Lord of War – Händler des Todes ist ein Drama„Im Gewehrlauf der Zeit“, Kritik der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2010 vom Regisseur Andrew Niccol aus dem Jahr 2005. Vor allem bekannt für seine Science-Fiction-Werke stellt Niccol hier erstmals die Geschäfte internationaler Waffenhändler in den Mittelpunkt einer Hollywood-Großproduktion. Im Nachgang des Vermächtnis der Tempelritter zählte Hauptdarsteller Nicolas Cage zu den bestbezahlten Darstellern dieser Zeit.Wesley Johnson: Hollywood’s Top Earners. Press Association Newsfile, 23. Juli 2008. In weiteren Rollen sind Jared Leto und Ethan Hawke zu sehen; letzterer in seiner zweiten Zusammenarbeit mit dem Regisseur.

Trotz guter Kritiken fand der Film zunächst wenig Publikumszuspruch.

Handlung Die Hauptfigur Yuri Orlov eröffnet den Film, indem er direkt in die Kamera die folgenden Sätze spricht: „Es befinden sich weltweit über 550 Millionen Schusswaffen im Umlauf. Das heißt, auf diesem Planeten hat jeder zwölfte Mensch eine Schusswaffe. Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf?“ Der Vorspann zeigt nun dokumentarisch den Weg einer Gewehrpatrone – von der Produktion in der Fabrik über den Handel, die Verschiffung, das Einlegen in eine Waffe, das Abfeuern der Waffe und den Flug des Geschosses bis in den Kopf eines afrikanischen Jungen. Da die Kamera unmittelbar mit der Patrone verbunden ist, verfolgt man das Geschehen quasi aus der „Ich-Perspektive“ der Gewehrpatrone.

Danach erzählt Yuri rückblickend aus dem Off, wie er aufwuchs und zum Waffenhändler wurde.

Seine Familie wanderte aus der Ukraine in die USA ein, als er noch ein Kind war. Seine Familie hatte in der Sowjetunion vorgegeben, jüdisch zu sein, um flüchten zu können. Yuri wächst in Little Odessa in Brighton Beach, New York auf, wo viele ukrainische Einwanderer leben. Seine Familie betreibt dort ein Restaurant. Nachdem zwei Menschen vor Yuris Augen erschossen wurden, beschließt er, zusammen mit seinem Bruder Vitaly Schusswaffen zu verkaufen. Er fängt klein an, indem er Uzis und M16-Gewehre aus dem Libanonkrieg 1982 verkauft. Bald trifft er mit einem seiner Schmuggelschiffe zum ersten Mal auf Jack Valentine, einen unermüdlichen und unbestechlichen Interpol-Agenten. Doch vor dessen Erscheinen lässt er den Schiffsnamen kurzerhand umlackieren und hisst eine andere Flagge, womit er Valentine austrickst und dieser ihn laufen lassen muss.

Damit Yuri im großen Stil Waffenhandel betreiben kann, schlägt er dem renommierten Waffenhändler Simeon Weisz auf einer Waffenmesse im West-Berlin der 1980er Jahre eine Zusammenarbeit vor. Dieser lehnt jedoch ab und bezeichnet ihn als Amateur.

Yuri verkauft 1984 erstmals im größeren Umfang Waffen nach den Selbstmordattentaten im libanesischen Beirut und an den brutalen Diktator von Liberia, André Baptiste.

Im Laufe des Filmes stellt er vier Regeln auf: Lass dich niemals von deiner eigenen Ware anschießen. Habe immer einen todsicheren Plan, um bezahlt zu werden. Nimm niemals selbst eine Waffe in die Hand und schließe dich deinen Kunden an. Ziehe niemals in den Krieg, besonders nicht mit dir selbst.

Nach einem Geschäft mit einem kolumbianischen Drogenboss, der darauf besteht, Yuri mit Kokain zu bezahlen, wird er angeschossen. Anschließend beginnen die Brüder, einen Teil der Drogen selbst zu konsumieren. Nach zwei Wochen Abgeschiedenheit und exzessivem Kokainkonsum wird Vitaly süchtig. Yuri schickt ihn in eine Entziehungsklinik und wird von nun an Alleinunternehmer. Er beginnt, das von ihm schon lange begehrte Model Ava Fontaine zu umwerben, und erreicht mit seinem Geld und Lügen, dass sie ihn heiratet. Bald darauf wird ihr Sohn geboren. Yuri verschweigt Ava seine Waffengeschäfte und gibt stattdessen lediglich vor, im Transportgeschäft tätig zu sein. Sie ahnt von seiner Kriminalität, bittet ihn aber, ihr nichts davon zu erzählen.

