mini|Innenstadt von Trochtelfingen mini|Trochtelfingen auf einer Postkarte um 1920 mini|Fachwerkhaus (Restaurant Ochsen) am Rathausplatz mini|Fresken in St. Erhard mini|Der Hohe Turm war Teil der Stadtbefestigung
Trochtelfingen ist eine Stadt auf der Schwäbischen Alb im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg etwa 25 km südlich der Kreisstadt Reutlingen.
Geographie Trochtelfingen liegt im Tal des Flüsschens Seckach. Dieses mündet südlich der Stadt in die Lauchert. Die Gemarkung erstreckt sich über eine Höhenlage von im äußersten Westen im Gewann Kohlwald bis an der Lauchert beim Austritt aus dem Stadtgebiet.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Trochtelfingen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Engstingen, Hohenstein, Pfronstetten, Gammertingen, Burladingen und Sonnenbühl. Sie gehören bis auf Gammertingen (Landkreis Sigmaringen) und Burladingen (Zollernalbkreis) zum Landkreis Reutlingen.
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus fünf Stadtteilen: Hausen, Mägerkingen mit dem Burgstall Burg Hielock, Steinhilben, Trochtelfingen und Wilsingen. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt in der Form „Trochtelfingen-…“. Der Weiler Haid liegt innerhalb der Gemarkung der Stadt Trochtelfingen vor der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg und grenzt im Norden an die Gemeinde Engstingen, der Stadtteil Trochtelfingen besteht aus der Gemarkung Trochtelfingens vor der Gemeindegebietsreform ohne den Weiler Haid, die restlichen Stadtteile sind räumlich identisch mit den bis zur Gemeindegebietsreform selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. In Trochtelfingen wird der Gemeinderat nach dem System der unechten Teilortswahl gewählt, die Stadtteile bilden daher als Wohnbezirke bezeichnete Wahlkreise. In den vier Stadtteilen Hausen, Mägerkingen, Steinhilben und Wilsingen sind zudem Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet.Hauptsatzung der Stadt Trochtelfingen vom 14. September 2004 (PDF; 47 kB) abgerufen am 20. März 2009
Zum Stadtteil Hausen gehören das Dorf Hausen und die Häuser Lauchertmühle, zu den anderen Stadtteilen gehören jeweils nur die gleichnamigen Weiler, Dörfer und die Kernstadt Trochtelfingen.
Im Stadtgebiet liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ortschaften und Burgen; der Ort Wettishausen im Stadtteil Steinhilben westlich der Straße nach Meidelstetten in der heutigen Flur Wettlinghausen, wahrscheinlich im 14. Jahrhundert entstanden, wurde 1379 und 1477 als Wetißhusen erwähnt. Im Norden der Stadt Trochtelfingen vor der Gemeindegebietsreform liegt die abgegangene Burg Haideck, sie wurde 1311 zerstört. Wenig nördlich der Kernstadt liegt in der Flur Eidlingen die Wüstung Nidlingen oder Ridlingen. Das 1369 als Ridlingen und 1421 als Nidlingen erwähnte Dorf wurde wahrscheinlich nach Gründung der Stadt aufgegeben. In der Flur Aufhöfen im Westen liegt der abgegangene Ort Uffhofen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 76–79
Schutzgebiete
Mit den Gebieten Trochtelfinger Heide und Seckachtal, Laucherttal mit Nebentälern, Öde am Mägerkinger Häule, Sommerschafweide an Buchhalden und Sommerschafweide in den Spitzäckern sind auf der Stadtfläche Trochtelfingens insgesamt fünf Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Diese überschneiden sich teilweise mit den beiden FFH-Gebieten Gebiete um Trochtelfingen und Gebiete um das Laucherttal.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert Das Gebiet um Trochtelfingen war schon sehr lange besiedelt. Im Jahr 2007 wurden bei Aushubarbeiten keltische Gräber gefunden. Der Name Trochtelfingen lässt auf eine frühalemannische Gründung der ältesten Siedlungsschicht des Ortes und einen damit verbundenen Personennamen schließen.Vgl. Informationsbroschüre Trochtelfingen (PDF; 11,1 MB), 10. Auflage/2010, mediaprint WeKA info verlag gmbhLandesarchiv Baden-Württemberg – Landeskunde entdecken online: Trochtelfingen Dieses erste Dorf ist wohl unterhalb der Kirche an der Seckach zu vermuten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Trochtelfingen im Jahre 1161 als Truhdolvingin.
