mini|Mekka während des Haddsch (2009) Der Haddsch (), auch Hadjdj geschrieben, oder Hadsch ist die islamische Pilgerfahrt nach Mekka. Er ist die fünfte Säule der fünf Säulen des Islam und findet jährlich während des Monats Dhu l-Hiddscha statt. Die große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur während bestimmter Tage im Jahr (8.–12. Dhu l-Hiddscha) durchgeführt werden; die kleine Pilgerfahrt, ʿUmra genannt, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen.

Etymologie Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das maskuline arabische Wort „Haddsch“ mit dem hebräischen Wort חג (Chag „Fest“) verwandt, das im biblischen Kontext für die drei jüdischen Wallfahrtsfeste Pessach, Schawuot und Sukkot verwendet wird. In gleicher Bedeutung existiert die Wurzel auch im Aramäischen und seinen späteren Ausläufern.

Verpflichtung Jeder freie, volljährige und gesunde Muslim – ob Mann oder Frau –, der es sich leisten kann, ist verpflichtet, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern. Die Pilgerfahrt ist im Koran als religiöse Pflicht mit einer gewissen EinschränkungThe Encyclopaedia of Islam. Band 3, New Edition. Brill, Leiden, S. 31; siehe auch Sure 3, Vers 97. verankert:

Die Person, die den Haddsch vollzogen hat, trägt den Ehrentitel «Hāddsch ()».

Organisation und Statistik mini|Arafat-Ebene während des Haddsch 2003 Die folgende Tabelle listet die Pilger nach Mekka aufgeschlüsselt nach Jahren und danach, ob sie saudische Staatsbürger sind, auf. Zum Vergleich: Mekka hat ca. 1,5 Mio. Einwohner, Saudi-Arabien ca. 30 Mio., und es gibt ca. 1600 Mio. Muslime. n.H. / n. Chr. Saudis Nicht-Saudis GesamtSaudisches Haddsch-Ministerium, Statistik. Anteil Nicht-Saudisan Gesamtzahl 1416 / 1996 784.769 1.080.465 1.865.234 58 % 1417 / 1997 774.260 1.168.591 1.942.851 60 % 1418 / 1998 699.770 1.132.344 1.832.114 62 % 1419 / 1999 775.268 1.056.730 1.831.998 58 % 1420 / 2000 571.599 1.267.555 1.839.154 69 % 1421 / 2001 549.271 1.363.992 1.913.263 71 % 1422 / 2002 590.576 1.354.184 1.944.760 70 % 1423 / 2003 610.117 1.431.012 2.041.129 70 % 1424 / 2004 592.368 1.419.706 2.012.074 71 % 1425 / 2005 629.710 1.534.769 2.164.469 71 % 1426 / 2006 573.147 1.557.447 2.130.594 73 % 1437 / 2017 600.108 1.752.014 2.352.122 74 % (englisch).1438 / 2018612.9531.758.7222.371.67574 %1439 / 2019634.3791.855.0272.489.40674 %1440 / 202010.00010.0000 %1441 / 202133.03425.71158.74543 %1442 / 2022144.653781.409926.06284 %1443 / 2023184.1301.660.9151.845.04590 %1444 / 2024221.8541.611.3101.833.16487 %

Die Pilgerfahrten stellen aufgrund der enormen Teilnehmerzahlen stetig wachsende Anforderungen an die Veranstalter des religiösen Großereignisses. Vor allem müssen Trinkwasser und Unterkünfte bereitgestellt werden.Ingrid Thurner: Destination Mekka. Die Pilgerfahrt der Muslime als Tourismusereignis. In: Hans Hopfinger, Harald Pechlaner, Silvia Schön, Christian Antz (Hrsg.): Kulturfaktor Spiritualität und Tourismus. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-503-14116-6, S. 115–142. Immer wieder ist die Infrastruktur der Region während des Haddsch überlastet. Der Zutritt nach Mekka ist ausschließlich Muslimen vorbehalten.

Kleidung Männliche Pilger hüllen sich vor der Pilgerfahrt in zwei weiße, ungesäumte Tücher und dürfen sich während der Wallfahrt weder rasieren, noch kämmen, noch Haare oder Nägel schneiden. Dieser Weihezustand wird im Arabischen als ihrām () bezeichnet. Gemäß Sunna dürfen Frauen sich nicht vollverschleiern und keine Handschuhe tragen. Auch während des Haddsch ist für sie die übliche islamkonforme Kleidung erlaubt. Das Schneiden der Nägel usw. ist auch für sie verboten.