Das Ende des Kalten Krieges und der Zusammenbruch der Sowjetunion stellen den Wendepunkt in Yuris Karriere dar. Er setzt sich mit seinem Onkel Dimitri, einem Armeegeneral, in Verbindung und deckt sich günstig mit Panzern und Kalaschnikows aus ukrainischen Armeebeständen ein. Valentine gelingt es beinahe, Yuri beim Verladen eines Kampfhubschraubers vom Typ Mi-24 zu verhaften, doch dieser nutzt eine Gesetzeslücke, indem er vorgibt, dass der Hubschrauber und die dazugehörenden Startbehälter und Raketen zwar zusammen verschifft, jedoch an verschiedene Kunden ausgeliefert werden.

Kurz darauf stirbt Onkel Dimitri durch eine Autobombe, mit der Yuris Konkurrent Weisz eigentlich ihn töten wollte.

Bei der Durchsuchung von Yuris Hausmüll entdeckt Agent Valentine nach dem Zusammensetzen geschredderter Dokumente Yuris nächstes Ziel: Sierra Leone. Dort wird sein mit leichten Waffen beladenes Transportflugzeug vom Typ Antonow An-12 von einem Abfangjäger (im Film eine Aero L-39C „Albatros“; im Skript eine MiG-25 Foxbat) der Luftwaffe unter Waffeneinsatz aufgefordert, den nächstgelegenen Flughafen in Kabala anzusteuern. Um einer möglichen Verhaftung zu entgehen, drängt Yuri seine Piloten zu einer Landung auf einer unbefestigten Straße in der Savanne. Damit die Behörden bei ihrer Ankunft keine Beweise vorfinden, verschenkt Yuri die gesamte Ladung an die Bevölkerung. Als Valentine schließlich ankommt, gibt es nichts mehr, wofür er Yuri verhaften könnte. In dem von den beiden geführten Gespräch verurteilt Valentine Yuris Geschäfte und macht ihm klar, dass neun von zehn Kriegsopfern durch AK-47-Sturmgewehre umkommen – solche, wie sie Yuri verkauft. Valentine fügt hinzu, dass es für ihn selbst doch prestigeträchtigere Jobs gebe, z. B. Nuklearwaffendepots im Auge zu behalten. Seiner Meinung nach befinden sich die Nuklearwaffen tief in ihren Silos, aber Yuris AK-47-Sturmgewehre seien die wahre Massenvernichtungswaffe. Da Valentine Yuri, auch nach Yuris eigener Aussage über die Rechtslage, nicht verhaften kann, hält er ihn lediglich 24 Stunden fest. In dieser Zeit zerlegt die Bevölkerung das Transportflugzeug in seine Einzelteile und transportiert diese ab.

Liberias Diktator Baptiste macht Yuri ein „Geschenk“: Den gefesselten Simeon Weisz, den Yuri als Revanche für seinen getöteten Onkel erschießen soll. Er zögert, weshalb Baptiste ihm anbietet, es gemeinsam zu tun. Baptiste führt Yuris Hand an die Waffe und bietet ihm an, dass dieser jederzeit „Stopp!“ sagen könne, doch tut er dies erst, nachdem Baptiste den Abzug betätigt hat. Yuri nimmt daraufhin starke Drogen und läuft benommen durch die Straßen. Ein kleines Mädchen mit amputiertem Arm fragt ihn, ob ihr Arm nachwachsen werde, denn der weiße Mann wisse bestimmt die Antwort. Erschrocken von diesem Anblick torkelt er weiter, als ihm der Geist von Simeon Weisz in einer dunklen Gasse erscheint und ihn mahnt, Partei zu ergreifen. Nachdem er von zwei bewaffneten Männern geschlagen und nur dank einer Ladehemmung nicht erschossen wird, hat Yuri anscheinend ungeschützten Sex mit einer Prostituierten.

Inzwischen offenbart Valentine Yuris Frau Ava dessen wirklichen Beruf. Yuri verspricht ihr daraufhin, damit aufzuhören, und verdient sein Geld ein halbes Jahr mit legaler Arbeit. Doch Baptiste und sein Sohn nutzen ein Treffen der Vereinten Nationen zu einem Besuch bei Yuri. Es gelingt ihnen mit einem riesigen Diamanten, ihn für weitere Geschäfte zu gewinnen. Ava folgt ihm heimlich und findet in seinem Container-Büro Beweise, dass er wieder als Waffenhändler tätig ist. Gemeinsam mit ihrem Sohn verlässt sie ihn. Yuri nimmt an, dass die Tatsache, dass er das Geburtsdatum seines einzigen Sohnes als Code für das Container-Zahlenschloss benutzt hat, ausschlaggebend für ihren Weggang gewesen sei.

