mini|340px|Das Westfälische wird in der Regel unterteilt in1. Ostwestfälisch,2. Südwestfälisch,3. Münsterländisch,4. Westmünsterländisch. Je nach Definition werden noch hinzugerechnet:5. Achterhoeks,10. Twents.11. Grafschafter Platt,12. Emsländer Platt,13. Westerwolds.Niedersächsische Dialekte der Niederlande, die nicht zum Westfälischen gezählt werden, sind:6. Veluws7. Sallands8. Stellingwerfs9. Drents.Der Groninger Dialekt, der sich vom Westfälischen unterscheidet, ist nicht dargestellt.

Das Münsterländer Platt (münsterländisch: Mönsterlänner Platt), münsterländisches Platt (münsterländisch: mönsterlännsk Platt, Mönsterländsk Platt) oder Münsterländisch ist eine westfälische Mundart. Linguistisch gehört es zu den niedersächsischen oder westniederdeutschen Dialekten und damit zur nieder- oder plattdeutschen Sprache (münsterländisch: Plattdütsk, Plattdüütsk).

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war Platt im Münsterland als Alltagssprache weit verbreitet, spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich jedoch das Hochdeutsche (Standarddeutsch) mehr und mehr auch in der einheimischen Bevölkerung durch. Als Sprache des täglichen Lebens wird es heute i. d. R. nur noch vereinzelt von der Generation der vor 1945 Geborenen auf dem Land verwendet. Eine Weitergabe an die jüngeren Generationen erfolgt praktisch nicht mehr, sodass das Westfälische in seinem Fortbestand bedroht ist.

Aus der Verschmelzung des Münsterländer Platts mit Jiddisch bzw. Rotwelsch ist in Münster, neben dem Plattdeutschen, die Sondersprache Masematte entstanden.

Sprachliche Kennzeichen Das Münsterländer Platt ist neben Ostwestfälisch, Südwestfälisch und Westmünsterländisch eine von vier Mundartgruppen im Westfälischen. Auch einige niederländische Dialekte werden mitunter zum Westfälischen gerechnet.Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch – Sprache und Literatur. Band 1: Sprache. Neumünster 1983, S. 14 f, S. 142 f.; Hans Taubken: Niederdeutsche Sprache – Westfälische Mundarten. Münster 2007 Wie alle westfälischen Mundartgruppen ist das Münsterländische durch eine starke Diphthongierung gekennzeichnet (Aussprache in […], [v] wie hochdt. w, [ë] siehe unten): ältere Vokale e/ä bzw. i wurden häufig zu iä oder ië: biätter [biätë] (besser), Hiëge [hiëgë] (Hecke) analog dazu o und u zu uo oder ue [uë]: buoben [buobën, buobm] (oben), gued [chuët, chuëd-] (gut) ebenso ö und ü zu üö oder üe [üë]: büöwerste [büövëstë] (oberste), gewüenen [chëvüën(ë)n] (gewöhnen)

(die Aussprache von [ë] entspricht hier einem schwachen, dumpfen e – dem sog. Schwa – wie in hochdt. sagen – daher liegt die Betonung bei [ië, uë, üë] jeweils auf dem ersten Vokal, bei [iä, uo, üö] dagegen mehr hinten).

Diese Diphthonge stammen aus dem späten Mittelalter (etwa 15. Jh.), als im Deutschen, Englischen und anderen germanischen Sprachen allgemein Kurzvokale in offenen (= auf Vokal endenden) Stammsilben „länger“ wurden; genauer: es verlängerte sich (zunächst) nicht der Vokal, sondern die Silbe – und zwar dadurch, dass der Kurzvokal um einen Nebenvokal ergänzt wurde, z. B. e > ea in bre-ken > brea-ken (brechen – siehe auch engl. to break von älterem breken).

In den meisten Sprachen glichen sich dann diese Nebenvokale den ursprünglichen an, so dass letztlich aus einem Kurz- ein Langvokal (z. B. [ee] oder [ää]) wurde – in den westfälischen Dialekten geschah dies allerdings nur beim a und dem zugehörigen Umlaut ä, z. B.:

[lat] > [laët] > [laat] laat (spät) [lätër] > [läëtër] > [läätë(r)] lääter (später)

Die übrigen Diphthonge blieben dagegen als solche erhalten, wurden z. T. nur lautlich etwas verändert. Sie hatten sich aus den vormaligen mittelniederdt. Vokalen e/o/ö entwickelt, die zum einen „offene“ (dem [a] nahestehende) Laute und zum anderen „geschlossene“ (zu [i/u/ü] tendierende) Laute bezeichneten.

Im Münsterländischen wurden die „offenen“ Laute zu [iä/uo/üö] und die „geschlossenen“ zu [ië/uë/üë].