Von 1182 bis 1219 war Pfalzgraf Rudolf von Tübingen der Herr von Trochtelfingen. Der Besitz wechselte von den Pfalzgrafen von Tübingen über die Grafen von Gammertingen zu den Grafen von Hohenberg. Schließlich kam die Stadt 1310 zur Grafschaft Württemberg. 1316 vermachte Graf Eberhard I. Trochtelfingen seiner Tochter Agnes und seinem Schwiegersohn Graf Heinrich von Werdenberg-Trochtelfingen-Sigmaringen. Im Jahre 1534 ging die Herrschaft von Anna von Werdenberg, der Mutter des Grafen Joachim, auf die Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg über. Mit der Mediatisierung 1806 wurde die Herrschaft Trochtelfingen Teil des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen. 1850 wurde Trochtelfingen als Teil der Hohenzollerischen Lande preußisch. Bis 1861 war es Sitz des hohenzollerischen Obervogteiamtes Trochtelfingen. Anschließend gehörte Trochtelfingen zum Oberamt Gammertingen.
20. und 21. Jahrhundert Als das Oberamt Gammertingen im Jahr 1925 aufgelöst wurde, kam Trochtelfingen zum Landkreis Sigmaringen. Das Stadtrecht war 1883 aberkannt worden und wurde 1952 neu verliehen. thumb|Vom Augenzeugen John Reinhardt gestifteter Gedenkstein aus Kalkstein mit Inschrifttafel aus Bronze an einem Parkplatz zwischen Wilsingen und Steinhilben im Gewann Birkach. An dieser Stelle trieb die Kriminalpolizei im Verbund mit anderen Mitwirkenden Sinti auf einen Pritschenwagen und verbrachte sie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Namentlich bekannt sind die ermordeten Sinti Hildegard Mai, Gertrud Nock, Irmgard Nock, Johannes Nock, Maria Nock, Maria Nock und Theresia Nock. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zwischen Steinhilben und Wilsingen Sinti auf einen Pritschenwagen getrieben und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht. Namentlich bekannt sind die ermordeten Sinti Hildegard Mai, Gertrud Nock, Irmgard Nock, Johannes Nock, Maria Nock, Maria Nock und Theresia Nock. Ein von dem Sinto John Reinhardt, Augenzeuge des damaligen Geschehens, finanzierter Gedenkstein aus Kalkstein mit Inschrifttafel aus Bronze erinnert dort seit dem 5. November 2000 an einem Parkplatz im Gewann Birkach an dieses Geschehen. Der städtische Bauhof setzte das Betonfundament hierfür. John Reinhardt erinnerte sich: „Ich war 10 Jahre alt, als ich mitansehen musste, wie 13 Familienangehörige auf einen Pritschenwagen verladen wurden und wie man sie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht hat. Ich habe gerade Reisig in einem gegenüberliegenden Waldstück gesammelt, wo wir auch unser Versteck vor den Nazis hatten; da musste ich mitansehen, wie meine Verwandten abgeholt wurden. Jetzt als erwachsener Mann habe ich für meine Verwandten einen Gedenkstein auf dem Parkplatz zwischen Steinhilben und Wilsingen errichten lassen, damit jeder sehen kann, was damals geschehen ist. In Erinnerung und Gedenken an die, die so viel Leid ertragen mussten, sah ich dies als meine Pflicht an.“
In Trochtelfingen stand eines von fünf Lagern des weiblichen Reichsarbeitsdienstes (RAD) im damaligen Landkreis Sigmaringen.Edwin Ernst Weber: Sophie Scholl im Reichsarbeitsdienstlager Schloss Krauchenwies. In: Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben (Hrsg.): Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in den Landkreisen Bodenseekreis und Sigmaringen. 2012, S. 30.
1972 wurde Trochtelfingen dem Landkreis Reutlingen zugeordnet. Der heutige Stadtteil Wilsingen gehörte hingegen bis zur Kreisreform Baden-Württemberg 1973 zum Landkreis Münsingen und kam von dort zum Reutlinger Kreis. Hausen an der Lauchert und Mägerkingen hingegen gehörten schon zuvor zum Landkreis Reutlingen. Der Teilort Steinhilben, der wie Trochtelfingen vor der Kreisreform zum Landkreis Sigmaringen gehörte, erscheint am 1. November 1247 auf einer Urkunde des Ritters von Wurmlingen.
