mini|Hinweis auf das ursprüngliche Quellgebiet der Niers in Kuckum mini|hochkant|Die Niers kurz hinter ihrer Quelle in Kuckum mini|Die Niers im Schlosspark Wickrath mini|Die Niers am Grenzweg, Willich-Neersen mini|Begradigte Niers bei Viersen, in Höhe des Ortsteils Sittard mini|Der Fluss Niers in Weeze Die Niers – früher auch Neers genannt – ist ein östlicher und rechter Zufluss der Maas in Deutschland und in den Niederlanden. Sie ist – ohne den linksseitigen Quellbach Wockerather Fließ oder Kaulhauser Fließ (4,5 km) – 113,1 km lang, davon fließen 8 km durch die Niederlande; mit dem Quellbach sind es insgesamt 117,6 km Fließstrecke.
Der Fluss verläuft im linksseitigen Teil der Region Niederrhein westlich der Wasserscheide zwischen den Flüssen Rhein und dessen Zufluss Maas. Er entspringt in Kuckum und fließt durch Mönchengladbach und die Kreise Viersen und Kleve (alle in Nordrhein-Westfalen; Deutschland), um bei Gennep (Provinz Limburg; Niederlande) in die Maas zu münden. Das Einzugsgebiet umfasst 1380,63 Quadratkilometer und wird von 735.000 Menschen bewohnt.
Name Der Fluss wurde im Jahr 855 als „super fluvium Nerse“ erstmals urkundlich genannt. Meist wird der Name mit der urindogermanischen Wurzel *nerH- mit der Bedeutung „untertauchen“ in Verbindung gebracht. Der Sprachwissenschaftler Albrecht Greule leitet den Namen dagegen vom germanischen *ner- (hieraus nhd. Nehrung) ab und deutet den Namen als „die sich gerne Windende“.
Aufgrund der starken Wasserverschmutzung hatte die Niers ab Anfang des 20. Jahrhunderts den abwertenden Spitznamen „Rio Tinto“.
Geographie Verlauf Quellgebiet Das Quellgebiet der Niers liegt in der Jülicher Börde in der Erkelenzer Lössplatte im Osten der im Kreis Heinsberg gelegenen Stadt Erkelenz beim Ortsteil Kuckum. Der Fluss hatte früher mehrere Quellen. Die Hauptquellen lagen beim Zourshof in Kuckum und beim „Klocken Sprung“ in Keyenberg. Die Niers erhält zudem Zufluss durch verschiedene kleine Wasserläufe (Entwässerungsgräben), wie zum Beispiel die Köhm aus Richtung des Erkelenzer Stadtteils Borschemich, die in Keyenberg in die Niers mündet. In die Köhm floss auch Wasser aus dem Grabensystem von Haus Keyenberg, das wiederum durch Quellen gespeist wurde.
Die Quellen sind heute durch den Braunkohle-Tagebau Garzweiler versiegt. Damit die natürliche Wasserführung nicht noch weiter absinkt, wird der Niers am Oberlauf, zum Beispiel bei Zourshof, Sümpfungswasser aus dem Tagebau über Rohrleitungen zugeführt. Zudem erhält die Niers Zufluss durch den vom Kückhover Fließ gespeisten und aus Richtung der Erkelenzer Kernstadt heranfließenden Wockerather Fließ. Die Nierskilometrierung von 113,1 km Länge beginnt nördlich vom Zourshof.
Oberlauf Anfangs fließt die Niers zwischen Kuckum und dem auch zu Erkelenz gehörenden Unterwestrich hindurch. Dann verläuft sie im Stadtgebiet von Mönchengladbach erst durch folgende Ortsteile und -lagen oder vorbei an diesen: Wanlo, Wickrathberg, Wickrath, nach Unterqueren der Bundesautobahn 61 Wetschewell, Odenkirchen, Geistenbeck, Mülfort, Rheydt-Mitte und zwischen Geneicken und Tackhütte vorbei am Hochwasserrückhaltebecken Geneicken. Dann fließt sie zwischen den Mönchengladbacher Stadtteilen Pesch und Neuwerk im Westen sowie der Kernstadt der im Rhein-Kreis Neuss liegenden Stadt Korschenbroich und deren Stadtteil Herrenshoff im Osten hindurch – bis dorthin zumeist nordostwärts.
Mittellauf Die Niers unterquert bei der Trabrennbahn Mönchengladbach zweimal kurz hintereinander die Bundesautobahn 44. Dann unterquert sie die Bundesautobahn 52 von Süd nach Nord und fließt kilometerlang geradeaus durch den Kreis Viersen: vorbei an Neersen (einem Stadtteil von Willich) und dann an den Viersener Stadtteilen Robend, Hülsdonk, Rahser, Sittard, Süchteln und Vorst. Bei Süchteln schwenkt die Niers nach Nordnordwest und fließt Richtung Wachtendonk (Kreis Kleve). Oedt und Mülhausen liegen östlich der Niers; Grefrath und Vinkrath liegen westlich von ihr. Einige Klärwerke entlang des Mittellaufs leiten gereinigte Abwässer in die Niers.
