft-Office-Dokumenten direkt abbilden könne.Gary Edwards: Kommentar zu: „An Antic Disposition: Follow the Leader“ (englisch)

Normung Seit einiger Zeit wird – vor allem von Regierungen (beispielsweise des US-Bundesstaates Massachusetts) oder der EU – gefordert, dass zukünftig nur noch offen dokumentierte, herstellerunabhängige, standardisierte Dateiformate benutzt werden sollen, um Lock-in-Effekte zu vermeiden und um die Interoperabilität und den langfristigen Zugriff auf Dateiinhalte sicherzustellen. Aufgrund dieser Forderungen hat Microsoft das Microsoft-Office-2007-Dateiformat der Ecma International zur Normung vorgelegt. Die Normung erfolgt dort im Rahmen des technischen Komitees 45 (TC45).

Am Normungsprozess sind Apple, Barclays Capital, BP, die British Library, Essilor, Intel, die The United States Library of Congress, Microsoft, NextPage, Novell, Statoil ASA und Toshiba beteiligt. In: ecma-international.org, Ecma International, 17. August 2006 (englisch)

Office Open XML wurde am 7. Dezember 2006 von der Ecma-International-Hauptversammlung als Ecma-Standard 376 genehmigt.Ecma International approves Office Open XML standard. Ecma International, Geneva, 7. Dezember 2006 (englisch)

Im Dezember 2006 wurde Office Open XML bei der ISO als ISO/IEC CD 29500 zur Normung im Schnellverfahren (JTC 1 Fast Track Process In: downloads.wikileaks-press.org, Wikileaks-Press (englisch)) eingereicht. In einer Abstimmung im September 2007 konnte es nicht die nötige Zustimmung erreichen, um als ISO-Norm akzeptiert zu werden.

Nach einer im Februar 2008 anberaumten Sitzung – bei der den zahlreichen Kommentaren begegnet wurde, die bei der Stimmabgabe im September 2007 eingereicht worden sind – bestand für die stimmberechtigten ISO-Mitglieder bis Ende März 2008 die Möglichkeit, ihre ursprünglich abgegebene Stimme zu ändern. Im Zuge der nationalen Abstimmungen wurde immer wieder über Unregelmäßigkeiten berichtet. Der FFII warf Microsoft vor, so die Normungsgremien diverser Länder mit Strohmännern aufzufüllen. In Norwegen soll das nationale Normungsgremium eine eindeutige Ablehnung von 21 Nein- und 2 Ja-Stimmen durch seine Mitglieder ignoriert haben.

In einem offenen Brief haben ISO/IEC-SC-34-Mitglieder während des Normungsverfahrens die gegen sie erhobenen persönlichen Attacken missbilligt. In: itscj.ipsj.or.jp (englisch)

Wie die ISO am 2. April 2008 bekanntgab, hat der Normentwurf die notwendige Stimmenmehrheit erhalten und wurde zunächst als ISO-Normentwurf ISO/IEC DIS 29500 akzeptiert. Die nationalen Normungsorganisationen von Südafrika (SABS), Brasilien (ABNT), Indien und Venezuela haben jedoch innerhalb der vorgesehenen Frist Einsprüche gegen die Veröffentlichung von ISO/IEC 29500 als Norm erhoben. Eine Entscheidung der zuständigen Gremien über die Einsprüche wurde für Ende Juni 2008 angekündigt; bis dahin wurde die Normung bzw. Veröffentlichung suspendiert. In: iso.org, International Organization for Standardization (ISO) (englisch) Am 15. August 2008 gab die ISO bekannt, dass die Einsprüche der nationalen Normungsorganisationen zurückgewiesen wurden und die Norm nun zur Veröffentlichung freigegeben ist.ISO and IEC members give go ahead on ISO/IEC DIS 29500, 15. August 2008 (englisch) Eine vollständige Implementierung der Norm existiert bisher noch nicht, auch Microsoft Office 2007 erfüllt nicht alle Anforderungen.Microsoft Office 2007 Fails OOXML Conformance Tests, Alex Brown Admits, Hopes For the Best. Die Veröffentlichung als Norm ISO/IEC 29500 erfolgte am 19. November 2008 in vier Teilen: Mittlerweile gibt es eine Neuausgabe mit Veröffentlichung im September 2012. ISO/IEC 29500-1 – Office Open XML File Formats – Part 1: Fundamentals and Markup Language Reference ISO/IEC 29500-2 – Office Open XML File Formats – Part 2: Open Packaging Conventions ISO/IEC 29500-3 – Office Open XML File Formats – Part 3: Markup Compatibility and Extensibility ISO/IEC 29500-4 – Office Open XML File Formats – Part 4: Transitional Migration Features

