Volkmar Weiss (* 23. Mai 1944 in Zwickau) ist ein deutscher Genetiker, Sozialhistoriker und Genealoge. Von 1990 bis 2007 war er Leiter der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig.
Weiss vertritt die These, dass menschliche Intelligenzunterschiede wesentlich durch die Variation eines Gens und die mendelschen Vererbungsregeln zu erklären seien. Soziale und polygene Faktoren hätten nur einen sekundären Einfluss. Soziale Klassen und Ethnien unterscheiden sich nach Weiss’ Meinung durch verschieden hohe IQ-Mittelwerte, wofür er als Ursache u. a. die Verteilung von Genvarianten innerhalb dieser Gruppen annimmt. Weiss’ ThesenKommentierte vollständige Bibliographie seiner 220 Veröffentlichungen, S. 13–50, in: Volkmar Weiss: Der erweiterte SächsArchReport. Eine Dokumentation des Leiters der Deutschen Zentralstelle für Genealogie 1990 - 2007. Neustadt an der Orla: Arnshaugk 2019. haben in der Wissenschaft nur eine Randposition.
Aus den Ergebnissen seiner Intelligenzforschungen zieht er konkrete bildungs-, minderheits-, migrations- und ethnopolitische Schlussfolgerungen. Seine Ausführungen zum Verhältnis von Genetik und Biologie zur Gesellschaft rufen in der Öffentlichkeit überwiegend Ablehnung hervor, bis hin zum Vorwurf, es handle sich um „Vererbungslehre in NS-Tradition“.Sarah Mersch: Leipziger Vererbungslehre in NS-Tradition. In: taz vom 8. August 2005, S. 7. Politisch bewegt sich Weiss in rechtsextremistischen Zusammenhängen.
Leben Volkmar Weiss wurde nach eigenen Angaben als Sohn von Heinz Weiß (1920–1945) in Zwickau geboren und in Reinsdorf (Sachsen) eingeschult.Volkmar Weiss: Vorschulzeit in Reinsdorf. Das Lindenblatt 5 (2010), S. 100–108 Nach dem Abitur 1962 in Annaberg-Buchholz studierte Volkmar Weiss ab 1963 Germanistik, Geographie und Biologie in Leipzig. Ab 1968 erhielt er eine Spezialausbildung in Anthropologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1969 begann er mit der Erforschung des sozialen Hintergrunds der Mathematik-Hochbegabten der DDR, und er wurde in der Abteilung Soziologie der Akademie der Wissenschaften eingestellt. 1970 erhielt er von der Humboldt-Universität das Diplom für Biologie, 1972 wurde er zum Dr. rer. nat. promoviert. 1974 wechselte er nach Leipzig an die Deutsche Hochschule für Körperkultur. Ab 1977 war er in der Abteilung Bildungssoziologie des Zentralinstituts für Jugendforschung tätig. 1984 wurde er Mitarbeiter der Forschungsstelle für Regionalgeschichte des Zentralinstituts für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin. Hier verfasste er eine Habilitationsschrift zur Sozialgeschichte Sachsens, die er 1993 verteidigte. 1990 wurde Weiss Leiter der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, die 1995 dem Sächsischen Staatsarchiv Leipzig als Abteilung unterstellt wurde.Tabellarischer Lebenslauf, S. 6–8, in: Volkmar Weiss: Der erweiterte SächsArchReport. Eine Dokumentation des Leiters der Deutschen Zentralstelle für Genealogie 1990–2007. Arnshaugk, Neustadt an der Orla 2019. Seit 2008 ist Weiss im Ruhestand.
Politik Parteipolitik
Weiss gehörte im Januar 1990 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Sozialen Union (DSU) und zu den Autoren des Parteiprogramms. Er war Vorsitzender der DSU Leipzig und hielt auf der Montagsdemonstration am 19. Februar 1990 in Leipzig eine Ansprache. Seine Forderung: „Die Deutsche Einheit – sofort“ wurde noch am selben Abend von ZDF und BBC übertragen.Achim Beier und Uwe Schwabe (Hrsg.): „Wir haben nur die Strasse.“ Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90. Eine Dokumentation. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2016, S. 200–201, Rede von Volkmar Weiss; S. 234–237. Bereits im Juni 1990 trat er in die CDU über, aus der er 1993 wieder austrat.