In den 1970er/1980er-Jahren fand in Trochtelfingen eine Stadtkernsanierung statt. Ein letzter Abschnitt findet 2015 mit der Sanierung der Marktstrasse ihren Abschluss.Stefanie Häußler: Historisch: Altes Handwerk ist gefragt. Dachstuhl des Werdenbergschlosses in Trochtelfingen wird saniert. In: Schwäbische Zeitung. 7. Juni 2011.
Eingemeindungen 1. Januar 1972: Hausen an der Lauchert 1. Januar 1975: Mägerkingen, Steinhilben und Wilsingen
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1871¹ 3.235 1880¹ 3.193 1890¹ 3.150 1900¹ 3.108 1910¹ 2.886 1925¹ 2.932 1933¹ 3.054 1939¹ 2.975 1950¹ 3.338 Jahr Einwohner 1956¹ 3.579 1961¹ 3.818 1965 4.206 1970¹ 4.536 1975 5.007 1980 5.144 1985 5.277 1987¹ 5.341 1990 5.870 Jahr Einwohner 1995 6.375 2000 6.581 2005 6.624 2010 6.446 2015 6.371 2020 6.330 ¹ Volkszählungsergebnis, heutiger Gebietsstand, andere Zahlen am jeweiligen Jahresende.
Religionen Die ehedem hohenzollerischen Stadtteile Trochtelfingen, Steinhilben und Haid sowie das vormals zur Reichsabtei Zwiefalten gehörende und dann neuwürttembergische Wilsingen sind hauptsächlich römisch-katholisch geprägt. Die ehemals hohenzollerischen Stadtteile gehören zum Dekanat Sigmaringen-Meßkirch des Erzbistums Freiburg. Wilsingen gehört zum Dekanat Reutlingen-Zwiefalten der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die ehemals altwürttembergischen Stadtteile Mägerkingen und Hausen an der Lauchert sind traditionell evangelisch geprägt und gehören zum Kirchenbezirk Reutlingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Politik Gemeinderat mini|Trochtelfinger Rathaus Der Gemeinderat in Trochtelfingen besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen EndergebnisWahlinformationen auf komm.one.
Freie Wähler Trochtelfingen (FW) 79,96 % 14 Sitze 2019: 73,39 %, 13 Sitze Sozial und bürgernah/SPD 20,04 % 4 Sitze 2019: 26,61 %, 5 Sitze
Bürgermeister Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Bürgermeisterin ist seit dem 1. April 2023 Katja Fischer (SPD). Sie wurde bei der Wahl am 5. Februar 2023 mit 65,1 Prozent der Stimmen gewählt. Die Bürgermeister der Stadt Trochtelfingen: 1884–1906: Alois Eisele 1906–1924: Alois Rein 1924–1933: Hermann Kromer 1933–1934: H. Herter (kommissarisch eingesetzt) 1934–1942: Gerhard Fischer (ernannt) 1942–1945: Josef Freudemann (ernannt) 1945–1965: Jakob Sigg (von den Alliierten ernannt, dann 1946 auch gewählt) 1965–1991: Heinz Daubmann 1991–2015: Friedrich Bisinger 2015–2023: Christoph Niesler seit 2023: Katja Fischer (SPD)
Ehemalige Bürgermeister von Steinhilben: Anton Zeiler (CDU) Franz Roggenstein (FWV)
Wappen
Ehemaliges Wappen und Wappen der Stadtteile
Städtepartnerschaften Steinhilben: Máriahalom (Ungarn), seit 1997 Trochtelfingen: Stadt Wehlen (Sachsen), seit 29. Juni 2012
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Trochtelfingen liegt an der Hohenzollernstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. 2014 wurde die Stadt Trochtelfingen aufgrund ihres denkmalgeschützten Stadtkerns und der Fachwerkkulisse entlang der Marktstraße in die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte aufgenommen.
Museen Heimatmuseum des Geschichts- und Heimatverein Trochtelfingen Bierkrug- und Bierdeckelmuseum in der Albquell-Brauerei
Sport Der Skilift Hennenstein ist ein Tellerlift in der Nähe von Trochtelfingen für Anfänger und Fortgeschrittene.
Bauwerke mini|Grabmal des Grafen Johann IV. von Werdenberg († 1465), in der Martinskirche Trochtelfingen mini|hochkant|Rathausplatz Einige Häuser der Altstadt stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Ein Großteil der alten Stadtbefestigung sowie ein Geschützturm ist erhalten.