Unterlauf Dann erreicht die Niers den Kreis Kleve, in dem sie die Bundesautobahn 40 unterquert, nordwärts das Gemeindegebiet von Wachtendonk durchfließt und östlich vorbei an der Kernstadt von Straelen verläuft. Nach östlichem Passieren von Pont im Gebiet der Stadt Geldern fließt sie durch die Gelderner Kernstadt und östlich vorbei an Veert. Hiernach verläuft die Niers im Stadtgebiet von Kevelaer etwa nordöstlich vorbei an Wetten, wo sie nach Nordosten schwenkt, und dann zwischen der Kevelaer Kernstadt im Südwesten und dem Stadtteil Schravelen im Nordosten hindurch. Dann fließt sie im Gemeindegebiet von Weeze vorbei am Schloss Wissen und nach einem langgestreckten Niersaltarm unmittelbar östlich vorbei am Weezer Kernort. Nach anschließendem Unterqueren der Bundesautobahn 57 durchfließt die Niers das Stadtgebiet von Goch, in dem sie allmählich nach Westen schwenkt, die Kernstadt durchquert und die Ortsteile Pfalzdorf im Westen, Nierswalde im Süden sowie Asperden und Kessel jeweils im Norden passiert.
Mündung Danach erreicht die Niers die deutsch-niederländische Grenze, an der sie nach Süden abknickt und ein Stück auf derselben verläuft, um kurz darauf vor dem Gocher Gemeindeteil Hommersum letztlich etwa nach Westnordwesten abzuknicken. In der sodann erreichten niederländischen Provinz Limburg fließt sie zwischen dem Kernort der Gemeinde Gennep und dem Genneper Ortsteil Ottersum hindurch, um kurz darauf in die dort etwa von Südsüdosten heran fließende Maas zu münden.
Nebenflüsse und Kanäle (Von der Quelle zur Mündung): am Oberlauf bis einschließlich Mönchengladbach: Köhm, Hochneukircher Fließ, Karotte, Beller Bach, Gladbach und Trietbach.
Etwas nördlich der Kläranlage Mönchengladbach-Neuwerk bzw. des Nierssees und südwestlich von Willich-Neersen mündet von rechts die aus Schiefbahn kommende Cloer. Sie hat eine Länge von ca. 6,7 km, ihr Einzugsgebiet ist etwa 10,22 Quadratkilometer groß und erstreckt sich im Wesentlichen über die südlichen Bereiche der Willicher Stadtteile Schiefbahn und Neersen.
Zwischen Viersen einerseits und Willich-Anrath bzw. -Neersen andererseits mündet von Westen der aus dem Viersener Stadtgebiet kommende Hammer Bach. Das Einzugsgebiet des Hammer Bachs ist rund 13,75 Quadratkilometer groß und reicht bis an die Stadtgrenze von Mönchengladbach heran. Der Dorfer Bach, als „Viers“ Namensgeber der Stadt, fließt heute nur noch östlich des Stadtgebietes an der Oberfläche und mündet (vereint mit dem Alsbach) ebenfalls von Westen kommend bei Clörath in die Niers.
Etwas südwestlich von Oedt (Grefrath) mündet von rechts der hier auch als Zweigkanal bezeichnete Kanal III3b, der nicht zuletzt durch seine eigenen Hauptzuflüsse, den Kanal III C und die Willicher Flöth, ein umfangreiches Gebiet von über 80 Quadratkilometer entwässert, das bis an den Krefelder Stadtrand reicht.
Hinter Wachtendonk mündet die Nette in die Niers. Sie hat eine Länge von 28 Kilometern, verläuft durch die Krickenbecker Seen und hat ein Einzugsgebiet von etwa 180 Quadratkilometern.
In Geldern zweigt der Nierskanal ab, der über die deutsch-niederländische Grenze verläuft und nördlich von Arcen en Velden in der Maas endet (dient als Hochwasserentlastung für die untere Niers, Baujahr etwa 1777?). Der Nierskanal benutzt teilweise das ehemalige Bett der Fossa Eugeniana. Ebenfalls in Geldern mündet die nach dem Ort benannte Gelderner Fleuth, die eine Länge von etwa 27 Kilometern und ein Einzugsgebiet von 170 Quadratkilometern hat, in die Niers. Die Issumer Fleuth mit einer Länge von 25 Kilometern und einem Einzugsgebiet von rund 120 Quadratkilometern mündet bei Kevelaer in die Niers. In Höhe der Kriegsgräberstätte bei Weeze mündet die Kervenheimer Mühlenfleuth in die Niers.
