Die Vuvuzela [] (Zulu) (auf Setswana manchmal auch Lepatata genannt) ist ein Blasinstrument und gilt als ein SymbolMakhaye, Chris. Blasts of joy as vuvuzelas unbanned. 13. Juli 2008. IOL. FIFAVuvuzela: SA football’s beautiful noise. In: southafrica.info des südafrikanischen Fußballs.
Aufgrund ihrer Tonerzeugung gehört die Vuvuzela zu den Blechblasinstrumenten. Das ursprünglich aus Blech, inzwischen allerdings meist aus Kunststoff gefertigte Instrument besteht aus einer konischen, bis zu einem Meter langen Röhre, die an ihrem engen Ende mit einem integrierten Trichtermundstück versehen ist. Die Mensur der Röhre, die einem Exponentialtrichter angenähert ist, und die Mensur des Mundstücks sind darauf ausgelegt, den Grundton der Naturtonreihe mit sehr hoher Lautstärke spielen zu können.
Mit Vuvuzelas können in einem Abstand von einem Meter Schalldruckpegel von 120 dB(A) und direkt am Schalltrichter sogar bis zu 131 dB(A) erreicht werden.De Wet Swanepoel, James W. Hall, Dirk KOEKEMOER: Vuvuzela: good for your team, bad for your ears. In: South African Medical Journal. Band 100, Nr. 2. 2010, , S. 99–100. Einige der auf dem europäischen Markt vertriebenen dreiteiligen Vuvuzelas sind mit einem Schalldämpfer versehen, der den Schalldruckpegel um ca. 13 dB(A) reduziert. Messungen des TÜV Nord auf einer Stadiontribüne ergaben einen maximalen Wert von 103,8 dB(A).Aus aktuellem Anlass. Hinweise des Herstellers zur Lautstärkediskussion. Abgerufen am 5. Juli 2010. Bewirkt wird die Minderung der Lautstärke durch eine mehrere Zentimeter lange Reduktion des Querschnitts direkt hinter dem Mundstück. Allerdings können diese Schalldämpfer ausgebaut werden.
Das Überblasen auf höhere Naturtöne ist grundsätzlich möglich, wird jedoch durch die Mensur von Röhre und Mundstück erschwert. Daher lassen sich in der Regel nur wenige Töne auf dem Instrument spielen, die zudem nicht immer gleichbleibend intonieren. Wird auf der Vuvuzela der Grundton gespielt, ähnelt deren Klang dem Trompetenlaut eines Elefanten. Vielfach in Stadien eingesetzt, klingen sie dagegen wie ein Hornissen-Schwarm.Rechtsschutz gegen die Teufelströte?, Adolf Rebler in Legal Tribune Online, abgerufen am 16. Juni 2010.
Die Herkunft des Namens ist umstritten. Er könnte aus der Bantusprache isiZulu stammen und „Krach machen“ bedeuten oder vom Klang vuvu, der erzeugt wird, oder aus einem Slang der Townships, wo er vom Wort für Dusche – hier im Sinne von jemanden in Musik duschen – abgeleitet wäre, oder auf die Duschkopf-Form der Instrumente anspielen.
Geschichte mini|Vuvuzelas in verschiedenen Farben Ein Vorläufer der Vuvuzelas waren im Südafrika der 1990er-Jahre Blashörner aus Blech. Das südafrikanische Unternehmen Masincedane Sport beansprucht für sich, im Jahr 2001 mit der Massenproduktion aus Kunststoff begonnen zu haben. Später wurde die Herstellung durch eine Kooperation mit der South African Football Association gefördert. Nach einer anderen Darstellung wurde ein chinesischer Unternehmer aus der Kleinstadt Ninghai südlich von Shanghai im Jahr 2001 beim Lesen eines südafrikanischen Comics zur Produktion von Plastikhörnern inspiriert.Astrid Freyeisen: tagesschau.de, 1. Juli 2010. Ein südafrikanischer Geschäftsmann bestellte auf der Internetplattform Alibaba.com die ersten Instrumente.
Neben der Makarapa wurde sie Symbol des südafrikanischen Fußballs sowie offizieller Fanartikel. Während zunächst nur wenige Fans die Trompete als Einpeitsch- und Rhythmusgerät in Begleitung zu Tanz und Gesang nutzten, entwickelte sie sich zu einem Massenphänomen insbesondere der südafrikanischen Fußballfankultur.Unsichtbare Monsterwespen. Süddeutsche Zeitung vom 12. Juni 2010.
Der ehemalige Staatspräsident Nelson Mandela ließ hunderte Vuvuzelas nach Zürich mitnehmen, als dort über die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 entschieden wurde. Der Preis für eine Vuvuzela betrug in Südafrika zuvor etwa 30 Rand (rund 3 Euro), stieg jedoch durch die Fußball-Weltmeisterschaft in den Touristenregionen auf 100–200 Rand (etwa 10–20 Euro) an.
Beim FIFA-Konföderationen-Pokal 2009 in Südafrika wurden Vuvuzelas intensiv eingesetzt. Einige Fernsehsender und Spieler wandten sich an die FIFA, um den Fifa-Entscheidung. Südafrikaner dürfen weitertröten. In: Spiegel Online. 18. Juni 2009. Abgerufen am 5. Dezember 2009. zu kritisieren. Die notorischen Hintergrundgeräusche beim Confederations Cup sorgten dafür, dass in den Medien umfassend über das Phänomen der Vuvuzela berichtet wurde und eine intensive Diskussion unter den Fernsehzuschauern ausbrach, da man sich von dem Dauergeräusch belästigt fühle. Die starke Geräuschkulisse, vor allem bei Spielen der südafrikanischen Mannschaft, überlagere die Stimmen der Kommentatoren. Charakteristisch sei, dass Vuvuzelas im Gegensatz etwa zu Fansongs und Sprechchören völlig unabhängig vom Spielverlauf und dessen Spannung eingesetzt werden. FIFA-Präsident Sepp Blatter sprach sich dennoch gegen ein Verbot der Vuvuzela in den WM-Stadien aus und sagte: „Ich weiß nicht, ob wir diesen Sound stoppen können. Afrika ist laut, es ist voll Energie, Rhythmus, Musik, Tanz, Trommeln. Das ist Afrika, wir müssen dies so annehmen“.Spieler und TV-Sender von Tröten genervt Spiegel Online vom 18. Juni 2009 Am 18. Juni 2009 entschied sich die FIFA gegen ein Verbot, so dass die Vuvuzelas auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 eingesetzt werden konnten.. Kleine Zeitung vom 13. Mai 2010
Nach Angaben von Neil van Schalkwyk, exklusiver Lizenzbesitzer während der Fußball-Weltmeisterschaft, wurden bis zum Juni 2010 etwa 800.000 Vuvuzelas in Südafrika und weitere 1,5 Millionen in Europa verkauft.Neo-Kolonialisten gegen Vuvuzelas, Stern.de vom 15. Juni 2010. Der Deutsche Gerd Kehrberg sicherte sich mit einem Partner das Recht, das Instrument in Deutschland herzustellen und in allen 27 EU-Ländern zu vertreiben. Nach eigenen Angaben ließ er bis Juni 2010 etwa fünf Millionen Vuvuzelas in seiner eigens gegründeten Firma sowie bei Unternehmen aus Bad Kreuznach und Gummersbach produzieren.Bundesliga-Tröten ohne Ende Focus vom 17. Juni 2010 So werden Vuvuzelas aus Plastik in vielen Landesfarben in Deutschland produziert und vermarktet. Die deutschen Vuvuzelas bestehen aus drei Teilen (damit sie auseinanderfallen, wenn man sie als Schlagwaffe missbraucht),Frank Urbas in Spiegel online: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wm-2014-brasilien-samba-trommel-combinho-wird-vuvuzela-nachfolger-a-971159.html während die südafrikanischen aus einem Stück sind.Nina Schulze, Merlin Scholz: Das sind die Krachmacher aus Lüdenscheid. In: Bild.de, 30. Oktober 2009.Reutlinger Generalanzeiger: Vuvuzela: Der Elefanten-Sound der WM Die europäische Fußballunion UEFA verhängte am 1. September 2010 ein Vuvuzela-Verbot für alle Spiele unter ihrer Ägide. Sie begründete diesen Schritt mit der europäischen Fußballkultur und -tradition – die Atmosphäre bei den Spielen würde sich durch Vuvuzelas verändern.„UEFA verbietet Vuvuzelas“, Website der UEFA vom 1. September 2010
Fachliche Bewertung Instrumentenkundlich ist die Vuvuzela eine Naturtrompete, die ohne Ventile oder Klappen wenige Töne der Naturtonreihe hervorbringt. Die Tonhöhe wird durch den Blasdruck und eine unterschiedliche Spannung der Lippen am Mundstück variiert. Solche einfachen Naturtrompeten sind bei vielen Völkern belegt, wie etwa in Indien (Tiruchinnam, Bhankora) und Tibet (Dungchen). Auch in Afrika gibt es viele Varianten (Kakaki, Amakondera), die für den Gebrauch in der freien Natur bestimmt sind und deshalb sehr laut klingen., Frankenpost vom 11. Juni 2010.
