mini|Künstliche Kletterwand in einer Kletterhalle in Voiron, Frankreich mini|Künstlicher Kletterturm im Freien in Berlin-Spandau, Deutschland Eine Künstliche Kletteranlage ist eine Anlage mit bis zu 20 m hohen Wänden, an denen Sportklettern ausgeübt werden kann. Eine solche Anlage umfasst in der Regel eine oder mehrere Kletterwände; diese können sich im Freien befinden, sind aber meist in Hallen um witterungsunabhängig den Sport ausüben zu können. Griffe und Tritte bestehen aus Polyesterharz, die Wand aus verschiedenen Materialien mit einer rauen Oberfläche, es besteht eine große Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten.
Im Prinzip gibt es zwei verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten: hohe Kletterwände mit bereits fix installierten Sicherungspunkten zum Einhängen von Seilen einerseits und Boulderwände andererseits, bei der seilfrei auf Absprunghöhe geklettert wird. In den meisten Hallen und insbesondere an Boulderwänden gibt es Fallschutzböden, z. B. Sportmatten oder Kies, um einen Absturz abzufedern.
Bei hohen Kletterwänden ist eine Sicherung mittels Seil, Gurt und Seilbremse zwingend. Meist wird sowohl Topropeklettern als auch Vorstiegsklettern angeboten.
Die wachsende Beliebtheit des Kletterns als Freizeitaktivität liegt mit daran, dass künstliche Kletteranlagen für viele Klettersportler näher beim Wohn- bzw. Arbeitsort liegen als natürliche Klettergebiete und mit den Hallen Beschränkungen durch Tageszeit und Witterung entfallen.
Kletterhalle Ist die künstliche Kletterwand in einer Halle, wird dies auch als Indoor-Klettern oder Hallenklettern bezeichnet. Der Wegfall von Wettereinflüssen, das engmaschige Anbringen von Sicherungspunkten und die Überwachung solcher Hallen durch die Betreiber erhöhen die Sicherheit gegenüber dem Klettern in der Natur.
Die Hallen selbst sind normalerweise 5 bis 20 m hoch. Dabei können die einzelnen Kletterrouten wesentlich länger sein.
Die Anlage mit der weltweit größten Indoor-Kletterfläche bietet seit ihrer Erweiterung im Frühjahr 2011 das DAV Kletter- und Boulderzentrum München-Süd. Sie besteht aus insgesamt 7.800 m² Kletterfläche, davon 3.750 m² im Innenbereich., auf klettern.de, 2. Februar 2011, abgerufen am 17. Februar 2024.AZ-Kletterserie: 6450 Quadratmeter, 555 Routen. In: Abendzeitung München. Abgerufen am 11. Oktober 2011.
Eine der modernsten Kletterhallen ist das Kletterzentrum Innsbruck, in dem auch die Nationalteams von Österreich und teilweise der Schweiz trainieren. Diese umfasst 4500 m² Kletterfläche, davon 3000 m² Indoor und 1250 m² Boulderfläche.
Eine weitere große Kletterhalle (bis 2010 die größte Europas) ist das Gaswerk in Schlieren bei Zürich/Schweiz. Sie besteht aus vier Hallen und verfügt über mehr als 250 Routen. Früher war diese Halle ein Gaswerk, welches dann zur heutigen Halle umgebaut worden ist. Die erste „Kletterkirche“ in Deutschland ist die ehemalige Pfarrkirche St. Peter in Mönchengladbach-Waldhausen, sie wurde zu einer Kletterhalle (1.300 m²) umgebaut., abgerufen am 17. Februar 2024
Kletterwand Eine Kletterwand ist eine dem natürlichen Fels nachempfundene künstliche Konstruktion, in einer Halle oder im Freien, die zum Klettern dient. Manchmal wird versucht, die Natur zu kopieren und die Wand naturnah zu gestalten; andere Kletteranlagen sind bewusst künstlich gehalten und ähneln geometrischen Strukturen. Entsprechend ausgebaute Areale natürlichen Ursprungs werden dagegen Klettergärten genannt.
Für eine Kletterwand gibt es verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten: Die überwiegende Zahl der Wände sind Holzkonstruktionen, deren Oberfläche typischerweise Multiplex-Platten bilden, die oft mit einer sandhaltigen Beschichtung versehen sind, um die Reibung zu erhöhen. Spanplatten aller Art sind ungeeignet, da sie der Belastung durch Anprall und Griffbefestigung nicht standhalten; Nadelholzplatten sind zu weich. Die Platten haben in regelmäßigen Abständen Bohrungen, in die von der Rückseite M10-Einschlagmuttern eingebracht sind. Mit Glasfaserkunststoffen können Felsoberflächen naturnah modelliert werden. Es gibt vorgefertigte Modulelemente mit Rastermaß und frei geformte Wände. Spritzbeton ermöglicht im Außenbereich die Formung beliebiger Strukturen. Gelegentlich finden sich auch Kletterwände, die auf Teilen von Gebäuden und Bauwerken (z. B. Mauern, alten Bunkern oder Brückenpfeiler) basieren.
