mini|Illustration einiger Begriffe anhand eines Panels von Seen mit Bodé-Character
In der Graffiti-Szene hat sich im Laufe der Jahre ein eigener Graffiti-Jargon entwickelt. Der Wortschatz stammt weitgehend aus dem amerikanischen Englisch und wird größtenteils weltweit verstanden. In nicht Englisch sprechenden Ländern werden die Begriffe häufig ohne Übersetzung übernommen. Manche Szene-Mitglieder lehnen die englischen Begriffe jedoch auch ab und verwenden vergleichbare Wörter aus der eigenen Sprache.
A Aerosol-Junkie Scherzhafte Selbstbezeichnung einiger Sprayer All City King Writer, der in der ganzen Stadt gemalt hat, dadurch mit seinen Bildern überall präsent ist und dementsprechend Fame (Ruhm) erlangt hat (bspw. OZ) ätzen Siehe Etching ASI-Kante Stück der Überdachung beim Zug oder der S-Bahn, das die Biegung zum Dach bildet, das selten oder gar nicht gereinigt wird und daher zum Taggen sehr beliebt ist
B mini|Backpiece auf einer Kapuzenjacke mini|Blockbuster im Los Angeles River mini|Underground-Bombing in einem Londoner U-Bahnhof mini|Bubbles im Background eines Pieces, gut zu erkennen sind auch die Drips bei einigen Bubbles mini|Writing von Moses im Bubble-Style
BaBu (Abkürzung für Bahnbulle) Polizist, der im Dienste einer Bahngesellschaft steht Background Hintergrund des Pieces. Ursprünglich bestand dieser meistens aus Bubbles/der Cloud oder einfarbigen Flächen, heute werden oft auch ganze Bildkompositionen, Landschaften oder grafisch aufwendige Farbverläufe gesprüht BackJump Auf ein bewegliches Objekt zu sprayen, während dieses kurzzeitig zum Stehen kommt (z. B. auf einen Zug an einer Haltestelle) Backpiece Auf den Rücken einer Jacke aufgenähtes Stück bemalten Stoffes bzw. aufgemaltes Piece zu Erkennungszwecken Battle Gewaltfreier, künstlerischer Graffiti-Wettkampf zwischen Writern oder Crews. Der Sieger erntet Fame (Ruhm) und gilt anschließend allgemein als der bessere Writer. Neutrale Schiedsrichter werden aus unbeteiligten Crews herangezogen. Bewertet wird dabei vorrangig der Style, es gibt aber auch andere, auf Quantität ausgerichtete Formen des Battles Bench (Bank) War ursprünglich ein Treffpunkt für Writer auf Bahnhöfen, um nach vorbeifahrenden bemalten Zügen Ausschau zu halten, diese zu fotografieren, darüber zu diskutieren sowie Neuigkeiten und teilweise auch Blackbooks auszutauschen. Dabei lernten jüngere Writer auch viel von den erfahreneren (knowledge). Heutzutage ist das Benching ein eher selten und meist allein praktizierter Zeitvertreib, wenn z. B. Trainwriter auf ihre vorher bemalten Züge warten Biten bzw. Biting (engl. to bite ‚beißen‘) Der Style oder der Tag eines anderen Writers wird nachgeahmt oder gar vollständig kopiert. Wird häufig von Toys praktiziert und genießt wenig Ansehen in der Szene Biter (engl. to bite ‚beißen‘) Writer, der das Biting praktiziert Blackbook (engl. black ‚schwarz‘ und book ‚Buch‘) Buch, das zum Skizzieren von Graffiti dient und in das häufig auch Fotos eingeklebt werden. Abwandlungen davon sind das Sketchbook, das nur Skizzen enthält, und das Travel- oder Guestbook, in das Bekannte des Writers zeichnen. Es findet keine klare Abgrenzung zwischen diesen Formen statt, sodass sich beispielsweise in einem Blackbook auch Bilder von anderen Writern befinden können Block(s) Der einfachste 3D-Effekt, um dem Style Tiefe zu geben Blockbuster (engl. blockbuster) Schriftstil, bestehend aus großen und blockartigen Buchstaben (straight letters), die auch aus größerer