Die Hansestadt Hamburg blieb zur Zeit der Nationalsozialisten unter dem Gauleiter Karl Kaufmann ein wichtiger Wirtschaftsstandort, allerdings verlor der Handel an Bedeutung. In dieser Zeit vergrößerte sich Hamburg von 415 km² auf 755 km². Nachdem das NS-Regime den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatte, wurde die Hansestadt in den späteren Kriegsjahren von schweren Bombardements getroffen. Am 3. Mai 1945 übergaben die führenden Kräfte die Stadt kampflos an die Briten.
Machtübernahme Erste Bürgermeister und Reichsstatthalter Bald nach der „Machtergreifung“, von den Nationalsozialisten als Tag der nationalen Erhebung gefeiert, traten die SPD-Senatoren auf Grund der Drohungen durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick am 3. März 1933 zurück. Zwei Tage später erklärte auch der schwer kranke Bürgermeister Carl Wilhelm Petersen von der Deutschen Staatspartei seinen Rücktritt, am 6. März vollzog auch der Senator Paul de Chapeaurouge (Deutsche Volkspartei) diesen Schritt. Die restliche Bürgerschaft wählte am 8. März mit Beteiligung von DVP und DStP einen neuen, nationalsozialistisch geführten Senat. Zum Ersten Bürgermeister wählte der Senat das NSDAP-Mitglied Carl Vincent Krogmann. Am 19. Mai wurde Krogmanns Stellung zu der eines „Regierenden Bürgermeisters“ umbenannt.Uwe Lohalm: „Modell Hamburg“. Vom Stadtstaat zum Reichsgau. In: Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg (Hrsg.): Hamburg im »Dritten Reich«. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 122. Am 28. Juni 1933 fand die letzte Sitzung der Bürgerschaft statt.
Stadt und Staat Hamburg wurden durch die Gleichschaltung einem Reichsstatthalter unterstellt, zu dem am 16. Mai 1933 Karl Kaufmann bestimmt worden war, der bereits Gauleiter des Gaus Hamburg war. Die dem Gauleiter unterstellten Parteibezirke entsprachen den früheren Reichstagswahlkreisen. Im heutigen Stadtgebiet Hamburgs befanden sich anfangs außerdem die Sitze der Gauleitungen Schleswig-Holsteins (in der Stadt Altona) und Ost-Hannovers (in der Stadt Harburg-Wilhelmsburg), dessen Fläche grob dem ehemaligen niedersächsischen Regierungsbezirk Lüneburg entsprach. Sie wurden jedoch später nach Kiel bzw. Lüneburg verlegt.
Am 30. Juli 1936 wurde Krogmann von Karl Kaufmann abgesetzt, der selbst die Führung der Landesregierung beanspruchte. Kaufmann konzentrierte fünf wesentliche Ämter auf sich und verfügte daher als Gauleiter über eine ungewöhnlich große Machtfülle; seine Anhänger band er durch Geldzuwendungen aus schwarzen Kassen an sich.Frank Bajohr: Gauleiter in Hamburg. Zur Person und Tätigkeit Karl Kaufmanns (1900–1969). In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 43, H. 2, 1995, S. 279.
lang=de|mini|Gebiet Hamburgs nach dem Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetz:
Territoriale Veränderungen Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz vom 26. Januar 1937, welches am 1. April 1937 in Kraft trat, ergaben sich für die Hansestadt große territoriale Veränderungen, die bis heute gültig sind (siehe auch Bezirke in Hamburg). Die Stadtkreise Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg sowie zahlreiche Gemeinden gingen von Preußen auf Hamburg über. Die Stadt hatte, trotz des Verlustes früher hamburgischer Gebiete (u. a. Cuxhaven, Geesthacht), nunmehr eine zusammenhängende Gesamtfläche von 755 km² statt zuvor von 415 km². Mit Wirkung vom 1. April 1938 wurden alle auf Hamburg übergegangenen Städte und Gemeinden mit der Stadt Hamburg zu einer einzigen Gemeinde „Hansestadt Hamburg“ zusammengeschlossen.
Das Groß-Hamburg-Gesetz regelte auch eine Reihe weiterer Gebietsveränderungen. Besonders hervorzuheben ist, dass das Land Lübeck seine Selbstständigkeit verlor und auf Preußen überging.