Yuri überredet den widerstrebenden Vitaly, ihn nach Liberia und schließlich nach Sierra Leone zu begleiten. Vitaly bekommt jedoch Gewissensbisse, als er am Treffpunkt bemerkt, wie die Verhandlungspartner das Zeltdorf von Zivilisten umkreisen, die mit den Waffen massakriert werden sollen. Dann beobachtet er, wie ein Junge und dessen Mutter brutal ermordet werden. Vergeblich versucht er, Yuri dazu zu bringen, den Handel abzubrechen, doch dieser erkennt, in welcher Gefahr sie sich befänden, wenn sie das Geschäft nicht abwickeln würden. Vitaly sprengt mit einer Handgranate die Hälfte der gelieferten Sturmgewehre, wodurch auch der Sohn von André Baptiste umkommt. Vitaly wird daraufhin erschossen und kann das Massaker an den Dorfbewohnern somit nicht verhindern.

Ein bei der Entfernung der Gewehrkugeln übersehenes Projektil in Vitalys Brustkorb wird bei der Überführung des Leichnams vom New Yorker Zoll bemerkt, worauf Yuri festgenommen wird. Zusammen mit den Funden aus Yuris Containerbüro meint Valentine, genug Beweise für eine lebenslange Verurteilung gegen ihn in der Hand zu haben, und versteht Yuris Gelassenheit trotz der erdrückenden Beweislast nicht. Yuri erklärt ihm, der Ernst seiner Lage sei ihm sehr wohl bewusst, schließlich sei er von seiner Familie verlassen, von seinen Eltern enterbt und sein Bruder getötet worden. Er eröffnet Valentine, dass dessen oberster Chef, der US-Präsident, faktisch immer noch der erfolgreichste Waffenhändler der Welt sei. Und dieser Yuri Orlov sei zweifellos ein Übel, jedoch ein notwendiges Übel. Denn Waffenschieber wie Yuri unterstützten lediglich die inoffiziellen und nicht „politikfähigen“ Aspekte des Regierungswillens. Valentine solle deshalb seinen flüchtigen, kurzzeitigen Triumph genießen. Kurz darauf wird Valentine, wie von Yuri prognostiziert, aus dem Verhörraum gebeten. Durch einen hochrangigen Armeeoffizier und alten Geschäftspartner von Yuri wird Jack gezwungen, Yuri wieder auf freien Fuß zu setzen.

Dieser macht nach seinem Hafttag weiter wie bisher. In der Schlussszene besticht er bei einer Waffenlieferung Zollbeamte in der Sahara, um Waffen über die Grenze zu bringen. Der Film endet in derselben Kameraeinstellung wie zum Filmbeginn. Wieder steht Orlov da und zieht ein Fazit: „Wissen Sie, wer die Erde übernehmen wird? Waffenhändler. Denn alle anderen sind viel zu beschäftigt damit, einander zu erschießen. Das ist das Geheimnis des Überlebens. Ziehe niemals in den Krieg. Besonders nicht mit dir selbst.“ Die Kamera schwenkt auf die Patronenhülsen auf dem Boden, und das Bild wird schwarz. Im Abspann wird darauf hingewiesen, dass die fünf größten Waffenexporteure der Welt – die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China – auch die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat seien.

Reale Bezüge

Der Film „Lord Of War“ hatte ein echtes Vorbild – den Russen Wiktor But, der 2010 in Bangkok (Thailand) festgenommen wurde. Der Waffenhändler spricht sechs Sprachen, hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und lieferte an jeden – auch an die Taliban und al-Qaida.Waffenhändler Viktor Bout gefasst. Der Händler des Todes, sueddeutsche vom 17. Mai 2010

Die Diamanten aus Liberia, die im Film vorkommen, darunter ein unwahrscheinlich großer, erinnern an einen der größten geschliffenen Diamanten mit 189,6 Karat, der in der Diamantenfonds-Exposition des Moskauer Kremls aufbewahrt wird und nach Graf Grigori Grigorjewitsch Orlow benannt wurde, der ihn 1755 Katharina II. geschenkt hatte, die ihn in das Zepter der russischen Zaren einsetzen ließ. Einige Quellen geben an, der Orlow-Diamant sei ein Teilstück des Großmoguls, der ebenfalls im klassischen indischen Rosenschliff gearbeitet ist.

Der politische Hintergrund ist realitätsnah. Alle im Film gezeigten Lieferungen gehen in tatsächliche Krisengebiete. Von dem drogenfinanzierten Contra-Krieg über die Unterstützung des Bürgerkriegs im Libanon bis zu den westafrikanischen Konflikten, die über Blutdiamanten abgewickelt werden, sind auch die Zahlungsmittel weitestgehend glaubwürdig. Der gewaltige Ausverkauf und Diebstahl der Restposten der Arsenale der sowjetischen Armee werden sehr drastisch geschildert.