Entfernung gut lesbar sind. Bobs Ausdruck in der Writersprache für Bahnpolizei/Bahnpolizist Bogarting (engl. to bogart ‚sich etwas aneignen‘) Geschicktes Stehlen von Sprühdosen (bezugnehmend auf Humphrey Bogart) Bombing (engl. bombing ‚Bombardierung‘) Schnelles und simples, auf Quantität ausgelegtes, illegales Anbringen von Pieces (Quickpieces, Silverpieces und Throw-ups) sowie Tags Boss Sicherheitsbeauftragter von Nahverkehrsbetrieben Botten Schnelles Verlassen des Spots beim Sprühen Bubbles Runde blasen- oder kreisförmige Farbflächen; häufig im Background oder Fill-in zu finden Bubble-Style (engl. bubble ‚Blase‘) Schriftstil, bestehend aus dicken und blasenartigen Buchstaben (bubble letters). Der Writer Phase 2 gilt als sein Erfinder Buff (englisch. buff ‚Polierscheibe‘) Reinigungsmittel zum Entfernen von Graffiti. Ursprünglich Bezeichnung für die Reinigungsanlage für Bahnwaggons Buffen bzw. Buffing (engl. to buff ‚ablaugen‘) Entfernen von Graffiti Burner (engl. to burn) Besonders gelungenes, auffällig gutes Piece Bust/gebustet werden Das Fassen eines Writers durch die Polizei
C mini|Verschiedene Sprühdosen (Cans) mit Aufsätzen (Caps) mini|B-Boy-Character in einem Graffiti-Bild des Mainzer Writers Can2 mini|Comment in einem Graffiti Can Sprühdose Cap Sprühkopf/Sprühventil, das den Lack beim Entweichen aufgrund des Druckes in der Dose zerstreuen lässt. Es gibt verschiedene Arten von Caps, die sich im Wesentlichen durch die Stärke ihres Sprühstrahls und die damit einhergehende Linienstärke auf der Wand unterscheiden, z. B. Fatcaps: breiter Strahl, viel Farbe, für großflächige Füllungen Skinnycaps (Skinnies): dünner Strahl, für Outlines Softcaps: dünner Strahl, wenig Farbe, für Farbübergänge Cargo Güterzug Character Häufig comicartige, figürliche Darstellungen in Graffitibildern. Ein für seine Character berühmter Writer in Deutschland ist Can2 aus Mainz. Die amerikanischen Old School-Writer entlehnten häufig Comiccharaktere des Zeichners Vaughn Bodé. Checker Sicherheitsbeauftragte privater Firmen; auch Bezeichnung für eine Person, die vor dem Malen für andere Writer überprüft, ob eben solche, oder auch Polizisten oder Reinigungsfachkräfte (Putzer) zugegen sind, die einen beim Besprühen diverser Objekte stören könnten Cloud Meist einfarbiger und eindimensionaler Hintergrund eines Pieces (siehe: Background) Comment Ein Comment ist ein neben oder in das Bild gesprühtes Statement oder ein Gruß („Fuck Police“, „One Love World Wide“ etc.) Concept Wall Siehe Mural Corner Treffpunkt für Writer covern Das vollständige Übermalen eines anderen Pieces (siehe: going over) Crew Zusammenschluss von Writern, die zusammen sprühen. Die Namen der Crews werden meistens mit mehreren Buchstaben abgekürzt z. B. SUK („Stick up Kids“), UA („United Artists“). Es finden auch Zahlen Verwendung als Gruppeninitial, z. B. der Postleitzahl des bewohnten oder repräsentierten Gebiets entnommen. Die Mitglieder einer Crew erhöhen deren Bekanntheitsgrad, indem sie das Crewkürzel ähnlich wie ihr eigenes Pseudonym in Bildern verarbeiten. Da mehrere Personen das gleiche Kürzel malen, kann ein höherer Bekanntheitsgrad erreicht werden. crossen Das Zerstören eines fremden Graffiti-Bildes durch (teilweises) Übermalen (Zutaggen) oder Durchstreichen cutten Das scharfe Abschneiden einer einzelnen Linie, durch Übersprühen selbiger durch eine weitere Linie in der Farbe eines großflächigen angrenzenden Bereichs, um dünnere Linien und sauberere Kanten zu erhalten.