Verlauf mini|Route des Haddsch mini|Symbolische Teufelssteinigung unter der Dschamarat-Brücke (Haddsch 2006) mini|Die Kaaba während des Haddsch: Die Kaaba wird von den Pilgern sieben Mal entgegen dem Uhrzeigersinn umschritten. Der Haddsch beginnt am 8. Dhu l-Hiddscha in Mekka mit dem Eintritt in den Weihezustand Ihram und dem ersten Tawaf um die Kaaba. Danach folgt der Saʿy – der Lauf zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Erst dann beginnt mit dem Lauf nach Mina der eigentliche Haddsch. Dort bleiben die Pilger bis zum nächsten Morgen und brechen dann in Richtung der Ebene ʿArafāt 20 km östlich von Mekka auf. Zu den Höhepunkten der Wallfahrt gehört das Stehen im Bereich dieser Ebene am 9. Dhu l-Hiddscha. Dort wird Gott um Vergebung gebeten, was bei den Pilgern der emotionalste Teil der Wallfahrt ist. Sie halten sich bis zum Sonnenuntergang an diesem Ort auf und begeben sich anschließend nach Muzdalifa, um dort zu übernachten.

Kurz vor Sonnenaufgang am 10. Dhu l-Hiddscha erfolgt der Aufbruch nach Mina. Dort wird der Ritus der symbolischen Steinigung des Teufels vollzogen, indem sieben (oder ein Vielfaches davon wie 49 oder 70) kleine Steine auf die Dschamarat al-Aqaba geworfen werden, welche den Teufel symbolisiert. Diese Dschamara war in der Vergangenheit eine Säule, wurde mehrfach umgestaltet und ist heute eine hohe Mauer mit konkaven Wänden, die in die 2009 fertiggestellte neue Dschamarat-Brücke integriert ist. Anschließend rasieren sich die männlichen Pilger das Haupthaar (halq) oder kürzen es, die Frauen schneiden sich eine Haarsträhne ab (taqsir), was den Beginn eines neuen Lebensabschnittes, befreit von früheren Sünden, symbolisiert. Danach, noch am 10. Dhu l-Hiddscha, werden Opfertiere geschlachtet, wobei die Pilger nur einen kleinen Teil für sich behalten und den Rest den Armen überlassen. Dieser Tag, das Opferfest (Idu l-Adha), ist der höchste islamische Feiertag und wird auch von den daheim gebliebenen Muslimen überall auf der Welt begangen. Danach ist der Zustand des Ihram aufgehoben und die während des Tragens des Pilgergewandes zuvor verbotenen Dinge sind wieder erlaubt (mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs mit dem Ehepartner).

In der Folge kehren die Pilger zurück nach Mekka und zur Kaaba, einem würfelartigen Gebäude mit einem schwarzen Stein, und vollziehen den sogenannten Tawaf. Dabei wird die Kaaba sieben Mal entgegen dem Uhrzeigersinn umschritten. Darauf erfolgt der so genannte Saʿy, indem unweit davon der siebenmalige Gang zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa durchgeführt wird, bei dem die Suche nach Wasser, wie Hagar sie erlebte, nachempfunden werden soll (siehe auch Brunnen Zamzam). Die nächsten zwei oder drei Tage verbringen die Pilger in Mina. Dort findet erneut der Ritus der symbolischen Steinigung des Teufels statt, wobei nun aber drei Dschamarat, nämlich die Dschamarat al-Ula, die Dschamarat al-Wusta und die Dschamarat al-Aqaba mit jeweils sieben Steinen beworfen werden. Der Haddsch wird mit dem Abschiedstawaf und -saʿy abgeschlossen. Der Pilger kann jetzt in die Heimat zurückkehren.

Geschichte Vorislamische Ursprünge und Neuordnung durch Mohammed Die Anfänge des Haddsch liegen in vorislamischer Zeit. Ursprünglich handelte es sich um ein Ritual, das nur die Stationen in der ʿArafāt-Ebene, in Muzdalifa und in Mina einschloss, mit dem mekkanischen Heiligtum der Kaaba aber nichts zu tun hatte.Vgl. Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums. Berlin 1897, S. 79–84. Aufgrund der Zeiten, zu denen der Lauf aus der ʿArafat-Ebene nach Muzdalifa (Sonnenuntergang) und der Lauf von Muzdalifa nach Minā (Sonnenaufgang) in vorislamischer Zeit stattfanden, wird vermutet, dass es ursprünglich ein Ritual der Sonnenverehrung war.Vgl. Jacqueline Chabbi: Le Seigneur des tribus. L'Islam de Mahomet. Paris 1997, S. 361–368. Islamisiert wurde der Haddsch erst im Jahre 632, als der Prophet Mohammed an seiner Abschiedswallfahrt das Ritual selbst vollzog und es bei der Gelegenheit auch neu ordnete. Unter anderem verlegte er den Lauf von ʿArafa nach Muzdalifa auf die Zeit nach Sonnenuntergang und den Lauf von Muzdalifa nach Minā auf die Zeit vor Sonnenaufgang, um sich auf diese Weise „von den Polytheisten und Götzenanbetern“ (ahl aš-širk wa-l-awṯān) abzusetzen.Vgl. al-Azraqī: Kitāb Aḫbār Makka. Ed. F. Wüstenfeld. Leipzig 1857, S. 130f. Außerdem bezog er die Riten, die der Kaaba in Mekka galten und in vorislamischer Zeit nur während der ʿUmra in Mekka vollzogen wurden, in den Haddsch ein.Wellhausen: Reste. S. 83. Die Bezeichnung Haddsch ging nun auf das kombinierte Wallfahrtsritual über; die speziell dem mekkanischen Heiligtum geltende ʿUmra-Wallfahrt blieb aber als „kleine Wallfahrt“ weiter bestehen. Mohammeds Haddsch im Jahre 632, aufgrund seines kurz danach eingetretenen Todes auch Abschiedswallfahrt (ḥiǧǧat al-wadāʿ) genannt, wurde für alle Zeiten zur Norm für dieses Ritual.