Andere politische Aktivitäten
In der taz wurde Weiss kritisiert, schon jahrelang „in trüben braunen Gewässern“ zu fischen und mit wissenschaftlich „mehr als umstrittenen“ und in „NS-Tradition“ stehenden Ansichten am rechten Rand Zustimmung zu erhalten. In einem Vortrag 2004 zur bevorstehenden „Rentenkatastrophe“ etwa hatte er die Sorge der Nationalsozialisten für eine „Bestandserhaltung der Deutschen“ als für die Gegenwart vorbildlich gelobt, anderseits Geburtenkontrolle gefordert. „Denn, so Weiss, sinnlose, unbegrenzte Vermehrung gebe es nur noch im Tierreich – und bei der Familie Osama Bin Ladens sowie jüdischen Fundamentalisten.“
Weiss’ jüngere Publikations- und Artikulationsorte sind z. B. die Deutsche Studiengemeinschaft, der Leopold Stocker Verlag oder die Gesellschaft für freie Publizistik.Google Books inauthor:"Volkmar Weiss".
Bis zum Februar 2015 wurde Weiss als Mitherausgeber der politisch-wissenschaftlichen US-Zeitschrift Mankind Quarterly geführt. Diese Zeitschrift wird in der humanbiologischen Diskussion als „rassistische Programmschrift“ bewertetBernhard Irrgang: Humangenetik auf dem Weg in eine neue Eugenik von unten? (PDF; 319 kB), „Graue Reihe“ der Europäischen Akademie, Band 31, Ahrweiler 2002, S. 46; Stefan Kühl, Die soziale Konstruktion von Wissenschaftlichkeit und Unwissenschaftlichkeit in der internationalen eugenischen Bewegung, in: Heidrun Kaupen-Haas/Christian Saller (Hrsg.), Wissenschaftlicher Rassismus. Analysen einer Kontinuität in den Human- und Naturwissenschaften, Frankfurt (Main) 1999, S. 11–121, hier: S. 119 f. und hat zum Ziel „eine politische Beteiligung an der Diskussion um Rassentrennung unter wissenschaftlichen Zeichen“.Kirsten Knaak: Die Hilfsschule im Nationalsozialismus, Kap. 8. Aktueller wissenschaftlicher Rassismus in der Neuen Rechten am Beispiel der Zeitschrift „Neue Anthropologie“, auch Fußnote 94.
Mitherausgeber ist Weiss auch von Nouvelle École, einer von Alain de Benoist gegründeten Zeitschrift der Nouvelle Droite.Volkmar Weiss: Volkmar Weiss (Leipzig): Mitherausgeber von Zeitschriften (abgerufen am 30. März 2007) Eine gewisse Rezeption erfährt er ebenfalls im nationalkonservativen Übergangsfeld nach Rechtsaußen.
Weiss referiert über seine wissenschaftlichen Theorien und Forschungen auf Vorträgen bei Vereinen und Gruppen, die elitenorientiert, bürgerlich-konservativ, vor allem aber am politischen rechten Rand einzuordnen sind.
Auf Vorschlag der Landtagsfraktion der NPD berief der Präsident des Landtags von Sachsen ihn im März 2005 als externen Experten in die Enquete-Kommission Demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen für die Lebensbereiche der Menschen im Freistaat Sachsen sowie ihrer Folgen für die politischen Handlungsfelder, aus der er im Januar 2006 wieder ausschied. Des Weiteren war er Interviewpartner und Gastautor der Jungen Freiheit und der Deutschen Stimme der NPD.Sven Baier, „Intelligenz ist kein Zufall“. Der Humangenetiker Volkmar Weiss über angeborene Intelligenz, Günther Jauch und Einwanderung, in: Junge Freiheit, 11. Mai 2001.
Wissenschaftliche und politische Positionen Intelligenz, Bevölkerungs- und Sozialpolitik
Weiss geht von kollektiv unterschiedlichen biologisch fixierten Graden der Intelligenz ethnischer und sozialer Gruppen in unterschiedlichen Gesellschaften aus. Eine so verteilte Intelligenz bleibe nicht ohne gravierende gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgewirkungen für Staat und Gesamtgesellschaft, weshalb Weiss konkrete Forderungen für die bevölkerungs-, migrations- und bildungspolitische Praxis stellt. So fordert er, dass „nur gut ausgebildete Menschen“ eingebürgert werden sollten, da diese auch intelligent seien. Da sich die Intelligenz der Eltern als die entscheidende Voraussetzung sozialer, beruflicher und wirtschaftlicher Erfolge auf die Kinder fortpflanze, fielen die Problemlagen bisheriger Immigration weg: Sie seien ja nicht in erster Linie durch sozioökonomische und soziokulturelle Einflüsse, sondern durch Zuwanderergruppen mit geringer Intelligenz verursacht.Interview mit Weiss in: FAZ, 11. Dezember 2001.
