mini|San Juan de la Peña mini|300px|Grundrisse der beiden Klosterebenena) Obergeschoss1. Backhaus (heute Ausstellungsraum)2. Grabkapelle der Könige3. Hof mit Adelsgräbern4. Museum5. romanische Oberkirche6. mozarabisches Tor7. gotische Sankt-Victorián-Kapelle8. romanischer Kreuzgang9. barocke Sankt-Voto-Kapelleb) Untergeschoss10. präromanische Kirche11. „Konziliensaal“ (Dormitorium) Das Königliche Kloster San Juan de la Peña (San Chuan d’a Peña) ist ein ehemaliges Benediktinerkloster in Aragonien in Spanien. Es war im späten Mittelalter das bedeutendste Kloster des Landes. San Juan de la Peña besitzt einen hervorragenden romanischen Kreuzgang und im Kloster befindet sich eine Gruft für die Könige Aragoniens.
Geografische Lage Das mittelalterliche Kloster liegt im Gebiet der Ortschaft Botaya südwestlich der Stadt Jaca, in einer engen Schlucht, unter einem weit herausragenden Bergüberhang der äußeren Pyrenäen, der Sierra San Juan de la Peña, die 1920 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde. Der Bergüberhang öffnet sich in etwa nach Norden, so dass die Anlage kaum direktes Sonnenlicht erhält. Diese Lage unter einem Felsüberhang ist einzigartig. Das anstehende Gestein ist ein sehr weiches KonglomeratPalol: Spanien, S. 62., das das Ausschwemmen von Höhlen und die Bildung der Überhänge begünstigte, in dem es aber auch sehr leicht war, Höhlen einzugraben.
Geschichte mini|Titelblatt der ersten gedruckten Geschichte des Klosters – Juan Briz Martinez: Historia de la Fundacion, y antiguedades de San Juan de la Peña, 1620 Westgoten flüchteten in diese bergige, unzugängliche Gegend, als das Westgotenreich bei der muslimischen Eroberung Spaniens ab 711 zusammenbrach. Sie errichteten hier eine Festung, die die Araber aber bereits 734 wieder zerstörten.Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 63. In der Folgezeit flüchteten mehrere hierher und lebten in einer losen Gemeinschaft, die bis zum Anfang des 10. Jahrhunderts bestand.NN: Real Monasterio, S. 6. García Íñiguez, König von Pamplona, und Galindo I. Aznárez, Graf von Aragón, waren im 9. Jahrhundert große Gönner der Einsiedelei.
920 wurde das Gebiet von Galindo Aznárez II. erobert, der an dieser Stelle ein kleines Kloster erbauen ließ, das einem Heiligen Julian und einer Heiligen Basilisa geweiht war.Naval: Monastère Royal, S. 7. Aus dieser Zeit ist die mozarabische Unterkirche erhalten. Anfang des 11. Jahrhunderts verbrachte der später heiliggesprochene Íñigo von Oña als Mönch einige Zeit hier. König Sancho I. stiftete dann das Johannes dem Täufer geweihte Kloster. Der Bau begann 1026. 1028 wurde für das Kloster die benediktinische Regel eingeführt. Am 22. März 1071 war das Kloster San Juan de la Peña der erste Ort in Spanien, an dem der römische Ritus eingeführt wurde.So: Naval: Monastère Royal, S. 12; nach Schäfke: Nordwest-Spanien, S. 39, wurde in Katalonien bereits seit längerem der Gottesdienst nach römischem Ritus gefeiert. Er ersetzte den westgotischen Ritus. Spätestens 1071 wurde auch die Regel von Cluny eingeführt.Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 63; Tisné: Spanien, S. 410, gibt dafür das Jahr 1023 an, Palol: Spanien, S. 62, das Jahr 1025. Die mächtige und erstarkte Abtei befand sich am Ende des 11. und Anfang des 12. Jahrhunderts in einem heftigen Streit mit dem Bischof von Jaca. Dabei wurden – üblich in damaliger Zeit – auch zahlreiche Urkunden gefälscht. Dadurch und durch Urkundenverluste in späterer Zeit sind exakte Aussagen zur Frühgeschichte des Klosters schwierig.Schäfke: Nordwest-Spanien, S. 39.
San Juan de la Peña war damals ein Zentrum von Wissenschaft und Kultur in Aragonien.Naval: Monastère Royal, S. 10. Besonders bedeutend war das Skriptorium des Klosters. Hier entstand in dieser Zeit unter anderem eine 194 Blatt umfassende Abschrift der Bibel auf Pergament, des ältesten erhaltenen Bibelmanuskripts aus Aragon.Naval: Monastère Royal, S. 10; Spanische Nationalbibliothek: lat. 2 (A. 2) (Roger Gryson: Altlateinische Handschriften (nach einem Manuskript von Hermann Josef Frede). 1. Band: Mss 1–275). Herder, Freiburg 1999, S. 201.
