mini|Lage der Republik Moldau in Europa mini|Karte der Republik Moldau
Der Weinbau in der Republik Moldau hat eine lange Tradition, ähnlich wie der in den Nachbarländern Rumänien und Ukraine (Krim). In der Republik Moldau existieren günstige geologische und klimatische Voraussetzungen für den Weinbau. Der Anteil trockener Weine ist im Vergleich zu benachbarten Gebieten recht hoch und entspricht somit eher dem internationalen Geschmack. Es werden international bekannte Rebsorten angebaut. Dennoch führen die Weine außerhalb der Region nach wie vor ein Schattendasein. Die Qualität erreicht nicht immer die gewohnten Standards, auch die Abgelegenheit der Region trägt nicht zur Internationalisierung bei. Moldau ist offizieller Mitgliedsstaat der Internationalen Organisation für Rebe und Wein.www.oiv.int
Bekannte Weißweine sind Dnestrowskoje, Gratijeschty (Grătiești) und Trifeschty (Trifești); Negruy de Purkar (Negru de Purcari; mit dem bestimmten Artikel: Negrul) ist ein bekannter Rotwein. Traditionell finden sich in der Region auch einige bekannte süße Dessertweine.
Geografie und Klima Moldau ist ein fruchtbares Land in Südosteuropa und liegt auf demselben Breitengrad wie das Burgund in Frankreich. (27–30° östliche Länge / 45–48° nördliche Breite). Die Fläche beträgt rund 33.800 Quadratkilometer. Das Gebiet ist mit sanften Hügeln und Tälern durchzogen und der höchste Punkt liegt bei 429 m über dem Meeresspiegel.
Der Codru („Wald“), ein großes bewaldetes Gebiet, schützt die Weinbaugebiete vor Kaltlufteinflüssen. Zwei Hauptflüsse, der Dnister und der Pruth fließen von Norden nach Süden entlang der Grenzen ins Schwarze Meer. Fruchtbare Erde und die hohe Sonneneinstrahlung (3000–3250 Sonnenstunden)Quelle:vitis-vea.zadi.de liefern optimale Bedingungen zur Produktion von Spitzenweinen.
Moldau liegt unter dem Einfluss kontinentalen Klimas, das durch das naheliegende Schwarze Meer abgemildert wird. Es gibt in Meeresnähe relativ kurze, milde Winter, im Norden können jedoch Tiefsttemperaturen von unter −30 °C erreicht werden. Die Sommer sind lang, heiß und im Juni und Juli oft regenreich (vor allem durch Unwetter).Lokale Wetterunterschiede Wie auch in anderen Ländern Europas kommt es vor, dass in kalten Wintern ungeschützte Reben erfrieren. Die oft alten Rebkulturen haben in den besten Regionen beinahe ein Bilderbuchklima; feucht im Winter und trocken im Sommer. Die Durchschnittstemperatur im Juli beträgt 19,5 °C im Norden und 22 °C im Süden. Im Januar beträgt die Durchschnittstemperatur −5 °C im Norden und −3 °C im Süden. Der jährliche gemessene Niederschlag ist mäßig und liegt zwischen 550 mm im Norden und 405 mm im Südwesten.Klima in ChișinăuWetter und Klima in Moldau
Rebsorten Im Jahr 2007 waren 147.000 Hektar Rebfläche mit vielen verschiedenen Rebsorten bestockt. Seit 2004 hat sich die Gesamtrebfläche (mit Erzeugung von Tafeltrauben, Rosinen etc.) kaum verändert. Mit einer Exportmenge von 1,2 Millionen Hektoliter zählte das Land 2017 zu den wichtigsten Weinexportländern.Der Generaldirektor der OIV zu Besuch in Moldau auf der Webseite der Internationalen Organisation für Rebe und Wein Bericht der OIV vom 17. Februar 2017, abgerufen am 23. September 2018.
Neben vielen autochthonen Rebsorten wie beispielsweise Saperavi, Rkaziteli, Flori – Kagor, Kagor, Zamfira, Fetească Albă, Fetească Muskatnaia und Fetească Regală sind auch überregionale Rebsorten weit verbreitet, wie beispielsweise Aligoté, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Malbec, Merlot und Müller-Thurgau. Daneben gibt es auch noch einen nennenswerten Anteil an Direktträgersorten der Gattung Vitis labrusca, wie zum Beispiel Isabella, Concord oder Lydia.
70 % der Produktion entfällt auf die Herstellung von Weißwein, 24 % auf die Herstellung von Rotwein und 6 % für Verarbeitungswein. Der Anteil der Herkunft der Rebsorten liegt mittlerweile bei 70 % aus europäischen Rebsorten, 14 % regionale kaukasische und 16 % autochthonen Sorten.
