Lincoln Continental ist eine Baureihe von Luxusfahrzeugen der zur Ford Motor Company gehörenden Marke Lincoln. Continentals wurden mit Unterbrechungen von 1940 bis 2020 produziert. Je nach Zählweise sind dabei etwa 10 Generationen entstanden. Im Laufe der Jahre änderte sich die Position des Continental. Bis 1981 waren die Continental Full-Size-Cars und gehörten zu den größten in Serie produzierten Fahrzeugen. In dieser Zeit wurden sie zu einem „Inbegriff des amerikanischen Straßenkreuzers“. Danach wurde der Name Continental auf kleinere, aber teurere Limousinen übertragen, die im Intermediate-Bereich positioniert waren. Ein außergewöhnliches Gestaltungsmerkmal der Jahrgänge 1961 bis 1969 waren die Portaltüren der viertürigen Limousinen und Cabriolets, die sich in dieser Form bei keinem anderen Serienmodell fanden. Die Full-Size-Continentals wurden nicht nur in den USA, sondern weltweit vielfach als Staatskarossen verwendet.
Lincoln Continental (1940–1942 und 1946–1948)
mini|Lincoln Continental 1948 Die Bezeichnung „Continental“ wurde erstmals 1940 für eine Ausstattungsvariante des Lincoln Zephyr verwendet. Wie in der gesamten US-Automobilindustrie wurde im Winter 1941/42 die Herstellung zugunsten der Kriegsgüterproduktion unterbrochen. Ab Ende 1945 nahm Lincoln die Fertigung von Luxusfahrzeugen wieder auf. Man knüpfte an die zuvor produzierten 1941er-Modelle an, jedoch mit überarbeitetem Kühlergrill. Die 130 PS starken, rund 5000 cm3 großen Zwölfzylindermotoren konnten den Wagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h bringen. Einige Versionen waren vornehmlich für den Chauffeurbetrieb gedacht.Reinhard Lintelmann: 1000 Automobile - Geschichte - Klassiker - Technik. Naumann & Göbel, 2005, ISBN 3-625-10543-8, S. 284
Von 1949 bis 1955 nutzte Lincoln den Namen Continental nicht.
1956–1960: Die Modelle der Continental Division
mini|Begründete die Continental Mark Series: Der Continental Mark II von 1956
In den Jahren 1956 bis 1960 bot die Ford Motor Company verschiedene als Continental bezeichnete Fahrzeuge an. Sie waren formal keine Lincolns, sondern wurden von der Continental Division hergestellt, einer 1952 eigens dazu gegründeten weiteren Ford-Tochter, die im Markt über Lincoln angesiedelt war. Die Continental-Modelle wurden parallel zu Lincolns Standard-Modellen Capri und Premiere angeboten.
Das erste Modell der Continental-Division war der Continental Mark II, ein exklusives Luxuscoupé, das mit einem Verkaufspreis von etwa 10.000 Dollar das teuerste US-amerikanische Automobil seiner Zeit war. Mit der Bezeichnung Continental Mark II knüpfte Ford an den ersten Continental der 1940er-Jahre an, der als stilistischer Meilenstein angesehen worden war. Dieses Fahrzeug war eine Eigenentwicklung und teilte nur wenige Komponenten mit den regulären Lincoln-Modellen. Es wurde von 1956 bis 1957 in nur 1800 Exemplaren hergestellt.
mini|Continental Mark III (1958) 1958, 1959 und 1960 wurden weitere Fahrzeuge unter der Bezeichnung Continental angeboten. Sie erhielten die Bezeichnungen Continental Mark III, Mark IV und Mark V (wiederum ohne Lincoln-Zusatz), waren – anders als der Continental Mark II – aber keine eigenständigen Modelle mehr, sondern lediglich anspruchsvoll ausgestattete und hochpreisige Versionen der zeitgenössischen Lincoln-Grundmodelle, denen sie sehr ähnlich sahen.
Ab 1961 wurde der Name Continental zur Modellbezeichnung für Lincolns Standardfahrzeuge. Die Autos hießen nun (wieder) Lincoln Continental; Hersteller war Lincoln oder die Lincoln-Mercury-Division.
Die Continental Mark-Series wurde 1969 mit dem Continental Mark III erneut etabliert. Er war ein Luxuscoupé, das in Anlehnung an den Mark II von 1956 nicht die Modellbezeichnung Lincoln trug, tatsächlich aber – anders als das Vorbild – von der Lincoln-Mercury-Division mit Großserientechnik von Ford hergestellt wurde. Die Nomenklatur gab seit 1969 insoweit zur Verwirrung Anlass, als Lincolns Standard-Modelle weiterhin als Lincoln Continental (also mit dem Unternehmenszusatz Lincoln) bezeichnet wurden.