Politik Wirtschaft Bis 1937 war Hamburg eine eher kleinbetrieblich und mittelständisch geprägte Handelsstadt und keinesfalls eine Industriemetropole. Durch die auf Aufrüstung, Landwirtschaft und Autarkie ausgerichtete NS-Wirtschaftspolitik wurde der Handelssektor geschwächt. Dies führte dazu, dass die Arbeitslosigkeit in Hamburg deutlich höher lag und länger anhielt als im Durchschnitt des übrigen Reichs.Klaus Weinhauer: Handelskrise und Rüstungsboom. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Hrsg. Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 194. Der Warenumschlag im Hamburger Hafen erreichte selbst 1938 noch nicht den Umfang des Jahres 1929.Klaus Weinhauer: Handelskrise und Rüstungsboom. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 197. Durch die Aufrüstung gewann hingegen der industrielle Sektor – Großwerften und Erdölverarbeitung – an Bedeutung. 1934 wurden die Werften zu rund 70 % durch staatliche Zuschüsse finanziert.Klaus Weinhauer: Handelskrise und Rüstungsboom. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 195. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 wurden industriell geprägte Ortsteile eingemeindet, so dass nun mehr Menschen in Industrie und Handwerk als bei Handel und Verkehr beschäftigt waren.Klaus Weinhauer: Handelskrise und Rüstungsboom. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 203.
Erst zu Beginn des Jahres 1940 war der Bedarf an Arbeitskräften in der Hamburgischen Rüstungsindustrie nicht mehr zu decken, so dass zunächst Zivilarbeiter angeworben, dann aber verstärkt Zwangsarbeiter herangezogen wurden.
Bildungswesen Als Präsident der neugebildeten Landesunterrichtsbehörde entließ Karl Julius Witt nicht konforme Schulräte, versetzte Schulleitungen und „säuberte“ Lehrerkollegien. Bis 1935 wurden 637 Lehrkräfte zwangspensioniert, darunter viele als „Doppelverdienerinnen“ bezeichnete verheiratete Lehrerinnen.Uwe Schmidt, Paul Weidmann: Das Schulwesen. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 306 und 310 f. Die seit 1926 in Hamburg bestehende Ausbildung der Volksschullehrer an der Universität blieb bis 1936 bestehen, danach fand die Ausbildung an einer Hochschule für Lehrerbildung statt, ab 1941 an mehreren Lehrerausbildungsanstalten, bei denen für die Zulassung ein Abitur nicht zwingend erforderlich war.
Als Hochschulpolitiker und Rektor hatte Adolf Rein eine Schlüsselrolle bei der Selbstaufgabe der Autonomie und der Vertreibung von mehr als 90 Wissenschaftlern der Universität. Hamburger Hochschullehrer solidarisierten sich 1933 größtenteils mit der neuen Bewegung.Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat Die Anzahl der Studierenden verringerte sich von 3594 (WS 1932/33) bzw. 2305 (WS 1934/35) bis zum Sommersemester 1939 auf 1385;Uwe Schmidt, Paul Weidmann: Das Schulwesen. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 348. dazu trugen Zugangsbeschränkungen für Studentinnen sowie die seit 1936 geänderte Lehrerausbildung bei.
Ab 1937 gab es strukturelle Unterschiede im Mittelschulwesen: Die aus Preußen eingemeindeten Mittelschulen begannen mit dem fünften Schuljahr und erhoben ein Schulgeld, ein Teil der „Althamburger“ Volksschulen hatte stattdessen einen „Oberbau“, der mit dem siebten Schuljahr begann. Ab 1938 endete die Oberschule (früher Gymnasium) mit dem zwölften Schuljahr; die Koedukation, die an Volksschulen schon von 1934 an schrittweise aufgehoben worden war, wurde gänzlich abgeschafft.Uwe Schmidt, Paul Weidmann: Das Schulwesen. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 306 und 310 f.
Wohnungsbau Die Herrschaftszeit der Nationalsozialisten hat in Hamburg keine positiven Spuren hinterlassen, wie es die Weimarer Republik mit Neubauvierteln in der Jarrestadt oder dem Dulsberg vermochte. Die Angriffe im Juli/August 1943 vernichteten 44 Prozent des ohnehin knappen Wohnraums.
