mini|hochkant|David Berger, 2011 David Berger (* 8. März 1968 in Würzburg) ist ein deutscher Blogger und Publizist. Zuvor war er als römisch-katholischer Theologe aktiv. Seine theologischen Arbeitsschwerpunkte waren Geschichte und Doktrin des Thomismus. Von 2013 bis 2015 wirkte Berger als Chefredakteur der deutschsprachigen Monatszeitschrift Männer für Schwule. Er betreibt das Blog Philosophia perennis, welches sich vorgeblich gegen „Islamisierung“ und „Nanny-Medien“ richtet.David Berger: Ein Theologe im Kampf gegen „Islamisierung“ und „Nanny-Medien“ correctiv.org Berger war Kuratoriumsmitglied der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.Matthias Meisner: Die AfD freut sich über Farbspray-Attacke. Der Tagesspiegel vom 9. August 2018 Seit 16. März 2024 ist David Berger Mitglied der AfD.

Leben Berger studierte von 1991 bis 1998 in Würzburg, Köln und Dortmund Philosophie, Theologie und Germanistik. Im Jahr 1998 promovierte er beim Theologen Thomas Ruster in Philosophie. Berger erhielt den geteilten Dissertationspreis der Universität Dortmund für den Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Philosophie und Theologie und lehrte anschließend von 1998 bis 1999 an der theologischen Ausbildungsstätte der Kongregation der Diener Jesu und Mariens (SJM) in Blindenmarkt (Niederösterreich) im Bistum St. Pölten.Zur Person David Berger. Kölner Stadt-Anzeiger vom 27. April 2010 Während seines Referendariats unterrichtete er in deren Ausbildungsstätte Blindenmarkt seit dem Jahr 2000 Fundamentaltheologie. 2010 ging er auf Distanz zu der Gemeinschaft.David Berger: Der heilige Schein. Ullstein Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-550-08855-1.David Berger: Der heilige Schein. Ullstein Verlag, Berlin 2010, Kindle-Ausgabe Pos. 2836. ISBN 978-3-550-08855-1

Zusammen mit Rudolf Michael Schmitz vom traditionalistischen Institut Christus König und Hohepriester gründete er 2000/2001 das Jahrbuch Doctor Angelicus. Im Januar 2001 folgte die Ernennung zum Socio Corrispondente der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin. Und am 25. September 2003 wurde Berger der Status eines „Korrespondierenden Professors“ dieser Akademie verliehen;Stefan Lauer: Wie ein schwuler Theologe zum Sprachrohr von AfD, IB und Co wurde. Belltower.News, 18. Januar 2019Frédéric Schwilden: Aids-Hilfe vs. Magazin: Wann ist der Mann ein schwuler Mann? www.welt.de, 28. November 2014 im selben Jahr wurde er Vizepräsident der neu gegründeten Deutschen Thomas-Gesellschaft e. V.

Im Jahr 2005 habilitierte sich Berger mit seinem Buch Thomismus. Große Leitmotive der thomistischen Synthese und ihre Aktualität für die Gegenwart im Fach Dogmatik an der Katholischen Universität Lublin in Polen. 2005 erfolgte seine Investitur zum Ritter des 1991 gegründeten polnischen Ritterordens der Gottesmutter von Jasna Góra (polnisch Stowarzyszenie Rycerstwa Orderu Jasnogórskiej Bogarodzicy).Salzburger Nachrichten, 23. August 2011 Nach Angaben von Berger gab er im Juli 2007 diesen Titel zurück, allerdings noch ohne offenen Protest gegen das, was er später als Konservativismus und Homophobie bestimmter, diesem Ritterorden nahestehender polnischer Politiker bezeichnete.Vgl. David Berger: Der heilige Schein. Berlin 2010, S. 254.

Nachdem laut Bergers Darstellung in bestimmten traditionalistischen Kreisen über Monate der Versuch unternommen worden war, ihn als Herausgeber der Zeitschrift Theologisches zu verdrängen sprach die Fördergemeinschaft der Zeitschrift Berger im Herbst 2007 erneut ihr Vertrauen aus und bestätigte ihn in seinem Amt.Vorstand der Fördergemeinschaft Theologisches: Stellungnahme zu den Vorwürfen David Bergers. Ein fataler Bruch in der Lebensgeschichte. Abschnitt: Wurde Berger erpreßt? Website theologisches.net, undatiert

Im Mai 2009 wurde Berger zum Lektor der Päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre bestellt mit der Aufgabe, zwei theologische Zeitschriften zu überwachen.

