Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 3. Wiener Gemeindebezirks, Landstraße, sowie Erklärung derer Bedeutung.
Ein Großteil der Straßen wurde im Jahre 1862 neu benannt, als nach der 1850 erfolgten Eingemeindung der Vorstädte Doppelbenennungen im neuen Stadtgebiet behoben wurden und die Einführung der Straßenschilder vollzogen wurde (vgl. Straßen in Wien, Geschichte Wiens).
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A mini|Adamsgasse mini|Am Heumarkt 3 mini|Am Modenapark mini|Der Angelo-Soliman-Weg inmitten der Löwengasse mini|Depots des Arsenals an der Arsenalstraße Adamsgasse, 1862 benannt nach dem Fleischhauer Johann Adam (Lebensdaten unbekannt); sein Geschäft bestand um 1756 im Haus „Zur goldenen Weintraube“ in der Weißgerbervorstadt. Der Straßenname war schon zuvor im Volksmund gebräuchlich. Die Gasse ist Schauplatz eines Handlungsstranges im Roman Die Wasserfälle von Slunj von Doderer (erste Wohnung Chwostiks zwischen den Prostituierten Finy und Feverl, Hausmeisterin Wewerka).Doderer: Die Wasserfälle von Slunj. dtv-Verlag 11411, 16. Auflage 2015, ISBN 978-3-423-11411-0. S. 25, 39 etc. Adolf-Blamauer-Gasse, 1936 benannt nach dem Beamten und Maler Adolf Blamauer (1847–1923); er war im Hauptberuf Beamter der Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft und malte nebenbei Genrebilder, Veduten, Hochgebirgslandschaften und Panoramen; etwa 200 seiner Aquarelle befinden sich im Bezirksmuseum Landstraße. Blamauer war 1869 Mitbegründer des Österreichischen Touristenklubs. Alfred-Dallinger-Platz, 2005 benannt nach dem Gewerkschafter und Politiker Alfred Dallinger (1926–1989), Jugendsekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten (ab 1948), Zentralsekretär (ab 1966), Vorsitzender (ab 1974), sozialdemokratischer Abgeordneter zum Nationalrat (1974–1983). Von 1980 bis zu seinem Tod war er Sozialminister. Er kam 1989 mit dem Gewerkschafter Richard Wonka in einer Linienmaschine der Rheintalflug in der Nähe des Flugplatzes Altenrhein ums Leben, als das Flugzeug in den Bodensee stürzte; siehe den Wonkaplatz im 22. Bezirk Donaustadt. Althoff-Jacobi-Gasse, 2018 benannt nach der Unternehmerin Elfi Althoff-Jacobi (1914–1995); sie stammte aus einer großen deutschen Zirkusfamilie und leitete von 1974 bis 1993 den Österreichischen Nationalzirkus „Circus Althoff-Jacoby“. Sie galt als die grande dame der internationalen Circuswelt. Am Heumarkt, benannt (vermutlich 1862) nach dem Heumarkt, einem ehemaligen Verkaufsplatz, an dem allwöchentlich große Mengen an Heu – meist aus Ungarn stammend – umgeschlagen wurden. Der Platz wurde bereits um 1418 als Heugries erwähnt, später als Im Gereit und dann von ca. 1830 bis 1862 Am Glacis. Am Kanal, 1925 benannt nach dem hier verlaufenden Wiener Neustädter Kanal; der schiffbare Wasserweg wurde 1797–1803 erbaut und verband auf einer Länge von 63 km Wien mit Wiener Neustadt. Bauleiter war Hofbaudirektor Joseph Schemerl; siehe die Schemmerlstraße im 11. Bezirk Simmering. 1879 ging die Kanalschifffahrt stark zurück und 1928–1935 wurde der Kanal im Wiener Stadtgebiet zugeschüttet. Die Straße hieß davor Am Wiener Neustädter Kanal; ein Teil hieß bis 1956 Reithmanngasse. Der nordwestlich anschließende Teil des zugeschütteten Wiener Neustädter Kanals heißt Aspangstraße. Am Modenapark, 1916 benannt nach der Erzherzogin Beatrix d’Este (1750–1829); durch ihre Einheirat brachte sie die Erbschaft ihres Vaters, die Herzogtümer Modena und Reggio, sowie die Erbschaft ihrer Mutter, die Herzogtümer Massa und Carrara, in das Haus Habsburg ein und wurde zur Begründerin der Linie Österreich-Este. 1812 ließ sie in der Vorstadt Landstraße ein Palais errichten und einen großen Garten anlegen. Das Palais wurde 1916 abgerissen, Teile des Gartens bestehen heute als Modenapark, um diesen Park entstand in den 1920ern und 1930ern ein zwischekriegszeitliches Ensemble, das Modenapark-Viertel. Die Beatrixgasse ist ebenfalls nach der Erzherzogin benannt. Am Schweizer Garten, 2019 in