Ende 1934 sprach Gauleiter Kaufmann von 18.000 fehlenden Wohnungen; 1935 bezifferte das Statistische Landesamt Hamburg die Zahl der benötigten Wohnungen auf 25.000. Auf den Wartelisten der 1933 geschlossenen Wohnungsämter waren 60.000 Familien vermerkt.Karl Christian Führer: Nationalsozialistische Wohnungsbaupolitik. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 432–434. Die allgemeine wirtschaftliche Besserung und Maßnahmen wie das Ehestandsdarlehen ließen die Zahl der neu geschlossenen Ehen und damit den Bedarf nach günstigem Wohnraum weiter steigen.Detlev Humann: Arbeitsschlacht – Arbeitsbeschaffung und Propaganda in der NS-Zeit 1933–1939. Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0838-1, S. 120. Die Historikerin Beate Meyer nennt für April 1940 einen Mehrbedarf von 80.000 Wohnungen.Beate Meyer: Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933–1945: Geschichte, Zeugnis, Erinnerung. Wallstein-Verlag, Göttingen 2006, S. 34.
Wohnungsbau wurde Sache der Privatwirtschaft; Investitionen gingen in die Rüstung, die auch die Kapazitäten an Baufacharbeitern und Baumaterial stark beanspruchte. Geringe staatliche Darlehen zur Förderung von Wohnungsbau reichten nicht hin, um ausreichend Wohnungen zu niedrigen Mieten zu schaffen. In den Jahren bis Kriegsbeginn wurden jährlich etwa 2100 Ein- bis Dreizimmerwohnungen gebaut, die für „Normalverdiener“ erschwinglich waren: Die Anzahl neu erbauter Villen, Einzelhäuser und großer Mietwohnungen war erheblich größer.Karl Christian Führer: Nationalsozialistische Wohnungsbaupolitik. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 434.
Die propagandistisch groß herausgestellte Sanierungsaktion des Gängeviertels, bei der mit einem sozialen Brennpunkt auch eine Hochburg der KPD beseitigt wurde, leistete wenig für die Beseitigung der Wohnungsnot: Anstelle von 1140 Behausungen entstanden nur 520 neue Wohnungen.Karl Christian Führer: Nationalsozialistische Wohnungsbaupolitik. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 447. Gefördert wurden aus ideologischen Gründen Kleinsiedlerbauten am Stadtrand mit bescheidenem Einzelhaus und großem Grundstück zur Selbstversorgung, die sich als höchst problematisch erwiesen und kaum mehr als fünf Prozent der Neubauten darstellten.Karl Christian Führer: Nationalsozialistische Wohnungsbaupolitik. In: Hamburg im „Dritten Reich“. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-903-1, S. 440.
Stadtplanung 1937 beteiligte sich der Hamburger Architekt Konstanty Gutschow an einem Wettbewerb zur Gestaltung des nördlichen Hamburger Elbufers, den er – mit Empfehlung Adolf Hitlers – gewann. 1939 wurde Gutschow von Kaufmann zum „Architekten des Elbufers“ ernannt. 1941 bekam er den Titel „Architekt für die Neugestaltung der Hansestadt Hamburg“ verliehen. Er legte einen Generalbebauungsplan für Hamburg vor, der den Ausbau der Hauptstadt der deutschen Schiffahrt zur „Führerstadt“ vorsah; mit einem 250 m hohen Gau-Hochhaus, einer Volkshalle, einer Elbhochbrücke und Hafenvergrößerung.Er war der Albert Speer von Hamburg. ndr.de Im Januar 1940 wurde die Produktion von Ziegeln für die Führerbauten am Elbufer als die wichtigste Aufgabe des KZ Neuengamme festgelegt.
Die Idee einer Ost-West-Durchbruchstraße hatte Gutschow übernommen. Die Pläne wurden jedoch bald als kriegsunwichtig eingestuft und ruhten. Die umfangreichen Zerstörungen im Sommer 1943 führten 1944 zu einem zweiten Generalbebauungsplan, der noch weniger Rücksicht auf gewachsene Strukturen nahm.
Terror und Verfolgung mini|Hamburger Tageblatt vom 31. März 1933 zum Judenboykott
Siehe auch: Artikel zur Geschichte, die Zerstörung der jüdischen Gemeinde, das Konzentrationslager Neuengamme und seine zahlreichen Nebenlager im Stadtgebiet, die Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen
Schon am 16. Mai 1940 waren etwa 550 Sinti und Roma in Hamburg – zusammen mit etwa 200 aus Schleswig-Holstein und rund 160 aus Bremen – festgenommen und vier Tage lang im Fruchtschuppen 10 am Magdeburger Hafen interniert worden. Am 20. Mai 1940 deportierte man sie vom nahegelegenen Hannoverschen Bahnhof in die Arbeitslager von Bełżec.Deportation nach Bełżec. In: In den Tod geschickt. Die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg 1940 bis 1945. Abgerufen am 14. Januar 2011.