Die Kendel entspringt bei Weeze, ist 25 Kilometer lang und mündet an der deutsch-niederländischen Grenze bei Hommersum in die Niers. Ihr Einzugsgebiet beträgt 25 Quadratkilometer.
Gefälle Das Flussgefälle beträgt im Oberlauf etwa 60 Zentimeter pro Kilometer, im Mittel- und Unterlauf 25 bis 30 Zentimeter pro Kilometer, womit die Niers ein typischer Flachlandfluss ist. Insgesamt liegen zwischen Quelle und Mündung nur 70 Meter Höhenunterschied (zum Vergleich: die etwa gleich lange Wupper überwindet in ihrem Lauf rund 400 Meter). Die Fließgeschwindigkeit liegt im Normalfall bei etwa zwei Kilometern pro Stunde.
Wasserqualität Die Niers ist einer der am stärksten genutzten Flüsse in Nordrhein-Westfalen. Im Einzugsgebiet der Niers werden rund 65 Millionen Kubikmeter Grundwasser zu Trinkwasser oder Brauchwasser aufbereitet. 24 Kläranlagen behandeln die mit Niederschlagswasser vermischten Abwässer der Region und leiten jährlich etwa 83 Millionen Kubikmeter in den Fluss ein, was in niederschlagsarmen Zeiten einen Großteil der Gesamtwassermenge in der Niers ausmacht und einen entsprechend großen Einfluss auf die gesamte Wasserqualität des Flusses ausübt. Dieser Umstand stellt besondere Anforderungen an die Abwasserreinigung (siehe auch Niersverband#Sonstiges).
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist die Wasserqualität erheblich besser geworden; die Artenvielfalt hat zugenommen. Die Biologische Station Krickenbecker Seen wies 2012 32 Fischarten in der Niers nach.
Im April 2018 stellte der VSR-Gewässerschutz e. V. erhöhte Nitratwerte in der Niers fest. An allen Messpunkten des Vereins wurden mehr als 15 mg/l Nitrat gemessen. Der höchste Messwert lag bei 26,7 mg/l Nitrat, gemessen in Ottersum (NL). Gemäß Oberflächengewässerverordnung hätte die Niers beim Verlassen von Deutschland nur 12,3 mg/l Nitrat aufweisen dürfen.
Geologie Das bis zu 500 Meter breite Tal, in dem die Niers heute verläuft, ist ein vom Rhein geschaffenes Tal. Dieses wurde vor etwa 200.000 Jahren in der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit, von den bis zu den Schaephuysener Höhen reichenden Gletschern weiter nach Westen verdrängt. Man kann noch heute an den bis zu 2 Meter hohen Terrassenkanten der Niers-Auen die Abgrenzungen des damals entstandenen Urstromtals erkennen.
Niersverband Preußen gründete 1927 zur Regelung der Probleme an der Niers den Niersverband. Kläranlagen wurden gebaut und die Gewässerbelastung ging allmählich zurück.
In den letzten Jahrzehnten fanden zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Niers statt. Seit den 1990er Jahren renaturiert der Niersverband Teile des Flussverlaufs.www.niersverband.de: Geschichte Zahlreiche Fischarten sind wieder heimisch geworden. Seit dem Jahr 2005 werden große Teile der Niers an interessierte Angelvereine verpachtet.
Die Niers floss bis 2021 westlich vom Zoppenbroicher Park in einem 1 Kilometer langen Betonbett.Rheinische Post Mönchengladbach 19. Mai 2021, S. D1: Die Niers bekommt ein neues Bett Dieses wurde entfernt und nördlich gleich neben dem Park wurde eine Flussaue mit einem 3,7 km langen mäanderförmigen flachen Flussbett angelegt.projekte.niersverband.de Das Gebiet heißt Bresgespark.niersverband.de/bresgespark Es kann bei Starkregenereignissen große Wassermengen aufnehmen.niersverband.de
Von 2019 bis 2019 legte der Niersverband östlich von Süchteln und südwestlich von Oedt eine Flussaue an. Die Niers fließt dort in vielen kleinen Zweigen. Das Gelände wurde abgesenkt (d. h. es wurde Erde abgebaggert), um 50.000 m³ Raum zu gewinnen, der bei starken Regenereignissen Wassermassen zwischenspeichern kann. Der Niersverband dort stark verdünntes Mischwasser von seiner Betriebsstelle Süchteln einleiten. Zwei Wehranlagen steuern den Zu- und Abfluss. Durch gezieltes Überstauen von Teilflächen entstanden Brut- und Nahrungsräume für Watvögel und Wiesenvögel.niersverband.de: Projekt Fritzbruch. Die Flussaue liegt südlich der Straße 'Fritzbruch'.
Niersfähren Zusätzlich zu zahlreichen Niersbrücken ermöglichen Selbstbedienungsfähren Radfahrern und Fußgängern an drei Stellen das Überqueren der Niers – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN); flussabwärts betrachtet: