Der Landkreis Dingolfing war ein Landkreis in Niederbayern, der 1972 im Landkreis Dingolfing-Landau aufging.

Geographie

Lage Das Gebiet des früheren Landkreises Dingolfing gehört naturräumlich zum Niederbayerischen Hügelland und wird von annähernd parallel von Westen nach Osten verlaufenden Flusstälern von Aiterach, Isar, Vils und Kollbach durchzogen.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzte 1972 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Mallersdorf, Straubing, Landau an der Isar, Eggenfelden, Vilsbiburg und Landshut.

Geschichte mini|Landgericht Dingolfing auf den Landtafeln 11 und 15 von Philipp Apian 1568 mini|Bezirksamt Dingolfing 1860 auf der atlasartigen Administrativ-Karte vom Königreiche Bayern Gustav Wenng Vor 1862 Das Gebiet des heutigen Landkreises Dingolfing-Landau gehörte zur Römerzeit zur römischen Provinz Raetia bzw. zu deren späteren Teilprovinz Vindelicia mit Sitz in Augusta Vindelicorum (Augsburg). Vor bereits mehr als 1000 Jahren gehörte das Gebiet zum Älteren baierischen Stammesherzogtum.

1803 wurde im Osten späteren Kreisgebiet das Landgericht Landau an der Isar errichtet, das ab 1808 zum Unterdonaukreis (ab 1838 Kreis Niederbayern, der spätere Regierungsbezirk) gehörte. Die westlichen und südlichen Gebiete, früher Landgericht Teisbach, gehörten zum Landgericht Vilsbiburg, die nördlichen zum Landgericht Pfaffenberg (der damalige Sitz Pfaffenberg ist heute Ortsteil der Stadt Mallersdorf-Pfaffenberg). Aus Teilen der genannten drei Landgerichte wurde 1838 das Landgericht Dingolfing errichtet (bzw. wiedererrichtet, da es dieses früher schon mal gab). Aus dem restlichen, größeren Teil des Landgerichts Landau/Isar wurde das Landgericht Osterhofen gebildet. (PDF; 10,8 MB) Zum 1838 wieder errichteten Landgericht Dingolfing musste Vilsbiburg die Gemeinden Dornwang, Loiching, Marklkofen, Niederviehbach und Teisbach abgeben. Die meisten Gemeinden jedoch kamen vom Landgericht Landau an das wieder errichtete Landgericht Dingolfing.Joseph Wolfgang Eberl: Geschichte der Stadt Dingolfing und ihrer Umgebung, Freising 1856, Seite 67

Bezirksamt 1862 entstanden im Zuge der Trennung von Justiz und Verwaltung auf unterer Ebene die Bezirksämter Dingolfing und Landau neben den bisherigen gleichnamigen Landgerichtsbezirken, wobei das Landgericht Dingolfing einige Gemeinden abgab, die fortan den Gerichtsbezirk Arnstorf bildeten, der dem Bezirksamt Eggenfelden zugeordnet wurde. Dabei ist zu beachten, dass „Bezirksamt“ in der bayerischen Verwaltungssprache dem heutigen Landkreis entsprach, während „Kreis“ die mittlere Verwaltungsebene, also den heutigen „Bezirk“ meinte. Das Gebiet Osterhofen kam seinerzeit zum Bezirksamt Vilshofen.

Landkreis Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurde aus dem Bezirksamt der Landkreis Dingolfing.

Gemeindezusammenlegungen Die Gemeinde Hackerskofen wurde 1946 nach Gottfrieding eingemeindet. Die ebenfalls 1946 auf Anordnung der örtlichen Dienststelle der US-Militärregierung durchgeführte Eingemeindung von Weichshofen nach Mengkofen (1946 hatte der ehemalige Landkreis also nur 31 Gemeinden) wurde zwischen 1947 und 1949 wieder rückgängig gemacht. Bis zum 31. Dezember 1970 hatte der Landkreis 32 Gemeinden.

Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden vom 1. Januar 1971 bis zum 1. Januar 1972 19 weitere Gemeinden aufgelöst, und der Landkreis Dingolfing hatte am Vorabend seiner Auflösung nur noch 13 Gemeinden.

Kreisreform

Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Dingolfing aufgelöst und vollständig in den Landkreis Untere Isar integriert. Dieser wurde am 1. Mai 1973 in Landkreis Dingolfing-Landau umbenannt. Dazu kamen noch Gemeinden der damaligen Landkreise Vilsbiburg (Frontenhausen und Rampoldstetten, das am 1. Mai 1978 nach Frontenhausen eingemeindet wurde) und Mallersdorf (Martinsbuch, das am 1. Juli 1972 nach Mengkofen eingemeindet wurde, sowie Mühlhausen und Süßkofen, die am 1. Mai 1978 nach Mengkofen eingemeindet wurden). Weitere Gemeinden wurden an den Rändern des Landkreises Landau an der Isar ein- oder ausgegliedert. (PDF; 10,8 MB), Seite 11

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1864 20.717 1885 23.049 1900 22.087 1910 23.207 1925 24.300 Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern, nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 1939 24.683 Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1940 1950 35.347 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1952 1960 34.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1961 1971 34.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973

Politik Von der amerikanische Militärregierung wurde am 2. Mai 1945 der Buchdruckereibesitzer Anton Maier als Landrat in Dingolfing eingesetzt. Im folgenden Jahr wurde erstmals der Kreistag demokratisch gewählt, welcher am 26. Juni 1946 Kurt Lückenhaus und zwei Jahre später Robert Kaufmann zum Landrat wählte. Erst 1952 wurde ein Landrat direkt gewählt: Josef Hastreiter war bis 1972 Landrat des Landkreises Dingolfing. Mit 49,8 Prozent der Stimmen unterlag er 1972 Fritz Ettengruber, der somit erster Landrat des Landkreises Untere Isar wurde.

