mini|Fassadenplan F: der berühmte Baumeister-Plan aus dem Kölner Mittelalter Die Kölner Dombaumeister waren und sind für die Errichtung und Erhaltung des Kölner Doms verantwortlich, dazu leiten sie die Kölner Dombauverwaltung und führen die Dombauhütte. Ihnen zugeordnet waren früher die Domwerkmeister.

Mittelalter Über die Personen der mittelalterlichen Dombaumeister ist kaum etwas bekannt – auch, weil das Archiv der Dombauhütte 1794 von den Franzosen abtransportiert wurde und seitdem als verschollen gilt. Auch darum sind die mittelalterlichen Dombaumeister nur durch das Bauwerk zu fassen, das sie errichtet haben.Kölner Dom: Geschichte der Kölner Dombauhütte. (PDF).

Meister Gerhard mini|links|Meister Gerhard: Steinkopf über der Achskapelle gilt als Darstellung des BaumeistersArnold Woff: Der Dom zu Köln, bearbeitet und ergänzt von Barbara Schock-Werner, Köln 2015, S. 58 Erster Dombaumeister war Meister Gerhard. Es wird vermutet, dass er aus einer lokalen Bauhütte berufen wurde. Möglicherweise stammte er aus dem deutschsprachigen Teil Lothringens und kannte daher die lothringischen Kathedralen von Toul und Metz.Marc Carel Schurr: Von Meister Gerhard zu Heinrich Parler. Gedanken zur architekturgeschichtlichen Stellung des Kölner Domchores. In: Kölner Domblatt. 68, 2003, S. 135 f. Weil er den Dom mit der spätromanischen Baumethode baute, hat er sicher eine französische Bauhütte niemals betreten. Allerdings ist er zweifellos in Frankreich gewesen, um sich die damals modernsten Kathedralen – und dabei vor allem den Chorbau in Amiens – persönlich anzuschauen.Arnold Wolff: Die vollkommene Kathedrale. S. 45.

Meister Gerhard hat bei der Planung des Kölner Chores dann einen mathematisch und geometrisch fundierten Riss vorgelegt, der seine Vorbilder deutlich übertroffen hat. Denn im Kapellenkranz in Amiens sind die 7 Kapellen als Abschnitte eines ungefähren 13-Ecks gebaut. Gerhard dagegen hat sie als 7 Seiten eines regelmäßigen 12-Ecks geometrisch konstruiert. Die analytische Begabung hinter dieser Planung war offenbar so bedeutend, dass die hochgelobte Kölner Lösung in den folgenden Jahren auf anderen Bauhütten nicht mehr wiederholt werden konnte.Georg Schelbert: Die Chorgrundrisse der Kathedralen von Köln und Amiens. In: Kölner Domblatt. 62, 1997, S. 110. Es ist daher vermutet worden, dass Gerhard ein Baumeister gewesen sei, der vor allem als ideeller Planer und nicht als Handwerker gearbeitet habe. Jedenfalls muss er eine überdurchschnittliche Begabung zur räumlichen Vorstellung und ein sehr gutes Gefühl für Raumwirkungen und Proportionen besessen haben. Ihm gelang es erstmals (und als Einzigem), einheitliche Bündelpfeiler für den gesamten Chor zu entwickeln, und er wählte im Rundchor einen eiförmigen Pfeilerquerschnitt, um einen harmonischeren Raumeindruck zu erreichen.

Unter der energischen Bauleitung Gerhards schritten die Bauarbeiten schnell fort, so dass 1277 der Kapellenkranz fertiggestellt war. Zu diesem Zeitpunkt war Gerhard allerdings schon zu Tode gekommen († um 1271), weil er von einem Baugerüst gestürzt war. Dieses Berufsrisiko war damals bekannt; dennoch waren die Todesumstände des Dombaumeisters offenbar so mysteriös, dass sich im Mittelalter mehrere Dombausagen daraus entwickelten.Carl Dietmar: Das mittelalterliche Köln. Köln 2006, S. 268 f. Dombaumeister Gerhard ist lange Zeit mit dem Kölner Domherrn Gerhard von Rile identifiziert worden, der aus einem rheinischen Ministerialengeschlecht stammte. Inzwischen „muss das ausgeschlossen werden.“Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 92.

Lange wurde Gerhard als Schöpfer eines „gotischen Masterplanes“Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 36. angesehen, der den beeindruckend einheitlichen Gesamtplan des Domes als fünfschiffiges Bauwerk mit Doppelturmfassade entwickelt habe.Marc Steinmann: Überlegungen zum gotischen Querschiff des Kölner Domes. In: Kölner Domblatt. 72, 2007, S. 145 f. Das ist heute als völlig unplausibel widerlegt. Grundsätzlich wurden die Kathedralen im Mittelalter nur in Bauabschnitten geplant und zudem wollte jeder Baumeister im Werk immer seine eigene planerische Handschrift verwirklichen. Daher muss sogar offenbleiben, ob die bemerkenswert harmonisch einheitliche Gestaltung von Triforium und Obergaden die Idee von Gerhard war oder die seines hochangesehenen Nachfolgers Meister Arnold.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 37 ff.

Meister Arnold Meister Arnold, der zweite Baumeister der Domes, trug den Beinamen „Poleyr“ (oder „Parlier“). Daraus ist geschlossen worden, dass er schon bei seinem Vorgänger als eine Art Domwerkmeister gearbeitet hat.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 95. Möglicherweise war er auch der Stammvater der nachmalig berühmten Baumeisterfamilie der Parler.Andreas Huppertz: Die Künstlersippe der Parler und der Dom zu Köln. In: Hans Vogts (Hrsg.): Der Kölner Dom, Festschrift zur Siebenhundertjahrfeier 1248–1948. Köln 1948, S. 142. In Köln war Arnold so hoch angesehen, dass seine beiden Söhne Johannes und Rutger ihm im Amt des Baumeisters folgten. Arnold baute die Gewölbe des Hochchores und die wie eine Membran in die Pfeiler gespannten Wandelemente aus Glas und Maßwerk. Möglicherweise ist daher auch die vollendet harmonische Gestaltung von Triforium und Obergaden nicht nur sein Bau, sondern auch sein Entwurf.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 94.

Kurz nachdem Arnold in Köln sein Amt übernommen hatte, stürzte bei der zeitgleich gebauten Kathedrale in Beauvais ein Teil des Chores ein (1284). Weil der statische Ehrgeiz in Köln und Beauvais ähnlich war, muss das auch für Arnold als Menetekel gewirkt haben. Er entschied sich dafür, die Baukonstruktion am Dom grundsätzlich beizubehalten, verstärkte allerdings das Strebewerk am Hochchor deutlich. Das Strebewerk nimmt die Schubkräfte des Gewölbes auf, die die schlanken Innenpfeiler nicht tragen können, und sichert so die Standfestigkeit des „Glashauses“.Hiltrud Kier: Köln, Reclams Städteführer Architektur und Kunst. Stuttgart 2008, S. 45. Gleichzeitig wirken die Strebepfeiler als Sperren gegen den Winddruck.Klaus Gereon Beuckers: Der Kölner Dom. Darmstadt 2004, S. 54 f. Es ist unklar, ob es Arnold († nach 1299) vergönnt war, den Schlussstein am wesentlich von ihm geprägten Hochchor zu setzen. Das Werk wurde dann von seinem Sohn Johannes bis 1322 vollendet.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 94 ff.

Meister Johannes und Meister Rutger mini|Beginnendes 14. Jahrhundert: Chorpfeilerfigur unter Aufsicht der Dombaumeister Arnolds Söhne, Meister Johannes (1270 – 1331) und Meister Rutger († 1333), führten seit 1308 den Dombau getreu den Stilvorgaben der Vätergeneration fort. Sie gelangten aus für uns heute nicht mehr bekannten Gründen zu der Entscheidung, nach Vollendung des Chores die südlichen Seitenschiffe des Langhauses zu bauen. Üblicher wäre es gewesen, nach dem Chor das sich anschließende Querschiff zu errichten. Bei der Planung des Langhauses fanden die Baumeister zu einer fünfschiffigen Lösung, obwohl im französischen Kathedralbau bevorzugt dreischiffige Langhäuser errichtet wurden. Der Kölner Kathedralplan machte dann in den Niederlanden Schule und wurde beispielsweise im ursprünglichen Bauplan der Kathedrale von Antwerpen nachgeahmt.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 38 ff.