falscher Schreibweise benannt nach dem angrenzenden Schweizergarten. Die 1905 angelegte, ursprünglich Maria-Josefa-Park genannte Parkanlage wurde 1920 aus Dankbarkeit für die großzügige Hilfe, die die Schweiz der Not leidenden Wiener Bevölkerung nach Kriegsende geleistet hatte, in Schweizergarten umbenannt. Am Stadtpark, 1986 benannt nach dem Wiener Stadtpark. Der 65.000 m² große Park wurde 1862 unter Bürgermeister Andreas Zelinka eröffnet; siehe die Zelinkagasse im 1. Bezirk, Innere Stadt. Geplant wurde der Park im Stil englischer Landschaftsparks vom Landschaftsmaler Joseph Selleny, die Planungen überarbeitet und durchgeführt hat der Stadtgärtner Rudolph Siebeck; siehe die Sellenygasse im 2. Bezirk, Leopoldstadt, und die Siebeckstraße im 22. Bezirk, Donaustadt. Die Straße war davor ein Teil der Verkehrsflächen Am Heumarkt und Vordere Zollamtsstraße. Angelo-Soliman-Weg, 2013 benannt nach dem Kammerdiener Angelo Soliman (1721–1796); der aus Nigeria stammende Afrikaner wurde als Sklave verschleppt und kam schließlich als Kammerdiener nach Wien. Er wurde in der Folge wohlhabend und ein beliebtes Mitglied der Wiener Society; unter anderem schätzte ihn Kaiser Josef II. als Gesellschafter. Nach seinem Tod wurde sein Leichnam präpariert und bis 1806 im Kaiserlichen Naturalienkabinett als halbnackter „Wilder“ ausgestellt. Anne-Frank-Gasse, 2012 benannt nach der Schülerin Annelies Marie Frank (1929–1945). Sie wanderte 1934 mit ihren Eltern aus Deutschland in die Niederlande aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Nach zwei Jahren in einem Versteck in Amsterdam wurde sie 1944 deportiert und fiel 1945 im KZ Bergen-Belsen einer Epidemie zum Opfer. Ihr weltweit bekanntes Tagebuch der Anne Frank gilt als historisches Dokument aus der Zeit des Holocausts. Wesentliche Helferin beim Untertauchen der Familie Frank war die gebürtige Wienerin Miep Gies; der Wiener Karl Josef Silberbauer nahm die Verhaftung der enttarnten Familie vor. Anna-Hand-Weg, 2008 benannt nach Anna Hand (1911–1987); sie engagierte sich als illegale Kommunistin im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, war 1942–1945 im KZ Ravensbrück inhaftiert und arbeitete nach dem Krieg hauptberuflich für die KPÖ. Anton-Kuh-Weg, 2002 benannt nach dem Journalisten, Essayisten, Erzähler und Redner Anton Kuh (1890–1941); er veröffentlichte u. a. Satiren und zahlreiche kurze Prosastücke, in denen er sich im Sinne von Pazifismus und Demokratie kritisch und witzig mit seiner Zeit auseinandersetzte. Bekannt war Kuh auch als Vortragskünstler. Anton-von-Webern-Platz, 1998 benannt nach dem Komponisten Anton Webern (1883–1945); als einer der ersten Schüler von Arnold Schönberg gehörte er zum inneren Kreis der Zweiten Wiener Schule. 1921 erschienen seine ersten Werke; 1922–1934 war er Leiter und Dirigent der Arbeiter-Symphoniekonzerte und ab 1923 des Wiener Arbeiter-Singvereins. Zu seinen Lebzeiten wurden lediglich 31 seiner Kompositionen veröffentlicht. Apostelgasse, 1862 benannt nach den Aposteln Peter und Paul, denen die dortige Pfarrkirche Erdberg geweiht ist. Ein Apostel (von griech. ἀπόστολος apóstolos bzw. aramäisch saliah „Gesandter, Sendbote“) ist im Verständnis der christlichen Tradition jemand, der von Jesus Christus direkt als „Gesandter“ beauftragt worden ist. Die Gasse hieß davor (schon um 1830) Kirchengasse. Arenberggasse, 1862 benannt nach dem Arenbergpark. Der Park wurde 1785 von Nikolaus I. Joseph Fürst Esterházy angelegt und ging 1810 in den Besitz von Erzherzog Karl über. 1815 wurde der Park an einen Wollgroßhändler verkauft und gelangte nach dessen Tod in den Besitz der Familie Arenberg, die der Anlage den Namen gab. Im Jahr 1900 kaufte die Gemeinde Wien den Park. Armenierplatz, 2001 benannt nach dem Volk der Armenier, das seit über 2700 Jahren im Gebiet zwischen dem Hochland Ostanatoliens und dem Südkaukasus heimisch ist. Die Benennung bezieht sich auf die jahrhundertelange Präsenz der armenischen Volksgruppe in Wien, die heute nur