In der Regel gehen die „offenen“ Laute auf älteres [e/o/ö], die „geschlossenen“ auf [i/u/ü] zurück; hinzu kam jeweils noch ein Umlaut von a:

„offen“: german./altsächs. e: brekan > breken > briäken [briäkn] (brechen) später Umlaut e: arg- > ergeren > iärgern [iägën] (ärgern) german./altsächs. o: hop- > hop(p)en > huopen [huopm] (hoffen) ö = u. a. Umlaut-o, siehe Duorp [duoëp] (Dorf)/Düörper [düöëpë] (Dörfler, zum Dorf gehörig)

„geschlossen“: german./altsächs. i: biliban > ge-b(e)leven > bliëben [bliëbm] (ge-blieben) früher Umlaut e: stadi- > stede > Stiëde [stiëdë], daneben späteres Stiär [stiäë] (Stätte, Stelle) german./altsächs. u: fugl- > vogel > Vuegel [fuëgël] (Vogel) ü = Umlaut-u, siehe Vuegel/Vüegel [füëgël] (Vögel)

Besonderheiten: Vor einem r steht (heute) nie ië/ue/üe – daher Verschiebung zum „offenen“ Diphthong z. B. nach Wandel von d(d) nach r(r), siehe oben Stiëde/Stiär (möglicherweise hat die spätere Vokalisierung des r (> [ë]) diese Verschiebung ausgelöst, weil es nun jeweils zwei [ë]-Vokale – iëë/uëë/üëë – nebeneinander gab). Ein Fall von analoger Verschiebung liegt bei Friäden (Frieden, german. fridu) vor, siehe tefriär (zufrieden). Gelegentlich taucht iä/uo/üö auch in (heute) geschlossenen (= auf Konsonant endenden) Silben auf – und zwar vor r oder l, siehe oben iärgern und Duorp/Düörper. Weitere Beispiele: Hiärt (Herz), Büörger (Bürger), suorgen (sorgen), Wiäld (Welt). Im letztgenannten Fall lag im ursprünglichen Wort we-reld (siehe auch althochdt. weralt, altengl. woruld) eine offene Stammsilbe vor – in den übrigen Fällen kann nur vermutet werden, dass durch die damals übliche Aussprache von r und l häufig ein Sprossvokal entstanden ist, der in älterer Zeit auch zeitweilig im Schriftbild auftauchte, so z. B. althochdt. felga/felaha (Felge), arm/aram (Arm – noch heute wird im schottischen Englisch film und arm wie [filëm] und [arëm] gesprochen). Demnach also z. B. german./altsächs. hert- > [herët] > [hearët] > Hiär-t.

Hinzu kommt noch die komplette Reihe der offenen Langvokale (im Hochdeutschen nur [aa] und [ää]): aa: maken [maak(ë)n] (machen) ää: läter [läätë] (später) ao: laoten [laot(ë)n] (lassen) äö: Käörken [käöëk(ë)n] (kleiner Wagen/Karren)

Diese Langvokale entstanden aus älterem aë (> aa – ursprünglich ein Kurzvokal a in offener Silbe, siehe oben) und aus älterem aa (> ao) und ihrem jeweiligen Umlaut (die Aussprache von ao liegt zwischen aa und oo (IPA: [ɔ:]), die von äö zwischen ää und öö (IPA: [œ:])).

Des Weiteren hat sich das r am Silben-/Wortende bzw. vor Konsonant zu ë vokalisiert (siehe auch hochdt. r), so dass sich die älteren offenen Kurzvokale e/ä, o und ö, soweit sie vor einem solchen r standen und nicht zu Diphthongen (siehe oben) wurden, ebenfalls zu den obigen Langvokalen entwickelt haben, z. B. Kerl/Kärl [kerl > käël > kääl] und obiges Käörken.

Wie im Englischen ist das obige, zwischenzeitlich zu [ë] gewordene r nach einem unbetonten e [ë] verstummt: siehe Büörgermester (Bürgermeister) = [büöëgëmestë]. Dagegen älteres dor (da, dort) > daor [daoë] (nicht: dao).

Bleiben noch die Diphthonge ai, au und (seltener) oi zu erwähnen; diese stammen von älteren Langvokalen ab: ee > ai, mittelniederdt. bleeken > blaiken (bleichen), reep > raip (rief) dagegen weiterhin ee in Wörtern wie anteekt (angezeichnet) u. a.

oo > au, mittelniederdt. boom > Baum (Baum), hochdt. Rose > Rause dagegen keine Veränderung des altgerman. oo in Blood (Blut), Moder [moodë] (Mutter), Broer [brooë] (Bruder) usw.

öö zunächst > oi, danach meistens zu ai weiterverschoben: mittelniederdt. bööme > boime > Baime (Bäume). Eines der wenigen Wörter mit erhaltenem oi ist spoilt [schpoilt] (gespült) nicht verändert wurde das öö als Umlaut des oben angeführten german. oo, z. B. in Bröers [brööës] (Brüder).

