mini|Luftaufnahme der Washington National Cathedral (Mai 2022) mini|Der Altarraum mini|Außenansicht mini|Beschädigte Turmspitzen vom Erdbeben 2011 Die Cathedral Church of Saint Peter and Saint Paul in the City and Diocese of Washington, bekannt als Washington National Cathedral, ist eine episkopale Kathedrale in Washington, D.C., der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Sie wird als Denkmal im National Register of Historic Places geführt und als das Nationale Haus des Gebets der USA bezeichnet.

Die Kathedrale ist der Amtssitz des Leitenden Bischofs (Presiding Bishop) der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten (zurzeit: Sean Rowe) und gleichzeitig des Bischofs der Episkopalen Diözese von Washington (zurzeit: Mariann Edgar Budde). Sie ist die Mutterkirche der Episkopalkirche für den Bezirk von Columbia und die Countys Charles, St. Mary’s, Prince George’s und Montgomery im Staate Maryland. Der juristische Träger der Washington National Cathedral und ihrer Einrichtungen, der National Cathedral School, St. Albans School, Beauvoir School, und Cathedral College ist eine Stiftung, die Protestant Episcopal Cathedral Foundation.

Die Kathedrale befindet sich an der Kreuzung von Massachusetts Avenue und der Wisconsin Avenue im nordwestlichen Quadranten von Washington. Sie ist die sechstgrößte Kathedrale der Welt und die zweitgrößte in den USA.

Die Washington National Cathedral wurde am 6. Januar 1893 durch eine Gründungsurkunde des US-Repräsentantenhauses an die Bundesregierung angegliedert, erhält aber keine bundesstaatlichen, staatlichen oder städtischen Gelder. Den größten Anteil an der Finanzierung der Kathedrale trägt die National Cathedral Association. Der Bau begann 1907 mit der Grundsteinlegung in Gegenwart des US-Präsidenten Theodore Roosevelt und dauerte 83 Jahre; die letzte Kreuzblume wurde 1990 in Gegenwart von George H. W. Bush eingefügt.

Am 26. August 2011 wurde der Kirchenbau bei einem Erdbeben der Magnitude 5,8https://www.zamg.ac.at/geophysik/Reports/Monatsberichte/K11-08.pdf leicht beschädigt. Mehrere Abschlusssteine auf den Turmspitzen brachen ab oder gerieten aus ihren Verankerungen. Ein herabfallendes Bruchstück durchschlug das Metalldach. An den Apsiden bildeten sich vereinzelt Risse.What Really Happened to the National Cathedral in the Quake theatlantic.com (englisch), mit Fotos der Beschädigungen

Leitende Personen Obwohl die Kathedrale Sitz zweier Bischöfe ist, unterliegt sie anglikanischem Kirchenrecht entsprechend der Jurisdiktion des Domkapitels, das durch einen Dompropst geleitet wird.

Der momentane Dompropst (Dean) der Washington National Cathedral ist The Very Revd. Randolph Marshall Hollerith, der sein Amt 2016 antrat.

Die früheren Dompröpste waren: Alfred Harding (von 1909 bis 1916) George C. F. Bratenahl (von 1916 bis 1936) Noble C. Powell (von 1937 bis 1941) Zebarney T. Phillips (von 1941 bis 1942) John W. Suter (von 1944 bis 1950) Francis B. Sayre, Jr. (von 1951 bis 1978) John T. Walker (von 1978 bis 1989; gleichzeitig Bischof) Nathan D. Baxter (von 1992 bis 2003) Samuel T. Lloyd III. (von 2005 bis 2011) Gary R. Hall (von 2012 bis 2015)

Gottesdienste Reguläre Gottesdienste Im Domkapitel ist der Precentor, zurzeit die Kapitularin Revd. Carol L. Wade, für Gottesdienst und Kirchenmusik verantwortlich. Die Gottesdienste sind wie die Kathedrale selbst in der Lehre und der Praxis der Episkopalkirche verwurzelt und basieren auf der Tradition des Book of Common Prayer. Vier (im Sommer fünf) Gottesdienste werden jeden Werktag abgehalten, inklusive einer täglichen Messe. Von Sonntag bis Donnerstag singt einer der Chöre den Evensong, die anglikanische Form der Abendandacht. Der vierzig Minuten dauernde Gottesdienst wird von etwa 50 bis 75 Menschen besucht (an Sonntagen mehr). An Sonntagen werden fünf Eucharistiefeiern gefeiert, inklusive einer modernen Volksmesse, die in der Kapelle des St. Joseph of Arimathea stattfindet, und einer Eucharistie für Kranke am späten Nachmittag.