Die vier Dokumente können als öffentlich verfügbare Normen kostenlos bei ISO heruntergeladen werden.Publicly Available Standards. ISO (englisch)

Lizenzierung Wie alle Ecma-International-Standards ist auch Office Open XML frei verfügbar und kopierbar.What is Ecma International. Ecma International (englisch)

In einem covenant not to sue hat Microsoft erklärt, dass es unwiderruflich auf eine Durchsetzung aller für eine konforme Umsetzung der Office-2003-XML-Reference-Schemas-Spezifikation notwendigen Patente gegenüber Programmteilen, die diese Spezifikation implementieren, verzichtet. Die Rechtsanwaltskanzlei Baker & McKenzie hat im Auftrag von Microsoft unter anderem den Inhalt und die Gültigkeit dieses covenants überprüft und in einer Studie festgestellt, dass keine Lizenz benötigt wird, um Office Open XML einsetzen zu können.

Zudem hat Microsoft die Office-2003-XML-Reference-Schemas- und die Office-Open-XML-1.0–ECMA-376-Spezifikation in die Microsoft Open Specification Promise (OSP) aufgenommen. In der OSP verspricht Microsoft, auf die Durchsetzung von Patenten gegenüber Programmteilen, die die angeführten Spezifikationen implementieren, zu verzichten. Die OSP bezieht sich allerdings nur auf von Microsoft explizit angeführte Versionen der jeweiligen Spezifikationen.Microsoft Open Specification Promise. Microsoft Außerdem gilt das nicht für eventuelle Patentansprüche Dritter.

Laut Software Freedom Law Center würde sich das Versprechen jedoch auf neue Versionen nur ausdehnen, wenn sich Microsoft an Standardisierungs-Aktivitäten beteiligt. Durch ein Beenden der Standardisierungs-Aktivitäten seitens Microsoft wäre das Versprechen also hinfällig.SFLC warnt vor Microsofts Patentversprechen.

Aufbau Office Open XML besteht aus einer Spezifikation für ein Containerformat, den Open Packaging Conventions, und einer Reihe von XML-basierten Auszeichnungssprachen für die einzelnen Komponenten eines Büroanwendungspaketes. Office-Open-XML-Dokumente werden in Packages gespeichert, die den Open Packaging Conventions entsprechen. Ein Package ist eine ZIP-Datei, die alle Bestandteile (Parts und Items) eines Dokuments enthält.

Parts sind die einzelnen Bestandteile (Bausteine) des Inhalts des Dokuments (Text, Grafiken, Bilder etc.), während Items beschreibende Metadaten sind, die festlegen, wie die einzelnen Bestandteile des Dokuments zusammengestellt und dargestellt werden sollen. Items können in Relationship items und Content-Type items unterteilt werden. Relationship items beschreiben, wie die einzelnen Parts zusammenhängen, d. h., wie die einzelnen Bestandteile des Dokuments zusammengefügt werden müssen, während Content-Type items den Content-Type der einzelnen Bestandteile festlegen, d. h., wie die einzelnen Bestandteile dargestellt werden müssen. Jedes Office-Open-XML-Dokument besteht aus einem main part (Hauptbestandteil) und eventuell aus weiteren Bestandteilen, die vom main part über ein relationship item referenziert werden. Der Aufbau, Name und Pfad (innerhalb der ZIP-Datei) des main parts hängt vom Typ des Office-Open-XML-Dokuments (Textverarbeitungsdokument, Tabellenkalkulationsdokument etc.) ab.

Die Auszeichnungssprachen sind WordprocessingML für Textverarbeitungsdokumente SpreadsheetML für Tabellenkalkulationsdokumente PresentationML für Präsentationsdokumente DrawingML für Zeichnungsdokumente