Ende März 2010 wurden Vorwürfe von 2007 erneut aktuell, da Bergers Facebook-Profil „eindeutig das Verwurzeltsein in einem homosexuellen Milieu“ bekunde. Vor einem vom Vorstand der Fördergemeinschaft der Zeitschrift Theologisches angesetzten „klärenden Gespräch“ legte Berger von sich aus das Amt als Herausgeber der Zeitschrift nieder, verwahrte sich aber gegen die von Manfred Hauke geäußerten Vorwürfe,https://web.archive.org/web/20100415040019/http://kathnews.de/cms/cms/front_content.php?idcat=16&idart=165 vom 13. April 2010David Berger: Ansonsten muss ich dies als Verleumdung betrachten, kath.net, 14. April 2010 (Abonnement erforderlich) bevor er sich am 23. April 2010 in einem von ihm verfassten Artikel in der Frankfurter Rundschau als homosexuell outete. Der entscheidende bzw. letzte Anlass für sein Coming-out, so Berger, sei eine Äußerung von Bischof Franz-Josef Overbeck in Bezug auf die Sündhaftigkeit von Homosexualität in der Fernsehsendung Anne Will gewesen.

Im Juli 2010 wurde Berger der Status „Korrespondierender Professor“, in der Version vom 7. Februar 2010. in der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin entzogen. Sofort nach Erscheinen seines Buches Der heilige Schein (November 2010), worin sich Berger kritisch zum Umgang der römisch-katholischen Kirche mit Homosexualität äußert, prüfte die Erzdiözese Köln, ob Berger die Lehrerlaubnis als Religionslehrer zu entziehen sei. Am 2. Mai 2011 entzog der Erzbischof von Köln Berger diese mit sofortiger Wirkung.Kardinal Meisner: Schwuler Theologe darf nicht lehren. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 5. Mai 2011 Dies führte bei Schulleitung, Schülerschaft und Elternschaft des Ville-Gymnasiums in Erftstadt, an dem Berger unterrichtete, zu Kritik und Protesten und einem Demonstrationsmarsch zum Amtssitz des Erzbischofs in Köln, an dem etwa 400 bis 500 Schüler teilnahmen.Nach Angaben des WDR über 500, nach Angaben der Welt etwa 400

Berger trat „aus Protest … aus der römisch-katholischen Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts aus“, betrachtet sich selbst aber weiterhin als Katholik. 2024 machte er beim Institut St. Philipp Neri seinen Kirchenaustritt in Verbindung mit einer Generalbeichte wieder rückgängig.

Zwischen 2011 und 2013 arbeitete er als freier Journalist u. a. für die Die Tageszeitung (taz), die Wochenzeitung Die Zeit und die Magazine Cicero und Vice. Berger war ab 1. Mai 2013 Chefredakteur des im Bruno Gmünder Verlag erscheinenden Lifestylemagazins Männer. In einem kontrovers diskutierten Beitrag forderte er im Mai 2013 den Ausschluss von „Homohassern“ aus Talkshows.Homophobie in Talkshows taz.de Inzwischen hat er diese Position auf The European offiziell zurückgenommen.

Im Dezember 2014 stoppte die Deutsche AIDS-Hilfe ihre Anzeigenschaltungen in Männer, da das Magazin unter der Federführung Bergers „immer häufiger zur Ausgrenzung und Diskriminierung“ beitrage und damit „im Widerspruch zu den Grundsätzen der HIV-Prävention in Deutschland“ stehe. Berger propagiere ein „traditionelles Männlichkeitsbild“ und werte damit Menschen ab, die diesem Bild nicht entsprächen. Außerdem provoziere er „mit teils rechtspopulistischen Aussagen“.

Am 1. Februar 2015 wurde Berger als Chefredakteur von Männer fristlos entlassen. Grund war, dass Männer-Autor Daniel Krause während einer Radiosendung den Holocaust relativierte, indem er angab, dass ihm Massentierhaltung emotional näher gehe als der Holocaust.Der schwule Rechtsruck. die tageszeitung vom 3. Februar 2015 Der Verlag gab an, es sei „unerträglich, dass wenige Tage nach dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, unser Magazin mit Positionen eines politischen Brandstifters in Zusammenhang gebracht wird, dessen Gedankengut sich offensichtlich aus Antisemitismus und der Relativierung des Holocaust speist“. Von queeren Medien wurden Bergers Meinungen schon damals als rechtspopulistisch bewertet.

Kurz nach seiner Entlassung bei Männer wurde Berger Chefredakteur des zusammen mit seinem Lebenspartner gegründeten Internetportals Gaystream.taz zu Berger

Er wohnt mit seinem Lebenspartner seit August 2012 in Berlin-Schöneberg.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. September 2012, S. 4.