Weiss ignoriert die umfangreiche neuere wissenschaftliche Literatur zu Roma. Er bezieht sich stattdessen auf Hermann Arnold, Arzt, Erbhygieniker und bekannter „Zigeunerforscher“ in der ausdrücklichen Nachfolge der NS-Rasseforschung, für die z. B. der Rassenforscher Robert Ritter mit seiner Rassenhygienischen Forschungsstelle steht. Ritter unterstellte „Zigeunern“ einen „angeborenen Schwachsinn“. Weiss teilt Arnolds und Ritters Grundposition, Historisch-Gesellschaftliches ins Biologische zu verschieben und für invariant zu erklären. Aus einem minderen Bildungs- und Ausbildungsniveau der tschechoslowakischen Roma leitet er einen mittleren IQ von 85 ab und erweitert seine Schlussfolgerung zu der Annahme, es scheine . Dies sieht er neben Analphabetismus und hoher Kriminalität als Ursache gesellschaftlicher Exklusion und der Entstehung sozialen Konfliktstoffs an.
In seiner Schrift Die IQ-Falle stellt Weiss die Auswirkungen des seiner Meinung nach niedrigen Intellekt von „Zigeunern“ am für ihn exemplarischen Fall der Roma in dem Ort Zendersch (Rumänien) dar. Seine Perspektive ist dabei bestimmt von den traditionellen raum- und zeitlosen Bildern des populären Antiziganismus. „Zigeuner“ bilden demnach einen Restbestand einer zutiefst fremden, zurückgebliebenen urtümlichen Wildbeuterpopulation, die in unwandelbarer Statik verharrt: „Die Zigeuner stellen also auch heute noch das entspannte Leben vor den wirtschaftlichen und sonstigen Erfolg. Noch immer ähneln sie Mitgliedern von Urgesellschaften, die, ohne auf Mehrwert zu schielen, gerade soviel arbeiten, daß es zum Leben reicht“.Volkmar Weiss: Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik. Leopold Stocker Verlag, Graz 2000, ISBN 3-7020-0882-9, Abschnitte „Die Zigeuner – eine neue erbliche Unterschicht?“, S. 195–202 sowie „Die Anhäufung von sozialem Zündstoff“, S. 202–207.
Intelligenz und Bildungspolitik Weiss bedauert mit dem Hinweis auf die Grenzen von „Bildungsfähigkeit“ die größere Durchlässigkeit des Bildungssystems seit den 1970er Jahren als Folge der Bildungsreform. Er argumentiert dabei bevölkerungsbiologisch, beruft sich auf Rassenhygieniker wie Hans Harmsen und rechtsextreme Texte wie das Heidelberger Manifest. Das Sinken der „Bevölkerungsqualität“, „die Unterzahl der deutschen Elite“, könne nicht „mit mehr Schulstunden für die breite Mitte“ ausgeglichen werden. Im Rahmen einer deutschen Bevölkerungspolitik soll Bildungspolitik finanziert werden, „aber für deutsche Kinder – nicht für Sprachkurse und Ganztagsschulen“.Volkmar Weiss, Bevölkerungspolitik als Grundlage von Staat und Volk Erschienen in: Die neue Achse. Veröffentlichungen der Gesellschaft für freie Publizistik 20, 2004, S. 11–29.
Weiss’ Modell einer Dreigliederung der Begabung korrespondiert mit dem für Deutschland in Abweichung vom europäischen Standard typischen dreigliedrigen Schulsystem. Es folgt dabei älteren bildungstheoretischen und -politischen Konstrukten, die dieses System legitimieren. Es entspreche der „natürlichen“ Verteilung der „Begabungen“ und den Anforderungen des Arbeitsmarkts am besten. Weiss bezieht sich ausdrücklich auf diese Vorstellungen, wenn er zustimmend Heinrich Weinstock zitiert: Heinrich Weinstock, Realer Humanismus. Eine Ausschau nach Möglichkeiten seiner Verwirklichung, Heidelberg 1955, S. 121, zit. nach: Volkmar Weiss, Leistungsstufen der Begabung und dreigliedriges Schulsystem, in: Zeitschrift für Pädagogische Psychologie 7 (1993), H. 4, S. 179.
Rezeption