Ansonsten sind im Münsterländischen – im Gegensatz zum Ost- und Südwestfälischen – die germanischen Langvokale ii: mien [miin] (mein) uu: Huus [huus] (Haus) späteres üü: trüü [trüü] (treu)

erhalten geblieben.

Ein weiteres Kennzeichen ist die häufige Abschwächung von Vokalen einzelner einsilbiger Wörter oder Silben bei Nichtbetonung, z. B.:

betontes to (zu) wie in tomaken [toomaak(ë)n] (zumachen) wird zu te in te maken [te_maak(ë)n] (zu machen) daor- wie in daormet [daoëmet] (damit) wird zu der- in Weg dermet! [vech_dëmet] (Weg damit!) van- (von) zu unbetontem ven- in vendage [fëndaaghë] (heute), venmuorn [fënmuoën] (heute morgen) usw.

(diese Abschwächung ist in den Schriften des Münsterländer Platt allerdings oft nicht ersichtlich, da diese als Vorlagen für Theaterstücke oder für Vorträge in Heimatvereinen u. a. eine lautere bzw. „deutlichere“ Sprechweise als in einem normalen, flüssigen Gespräch erfordern und daher auch mehr volle Vokale in unbetonten Silben enthalten).

Typisch für das Münsterländische ist ferner die „holländisch“ anmutende Aussprache des g:

als stimmloses [ch] im An- und Auslaut sowie im Inlaut vor stimmlosen Konsonanten, z. B.: gaon [chaon] (gehen), Wegg [wech] (Weg), naigste [naichstë] als stimmhaftes [gh] im Inlaut vor Vokalen und stimmhaften Konsonanten, z. B.: naige [naighë] (nahe), bewegde [bëveghdë] (bewegte); letzteres auch wie [bëvechtë] gesprochen, desgleichen z. B. Legden [lecht(ë)n] (Ortsname)

(es gibt allerdings auch Orte, in denen das g sehr stimmhaft und damit generell fast wie hochdt. g gesprochen wird).

Vermutlich vom Hochdt. übernommen wurde die Aussprache des ursprünglichen s vor Konsonanten als [sch], z. B. Spaigel [schpaigh(ë)l], Steen [schteen] (Stein) und schmaken [schmaak(ë)n] (schmecken).

Dazu ist ursprüngliches sk zu sch [sch+ch] wie in Schole [schchoolë] (Schule) oder zu schk [sch+k]: Wöschke [vöschkë] (Wäsche) geworden. Die scheinbare Ausnahme pärske [pääskë] (Pfirsich) ist erst durch Schwund des ursprünglichen Zwischenvokals i aus persike (von lat. fructus persica) entstanden.

Ansonsten gilt für das s das gleiche wie für das g:

im ersten Fall als stimmloses [s] wie hochdt. ß, z. B. seggen [seghe(ë)n] (sagen), Nöster [nöstë] (Nester), Arms [aams] (Arme). im zweiten Fall als stimmhaftes [z] wie in hochdt. Sonne, z. B. fraisen [fraiz(ë)n] (frieren).

Ein t neigt zum Schwund, wenn darauf nach einem unbetonten und schließlich verstummten e [ë] ein l, m oder n folgt, z. B.: hoosten [hoostën > hoosn] (husten), Aom [aotëm > aom] (Atem) – vergleiche engl. castle [kastël > kaasl] und action [äktschën > äkschn].

Unbekannt sind im Münsterländischen – wie im Niederdeutschen generell – hochdt. pf und z; letzteres wurde neuzeitlich stets als stimmloses s [s] übernommen, z. B.: Zigarre > Sigarre [sigarrë].

In der verschriftlichten Form gibt es keine normierten Rechtschreibregeln, sondern wird meist nach phonetischen Gesichtspunkten geschrieben. Allerdings existieren dafür seit dem Jahr 2000 zwölf strenge Regeln, mit der sich jeder plattdeutsche Dialekt eindeutig schreiben lässt.

Sprachbeispiel Dat mönsterlänsk Platt is een westfäölskt Dialekt van Nedderdüütsk un Neddersask, we int Mönsterland küert wärt. Et giw twee Formen, dat Mönsterlänskt sölw un dat westmönsterläsk Platt. Sunnerheten sind Diphthongen äs t.B. uo, üö, uë un ao. Dat ao is aower egentliks een sölwstaoende Buukstaow, we tüschen dat aa un dat oo lig, also dat is, wat int Austfreeske wul åå is. Bes ton tweden Wiäldkrieg was dat mönsterlänsk Platt de Spraok, we de meesten Kinner to Huus toeerst lernt häbt, men danao wuord dat all meer dat Haugdüütsk.

In plattdüütsk wet aals tosammen küert un wie säch to de lüe: „Kiek de äs wier drin, woar iätten un drinken un fiern spaß mäck un woar use Wichter un Jungs küernt noch up Platt küern.“