Die Kathedrale war außerdem die zeitweise Heimat verschiedener Gemeinden, inklusive einer jüdischen Synagogengemeinde und einer orthodoxen Gemeinde. Ebenso war sie der Ort mehrerer ökumenischer und religionsübergreifender Gottesdienste. Im Oktober 2005 wurde in der Kathedrale Reverend Nancy Wilson gesegnet und in das Amt des Moderators (Leiter der Glaubenslehre) der Metropolitan Community Church durch den vorhergehenden Moderator Troy Perry eingesetzt.

An jedem Weihnachtsfest bietet die Kathedrale besondere Gottesdienste an, die in die ganze Welt übertragen werden. Der Gottesdienst mit Bibellesungen und Weihnachtsliedern (Lessons and Carols) wird vom Public Radio International verbreitet und live gesendet. Christmas at Washington National Cathedral ist eine live übertragene Fernsehsendung der 9-Uhr-Messe am Weihnachtstag. Sie wird produziert von Albritton Communications und kann über bundesweit angeschlossene Fernsehsender in den meisten Städten der USA empfangen werden. Einige angeschlossene Fernsehsender senden den Gottesdienst mittags. Der Weihnachtsgottesdienst in der Kathedrale wird seit 1953 im Fernsehen übertragen.

Bedeutende Gottesdienste In der Washington National Cathedral fanden viele große Gottesdienste statt, die der Bedeutung der Kathedrale als „nationale Gebetsstätte für alle Menschen“ entsprechen.Washington National Cathedral: Prominent Services cathedral.org (englisch) Zum Beispiel wurden während des Zweiten Weltkriegs monatlich Gottesdienste „im Namen eines vereinten Volks in einer Zeit der Not“ abgehalten. Die Kanzel in der Washington National Cathedral war die letzte, von der Martin Luther King vor seiner Ermordung im Jahr 1968 sprach.

Zu den bedeutenden Gottesdiensten zählen die Staatsbegräbnisse dreier US-Präsidenten: Dwight D. Eisenhower, der in der Kathedrale öffentlich aufgebahrt wurde (1969), Ronald Reagan (2004) und Gerald Ford (2007).Washington National Cathedral: Presidential Funerals cathedral.org (englisch)

Gedenkgottesdienste fanden statt für die US-Präsidenten Warren G. Harding, William Howard Taft, Calvin Coolidge, Harry S. Truman (1973)Truman hatte ein Staatsbegräbnis und seine letzte Ruhestätte in der Kathedrale geplant. Jedoch wurden nach seinem Tod, aufgrund des fortgeschrittenen Alters seiner Frau Bess Truman, alle Gottesdienste in Missouri abgehalten und waren nicht öffentlich. Ausländische Würdenträger versammelten sich zu einem Gedenkgottesdienst in der Kathedrale, eine Woche nach dem Begräbnis. und Richard Nixon (1994).

Außerdem fanden Gebetsgottesdienste zur Amtseinführung von US-Präsidenten statt. Dies betraf die Präsidenten Franklin Delano Roosevelt (1937), Ronald Reagan (1985), George H. W. Bush (1989), George W. Bush (2001 und 2005), Barack Obama (2009 und 2013), Donald Trump (2017 und 2025), Joe Biden (2021).

Weitere bedeutende Gottesdienste (Auswahl): Begräbnisfeier für die ehemalige First Lady Edith Wilson (1961) Gedenkgottesdienst für die ehemalige First Lady Eleanor Roosevelt (1962) Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vietnamkriegs am 14. November 1982 Begräbnisfeier für Handelsminister Ron Brown (1996) Begräbnisfeier für Botschafterin Pamela Harriman (1997) Begräbnisfeier für die Zeitungsverlegerin Katharine Graham (2001) Gedenkgottesdienst für die Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001, bei dem Präsident George W. Bush eine Ansprache hieltAnsprache von George W. Bush beim Gedenkgottesdienst am 14. September 2001 americanrhetoric.com, Video und Text (englisch) Evensong für die Opfer des Amoklaufs an der Virginia Tech (2007) Begräbnisfeier für die Bürgerrechtlerin Dorothy Height (2010) Gedenkgottesdienst für den Astronauten Neil Armstrong (2012) Gedenkgottesdienst für Nelson Mandela (2014) Gedenkgottesdienst für Senator John McCain (2018), bei der Barack Obama eine Ansprache hielt. Begräbnisfeier für Präsident George H. W. Bush (2018) Begräbnisfeier für die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright, in Anwesenheit des amtierenden Präsidenten Joe Biden und der ehem. Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton (2022) Begräbnisfeier für Präsident Jimmy Carter (2025) Viele wichtige Gottesdienste waren religionsübergreifende Gottesdienste, zum Beispiel der Gedenkgottesdienst für die Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001.