Reinhard Kopiez, Professor für Musikpsychologie an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, spricht von einem breiten Frequenzspektrum der Vuvuzelas durch Maskierungseffekte. Andere Instrumente weisen einen kleineren Bereich an Frequenzen auf, während die Vuvuzela in einem sehr breiten Bereich stark vertreten sei, vom stärksten ersten Partialton bei 220 Hz bis zu 15000 Hz. Dies führe zu Störempfindungen sowie Überlagerungen anderer Signale, da die dafür notwendigen Frequenzspektren überdeckt werden. Die Tonhöhe hänge allein von der Länge des Instruments ab, so dass durch das Zusammenspiel unterschiedlich langer Vuvuzelas sogenannte Cluster entstehen, die als Geräusch wahrgenommen werden. Er kritisierte das Instrument als reine Marketingerfindung, die uns als tradierte Kultur verkauft werde sowie die Fankultur zerstöre. In der Ethnologie bezeichne man solches als „Erfundene Tradition“.Trompeter aller Vereine vereinigt Euch! Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Juni 2010.
Gero Erdmann vom Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien meinte ebenso: Die Vuvuzela sei noch sehr jung und wurde vor neun Jahren erfunden. Von gesamtafrikanischer Kultur könne man kaum sprechen, da sich die Verbreitung bis zum Vorjahr allein auf Südafrika beschränkte. Auch sei das traditionelle Instrument, auf das sich der Erfinder in der Vermarktung berufe, in der Kultur kaum präsent. Der Musikethnologe Bernd Clausen von der Universität Würzburg nannte den Anschluss an traditionelle Musikinstrumente weitgehend aus der Luft gegriffen: Signalinstrumente wie ausgehöhlte Antilopenhörner gibt es in vielen afrikanischen Kulturen und man setzte sie etwa im Schamanismus ein. Das seien jedoch kaum Instrumente mit der schallverstärkenden Trichteröffnung der Vuvuzela und schon gar keine Plastikgeräte. Vielmehr, so Clausen, sei das Instrument ein gutes Beispiel dafür, wie die Globalisierung auch vor Musikinstrumenten nicht Halt mache: Besonders die Medien und die globalen Transportsysteme trieben die Verbreitung in Windeseile an, wobei es auch rasch Produzenten außerhalb Südafrikas gab. Dass das Instrument zur Tradition im Weltfußball wird, hält er jedoch für unwahrscheinlich.Ethnologe: Vuvuzela-Tradition ganze neun Jahre alt, Der Standard vom 16. Juni 2010
Kontroverse um Lärmschutz mini|Warnhinweis auf einer Vuvuzela Vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen wurde im Mai 2010 eine Empfehlung an alle Kommunen ausgesprochen, den Gebrauch von Vuvuzelas bei öffentlichen Veranstaltungen (Public Viewing) zu untersagen, um eine Gehörgefährdung für andere Besucher und das mögliche Übertönen von Notfalldurchsagen zu vermeiden.Public-Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft auch in diesem Jahr möglich. Mitteilung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. Abgerufen am 7. Juni 2010. Während einige deutsche Städte dieser Empfehlung folgten, ist der Gebrauch in anderen weiterhin erlaubt.
Die staatliche Fluglinie South African Airways hat indes darauf hingewiesen, dass das Lärmen mit einer Vuvuzela während eines Inlandsfluges durch Südafrika gegen das Gesetz verstößt und deshalb sogar mit einer bis zu sechsmonatigen Gefängnishaft bestraft werden könnte.Vuvuzela tröten in Flugzeugen verboten. In: Handelsblatt.com vom 21. Mai 2010
Zu Kritikern der Vuvuzela gehören auch diverse prominente Spieler der Weltmeisterschaft, die sich von dem durchdringenden Lärm während des Spiels gestört fühlen.Lärmende Tröten – Südafrikas WM-Chef erwägt Vuvuzela-Verbot. In: Spiegel Online vom 13. Juni 2010 In: Sueddeutsche.de vom 13. Juni 2010T. Niggl: Ich hasse diese Vuvuzelas. In: Tagesanzeiger.ch vom 13. Juni 2010 Die Reporter fühlen sich in ihrer Arbeit durch die Geräuschkulissen ebenfalls behindert. Frankfurter Rundschau vom 13. Juni 2010 Auch in Südafrika selbst gibt es kontroverse Diskussionen.handelsblatt.com Zur Senkung des Schalldruckpegels von 131 auf etwa 100 dB(A) werden in Südafrika Ohrenstöpsel – sogenannte Vuvu-Stopper oder Tulazela – angeboten, die aufgrund einer hohen Nachfrage während der WM oft ausverkauft waren.S.African stores run out of 'vuvu-stopper' earplugs (englisch)