Bezirksamtmänner/Bezirksoberamtmänner bis 1938, Landräte ab 1939 1. November 1912 – 30. November 1919 Lorenz Quaglia 1. Dezember 1919 – 31. Mai 1923 Wilhelm Ott 1. Juni 1923 – 31. Mai 1944 Robert Kaufmann 1. Juni 1944 – Mai 1945 Adolf Daßler

Gemeinden Der 1953 eingeführte Amtliche Gemeindeschlüssel lautete 09233 (09 für Bayern, 2 für den Regierungsbezirk Niederbayern, und 33 für den Landkreis innerhalb des Regierungsbezirks).

Vor dem Beginn der Gebietsreform in Bayern im Jahre 1971 hatte der Landkreis Dingolfing 32 Gemeinden. Diese Zahl war seit dem 1. Januar 1946, als Hackerskofen nach Gottfrieding eingemeindet wurde, konstant geblieben.

mini|Landkreis Dingolfing nach Gemeinden (32 Gemeinden zum Gebietsstand 6. Juni 1961. Dieser Gebietsstand war vom 1. Januar 1946 bis zum 31. Dezember 1970 bis auf kleinere Grenzverschiebungen zwischen einzelnen Gemeinden weitgehend stabil.) AGS (Ehemalige) Gemeinde Fläche ha Bevölkerung 1961 eingemeindet am eingemeindet nach 09233111 Bubach 1481,85 448 Mamming 09233112 Dingolfing 1800,77 10456 fortbestehend   09233113 Dornwang 863,27 426 LengthalLengthal wurde seinerseits am 1. Mai 1978 nach Moosthenning eingemeindet 09233114 Englmannsberg 1350,23 453 Reisbach 09233115 Frauenbiburg 2306,78 887 Dingolfing, Marklkofen 09233116 Gottfrieding 2708,72 1326 fortbestehend   09233117 Griesbach 1586,57 733 Reisbach 09233118 Haberskirchen 2087,65 819 Reisbach 09233119 Hofdorf 968,91 387 Mengkofen 09233120 Hüttenkofen 697,98 306 Mengkofen 09233121 Lengthal 1911,95 866 Moosthenning 09233122 Loiching 1127,88 1155 fortbestehend   09233123 Mamming 2667,71 1652 fortbestehend   09233124 Marklkofen 1276,05 1234 fortbestehend   09233125 Mengkofen 458,18 853 fortbestehend   09233126 Moosthenning 618,10 434 fortbestehend   09233127 Niederreisbach 1031,46 699 Reisbach 09233128 Niederviehbach 1908,87 1591 fortbestehend   09233129 Oberviehbach 1054,01 398 Niederviehbach 09233130 Ottering 1731,35 769 Moosthenning 09233131 Poxau 999,60 603 Marklkofen 09233132 Puchhausen 1181,92 469 Mengkofen 09233133 Reisbach 205,77 1494 fortbestehend   09233134 Reith 1316,98 464 Reisbach, Marklkofen 09233135 Rimbach 829,53 293 Lengthal 09233136 Steinberg 736,51 800 Marklkofen 09233137 Teisbach 915,12 1309 Dingolfing 09233138 Thürnthenning 1085,18 523 Moosthenning 09233139 Tunding 574,82 319 Mengkofen 09233140 Tunzenberg 924,86 375 Mengkofen 09233141 Weichshofen 317,07 345 Weichshofen wurde bereits am 1. Januar 1946 durch die örtliche Dienststelle der US-Militärregierung nach Mengkofen eingemeindet. Dies wurde zwischen 1947 und 1949 jedoch wieder rückgängig gemacht. Mengkofen 09233142 Weigendorf 2770,64 1011 Loiching 09233 Landkreis Dingolfing 41312,69Amtliche Fläche des Landkreises Dingolfing. Die Summe der Gemeindeflächen ergibt allerdings 41.494,89 Hektar. 33897 Landkreis Dingolfing-Landau

Am 1. Mai 1978 wurde der Ortsteil Altfalterloh aus der Gemeinde Mengkofen, Gemarkung Puchhausen, in die Gemeinde Leiblfing des Landkreises Straubing-Bogen umgegliedert.

Kfz-Kennzeichen Das Kfz-Kennzeichen DGF wurde am 1. Juli 1956 eingeführt und später für den neuen Landkreis Dingolfing-Landau beibehalten. Es wird im Landkreis Dingolfing-Landau durchgängig bis heute ausgegeben.

Siehe auch Amtsgericht Dingolfing

Literatur Anton Eckardt: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Dingolfing. Oldenbourg 1912, S. 51; Josef Hastreiter (Hrsg.): Heimatbuch des Landkreises Dingolfing. = 100 Jahre Landkreis Dingolfing. Herausgegeben aus Anlass des 100jährigen Bestehens des Landkreises Dingolfing. Kellermeier, Landau/Isar 1962. Bernd Stadlbauer: Der Altlandkreis Dingolfing. München 2015, ISBN 978-3-7696-6557-4 (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Reihe I, Band 65).

Einzelnachweise

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