Die Hochschule Niederrhein / University of Applied Sciences (bis 2001 Fachhochschule Niederrhein), hat ihren Hauptsitz mit Präsidium und Verwaltung in Krefeld; die Fachbereiche verteilen sich auf die beiden Campus in Krefeld und einen in Mönchengladbach.
Geschichte Die Hochschule Niederrhein wurde am 1. August 1971 mit damals mit 3.660 Studierenden als Fachhochschule Niederrhein gegründet und ist ein Zusammenschluss von acht Höheren Fachschulen, drei Ingenieurschulen und der Werkkunstschule Krefeld im Raum Krefeld-Mönchengladbach.
Den Grundstein legte die Gründung der Höheren Webschule zu Crefeld Mitte des 19. Jahrhunderts, welche in den heutigen Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule aufging. Mit den Jahren kamen weitere Höhere Fachschulen dazu, welche für die heutige Fachausprägung an der Hochschule eine entscheidende Rolle gespielt haben, darunter 1883 die Königliche Webe-, Färberei- und Appreturschule, 1904 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule (Crefelder Werkkunstschule) und 1958 die Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen. In den ersten 100 Jahren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren die heutigen Fachbereiche Chemie, Textil- und Bekleidungstechnik sowie Design prägend für die Region. Später kamen der Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaft hinzu. Die Fachbereiche Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheitswesen wurden erst deutlich später gegründet.
Vorgängereinrichtungen bis 1945 Krefelder Einrichtungen Auf Initiative der Crefelder Handelskammer wurde 1855 die Crefelder Höhere Webeschule gegründet. Sie wollten damit auf den gestiegenen Bedarf einer Ausbildungsstätte für die wachsenden Seiden-Unternehmen der Stadt reagieren. 1871 wurde dem Antrag stattgegeben, dass diese in eine Staatsanstalt umgewandelt wird. 1878 fordert die Krefelder Industrie, Möglichkeiten und Chancen der neuen aufstrebenden Farben- und Chemieindustrie zu nutzen. Dazu forciert die Handelskammer eine grundlegende Reorganisation der Städtischen Webeschule nach dem Vorbild renommierter ausländischer Einrichtungen. 1883 eröffnet zunächst die Abteilung für Färberei und Appretur. Aus dieser Abteilung wurde 1895 die selbstständige Königliche Webe-, Färberei- und Appreturschule. Alle Zweige der Textiltechnologie und -chemie wurden einbezogen, einschließlich der modernen Farben- und Veredlungsverfahren. Die Schule war die fachliche Vorläuferin der heutigen Fachbereiche Chemie und Textil- und Bekleidungstechnik. 1901 erhielten alle preußischen Textilfachschulen einheitliche Bezeichnungen. In Krefeld gab es nun die Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie (Webeschule) zu Crefeld und die Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie (Färberei- und Appreturschule) zu Crefeld. 1904 wurde die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Krefeld gegründet, aus der die Werkkunstschule hervorging – die Vorläufereinrichtung des heutigen Fachbereichs Design. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden Institute im Sinne der neuen Machthaber gleichgeschaltet. So gab es 1933 auch in Krefeld eine rege Diskussion über die Aufgaben der Kunstgewerbeschulen. Als Resultat wurden die Abteilungen Architektur, Bildhauerei und Keramik 1934 in Krefeld geschlossen. Bereits zuvor wurde 1932 die Höhere Preußische Fachschule für Textile Flächenkunst als neue Abteilung der Webeschule angegliedert, um Künstlern weiterhin die Möglichkeit zu bieten ihre Ambitionen in der Abteilung teils weiterhin nutzbar zu machen. Johannes Itten wurde Leiter der neu gegründeten Schule. Er gehörte zu den Gründern des Bauhauses. 1935 wurden die Färberei- und Appreturschule und die Webeschule organisatorisch vereinigt. 1942 wurde eine Abteilung für chemische Fasererzeugung angegliedert. Ab dem 1. August 1944 war in Krefeld bis zu Ende des Krieges kein Unterricht möglich.
