mini|Stammwappen derer von Westerholt Westerholt ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts. Die Herren von Westerholt gehörten zum Uradel im Vest Recklinghausen.
Geschichte mini|Schloss Westerholt, Herten (um 1858)
Herkunft Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahre 1225 mit dem Ritter Henricus de Westerholte.Westfälisches Urkundenbuch 7, Münster 1908, Nr. 270a Der namensgebende Stammsitz der Familie, die Burg Westerholt, liegt im heutigen Ortsteil Westerholt der Stadt Herten im Kreis Recklinghausen.
Ausbreitung und Linien Das Geschlecht hat sich schon früh in mehreren großen Linien ausgebreitet und auch im Münsterland und in den Niederlanden großen und reichen Besitz erworben. Bernhard von Westerholt starb 1540 als Abt des Klosters Iburg bei Osnabrück. Heinrich von Westerholt erwarb durch Heirat 1565 mit Agnes von Raesfeld die Herrschaft Raesfeld.
Zu der Hinzufügung Gysenberg zu dem Adelsgeschlechtsnamen von Westerholt kam es durch eine kaiserliche Verfügung vom 27. März 1744. In seinem Testament vom 30. März 1725 hatte der Geistliche Domherr zu Hildesheim Adolph Arnold Freiherr von Gysenberg sein Gut Henrichenburg dem Joseph Clemens August Maria Freiherr von Westerholt unter der Bedingung zugedacht, dass dieser und seine Erbnachfolger den Namen Gysenberg ihrem Namen Westerholt hinzufügen. So entstand der Geschlechtsname von Westerholt-Gysenberg.
Die Erbtochter der Linie Westerholt-Alst heiratete 1769 Ludolf Friedrich Adolf von Boenen, aus dem schon 1152 erwähnten mittelwestfälischen Adelsgeschlechts, das unter dem Namen von Boenen 1816 im Mannesstamm erlosch. Denn Ludolf Friedrich Adolf von Boenen wurde unter Beseitigung seines eigenen Namens mit dem Namen seiner Frau von Westerholt und Gysenberg, 1779 in den Reichsfreiherrenstand und 1790 in den Reichsgrafenstand erhoben. Unter diesem Namen bestand später eine rheinische und eine westfälische Linie.
Der letzte in männlicher Linie Westerholt war Dr. jur. Adriaan Jan Alexander baron van Westerholt, geboren in Warnsveld am 3. Oktober 1894, gestorben in Lochem am 17. Dezember 1972 (Niederlande).
Standeserhebungen Am 15. Juli 1372 wurden Reiner und Adolf von Westerholt durch Kaiser Karl IV. mit der Vestischen Reichsvogtei und dem kaiserlichen Bann über die Reichshöfe dortselbst ausgestattet.Ludger Tewes: Kaiser Karls IV. Konstruktiver Konservativismus am Beispiel des Erzstiftes Köln, in: Bohemia, Bd. 28, Heft 1, 1987, S. 119–122. (Regest des Urkundentextes) Aus dem Stamm und der Linie Hackfort wurde Heinrich von Westerholt am 18. Januar 1650 zu Wien in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Ein Diplom wurde nicht ausgelöst. Borchard Frederik Willem von Westerholt erhielt am 27. Januar 1813 das kaiserlich-französische Baronat. Eine niederländische Anerkennung des Baronstitels für sich und seine Geschwister erfolgte am 19. Februar 1820.
Johann Jacob Freiherr von Westerholt aus dem Stamm Westerholt, kurfürstlich-kölnischer und Trierer Kammerherr und fürstlich-thurn und taxischer Geheimrat und Oberhofmarschall, wurde am 22. September 1790 zu München von Kurfürst Karl Theodor von Pfalzbayern als Reichsvikar in den Reichsgrafenstand erhoben.
Im Königreich Bayern wurde am 6. September 1813 Alexander Graf von und zu Westerholt, fürstlich-thurn und taxischer Geheimrat in Regensburg und Sohn von Johann Jacob Graf von Westerholt, bei der Grafenklasse der Adelsmatrikel eingetragen.
Wappen Das Stammwappen ist gespalten. Rechts in Schwarz mit einem silbernen und links in Silber mit einem schwarzen Balken. Auf dem Helm steht ein wachsender silberner Schwan, bei dem die ausgebreiteten Flügel wie der Schild bezeichnet sind. Die Helmdecke ist schwarz-silbern.Vgl. mit dem Wappen der Grafen von Merveldt in Max von Spießens Wappenbuch des Westfälischen Adels: Feld 1 und 4: Westerholt.
