Cama ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Kantons Graubünden in der Schweiz. Sie gehört zur Region Moesa.
Geographie mini|links|Blick auf Cama von Norden mini|links|Blick auf den Lagh de Cama (Oktober 2008) Die Gemeinde liegt im südlichen Misox auf beiden Seiten der Moesa und besteht aus den beiden Ortsteilen Al Pont und Norantola. Vom gesamten Gemeindegebiet von 1506 ha sind 905 ha Wald und Gehölz, 498 ha unproduktive Fläche (meist Gebirge), 63 ha landwirtschaftliche Nutzflächen und 40 ha Siedlungsfläche.
Nachbargemeinden sind Grono und Lostallo im Kanton Graubünden sowie Dosso del Liro, Gordona und Livo in Italien.
Zur Gemeinde Cama gehört das Val Cama mit seinem sehenswerten Bergsee Lagh de Cama. Das Tal ist nur zu Fuss zu erreichen. Markierte Bergpfade führen von hier über den Laghet de Sambrog und die Bocchetta de Cressim ins Val d'Arbola (Lostallo), über die Bocchetta del Notar ins italienische Valle Bodengo und über die Alp de Vazzola ins Val Leggia.
Beim See liegen zwei private Hütten mit Restaurant, die während der Sommersaison bewirtet sind. Die Alpen am Lagh de Cama werden seit kurzem wieder mit Grossvieh bestossen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Übergänge zwischen dem Val Cama und Italien oft von italienischen Schmugglern begangen.
Nördlich der Fraktion Norantola liegen die Ruinen der Burg Norantola.
Geschichte Der Ort ist 1219 als Camma bezeugt. Im Hochgericht Misox gehörte das Dorf zur mittleren Squadra, kirchlich zum Vikariat Roveredo. Die 1219 erwähnte Pfarrkirche San Maurizio trennte sich 1611 von der Mutterkirche San Vittore und wurde 1656 bis 1662 vergrössert. Im Kirchenschiff befindet sich ein Tonnengewölbe von 1860. In der 1419 bezeugten Kapelle S. Lucio befinden sich Stuckaturen von 1660.
1955 bis 1975 beschäftigte eine Kleiderfabrik 50 Arbeiter. Seit 1987 existiert eine Metallkonstruktionsfirma. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in Roveredo oder Bellinzona, einige wandern periodisch in die Deutschschweiz aus. Bei Touristen beliebt sind die Grotti von Cama.
Wappen
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1826 18601870 1888 1900 1950 1970 1980 1990 2000 2004 2010 20202024 Einwohner 171 272271 221 250 254 336 353 374 474 459 462 589720 Die Zahl der Bewohner nahm zwischen 1826 und 1860 stark zu, stagnierte dann ein Jahrzehnt lang und verringerte sich durch Abwanderung bis 1888. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl stark und erreichte im Jahr 2000 einen Höchststand. Nach einer Stagnation steigt sie seit 2010 wieder deutlich.
Sprachen Die Gemeinde gehört zu den italienischsprachigen Gemeinden des Kantons Graubünden.
+ Sprachen in Cama Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000 Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl AnteilDeutsch 10 2,83 % 18 4,81 % 24 5,06 %Italienisch 328 92,92 % 347 92,78 % 418 88,19 %Einwohner 353 100 % 374 100 % 474 100 % 1990 gaben fünf Personen Portugiesisch und drei Personen Französisch als Hauptsprache an; 2000 gaben je elf Personen Portugiesisch und Serbokroatisch und vier Personen Französisch als Hauptsprache an.
Religionen – Konfessionen mini|Bahnhof der ehemaligen Bahnstrecke Bellinzona–Mesocco (2009) Ursprünglich war die gesamte Einwohnerschaft römisch-katholisch. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen hat sich dies geändert. Dennoch ist auch jetzt noch die grosse Mehrheit katholisch. Im Jahr 2000 gab es 86,50 % römisch-katholische, 3 % evangelisch-reformierte und je 1 % christkatholische und orthodoxe Christen. Daneben findet man 3 % Konfessionslose und 1,27 % Muslime. 4 % der Bevölkerung machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.
Herkunft – Nationalität Von den Ende 2004 459 Bewohnern sind 388 (84 %) Schweizer Bürger. Bei der letzten Volkszählung waren 82 % Schweizer Staatsangehörige. Darunter waren 15 Doppelbürger. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien und Portugal.
Sehenswürdigkeiten mini|Ruine Burg Norantola
Die Katholische Pfarrkirche San MaurizioSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 502, ISBN 978-88-7713-482-0 Ruinen der Burg Norantola Die Grotti von Cama sind historische Weinkeller westlich des Dorfes entlang des Lehrpfades „Cammino del Gusto“. Die rund 50 kleinen Steinbauten bilden eine Siedlung im Kastanienhain und sind mehrere Jahrhunderte alt. Sie wurden zur Lagerung von Lebensmitteln verwendet.
Persönlichkeiten Gian Paolo Giudicetti (* um 1945 in Cama), Mitgründer der Fondazione Giudicetti Cama, Dozent an der Katholischen Universität Löwen, SchriftstellerGian Paolo Giudicetti. Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur (italienisch)
Literatur Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 502–503. Balser Puorger: Cama. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Brusino–Caux. Attinger, Neuenburg 1921, S. 478 (Digitalisat, abgerufen am 15. Juli 2017). Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
Verschiedene Autoren: Cama. In: Storia dei Grigioni. 3 Bände. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2000.
Weblinks
Webauftritt der Gemeinde Cama
Cama auf visit-moesano.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Misox Kategorie:Schweizer Gemeinde
Kategorie:Ersterwähnung 1219