Weinbauregionen mini|Die Weinbauregionen in Moldau Moldau kann in vier agrarkulturelle Zonen mit unterschiedlichem Klima unterteilt werden: Norden, Zentrale Region, Süden und Südosten. Alle diese Regionen verfügen über eigene industrielle Weinproduktionen aus der Sowjetzeit, mit Ausnahme des Nordens, wo sich die Weinherstellung auf privater Basis gehalten hat. Dort haben sich auch viele autochthone Rebsorten über Generationen erhalten. Die vier Weinbauregionen sind: Bălți im Norden Codru (zentrale Region) Nistreana im Südosten Cahul im Süden
Die Aufteilung Moldaus in diese Hauptregionen zur Traubenproduktion wurde 1954 nach komplexen Studien von Professor P.I.Ivanov vorgenommen. Diese Studien untersuchten die nördliche Zone (Bălți) – Sculeni-Bălți-Florești-Soroca umfassend, die zentrale Zone (Codru) – Leova-Cimișlia-Tighina umfassend, die südliche Zone (Cahul) die das ganze Territorium zwischen Pruth, Donau und Dnister einschließt und die südöstliche Zone (Nistreana) – Transnistrien, von Kamenka bis Slobozia.
Als Ergebnis dieser Studie wurde eine Einteilung in Unterregionen vorgenommen. Diesen Mikrozonen konnten dann die optimalen Rebsorten zur Erzeugung von Weiß- und Rotwein für Konsumqualität, sortenreinen Qualitätsweinen und Weinen mit Jahrgangsbezeichnung, fortifizierte (Likör-)Weine und zur Destillation geeigneter Weine zugeordnet werden, die das Potenzial zu charakteristischen Endprodukten aufwiesen. Diese Aufteilung ist im Weingesetz von Moldau über vermarktungsfähige Weine und Rohmaterialien zur Weinbereitung festgeschrieben, das am 2. Juli 1994 unter der Gesetzes-№ 132-XIII vom Parlament verabschiedet wurde. mini|Weinkeller der Mileștii Mici Die in diesen Regionen ansässigen Kellereien bestätigen durch ihre Qualitätsarbeit und das Potenzial ihrer Weine diese Einteilung. So z. B. Mîndrești und Inești im Rajon Telenești, Peresecina im Rajon Orhei, Manta im Rajon Cahul, Băcioi, Mileștii Mici und Durlești im Munizip Chișinău, Ciumai und Albota im Rajon Taraclia, Raskov und Camenca im Rajon Glodeni, Tigheci und Leova im Rajon Leova, Cărpineni und Minjir, Lăpușna sowie Stolniceni im Rajon Hîncești, Vărzărești, Jurceni, Nisporeni und Grozești im Rajon Nisporeni, Trifești und Cebalakcia im Rajon Rezina, Talmaza, Tudora und Carahasani im Rajon Ștefan Vodă, Sălcuța im Rajon Căușeni, Tighina in Transnistrien, Basarabeasca im Rajon Basarabeasca und Cimișlia im Rajon Cimișlia sowie viele andere.
Bălți Im Norden ist weniger die großagrarische Traubenproduktion als die handwerklich orientierte Weinbereitung verbreitet. Es gibt keine dominierenden Großbetriebe. Die Region produziert Trauben für die Weinbrandbereitung, für fortifizierte Weine und teilweise für Tafelweine bzw. für den Eigenverbrauch bestimmte Weine. Es werden überwiegend weiße Rebsorten kultiviert: Aligoté, Pinot blanc, Fetească Albă und Traminer.
Codru Codru ist von bewaldeten, schwer durchdringlichen Bergen umgeben. Durch diese Berge werden die Weinberge vor Winterfrösten und sommerlicher Austrocknung geschützt, welche für das kontinentale Klima Moldaus charakteristisch sind. Dies begünstigt die Kultivierung weißer Reben zur Vinifizierung von leichten, frischen Alltagsweinen. Neuerdings werden Cuvées bevorzugt, in denen Säure und Süße gut ausbalanciert sind, und deren Frucht hervorsticht.