Mönchengladbacher Einrichtungen 1896 wollte der Preußische Staat mit Schulgründungen und dem Ausbau von Schulen die Qualität der Führungskräfte verbessern und das Schulwesen neu ordnen. Er baute einen Teil bereits vorhandener Webeschulen aus, andere wurden geschlossen oder verlagert. Die Region Mönchengladbach nutzte ihre Chance zur Errichtung einer eigenen höheren Webeschule. Durch Übersiedlung der höheren Webeschule Köln-Mülheim nach Mönchengladbach/Rheydt entstand im Jahre 1901 die Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie in Mönchen-Gladbach. 1936 wurden die in Mönchengladbach/Rheydt bestehenden Höhere Fachschule für das Textilwesen und die Höhere Bekleidungsfachschule zu einer Ingenieurschule erhoben. Im Wintersemester 1944/45 wurde das Gebäude der Textilingenieurschule und deren Lehrmaterialien fast vollständig zerstört. Die Ausbildung wurde daraufhin ab Ende 1944 bis zum Ende des Krieges nach Münchberg (Oberfranken) an die dort vorhandene Staatliche höhere Textilfachschule verlegt. Bei der Gründung der Hochschule im Jahre 1971 wurde die inzwischen zur Staatlichen Ingenieurschule für Textilwesen aufgestiegene Einrichtung in Mönchengladbach mit der Abteilung für textile Kunst und dem Textil-Technologischen Bereich der Staatlichen Textilingenieurschule in Krefeld vereint.
Weitere Einrichtungen 1942 entstand die Textilingenieurschule Aachen, die später bei der Neugründung der Fachhochschule Niederrhein auch Teil der Hochschule wurde. Höhere Fachschulen für die Bekleidungsindustrie entstanden auch in Köln (1946) und Bielefeld (1952), die bei der Gründung der Fachhochschule Niederrhein 1971 in den Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik in Mönchengladbach integriert wurden. Im Rahmen der Konzentrationsmaßnahmen 1971/72 wurden die Einrichtungen in Aachen und Wuppertal ebenfalls nach Mönchengladbach übergesiedelt.
Vorgängereinrichtungen 1946–1971 1945 begann der Wiederaufbau der Textilingenieurschule in Krefeld. Die vormalig vorgeschlagene kriegsbedingte Verlagerung nach Chemnitz fand nicht statt und Ende November genehmigten die Besatzungsbehörden die Eröffnung der Abteilungen Weberei, Textilkunst und Textilchemische Abteilung mit der Unterabteilung Farben und Lacke. 140 Schüler begannen ihre Ausbildung 1946 an der Schule und in den Folgejahren stieg diese kontinuierlich an. Zum 100-jährigen Jubiläum der Textilingenieurschule konnte der Neubau des ersten Bauabschnitts am Frankenring bezogen werden. Weitere geplante Erweiterungen mussten aufgegeben werden, da die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen plante stattdessen Ingenieurausbildungen zu forcieren. 1946 wurde die Textilingenieurschule in Mönchengladbach wiederaufgebaut. Dazu kehrte das Lehrerkollegium aus Münchberg zurück. Auch in Mönchengladbach mussten geplante Erweiterungen aufgegeben werden und konnten erst 1986 in Folge der Konzentration aller Aktivitäten im Bereich Textil- und Bekleidungstechnik in Mönchengladbach fortgeführt werden. 1949 begann auch der Wiederaufbau der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Krefeld als Werkkunstschule. Nachdem die Landesregierung in der Nachkriegszeit die Gründung von Ingenieurschulen forcierte, sollten Schulen in Ostwestfalen (Bielefeld), Südwestfalen (Siegen) und eine dritte Stelle im Westen des Landes gegründet werden. Die Städte Düsseldorf, Mönchengladbach und Krefeld bewarben sich. Daraufhin entschied sich das Kabinett für Krefeld und 1958 wurde die Staatliche Ingenieurschule Krefeld gegründet. Die Hochschulfachbereiche Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Elektrotechnik und Informatik entwickelten sich. 1962 wurde die Staatliche Höhere Wirtschaftsfachschule in Mönchengladbach gegründet. Abermals gab es zuvor eine Offensive der Landesregierung mit landesweit verteilten Standorten, jedoch unterstützte der neue, aus Mönchengladbach stammende, Ministerpräsidenten Franz Meyers die Gründung in Mönchengladbach. 1968/69 mehrten sich Proteste und Streiksemester in den Vorgängereinrichtungen der Hochschule Niederrhein. Die Schüler forderten einen Hochschulstatus für die Einrichtungen, demokratische Strukturen und Anerkennung ihrer Abschlüsse. Noch während des Streiksemesters verabschiedete der Düsseldorfer Landtag ein vom Kultusminister vorgelegtes Gesetz zur Umwandlung der Ingenieurschulen in Fachhochschulen bis 1971. Als Folge dessen wurde ein Planungsausschuss durch Wissenschaftsminister Johannes Rau eingerichtet, um die Gründung der Fachhochschule Niederrhein vorzubereiten. Am Ende der Vorbereitungen wurde die Zusammenlegung der beiden Standorte in Krefeld und Mönchengladbach beschlossen und die Fachbereiche untereinander aufgeteilt.