Auf der Kletterwand werden mit farblich gekennzeichneten Griffen Kletterrouten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gesetzt. Die einzelnen Griffe sind mit der Wand durch Schrauben verbunden und lassen sich dadurch regelmäßig zu neuen Routen kombinieren. Ausnahmen sind vereinzelte Anlagen aus Beton, an denen Strukturen ausschließlich in den Werkstoff modelliert wurden.
Kletterwände können komplett erworben oder auch selbst hergestellt werden. Es gibt auch viele Kletterer, die sich zuhause eine kleine Kletterwand aufbauen.
Klettergriffe mini|Moderne Klettergriffe Klettergriffe und -tritte werden heutzutage fast ausschließlich aus Kunststoffen (Polyesterharz, Polyurethan) hergestellt, da sich so die von der Normung geforderten Bruchfestigkeiten gut erreichen lassen. Drahteinlagen oder Rückseitenbeschichtungen können mögliche Bruchstücke vor dem Herabfallen sichern. Befestigt werden die meisten Griffe mit Inbusschrauben (M10) mit Zylinder- oder Senkkopf. Besonders kleine Griffe und Tritte werden als Spax bezeichnet, da sie mit Spanplattenschrauben (umgangssprachlich „Spax“) befestigt werden.
Klettergriffe lassen sich entsprechend ihrer Griffart in sechs übergeordnete Kategorien einteilen. Im deutschen Sprachraum verwendet man dabei üblicherweise die englischen Bezeichnung der Griffarten. Diese sind: Henkel (engl.: Jug), Sloper, Fingerloch (engl.: pocket), Leiste (engl.: crimp), Kante (engl.: edge) und Zangengriff (engl.: pinch).
Volumen sind große Elemente, die eine freie Strukturierung von flachen Wänden ermöglichen. Das Volumen kann selbst als Griff fungieren oder als Basis für weitere Griffe bzw. Tritte dienen.
Die Griffe sind in einer großen Form-, Farb- und Größenvielfalt in thematischen Sortierungen erhältlich. Die Farbe dient meist der Kennzeichnung der Routen. Durch die Anbringung unterschiedlicher Formen in unterschiedlichen Ausrichtungen lässt sich der Schwierigkeitsgrad an ein und derselben Wand immens verändern, auch die Griffigkeit des Materials spielt eine Rolle.
Klettern Die Ausrüstung zum Klettern wird im Normalfall selbst mitgebracht, das nötige Material kann aber oftmals auch in den Kletterhallen geliehen werden. Zur Grundausrüstung gehören: Kletterschuhe (in der Schweiz auch Kletterfinken genannt) sowie oft ein Magnesiasack; an Anlagen mit Sicherungspunkten dazu ein Klettergurt, ein Sicherungsgerät und Schraubkarabiner, je nach Kletterhalle und eigenen Fähigkeiten auch Kletterseil und Expresssets.
Klettern mit Seilsicherung An den Anlagen sind meist mehrere Kletterrouten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden kletterbar, sodass Anfänger und Profis nebeneinander klettern können. Die einzelnen Routen sind typischerweise an einer einheitlichen Farbe der vom Routenbauer aufgeschraubten Griffe zu erkennen, deren Form, Größe und Anordnung die Schwierigkeitsgrade mitbestimmen. Am Einstieg der Route oder in einer zentral angebrachten Liste kann der Kletterer sich dann informieren, welchen Schwierigkeitsgrad beispielsweise die „blaue Route“ hat. Ziel beim freien Klettern ist es, eine solche Route zu durchsteigen, ohne die Seilsicherung zu belasten.