Codru ist die technisch am weitesten entwickelte Weinbauregion Moldaus. 60 % der moldauischen Rebflächen sind hier angesiedelt, ebenso wie die Mehrheit der Weinkellereien und Abfüllbetriebe. Einige der bekanntesten Kellereien Moldaus sind hier beheimatet: Cricova, Mileștii Mici, Aroma und Branesti. Die Muschelkalkhöhlen, auf denen Chișinău erbaut ist, sind durch ihre gleichmäßige Feuchtigkeit von 80 % rel. Feuchte und eine kaum schwankende Jahresdurchschnittstemperatur von 12–14 °C in der Lage, bei idealen Verhältnissen Millionen von Flaschen zu lagern. Die umfangreichste Weinsammlung beherbergt die Kellerei Cricova, wo seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges unter anderem Teile von Hermann Görings Weinsammlung gelagert werden. Besonders stolz ist man auf das einzige noch erhaltene Exemplar von Mogit Davids Oster-Wein aus dem Jahr 1902.
Die Vielzahl der Mikroklimazonen dieser Region erlaubt die Produktion charakteristischer Weine mit der kontrollierten Ursprungsbezeichnung „Codru“. Hier liegt auch die Românești-Kellerei des früheren Romanow-Besitzes. In der Hîncești-Mikrozone werden bereits seit mehr als 100 Jahren Weine aus Cabernet Sauvignon und Merlot erzeugt. Die besten dieser Weine stehen angeblich Bordelaiser „Château“-Weinen nicht nach und haben bereits mehrfach Auszeichnungen auf internationalen Wettbewerben erhalten.
Nistreana oder Purkari-Region Die südöstlich gelegene Region Purcari (Purkari) erstreckt sich entlang des westlichen Dnister-Ufers. Dort liegt auch die purkarische Hauptkellerei. Diese ist bekannt für ihre Rotweine Roșu de Purcari und Negru de Purcari. Das Klima begünstigt die Kultivierung roter Rebsorten: Merlot, Cabernet Sauvignon und Rara neagră, die zu Weinen mit Lagerungs- bzw. Alterungspotenzial ausgebaut werden (Bordelaiser Stil). Sie zeichnen sich durch ihre Aromen von schwarzen Johannisbeeren und Veilchen mit Anklängen an Leder aus und werden in kleinen Fässern aus alter moldauischer Eiche (Barrique) abgerundet. Seit dem 18. Jahrhundert wurden diese purkarischen Weine, die heute als beste Moldaus gelten, exportiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie auch an den englischen Königshof geliefert.Rudolf Hermann: Wein als Nationalstolz der Republik Moldau, in: NZZ, 30. Dezember 2010.
Cahul Die südliche Weinbauregion Moldaus schließt das Territorium des Budschak (Bugeac) ein. „Budschak“ bedeutet Winkel und steht für die dreieckige Form des Landstücks zwischen Pruth, Dnister und Schwarzem Meer. Moldaus Süden und der Budschak unterscheiden sich aber bezüglich Boden und Klima. Das Terroir der südlichen Region ist ideal zur Herstellung von Rotweinen und Süßweinen. Die renommiertesten Kellereien sind Comrat, Taraclia, Ciumai und Trifești.
Geschichte Siehe hierzu auch den Artikel Geschichte der Republik Moldau.
Von den Anfängen bis zur Osmanenherrschaft Die Traubenproduktion hat in Moldau eine sehr lange Geschichte. Der Weinbau in der Region zwischen Dnister und Pruth begann vor etwa 5000 Jahren. Abdrücke von Rebenblättern (Vitis teutonica) wurden in der Nähe des Dorfes Naslavica im Norden Moldaus gefunden. Hieraus konnte geschlossen werden, dass Reben in dieser Region schon vor 6 bis 25 Millionen Jahren unkultiviert vorkamen. In der Nähe des Dorfes Varvarovca wurden Traubenkerne gefunden, die in die Zeit um 2800 v. Chr. zu datieren sind. Ihre Größe lässt darauf schließen, dass Reben bereits zu dieser Zeit kultiviert wurden.
Am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. machten die Griechen die lokale Bevölkerung mit der Weinherstellung aus Trauben bekannt. Die Verarbeitung von Weintrauben war damals eine „Kernkompetenz“ der Griechen, die auch weitere Veredelungsprodukte einführten. Durch Kulturaustausch mit den Römern im benachbarten Dakien erhielt der Weinanbau in Moldau um die Zeitenwende wiederum neue Impulse. Man machte große Fortschritte in Rebenanbau und Önologie. Mit der Invasion der Hunnen 376 n. Chr. wurden jedoch weite Gebiete der Agrikultur in dieser Region zerstört.
Durch die Fürsten von Moldau und die Bojaren wurde im Mittelalter ein eigener Weinkult begründet. Größere Gebiete wurden dem Weinbau gewidmet, und Anbau wie auch Kellertechnik wurden verbessert. Das Herrscherhaus setzte besondere Aufseher ein, die über die Weine und die Weinwirtschaft wachten. Ab dem 14. Jahrhundert wurde Wein nach Polen und Moskau exportiert.