Mohammad Chātami, ehemaliger iranischer Staatspräsident, hielt am 7. September 2006 im Rahmen einer Konferenz mit dem Thema „Verständigung zwischen Zivilisationen und Kulturen“ eine Rede in der Kathedrale.

Baugeschichte 1792 sah Pierre L’Enfants „Plan für eine Bundesstadt“ Land für eine „große Kirche für nationale Zwecke“ vor. Auf diesem Platz befindet sich heute die National Portrait Gallery. 1891 wurde eine Versammlung abgehalten, um die Pläne für eine nationale Kathedrale zu erneuern. 1893 erlaubte das US-Repräsentantenhaus der Protestant Episcopal Cathedral Foundation des Bezirks von Columbia, eine Kathedrale zu errichten. Die beeindruckende Stelle am Mount Saint Alban wurde ausgewählt. Henry Yates Satterlee, erster Episkopal-Bischof der Diözese von Washington, ernannte Frederick Bodley, Englands führenden anglikanischen Kirchenarchitekten, zum obersten Architekten. Henry Vaughan wurde zum aufsichtsführenden Architekten ernannt.

Am 29. September 1907, am Michaelistag, begann der Bau mit einer feierlichen Rede des US-Präsidenten Theodore Roosevelt und der Grundsteinlegung. 1912 wurde die Bethlehem-Kapelle in der Krypta der unvollendeten Kathedrale für Gottesdienste geöffnet, die seitdem täglich stattfinden. Nachdem der Bau der Kathedrale nach einer kurzen Unterbrechung im Ersten Weltkrieg wieder aufgenommen wurde, starben Bodley und Vaughan. Nach dem Ersten Weltkrieg führte General John J. Pershing die Bemühungen an, Gelder für die Kirche zu beschaffen. Der amerikanische Architekt Philip Hubert Frohman übernahm die Planung der Kathedrale und wurde zum leitenden Architekten ernannt. Die finanziellen Mittel für die nationale Kathedrale kamen vollständig aus privaten Quellen. Instandhaltung und Pflege sind weiter vollständig auf private Unterstützung angewiesen. Seit dem 3. Mai 1974 wird die Washington National Cathedral als Denkmal im National Register of Historic Places geführt.The National Cathedral im National Register Information System. National Park Service, abgerufen am 4. August 2017.

Der Bauplan der Kathedrale wurde von George Bodley entworfen, einem hervorragenden britischen Neugotik-Architekten seiner Zeit, während Frederick Law Olmsted, Jr. ihn bis zum Abschluss umsetzte. Nachdem Bodley 1907 starb, überarbeitete sein Schüler Henry Vaughan den Originalentwurf, der das Stift als zu kraftlos ansah. Nach seinem Tod und der Einstellung der Arbeiten während des Ersten Weltkriegs stellte das Stift Philip Frohman mit Partnern ein, um das Gebäude vollenden zu lassen. Man verpflichtete Frohmann, eine vollendete Version des Bodley-Plans fertigzustellen: Darin waren die Ergänzung der Glockenspielsektion des Hauptturms, die Verbreiterung der Westfassade sowie viele kleinere Änderungen enthalten. Seit Frohmanns Tod im Jahre 1971 wurden keine größeren Änderungen vorgenommen. Ralph Adams Cram wurde wegen seiner Erfahrung mit der Cathedral of Saint John the Divine in New York City eingestellt, um Frohmann zu beaufsichtigen. Aber er bestand auf so vielen größeren Änderungen am Originalentwurf, dass Frohmann das Domstift davon überzeugte, ihn zu entlassen.

Architektur mini|Westfassade mini|Westfassade am 10. Juni 2020