König García Sánchez I. von Navarra gewährte den Mönchen das Recht auf Gerichtsbarkeit, und seine Nachfolger bis Sancho Garcés III. förderten das Kloster weiter. Unter seiner Regierung entstand ein großer Teil der heute noch erhaltenen Gebäude. Der Kreuzgang wurde im 12. Jahrhundert ergänzt.
Am Ende des 11. Jahrhunderts, unter der Regierung von Sancho I., erlangte das Kloster seine größte Bedeutung und wurde auch zur Begräbnisstätte der Könige von Aragon.
mini|Zentrum zur Geschichte des Königreichs Aragon Zwei Brände, 1494 und am 24. Februar 1675, verursachten große Schäden, letzterer hielt drei Tage lang an.NN: Real Monasterio, S. 37; Naval: Monastère Royal, S. 14. Wegen der ungünstigen Lage des alten Klosters wurde es nach dem zweiten Brand nicht mehr am historischen Ort aufgebaut, sondern etwa 100 m höher, auf der über dem Überhang gelegenen Hochfläche von San Indalecio, die klimatisch günstiger war und auch sehr viel mehr Platz bot. Die baulichen Anlagen des neuen Klosters wurden im Spanischen Unabhängigkeitskrieg 1809 erneut schwer beschädigt, als französische Truppen sie in Brand setzten. Anschließend begannen die Mönche, die Anlage wieder in Stand zu setzen. Allerdings wurde das Kloster dann am 16. August 1835 – wie alle anderen Klöster in Spanien – durch den Staat säkularisiert.Naval: Monastère Royal, S. 34. Durch mangelnden Bauunterhalt und ohne angemessene Nutzung verfiel die Anlage und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts teilweise wieder hergestellt.NN: Real Monasterio, S. 37.
Von 1999 bis 2007 wurde sie grundlegend saniert: Ein Luxushotel, ein Zentrum zur Geschichte des Königreichs Aragon und eines zur Geschichte des Klosters entstanden in den alten Mauern.Naval: Monastère Royal, S. 34–46.
Mittelalterliche Anlage Höhlenkirche
Die Kirche des Klosters ist zweistöckig, wobei die beiden Ebenen nicht direkt miteinander verbunden sind. Jede der Ebenen bildet einen eigenen Kirchenraum.
Die untere Kirche ist der älteste erhaltene Gebäudeteil des Klosters. Die mozarabische Unterkirche wurde von 920 oder kurz danach errichtet.NN: Real Monasterio, S. 8. Sie ist zweischiffig mit zwei Apsiden. Dort haben sich Reste romanischer Malerei aus dem 12. JahrhundertNach Schäfke: Nordwest-Spanien, S. 39, und diesem folgend Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 63: aus dem 11. Jahrhundert. erhalten. Die Malerei in der linken Apsis zeigt das Martyrium der Heiligen Kosmas und Damian.NN: Real Monasterio, S. 9. Der Unterkirche vorgelagert ist das Dormitorium der Mönche, der sogenannte „Konziliensaal“.Die Bezeichnung beruht auf der Tradition, dass hier unter der Regierung von Ramiro I. ein Konzil abgehalten worden sei (NN: Real Monasterio, S. 10). Er kam im 11. Jahrhundert dazu.NN: Real Monasterio, S. 10.
Die Oberkirche stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, als das Kloster ausgebaut wurde. Am 4. Dezember 1094Tisné: Spanien, S. 410, gibt 1094 unzutreffend als das Jahr des Baubeginns der Oberkirche an. wurde sie Johannes dem Täufer geweiht.NN: Real Monasterio, S. 12; Naval: Monastère Royal, S. 24; Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 63. Sie ist einschiffig und schließt mit drei Apsiden, die teilweise in den anstehenden Berg geschlagen sind. Die Apsiden wurden erst in einem zweiten Bauabschnitt, der der Weihe 1094 folgte, eingefügt. Die Decke der Kirche wird zum Teil aus dem anstehenden Gestein gebildet. Beleuchtet wird die Kirche ausschließlich von Fenstern an der Westseite. Der Austritt zum Kreuzgang erfolgt von hier durch eine Pforte in mozarabischem Stil. Sie soll angeblich von der Unterkirche hierher transloziert worden seinNN: Real Monasterio, S. 22., vielleicht ist sie aber auch einziger Rest einer Oberkirche aus der Zeit, bevor hier die heutige Oberkirche errichtet wurde. Die Pforte trägt eine (später zugefügte) lateinischsprachige Inschrift.Deren Übersetzung lautet: „Dieses Tor wird für jeden hindurchgehenden Gläubigen zu dem des Himmels, wenn er sich bemüht, dem Glauben die Befolgung der Gebote Gottes zuzugesellen“ (Schäfke: Nordwest-Spanien, S. 39).