Berger gibt Medien bzw. Blogs wie RT Deutsch oder Politically Incorrect Interviews.

Politische Tätigkeit Von September 2016 bis Februar 2018 war Berger Mitglied der CDU. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 bekannte er sich indes als Wähler der AfD.Stefan Lauer: Wie ein schwuler Theologe zum Sprachrohr von AfD, IB und Co wurde. www.belltower.news, 18. Januar 2019 2018 wurde er in das Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung berufen.Hanna Knuth: Desiderius-Erasmus-Stiftung: Rechter Apparat. www.welt.de, 11. Juli 2018 Im Frühsommer 2019 verließ er das Stiftungskuratorium und nannte Differenzen mit Stiftungspräsidentin Erika Steinbach als Grund. Im September 2019 kritisierte er die Berufung von Vertretern des Schnellrodaer Instituts für Staatspolitik des rechten Verlegers Götz Kubitschek in den Stiftungsvorstand.AfD-nahe Stiftung öffnet sich für Rechtsaußen. www.welt.de, 24. September 2019

Theologisches Betätigungsfeld David Berger ist ein Vertreter des NeuthomismusEduard von Habsburg-Lothringen schreibt: „Berger hat sich in den letzten Jahren durch mehrere sehr gelungene deutschsprachige Einführungen in Thomas, sein Werk und den Thomismus allgemein hervorgetan.“ – Das Ende des Neuthomismus, Bonn 2007, 275.Der Oberhaider Pfarrer Stefan Hartmann urteilte 2006: „Thomismus ist für David Berger kein museales Phänomen, sondern hat gerade heute eine ganz einzigartige Aktualität […]. Vieles deutet darauf hin, daß für eine Neubelebung des Thomismus die Stunde geschlagen hat. Das bisherige Werk Bergers bietet dafür entscheidende Anstöße.“ in: Die neue Ordnung 1-2006. Online und galt eine Zeit lang als vehementer Gegner der Theologie Karl Rahners und seiner Schüler. Berger war von 2001 bis zu deren letzter Ausgabe 2007 Herausgeber des von ihm mitbegründeten Internationalen Thomistischen Jahrbuchs Doctor Angelicus. Von 2003 bis 2010 war er zudem Herausgeber und Schriftleiter der von Wilhelm Schamoni begründeten Zeitschrift Theologisches: Katholische Monatsschrift.

David Berger selbst äußerte sich zur Relevanz des Thomismus u. a. wie folgt: „Die Doktrin des heiligen Lehrers bietet weniger detaillierte Patentrezepte für einzelne zu lösende Fragen. Was sie uns im Hinblick auf die von uns mitzugestaltende Zukunft von Kirche und Theologie zu sagen hat, geht weit über kurzfristige Handlungsanweisungen hinaus. Es sind sozusagen grundsätzliche Einstellungen oder Leitmotive, die gerade dadurch, dass sie uns eine echte Alternative zu den in Gesellschaft, Kirche und Theologie herrschenden Leitmotiven aufzeigen, höchste Aktualität für das neue Jahrhundert besitzen. Vielleicht kann man sagen, dass es niemals eine Zeit gab, in der der Ruf der Kirche Ite ad Thomam: Geht zu Thomas so aktuell war, wie er heute ist“.D. Berger: Ist Thomas von Aquin heute noch aktuell? Vortrag, München 2006.

Zu Bergers gegen Rahners Theologie gerichteten Beiträgen äußerte der Rahner-Schüler Herbert Vorgrimler: „Berger ist jedes Mittel recht, seine moralische Hemmschwelle liegt immer niedriger. Er unterliegt dem triebhaften Zwang zur Jagd auf Rahner und auf die, die zu Rahner halten. Seine Krankheit ist das ‚Fertigmachen‘, das Kränken- und Beleidigen-Müssen.“Vgl. Herbert Vorgrimler: Zum Kampf Bergers gegen Karl Rahner (PDF; 156 kB) Berger hat seine Kritik an Rahner mittlerweile relativiert.Vgl. David Berger: Der heilige Schein, Berlin 4. verb. Aufl. 2011, 189.

Seit seinem Coming-out und der Publikation seines Buches Der heilige Schein beschäftigt sich Berger vor allem kritisch mit der Einstellung der katholischen Kirche zur Homosexualität. Bei der Abschlusskundgebung der Proteste gegen den Papstbesuch in Berlin im September 2011 war er einer der Redner. Hier kritisierte er die vom Papst im Bundestag vorgetragene Naturrechtslehre als philosophisch obsolet und sah in ihr die Grundlage für homophobe Einstellungen.

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