Stammliste und Namensträger Westerholt mini|Ahnentafel derer „von Westerholt“. Der Besitzer der Herrschaft ist grün unterlegt. Wessel von Westerholt (ca. 1300– nach 1378), Burggraf von Westerholt. Er übergab sein freies Eigentum, die Burg, der Kölner Kirche als Offenhaus und erhielt sie als Lehen zurück. Er gehörte der Familie an, die den nachfolgend genannten Reyner zum Stammvater hat. Das genaue Verwandtschaftsverhältnis ist nicht bekannt. 1. Wessel von Westerholt (ca. 1340–1388), erbte die Burg, Hauptmann, tödlich verletzt in der Dortmunder Fehde. 1 Johann von Westerholt (ca. 1383–1445), wird 1395 mit Westerholt belehnt, blieb kinderlos
Reyner (Renerus) von Westerholt (ca. 1260–nach 1307), Richter und Magistrat in Recklinghausen. Ein Magistrat war vergleichbar mit dem Bürgermeisteramt des noch nicht voll selbständigen Recklinghausen. Die kurkölnischen Richter führten den Vorsitz. 1. Borchard von Westerholt (ca. 1296–1375), Erbvogt der neunthalb Reichshöfe im Vest Recklinghausen 1. Hendrikus von Westerholt (wohl 1342–1411), einer der Gründungsmagister der Universität Köln und deren 9. Rektor (25. März bis 28. Juli 1391) 2. Alf (Adolph) von Westerholt (ca. 1349–1421), zusammen mit seinem Bruder Reyner mit den vestischen Reichshöfen belehnt, 1399 zusammen mit oben genannten Johann († 1445) mit der Burg Westerholt belehnt. 1. Aleff von Westerholt (ca. 1380–1446), wohnte zusammen mit Borchard († 1454) auf Burg Westerholt und veräußerte nach und nach seinen Besitz an diesen. 3. Reyner von Westerholt (ca. 1346–1416), Erbvogt und Richter zu Recklinghausen, nutzte seinen Einfluss um den Grundbesitz zu mehren und brachte zusammen mit seinem Bruder Alf den Besitz der Burg an sich. 1. Borchard von Westerholt (ca. 1370–1454), 1417 formal durch den Erzbischof von Köln mit der Burg Westerholt belehnt. 1421 Teilung des Hauses mit seinem Vetter Aleff († 1446) (s.d.). 1. Reyner von Westerholt (ca. 1400–ca. 1479), wurde noch zu Lebzeiten seiner 2. Ehefrau Priester und verzichtete auf die Rechte seiner Erstgeburt. Er ist Stammvater der „Neuen bürgerlichen Recklinghäuser Linie“ von Westerholt, die über Generationen den Bürgermeisterposten besetzten. 2. Bernd (Bernhard) von Westerholt (ca. 1415–1494), Herr zu Westerholt und Erbvogt und damit Stammvater der nachfolgenden adeligen Linien. Erwarb das Gut Uhlenbrock ⚭ Jutta von Düngelen zu Bladenhorst (1430–1493). 1. Bernhard († 1540), Abt des Klosters Iburg bei Osnabrück 2. Hermann (ca. 1448–1508), Erbvogt, belehnt mit Schloss Sickenbeck und 1495 mit Burg Westerholt. Seine Frau brachte die Güter Dinkelborg und Koppel in die Ehe mit ein. 3. Elisabeth „Lyse“ (ca. 1456; † nach 1505) ⚭ 1482 mit Johann von Romberg († 1510), 1480 Herr zu Niedermassen
Dieser Generation gehört auch der folgende Heinrich Grymhardt an, dessen genaue Abkunft nicht bekannt ist. Relativ gesichert ist aber, dass er der in Recklinghausen ansässigen Familie zugehört: Heinrich Grymhart de Westerholt (de Recklinghausen), (ca. 1350– 12. August 1419 in Köln), 5. Rektor der Universität Köln (1390), Gesandter des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln, 1409 Gesandter beim Konzil in Pisa Ältere Linie nach Bernt (Bernhard) von Westerholt Bernt (Bernhard) von Westerholt (1480–1554), Erbe der Westerholtischen Güter, seine Frau Berta von Lembeck brachte die Lembeckschen Güter in die Familie mit ein.