Kreuzgang
Bauliche Anlage Der Kreuzgang aus dem 12. JahrhundertNaval: Monastère Royal, S. 24; NN: Real Monasterio, S. 25. liegt vollständig unter dem Felsüberhang. Das hatte zur Folge, dass er niemals gedeckt war. Oberhalb der Bogenstellung, rundbogige Arkaden auf Zwillingssäulen, endete das Bauwerk. Den Wetterschutz stellte der Felsüberhang sicher.
Im Bereich des Kreuzgangs stehen zwei Kapellen: Die Sankt-Viktorian-Kapelle, die Anfang des 15. Jahrhunderts unter den Bergüberhang „gequetscht“ wurde, als Grabkapelle der Äbte diente, und die durch ihr reich dekoriertes flamboyant-spätgotisches Portal auffällt.NN: Real Monasterio, S. 21; Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 64. Die Sankt-Voto-Kapelle, eine barocke Kapelle, die im 17. Jahrhundert in den Berg geschlagen wurde.NN: Real Monasterio, S. 23.
Die Kapitelle
Die Kapitelle des Kreuzgangs sind herausragende Kunstwerke der Romanik.Höllhuber: Der spanische Jakobsweg, S. 64. Der Kreuzgang wurde allerdings so oft restauriert, dass die ursprüngliche Folge der Kapitelle heute unbekannt ist. Es lassen sich unterschiedliche Gruppen identifizieren: Die ältesten stammen vom Ende des 11. Jahrhunderts. Themen sind hier fantastische Tiere, geometrische und pflanzliche Motive. Eine zweite Gruppe von 12 Kapitellen wurde im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts von dem „Meister von San Juan de la Peña“ geschaffen (auch: Meister von Agüero). Er hat dabei Kapitelle nur für zwei Flügel des Kreuzgangs geschaffent. Sie zeigen bildliche Darstellungen, Szenen aus der Bibel, und ersetzten vermutlich ältere Kapitelle.Cayetano Enríquez de Salamanca: Rutas del románico en la provincia de Huesca. Las Rozas, Madrid 1987, ISBN 84-398-9582-8, S. 42. Das ikonographische Programm der 26 erhaltenen Kapitelle scheint sich auf die Erlösung durch den Glauben zu konzentrieren und die wichtigsten Episoden dafür auszuwählen. Die Kapitelle sind als Basreliefs gearbeitet, die fast alle von einem Horror vacui beherrscht werden. Die Gesten sind theatralisch, Augen und Mund betont. Was die Formen betrifft, so sind sie geometrischen Schemata unterworfen.
Die Kapitelle mit bildlicher Darstellung zeigen folgende MotiveSiehe auch: Kingsley Porter: Romanesque Sculpture of the Pilgrimage Roads. 2. Band. Hacker Arts Books, New York, Nachdruck 1969, , Tafeln 535–544; Palol: Spanien, Tafeln 150–153.: Kain und AbelNN: Real Monasterio, S. 28. Adam und Eva werden aus dem Paradies vertriebenNN: Real Monasterio, S. 29. Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies bei der ArbeitNN: Real Monasterio, S. 28 f. Traum des Joseph vor der Flucht nach ÄgyptenNN: Real Monasterio, S. 30. Das Schloss des Königs HerodesNN: Real Monasterio, S. 31. Die Heiligen Drei Könige folgen dem Stern von BetlehemNN: Real Monasterio, S. 30 f. Wunder des Fischfangs.NN: Real Monasterio, S. 32. Hochzeit zu Kana Jesus und die EhebrecherinNN: Real Monasterio, S. 32 f. Erweckung des Lazarus Jesu Einzug in JerusalemNN: Real Monasterio, S. 34. Das Letzte Abendmahl
Königsgruft
Die königliche Gruft („Panthéon“) von San Juan de la Peña ist ebenfalls eine zweigeschossige Anlage. Frühe aragonische Grafen, Könige von Aragon und Könige von Navarra, die in Aragon regierten, wurden dort über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten bestattet. Unter anderem liegen hier die drei ersten Könige der Ramirez-Dynastie von Aragon, Ramiro I., Sancho Ramírez und Peter I. zusammen mit ihren Frauen.