1961 bis 1980: Full-Size-Modelle Zwischen 1961 und 1980 trugen Lincolns Fullsize-Modelle die Modellbezeichnung (Lincoln) Continental. Sie waren zeitweise die längsten und schwersten Serienfahrzeuge, die in den USA hergestellt wurden. Generell wird zwischen den Modellen der sogenannten vierten Generation (1961 bis 1969) und denen der fünften Generation (1970 bis 1979) unterschieden. Innerhalb der jeweiligen Generationen ergaben sich im Laufe der Modelljahre wiederum einige stilistische und technische Modifikationen.
Modelljahre 1961–1969 miniatur|Das erste viertürige Cabriolet seit 1951: Der Lincoln Continental von 1961 miniatur|„Herausragender Beitrag zur Einfachheit und Eleganz des Automobildesigns“: Elwood Engels Lincoln Continental (hier ein Modell von 1963) Mit dem Modelljahr 1961 stellte Lincoln ein vollständig neu gestaltetes Continental-Modell vor. Das von einem Team um Ford-Chefdesigner Elwood Engel gezeichnete Fahrzeug beendete die Schnörkel- und Heckflossen-Ära der 1950er-Jahre. Stattdessen waren die Linien des Continental gerade und fließend, die Flächen waren glatt und großzügig gestaltet. Zugleich verzichtete man auf übermäßige Dekoration durch Chromteile. Der neunte Continental änderte das Image der Marke Lincoln über Nacht. Es war das erste Auto, dem der in den USA prestigeträchtige „Industrial Design Award“ des Industrial Designers Institute (IDI) verliehen wurde; die Entscheidung war damit begründet, dass der Continental einen „herausragenden Beitrag zur Einfachheit und Eleganz des Automobildesigns“ liefere. Wie der Vorgänger ab 1958 war auch dieser Continental in teilweise selbsttragender Bauweise („unitized body“ oder „Unibody“) konstruiert. Engels exzellentes Design geht auf einen Entwurf zurück, den er ursprünglich für den Ford Thunderbird 1958 vorgeschlagen hatte, der dort aber unberücksichtigt geblieben war. Für den Lincoln Continental wurde er überarbeitet (längerer Radstand, vier statt zwei Türen). Der Continental war das erste Serienauto mit gebogenen Seitenscheiben. Gebaut wurde er im Werk Wixom auf Parallelbändern mit dem Thunderbird. Mit diesem war er technisch eng verwandt; die Continental-Plattform war eine verlängerte Version des Thunderbird. Ungeachtet seiner gänzlich eigenständigen Karosserie teilte der Continental auch sonst viele mechanische Teile mit dem Ford Thunderbird der dritten Generation.
Der Continental war in mehreren Karosserieversionen erhältlich:
Von 1961 bis 1969 wurde er als viertürige Limousine angeboten. Eine stilistische Besonderheit waren die hinten angeschlagenen hinteren Türen, die es in dieser Form in den 1960er-Jahren nur bei Lincoln gab.
Von 1961 bis 1967 war alternativ ein viertüriges Cabriolet lieferbar, das – mit Ausnahme der Dachkonstruktion – der Limousine entsprach. Die Seitenfenster waren rahmenlos, es blieben also keine Rahmen stehen. Den Verdeckmechanismus teilte der Continental mit dem Thunderbird. Er ist eine Weiterentwicklung des Systems, das Ford und Lockheed ursprünglich für ein versenkbares Metalldach für den Continental Mark II entwickelt hatten. Dort war es zu teuer, so dass es schließlich von 1957 bis 1959 im Ford Fairlane 500 Skyliner Retractable verwendet wurde. Als technische Notwendigkeit resultierte daraus eine hinten angeschlagene Kofferraumklappe, unter die sich das komplett zusammenklappbare Stoffverdeck versenkte. Dem Nachteil des eingeschränkten Zugangs zum Kofferraum steht ein spektakulärer Öffnungs- und Schließvorgang gegenüber. Elektrisch betriebene Schrauben in der A-Säule ziehen das Verdeck beim Schließen wasserdicht zu; das damals übliche manuelle Verriegeln entfällt. Der Continental war Amerikas erstes viertüriges Cabriolet seit dem Frazer Manhattan von 1951.