D Destroyline/Terrorline/Damageline/Hateline Lange, durchgezogene Linie, die eine Fläche oder ein gemaltes Bild zerstört. Zeichen der Verachtung (disrespect) gegenüber dem Maler, dessen Bild gecrosst wurde, bzw. Zeichen des Unmutes über eine z. B. frisch gebuffte Wand. Diss/dissen Jemanden diskriminieren, herabsetzen, beleidigen (häufig auch außerhalb der Szene verwendet) Dose/Zotti/Büchse/Kanne Sprühdose 3D-Style Beim 3D-Style/-Stil werden die Konturen der Elemente und Buchstaben ohne Outlines allein durch Licht und Schatten gestaltet. Besonders durch die Entwicklungen von DAIM (Hamburg),Stefanie Maeck: Street Art: Kunst auf der Straße von Mirko Reisser. In: Hamburger Abendblatt. 23. Juni 2011, S. 3. (online)Arne Rautenberg: Macht der Graffiti: Er sprüht seit 17 Jahren, hat mit den bekanntesten Graffiti-Größen zusammengearbeitet und mit seiner Kunst Rekorde gebrochen – etwa 1995, als er am größten Graffiti der Welt an einem Hamburger Hochhaus mitwirkte. Die Rede ist von Mirko Reisser alias DAIM. In: Kieler Nachrichten. Journal, Nr. 150, 26. Woche vom 30. Juni 2007, S. 2. DELTA (Niederlande)Bernhard van Treeck: Das große Graffiti-Lexikon. Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89602-292-X, S. 86 ff. und ERNI (USA) ist der 3D-Style mittlerweile weltweit in der Writing-Szene etabliert. (Siehe auch: Neck.CNS, Seak,Bernhard van Treeck: Das große Graffiti-Lexikon. Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89602-292-X, S. 341. Loomit,Bernhard van Treeck: Das große Graffiti-Lexikon. Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89602-292-X, S. 261 ff. Darco) Drip/Drop/Nase Herunterlaufende Tropfen bei zu dick aufgetragener Farbe. Häufiger Anfängerfehler; teilweise auch gewolltes Stilmittel.
E mini|End to End in Prag Egg Shell Sticker Sticker, die besonders schwer zu entfernen sind. Meist einfarbig (schwarzweiß) bedruckt. End to End (auch „Endtoend“, „end2end“ oder „e2e“) Zugbild, das sich über die Gesamtlänge eines Waggons erstreckt, aber nicht über die gesamte Höhe mini|Etching-Tags in Chicago Etching Mit Hilfe von selbstgebauten (meistens mit Fluorwasserstoffsäure gefüllten) Markern Ätzspuren hinterlassen. Bei der Verwendung und wegen der hochgiftigen Säurereste auf dem Objekt sehr gefährlich für den Sprayer und andere Menschen. Flusssäure verursacht bei Hautkontakt tiefgreifende und äußerst schlecht heilende Verätzungen, selbst wenn die Haut oberflächlich nur wenig angegriffen scheint.
F Fading Fließender Übergang zwischen zwei Farben innerhalb eines Bildes Fame (Ruhm) Hohes Ansehen und Bekanntheit bei anderen Writern, Ziel und Motivation vieler Maler Family Couple Dreifacher Wholecar, der aus drei vollständig bemalten Waggons besteht, welche immer zusammen bleiben und nicht durch die Bahn getrennt werden. Heutzutage eher selten anzutreffen, weil Züge meist recht schnell gereinigt werden (siehe auch Married Couple) Fill-in Die Füllung der Buchstaben, Fläche innerhalb der Outlines, entweder einfarbig, z. B. mit Chrom (siehe Silverpiece), oder mehrfarbig Firstlines Linien, mit denen das zu sprühende Bild vorgerissen wird; Pieces, die nur aus der First Outline bestehen, werden als Outliner bezeichnet. mini|Flying Panel in Kopenhagen Flying Panel Kleineres Zugbild, über die Fenster gesprüht, ohne dass es dabei die Unterkante des Zuges erreicht Flop/Floppy Regionale Bezeichnung für ein Throw-up Flow Bezeichnet die Dynamik und Harmonie der Gesamtkomposition eines Bildes oder auch nur den Fluss der Farbe. Um einen guten Flow in ein Bild zu bringen, ist meist viel Übung erforderlich. Somit kennzeichnet ein guter Flow, dass ein Writer eher im oberen Teil der szeneinternen Hierarchie einzuordnen ist. Allerdings entscheidet nicht allein der Flow, ob ein Piece gelungen ist. Style, Sauberkeit und andere Faktoren spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle. Besonders beim Wildstyle ist der Flow von Bedeutung. Bei anderen Styles, wie etwa dem Blockbuster, ist dieser eher nebensächlich; wenn überhaupt anwendbar. Flow ist nicht zu verwechseln mit Swing. Freestyle Bei Freestyle-Pieces konstruiert der Writer sein Bild, während er malt, ohne auswendig gelernte Styles oder Skizzen zu benutzen. Freight Siehe Cargo
G mini|Geisterbild Geisterbild Bild, das nach dem Reinigen (Buff) immer noch zu erkennen ist getting up Tätigkeit des Malens (von engl. to get up the name on a wall) Seltener auch: Aufsteigen in der Hierarchie der Writer-Szene going over (auch covern) Bilder anderer Sprüher vollständig übersprayen; in der Szene nicht gern gesehen und genutzt als Mittel, anderen Writern zu schaden (vgl. crossen).
H mini|Die Hall of Fame in Venice Beach Hall of Fame/Hall (Ruhmeshalle)