sehr klein ist. Etwas abgesetzt vom Platz, in der Kolonitzgasse, befindet sich die Armenische Kirche St. Hripsime, auf dem Platz selbst erinnert eine Kreuzskulptur an die Christianisierung Armeniens. Arsenalstraße, 1878 benannt nach dem Arsenal, das sich östlich neben der Straße erstreckt. Es wurde von der kaiserlichen Regierung nach der letztlich unterdrückten Revolution 1848 von 1849 bis 1856 mit insgesamt 31 „Objekten“ (Gebäuden) erbaut. Die bedeutendste profane Baugruppe des Romantischen Historismus in Wien wurde in italienisch-mittelalterlichen beziehungsweise byzantinisch-islamischen Formen ausgeführt. Westlich direkt neben der Straße, die seit 1938 auf volle Länge die Grenze zwischen den Bezirken 3 und 10 bildet und davor wie der Schweizergarten und das Arsenal zum 10. Bezirk zählte, verläuft die Ostbahn. Straße und Bahn werden vom Arsenalsteg und von der Südbahnhofbrücke überquert. Aspangstraße, 1894 benannt nach dem damaligen Aspangbahnhof. Im Zuge der Einstellung der Schifffahrt auf dem Wiener Neustädter Kanal im Jahr 1879 wurde das Wiener Hafenbecken zugeschüttet und an dessen Stelle 1880–1881 der Kopfbahnhof der neuen Aspangbahn im historisierenden Renaissancestil errichtet. Der Bahnhof war bis 1971 in Betrieb und wurde 1977 abgetragen. Die Straße war vorher Teil der Straße Am Kanal, die weiterhin die östliche Fortsetzung der Aspangstraße ist. Auenbruggergasse, 1891 benannt nach dem Mediziner Leopold Auenbrugger (1722–1809), Arzt im Spanischen Hospital (1751–1762), Hofarzt von Kaiserin Maria Theresia (ab 1762). Er gilt als Erfinder der medizinischen Untersuchungstechnik der Perkussion und damit als Wegbereiter der physikalischen Diagnostik. Er schrieb das Libretto zum Singspiel Der Rauchfangkehrer (1781) von Antonio Salieri, dessen Trauzeuge er 1774 war.
B mini|Das ehemalige Genesungsheim in der Barmherzigengasse mini|hochkant|Der Rabenhof, eine große Gemeindebauanlage an der Baumgasse mini|Boerhaavegasse, Blick nach Norden Barichgasse, 1876 benannt nach dem Beamten Michael von Barich (eigentlich Mihajlo Barić, 1792–1859), Hofkonzipist in der k.k. Administration, Großhändler und Bauspekulant. Im Jahr 1839 kaufte er das Palais Althan in der Ungargasse 63–67, ließ die prunkvolle Anlage unverzüglich abreißen und parzellierte das Gebiet in 34 Baugründe; auf diesen wurden 1842–1845 Wohnhäuser erbaut. Die seit 1821 von der Landstraßer Hauptstraße entstandene Zufahrt wurde 1878 zur Ungargasse durchgebrochen.Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 1, Kremayr & Scheriau, Wien 2004, ISBN 3-218-00742-9, S. 254. Barmherzigengasse, 1877 benannt nach einem Genesungsheim (Rekonvaleszentenhaus) der Barmherzigen Brüder auf Nr. 8 (Ecke Barichgasse 7), das 1755 gegründet worden war und 1877 aufgelassen wurde; der teilweise Abbruch ermöglichte den Ausbau der Barichgasse. Die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott sind ein katholischer Krankenpflegeorden, als dessen Ordensvater der heilige Johannes von Gott gilt. Barthgasse, 1900 benannt nach dem Mediziner Joseph Barth (1745–1818); er war Ordinarius für Anatomie (die damals noch mit der Augenheilkunde verbunden war) an der Universität Wien. Im Jahr 1776 wurde er kaiserlicher Leibarzt. Er gründete eine private Augenheilanstalt und führte etwa 3.000 Staroperationen durch. Baumannstraße, 1902 benannt nach dem Afrikaforscher, Ethnologen, Geografen und Kartografen Oskar Baumann (1864–1899); er erforschte Ostafrika auf zahlreichen Reisen. Seine bekannteste Unternehmung war die sogenannte „Massai-Expedition“, die ihn 1892 mit 200 Begleitern von der Küste zum Victoriasee und zum Tanganjikasee und danach weit in die unerforschten Königreiche Burundis und Ruandas führte. 1893 erreichte Baumann als erster Europäer die Quelle des Kagera-Nils, die der tatsächlichen Quelle des Nils entspricht. Seine Sammlungen überließ er dem Naturhistorischen Museum. Die Straße hieß 1938–1947 Adolf-Kirchl-Straße (siehe die Adolf-Kirchl-Gasse im 10. Bezirk Favoriten).