Der Haddsch in vormoderner Zeit Die wichtigsten und größten Pilgerrouten nahmen lange Zeit in Kairo und Damaskus ihren Anfang. Die Pilger aus dem Maghreb schlossen sich der ägyptischen Karawane an, die dann in 30 bis 40 Tagen durch den Sinai nach Mekka zog. Ende des 15. Jahrhunderts umfasste sie dreißig- bis vierzigtausend Pilger. Die Muslime aus Anatolien, dem Iran, dem Irak und Syrien bildeten die andere große Karawane, die ebenfalls etwa dreißig bis vierzig Tage unterwegs war.

Die ägyptischen Pilger brachten auch die Kiswa mit, ein kostbares golddurchwirktes Tuch, mit dem die Kaaba jährlich neu umhüllt und das anschließend in kleinen Stücken an die Pilger als Souvenir verkauft wurde.

In früheren Zeiten war der Haddsch ein gefährliches Unterfangen. Oft wurden Pilgerkarawanen auf ihrem Weg nach Mekka überfallen, zum Beispiel von der ismaelitischen Sekte der Qaramita (Karmaten), die 930 sogar den schwarzen Stein aus Mekka raubten und unter den Pilgern ein Massaker verübten. Später übernahmen die Qarmaten gegen erhebliche Summen den Schutz der Pilgerkarawanen. So zahlten die ägyptischen Fatimiden jährlich 300.000 Dinar an sie. Manchmal fiel eine der großen Pilgerkarawanen aufgrund der politisch unsicheren Situation auch komplett aus.

Der Haddsch in Saudi-Arabien Abd al-Aziz ibn Saud eroberte 1924 die beiden heiligen Stätten des muslimischen Glaubens, Mekka und Medina, von König Hussein ibn Ali und etablierte 1932 Saudi-Arabien als absolute Monarchie. Ibn Saud proklamierte sich zum Beschützer der heiligen Stätten und bekämpfte unter anderem Verbrechen in seinem Herrschaftsgebiet mit dem Ziel, die Pilger zu schützen. Es wurden und werden seitdem große Summen in die für den Haddsch benötigte Infrastruktur investiert, so zum Beispiel in die fünfstöckige Dschamarat-Brücke, auch wenn diese Infrastruktur regelmäßig von den immer größer werdenden Pilgerzahlen überfordert ist. Nicht nur ist der Haddsch eine bedeutende Quelle des Prestiges für Saudi-Arabien und die Saud-Dynastie, die alljährlichen Pilger stellen auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Es werden spezielle Haddsch-Visa für Pilger ausgestellt. Der Iran, der größte schiitisch geprägte Staat der Welt und Erzfeind der Saudis, wirft Saudi-Arabien (Stand August 2018) regelmäßig vor, Schiiten bei der Vergabe der Kontingente zu benachteiligen.Der Spiegel / spiegel.de: 2,6 Millionen Pilger – ein gigantisches Sicherheitsproblem. 2016 wurde iranischen Staatsbürgern kein Haddsch-Visum ausgestellt.afp, dpa, rtr: Iraner dürfen nicht nach Mekka (29. Mai 2016, dw.com).

Im Juni 2020 beschloss Saudi-Arabien angesichts der weltweiten COVID-19-Pandemie, dass außerhalb Saudi-Arabiens lebende Pilger nicht einreisen dürfen, um am Haddsch 2020 teilzunehmen. Nur etwa 1.000 Gläubige mit Wohnsitz im Königreich wurden zum Haddsch zugelassen.Nur rund 1.000 Gläubige dürfen nach Mekka pilgern, Zeit Online, 23. Juni 2020.

2023 fand der Haddsch erstmals nach Corona wieder ohne Auflagen und ohne Teilnahmebeschränkungen statt. Es wurden 2,6 Millionen Pilger erwartet.Millionen Muslime pilgern nach Corona wieder gen Mekka (tagesschau.de vom 26. Juni 2023).

Vorfälle während des Haddsch Bei Vorfällen während des Haddsch starben jeweils bis zu mehrere tausend Menschen:

Massenpanik

Seit 1990 sind mindestens 5.000 Pilger in Massenpaniken zu Tode gekommen.