Vorgängereinrichtungen vor der Gründung 1971: Werkkunstschule Krefeld, Staatliche Ingenieursschule für Maschinenwesen Krefeld, Staatliche Ingenieursschule für Textilwesen Krefeld, Staatliche Ingenieursschule für Textilwesen Mönchengladbach, Höhere Fachschule für Bekleidungswesen Bielefeld, Höhere Fachschule für Bekleidungswesen Köln, Höhere Fachschule für Hauswirtschaft Essen-Holsterhausen, Höhere Fachschule für Hauswirtschaft Wuppertal-Elberfeld, Höhere Fachschule für Hauswirtschaft Köln-Ehrenfeld, Höhere Fachschule für Hauswirtschaft Rheydt, Höhere Fachschule für ländliche Hauswirtschaft Neuss-Selikum, Höhere Fachschule für Sozialpädagogik Rheydt, Staatlich höhere Wirtschaftsfachschule Mönchengladbach.
Gründung und weitere Entwicklung Die Fachhochschule bestand zu Beginn aus acht Fachbereichen mit 352 Mitarbeitern und 3.660 Studierenden. Die Studierendenzahl stieg dabei stetig an: Im ersten Semester der Fachhochschule Niederrhein waren 3.660 Studierende immatrikuliert, 1978 waren über 5.000 Studierende eingeschrieben, im Semester 1989/90 waren es bereits über 10.000 Studierende. Im Wintersemester 2021/22 waren rund 14.200 Studierende eingeschrieben. Zur Gründung der Hochschule wurden die zwei Fachbereiche Ernährung- und Hauswirtschaft sowie Sozialwesen in Mönchengladbach neu gegründet. Der Fachbereich Wirtschaft in Mönchengladbach und die Architekten des Fachbereichs Design siedelten zur Fachhochschule Düsseldorf über.
Umsetzung des Lehrbetriebes Auf Grund der Historie der Vorgängereinrichtungen traten mit der Umwandlung zu einer Fachhochschule neue Herausforderungen für die Vereinbarung von Theorie und Praxis auf. Die 1977 neugegründete IHK Mittlerer Niederrhein übernahm für die Hochschule die Vermittlung mit der Berufspraxis. Die in der IHK organisierten Betriebe ermöglichen bis heute Praxissemester und bieten die Möglichkeit, einen praxisnahe Abschlussarbeit zu schreiben. Die Hochschule stellt ihre Infrastruktur und das fachwissenschaftlich geschulte Personal für die Lehrveranstaltungen zur Verfügung. Zum Wintersemester 1982/83 begannen die ersten Abiturienten einen kooperativen Studiengang in Chemieingenieurwesen oder Maschinenbau/Konstruktionstechnik. Absolventen dieses integrierten Studiums bekamen sowohl ein Diplom als auch den Facharbeiterbrief verliehen. Dieses kooperative Ingenieursausbildung wurde als Krefelder Modell zum Vorbild für andere Fachhochschulen in Deutschland.
Außerdem boten ab 1977 verschiedene Fachbereiche gemeinsam für einen Studiengang Lehrveranstaltungen an und interdisziplinäre Studiengänge wurden konzipiert.
Weiterhin wurde ab den 1990er Jahren an einer international ausgerichteten Zusammenarbeit gearbeitet, so wurde mit der Hogeschool Venlo (heute Teil der privaten Fontys-Schulen) der kooperative Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen-Logistikmanagement angeboten. Weitere internationale Kooperationsstudiengänge folgten.
Erweiterung des Fächerspektrums bis 2000