In die von Johannes und Rutger verantwortete Bauperiode fiel die Schöpfung der Chorpfeilerfiguren. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese unter ihrer Aufsicht und Anleitung entstanden sind. Die 14 Figuren übernehmen Kompositionsmotive der französischen, vor allem der Pariser Skulpturenkunst. Durch ihre überlangen, gebogenen Figuren, die zudem mit ausladenden, tief gefalteten Gewändern behängt sind, betonen sie allerdings einen neuen Stil, der als „überfranzösisch“ bezeichnet worden ist.Georg Dehio: Geschichte der Deutschen Kunst. Band 2. Das späte Mittelalter von Rudolf von Habsburg bis zu Maximilian I. Die Kunst der Gotik. Berlin 1930, S. 95 f. Die Künstler der Figuren dürfen als die Avantgarde unter den damaligen Steinmetzen betrachtet werden. Sie haben zudem abweichend von allen Vorlagen den Figuren eine prächtige, ornamentreiche Bemalung mitgegeben, die als „Show-Effekte der Seidenstoffe“Robert Suckale: Datierungsfragen sind Verständnisfragen. Zur Einordnung der Kölner Domchorstatuen. In: Klaus Hardering (Hrsg.): Die Chorpfeilerfiguren des Kölner Domes. (= Kölner Domblatt) 2012, S. 284. beschrieben wurde. Dadurch schaffen die Baumeister nicht nur den Höhepunkt der manieristischen Phase der gotischen Skulptur. Sie öffnen gleichzeitig den Weg für einen neuen, weichen Stil, der schließlich zum böhmischen Schönen Stil führt.

Baustilistisch folgten die Meister getreulich den mehr als 70 Jahre alten Lösungen, den ihre Vorgänger für den Chor gefunden hatten. Das war wenig selbstverständlich. Viele Baumeister nutzten einen neuen Bauabschnitt, um ihre eigene gestalterische Begabung zu verwirklichen. Heute muss offen bleiben, ob sie die familiäre Prägung davon abgehalten hat. Dafür ist es wahrscheinlich, dass der ältere Heinrich Parler, der als Baumeister des Münsters in Schwäbisch Gmünd bekannt wurde, der Sohn eines der beiden Dombaumeisterbrüder war.

Bartholomäus von Hamm Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts trug Bartholomäus von Hamm die Verantwortung als Dombaumeister. Er war der Schwiegervater des später sehr bekannten Peter Parler, der sein Handwerk in Köln gelernt hat. Bartholomäus und Peter erarbeiteten gemeinsam einen ersten Plan für die Westfassade, die Peter zumindest teilweise zeichnete. Es wird vermutet, dass es sein Meisterstück gewesen ist.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 101. Bartholomäus musste sich besonders darum kümmern, den Kirchenraum in den Seitenschiffen zumindest provisorisch nutzbar zu machen, und schuf dort eine Art Hallenkirche mit Notdach, die zwei Joche breit und immerhin 6 Joche lang war. Der Kirchenraum, der vom Chor durch eine Mauer getrennt blieb, konnte schließlich für Messfeiern verwendet werden. Gleichzeitig schuf der Dombaumeister die Voraussetzung für das Fundament des Südwestturms, das um 1360 gelegt worden ist. Bartholomäus allerdings war es durch seinen Tod vor 1353 nicht vergönnt, seine Planung zur Westfassade zu verwirklichen.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Köln 2018, S. 96.

Michael von Savoyen 1353 kam Michael von Savoyen (*um 1320, † nach 1387) als Dombaumeister nach Köln. Er stammte aus einer älteren Baumeister-Familie aus der Nähe von Salem, die sich in den folgenden Generationen mit der Familie der Parler durch mehrere Heiraten eng verband.Andreas Huppertz: Die Künstlersippe der Parler und der Dom zu Köln. In: Hans Vogts (Hrsg.): Der Kölner Dom. Festschrift zur Siebenhundertjahrfeier 1248–1948. Köln 1948, S. 142. Im späten Mittelalter gehörte Meister Michael zu den „Stararchitekten.“Peter Kurmann: „Stararchitekten“ des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Rainer Christoph Schwinges, Christian Hesse, Peter Moraw (Hrsg.): Europa im späten Mittelalter. Politik – Gesellschaft Kultur (= Beihefte der Historischen Zeitschrift. Band 40). München 2006, S. 539–557. Heute ist er als der Dombaumeister identifiziert, dem wir die Westfassade des Domes zu verdanken haben, die wir kennen.Johann Josef Böker: Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. S. 113.