Formen des Kletterns mit Seilsicherung: Beim Klettern im Vorstieg nimmt der Kletternde das vom Sicherungspartner ausgegebene Sicherungsseil mit und hängt es sukzessiv mittels Expresssets in Zwischensicherungen und schließlich in die Umlenkung am oberen Punkt der Wand ein. Dies gilt als die sportlich anspruchsvollste Form des Kletterns. Beim Topropeklettern wird der Sportler ständig durch seinen Sicherungspartner mittels des in die Umlenkung eingehängten Seils gesichert. Dieses ist entweder ständig in der Route angebracht oder wurde vorher im Vorstieg eingehängt. Eine Sonderform des Topropekletterns ist das Klettern an Selbstsicherungsautomaten (Autobelay), bei der kein Sicherungspartner erforderlich ist. Ein Band oder Stahlseil wird dabei von einem in der Umlenkung angebrachten Gerät eingezogen und aufgewickelt, wenn der Kletternde aufsteigt. Setzt dieser sich ins Seil oder fällt, wird er mittels Fliehkraftbremse gleichmäßig abgelassen. Eine eigene Sportdisziplin ist das Speedklettern, dabei geht es darum, die Route in kürzestmöglicher Zeit zu klettern. Für Wettkämpfe ist die Route in Neigung, Griffform und -anordnung weltweit genormt. Zur Sicherung wird inzwischen überwiegend ein Selbstsicherungsautomat eingesetzt.
Da Kletterhallen für die Sicherheit haften, verlangen viele Kletterhallen einen Nachweis über eine Mindestqualifikation und lassen sich bestätigen, dass die Kletterer auf eigene Gefahr unterwegs sind. Dementsprechend haben die Alpenvereine und die Hallen reagiert und bieten Ausbildungen an. Der Alpenverein hat dazu ein komplettes Ausbildungskonzept mit Kletterscheinen erarbeitet.
Bouldern Ziel beim Bouldern ist es, eine bestimmte Grifffolge (als „Problem“ bezeichnet) ohne Sturz zu meistern, geklettert wird ohne Klettergurt und Kletterseil in Absprunghöhe. Die zwei bis fünf Meter hohen Boulderbereiche sind mit Fallschutzeinrichtungen (Sportmatten, Kies oder Crashpads) ausgestattet, die das Verletzungsrisiko beim Herunterfallen vermindern. Gefahren und Sicherheit Klettern ist eine gesundheitsfördernde Sportart mit relativ geringem Verletzungsrisiko, weit unter dem von FußballChris Semmel: Klettern - Sicherung und Ausrüstung. Alpin-Lehrplan 5. - BLV-Verlag, München, 3. durchgesehene Auflage, 2013, ISBN 978-3-8354-1120-3, S. 12. Unfälle sind sehr selten, zumeist führt ein solcher zu gebrochenen Sprunggelenken oder gerissenen Bändern. An einer künstlichen Kletterwand entfallen einige Risiken des natürlichen Felsens, z. B. Steinschlag oder fragwürdige Sicherungspunkte, und der technische Zustand der Anlage muss außerdem überwacht werden.
Unfälle sind daher überwiegend auf das Fehlverhalten der Beteiligten zurückzuführen, meist das des Sicherungspartners.Wie passieren Unfälle in Kletterhallen? - Deutscher Alpenverein, DAV, 2014 Typische Fehler resultieren häufig aus Ablenkung, z. B. nicht richtig eingebunden, Sicherungsgerät falsch eingelegt oder eine falsche Position des Sichernden. 78 % der gemeldeten Unfälle passieren beim Vorstieg, alleine 12 % der Unfälle entstehen beim Ablassen. Daher wird in der Ausbildung sehr auf Sicherheit wert gelegt und ein Partnercheck verhindert auch Flüchtigkeitsfehler. Die Wahl des Sicherungsgeräts sollte der Erfahrung angepasst sein. Der DAV empfiehlt Anfängern und Gelegenheitskletterern eher Halbautomaten (z. B. Click-Up, Smart, Grigri). Ein klassisches Tube ist eher ein Experten vorbehalten, da es zwar dynamischeres Sichern erlaubt, aber auch Erfahrung, Bewegungsroutine und ausreichend Handkraft voraussetzt.
Der Sturz- und Absprungbereich beim Bouldern sollte immer frei sein, gerade bei vollen Hallen ist dies wichtig.
In der Unfallstatistik des Deutschen Alpenvereins 2020 werden 90 Unfälle in Kletterhallen ausgewiesen. Davon sind 54 beim Bouldern passiert und 32 beim Seilklettern an Wänden, 4 waren sonstige Unfälle. Beim Bouldern waren die meisten Mattenstürze mit Verletzungen an Armen oder Beinen. Beim Seilklettern kam es zu 19 Bodenstürzen, meist durch Sicherungsfehler. Gemeldete Verletzungen waren: Brandblasen an den Händen durch durchrutschendes Seil, Wadenbruch beim Sturz und Fußverletzungen. Insgesamt kann festgestellt werden, dass es verglichen mit der Anzahl der aktiven Kletterer sehr geringe gemeldete Unfälle gab.
Spielgeräte mini|Klettergerät auf einem Spielplatz mini|Klettergerüst auf einem Spielplatz in Elmshorn