1966 wurde außerdem ein zweitüriges Hardtop-Coupé im sogenannten Coke-Bottle-Stil mit einer sehr breiten C-Säule und geschwungenen hinteren Kotflügeln eingeführt – nicht zu verwechseln mit dem 1969 vorgestellten Continental Mark III.
Im Auftrag von Lincoln konstruierte der amerikanische Karosseriehersteller Lehmann-Peterson verschiedene verlängerte Limousinen auf der Basis des Continental mit meist 4,06 Meter (160 Zoll) Radstand. Sie hatten üblicherweise einen geschlossenen Aufbau; einige Ausführungen waren aber auch als Cabriolet gestaltet. Sie wurden insbesondere bei Paraden eingesetzt. Auch andere Karosseriehersteller wie Armbruster, Stageway oder Andy Hutton boten Limousinenversionen des Continental an.
Das Aussehen und die Technik des Continental wurde fast jedes Jahr modifiziert. Der Kühlergrill wurde mehrfach geändert, Gleiches gilt für Form und Einfassungen der Leuchteinheiten, 1966 gaben die Stylisten dem Auto einen verlängerten Kühlergrill, der die später für Ford typische „Knudsen-Nase“ vorwegnahm. Die Bezeichnung geht auf den Ford-Manager Semon E. „Bunky“ Knudsen zurück. Die meisten der unter seiner Zeit neu vorgestellten oder überarbeiteten Ford-Modelle hatten einen die Stoßstangenlinie durchbrechenden Kühlergrill. Das gilt auch für europäische Ford-Produkte wie beispielsweise den Ford Taunus TC. Mit dem Modelljahr 1964 verlängerte Lincoln den Radstand um 7,5 Zentimeter. Dadurch ergab sich mehr Knieraum für die Passagiere im Fond.
Im Modelljahr 1969 gab es erstmals ein „Town Car“-Innenausstattungspaket für den Continental (gegen einen Aufpreis von 249 Dollar); in späteren Jahren wurde die Bezeichnung des Öfteren für eine besonders luxuriöse Ausstattungsvariante des Continental gebraucht.
Die Lincoln Continentals der 1960er-Jahre sind heute gesuchte Oldtimer. Insbesondere Modelle der ersten drei Jahrgänge erreichen für amerikanische Fahrzeuge ungewöhnlich hohe Gebrauchtwagenpreise. Für viertürige geschlossene Lincoln Continental von 1961 und 1962 werden, soweit sie sich in exzellentem Zustand befinden, bis zu 26.000 Euro verlangt; die Cabriolet-Version erreicht Preise von über 45.000 Euro.Oldtimer Markt. Gebrauchtwagenpreise 2011. 324.
Modelljahre 1970 bis 1979
miniatur|Lincoln Continental (1972) mini|Lincoln Continental Coupé (1973) mini|Lincoln Continental Collector’s Series (1979) In den 1970er-Jahren begann Lincoln im Zuge der Plattformstrategie für die Lincoln-Mercury-Division in immer stärkerem Maße Ford-Serienteile und ‑motoren zu verwenden.
Die 1970 eingeführte fünfte Continental-Generation hat deshalb keine selbsttragende Karosserie mehr, sondern separaten Rahmen mit aufgesetzter Karosserie. Technisch stimmen Rahmen und Fahrwerk des Lincoln mit denen der zeitgenössischen Full-Size-Mercurys überein, allerdings ist der Radstand des Lincoln 153 mm länger. Die als „resolut und quaderförmig“ Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 416. beschriebene Karosserie des Continental wurde für das Modelljahr 1970 neu gestaltet. Ein wesentlicher Unterschied zu den Vorgängern ist das Türkonzept der Viertürer: Anstelle der Portaltüren, die seit 1961 ein Erkennungsmerkmal der Continental-Reihe waren, sind ab 1970 auch die hinteren Türen vorn angeschlagen. 1975 gab es ein größeres Facelift, das vor allem die Flanken, das Dach und die Heckpartie betraf. Abgesehen davon wurde die Karosserie im Laufe des Produktionszeitraums nahezu jährlich in Details verändert. Die Kühlermaske erhielt mehrfach eine neue Form: Nachdem anfänglich eine Verkleidung mit waagerechten Streben zum Einsatz gekommen war, zeigten die Modelle ab 1977 eine große Kühlermaske aus Edelstahl, die den traditionellen Rolls-Royce-Kühler kopierte und eine Verbindung zu den teuren Zweitürern der Continental-Mark-Serie herstellen sollte.