1. Bernhard von Westerholt (ca. 1520–1596), Herr zu Lembeck (Tochter: Sibilla v. Westerholt ⚭ 1584 Menso v. Heiden zu Astrup [vor 1551–1613]) 1. Mathias von Westerholt (1556–1618), erbte Lembeck 1. Bernhard (ca. 1590–1646) verkaufte das verschuldete Gut an den nachgenannten Johann von Westerholt 2. Johann von Westerholt (1563–1628), Domherr und Kanzler des Bischofs von Münster, heiratete die Witwe von Bernhard von Westerholt (1554–1592) und wurde damit zum Vormund von Hermann Hektor von Westerholt († 1627) (s.d.). Erwarb die Herrschaft Lembeck von seinem verschuldeten Neffen. 1. Nikolaus von Westerholt (ca. 1601–1662), verkaufte 1630 Herrschaft Lembeck an Bernhard von Westerholt zu Hackfort († 1638) (s. d.) und erwarb 1643 die Herrschaft Westerholt von Nikolaus Vinzenz von Westerholt († 1667) (s.d.), 1. Anna Elisabeth, einzige Tochter ⚭ ihren Vetter 4. Grades Oberst Hermann Otto von Westerholt († 1708) 2. Hermann (ca. 1602– 3. Juni 1665), Kaiserlicher Rittmeister, Oberstleutnant, Drost von Bocholt, ⚭ 1) Katharina v. Roland, Erbin von Gut Sandfort; ⚭ 2) Katharina Margarethe v. Wulfen († 22. Sept. 1677), Tochter von Stats Balthasar von Wulffen zu Lemgo († 1626 in Lübbecke, als adeliger Bürgermeister ebendort) (⚭ 1] Gertrud von Hadewig [† 1614] [siehe von Hadewig (Adelsgeschlecht)/Stammtafel]) und Marg. v. Alden (1598–1657) 1. Sibylle Antonie (oder/auch Agnete v. Westerholt) († 9. April 1660), Erbin des Hauses Sandfort bei Osnabrück ⚭ Heinrich Engelbert v. Langen zu Sögeln (1635–1675) (⚭ 1 Anna Elisabeth v. Steuben). 2. Franz Wilhelm (1650–1674), Offizier in niederländischen Diensten
2. Hermann von Westerholt (ca. 1516–1567), Oberst, belehnt mit der Burg Westerholt und den anderen Stammlehen. 1. Bernhard von Westerholt (ca. 1554–1592, im Rhein ertrunken), 1575–1581 Domherr zu Münster, dann Herr auf Westerholt 1. Hermann Hektor (ca. 1586–1627), Herr zu Westerholt, blieb wegen seiner Jugend und später wegen Leibes- und Geistesschwachheit lange unter Vormundschaft, u. a. vom Stiefvater Johann von Westerholt († 1628) (s.d.). Seine Ehe blieb kinderlos. 2. Johann von Westerholt auf Uhlenbrock (ca. 1540–nach 1595), 1581–1595 Domherr zu Münster, wurde 1588 in eine blutige Auseinandersetzung verwickelt, weshalb er 1595 auf seine Pfründe verzichten musste, daraufhin residierte er im Haus Uhlenbrock bei Buer, welches dann 1613, um die Westerholtischen Schulden zu drücken, eingelöst wurde. 1. Bernhard von Westerholt (ca. 1600–1639), durch Heirat Herr zu Wilbring, erbte den Westerholter Besitz nach dem Tod von Vetter Hermann Hektor 1. Nikolaus Vinzenz (ca. 1625–1667), seine Vormünder verkauften das überschuldete Gut Westerholt an Nikolaus von Westerholt († 1662) (s.d.). Auseinandersetzungen, die er, als er mündig wurde führte, verlor er. 1. Franz Ludwig (1661–1708), verzichtete endgültig auf seine Ansprüche 1. Johann Karl Albert (1695–1739), durch seine Mutter Besitzer des Gutes Vilckrath im Herzogtum Berg, durch Heirat Postmeister in Koblenz. 1. Johann Jakob (1727 Koblenz–1814), erbte die Postmeisterstelle, ab 1755 im Dienste von Thurn und Taxis in Regensburg, dort dann Oberhofmarschall und schließlich zum Hofökonomiepräsidenten. Außerdem war er kurtrierischer und kurkölnischer Kämmerer. 1. Alexander Ferdinand (1763–1827 Regensburg) ⚭ Winfriede Gräfin von Jenison-Walworth (1767–1825), Staatsmann und Gelehrter, dirigierender geheimer Rath im Dienste von Thurn und Taxis. Litt trotz überdurchschnittlichen Gehaltes immer an GeldmangelAusführlich beschrieben in Thomas Bart: Wir sind nur unnütze Knechte, Regensburg 2008 (siehe Literatur) 1. Karl Theodor (1795–1863), Karl Schlund wurde sein Hauslehrer. Hofkavalier bei Thurn und Taxis und bayrischer Kammerherr. Er konnte aber an die Leistungen seines Vaters nicht heranreichen. Zog sich, nach einer einträglichen zweiten Heirat mit einer ungarischen Frau, nach Giebelbach bei Lindau am Bodensee zurück. Im Laufe der Vorkommnisse um 1848 verschuldete er sich abermals. 1. Heinrich Friedrich (1820 Calais–1859 Güns in Ungarn), Offizier in der österreichischen Armee ⚭ Gräfin Sophie von Stainlein-Saalenstein (Schwester des Komponisten Ludwig von Stainlein-Saalenstein), letzter der Älteren LinieGenealogische Webseite zum PaarTodesanzeige des Komponisten mit Nennung seiner Verwandten aus der Familie Westerholt
Jüngere Linie nach Borchhard von Westerholt mini|hochkant|Schloss Hackfort im Achterhoek, Gelderland (1601–1981 im Besitz der Barone van Westerholt van Hackfort) mini|hochkant|Burgmannshof in Haselünne (17. bis 19. Jhdt. im Besitz der Familie) mini|hochkant|Schloss Lembeck (1526 bis 1708 im Besitz der Grafen von Westerholt) mini|hochkant|Schloss Sythen (1821 bis 1965 im Besitz der Familie)