mini|Lastenfahrrad von Nihola mit Einzel­radlenkung, Verdeck und vorderem Sichtfenster für den Kindertransport mini|Dänisches Lastenrad Long John mini|Kindertransport mit Longtail mini|Lastenradnutzung für Arbeitseinsätze Als Lastenfahrrad, Lastenrad, Transportrad, Cargobike oder Bakfiets (selten: Frachtrad), in der Schweiz auch Cargovelo, wird ein Fahrrad oder einem Fahrrad gleichgestelltes Fahrzeug bezeichnet, das dem Transport von Gütern oder Personen dient. Je nach Aufgabe und Einsatzgebiet ist es mit verschiedenen An- und Aufbauten ausgerüstet. Ein Lastenrad mit elektrischer Tretunterstützung wird als Elektro-Lastenfahrrad bezeichnet.

Bauformen Lastenräder haben zwei, drei oder seltener vier Laufräder, mindestens eines davon wird per Muskelkraft angetrieben.

Verbreitete Transport-Zweiräder wie das Bäckerrad, das Postfahrrad und der Vorderlader (auch als Long John bezeichnet) haben meist eine größere Ladefläche vor dem Lenker. Die Ladung ist dabei im Blick des Fahrers und das Fahrrad bleibt wendig und gut manövrierbar. Bäckerrad ist die landläufige Bezeichnung für ein Fahrrad mit großem stabilen Gepäckträger vor dem Lenker, der am Hauptrahmen befestigt ist. Das Vorderrad ist in der Regel kleiner als das Hinterrad, um den Schwerpunkt niedrig zu halten. Diese robusten Räder wurden in größerer Zahl produziert und waren vielfach auch als Werksfahrräder im Einsatz. Postfahrräder für Briefträger haben oft den gleichen Aufbau wie das Bäckerrad, üblicherweise mit tiefem Einstieg, um das Ab- und Aufsteigen zu erleichtern. Kisten und Taschen für Briefe und Päckchen sind oft auch hinten befestigt. Der breite vorklappbare Ständer unter der Ladefläche hat oft Rollen, die das Aufständern erleichtern. Beim Frontlader sind Steuerrohr und das kleinere Vorderrad nach vorne versetzt, so dass sie vollständig unter der Ladefläche liegen, und vom Lenker über Gestänge oder Seilzug angesteuert werden. Solche Lastenräder sind leicht und wendig und u. a. als messenger cargo bike bei Fahrradkurieren im Einsatz. Eine Variante mit vorderem Sitzplatz ist das Stufentandem. mini|Long John mit Regenverdeck und Elektromotor (Urban Arrow, späte 2010er-Jahre) mini|Älteres Lastendreirad mit Rex-Hilfsmotor „Vorderlader“ oder „Long John“-Lastenräder haben eine tief gelegene Ladefläche zwischen Lenker und dem noch weiter vorne stehenden Vorderrad. Die Lenkbewegung wird ebenfalls über Gestänge oder Seilzug übertragen. Sie verbreiteten sich ab 1920 zunächst in Dänemark und wurden in traditioneller Form von verschiedenen Manufakturen hergestellt. Der tiefe Schwerpunkt erleichtert den Transport auch großer und schwerer Lasten. Durch den längeren Rahmen haben sie ein etwas höheres Eigengewicht als Bäckerräder oder Vorderlader. Seit einigen Jahren bieten nordeuropäische Hersteller moderne Long-John-Lastenräder mit Aluminiumrahmen an. Longtails haben einen deutlich verlängerten Radstand hinter dem Sitz, um über und seitlich des Hinterrads Ladeflächen vorzusehen, die häufig auch zum Transport von einem oder mehreren Beifahrern genutzt werden (die rittlings hinter dem Fahrer sitzen). Der Hinterlader ist eine seltenere Bauart mit tiefer gelegener Ladefläche hinter dem Fahrer.

Die Ladefläche von Lasten-Dreirädern liegt zwischen zwei Laufrädern und befindet sich entweder vor oder hinter dem Fahrer. Dreirädrige Lastenräder erlauben größere Aufbauten, sind jedoch bei Kurvenfahrten schwerfälliger. Bei der klassischen Bauform von Rikschas und Fahrradtaxis liegt die Ladefläche zwischen den beiden Hinterrädern, von denen in der Regel nur eines angetrieben wird (zum Antrieb beider Hinterräder würde anderenfalls ein Differentialgetriebe benötigt). Dreiräder mit Ladefläche zwischen den Vorderrädern haben zwei gelenkte Vorderräder. Besonders Dreiräder mit einem Kasten zum Transport von Einkäufen und Kindern verbreiten sich nach Anfängen in Amsterdam und Kopenhagen in vielen nordeuropäischen Städten. Es gibt im Wesentlichen drei Konstruktionsweisen der Lenkung: Traditionell sind die Vorderräder starr mit der Ladefläche verbunden. Das Fahrrad wird per Drehschemel unter oder Knicklenkung hinter der Ladefläche gesteuert, so dass die Last beim Lenken mitschwenkt. Diese Räder neigen oft zum Kippen bei schnellerer Kurvenfahrt. Die Lenkung hat teilweise eine selbstverstärkende Wirkung, die durch einen Lenkungsdämpfer abgeschwächt werden kann.https://www.cargobike.se/produkt/cargobike-classic-electric-hydraulic/ Mitteilung der schwedischen Firma Cargobike of Sweden AB zu einem Rad mit Drehschemellenkung, abgerufen am 6. März 2023 Bei neueren Dreirädern mit Achsschenkellenkung werden die Vorderräder einzeln angelenkt, und die Ladefläche ist fest mit dem Rahmen verbunden (Firmen Chike und Nihola). Dies erleichtert die Lenkung des Rades. Die nutzbare Ladefläche reduziert sich durch die einschwenkenden Vorderräder. In jüngster Zeit werden auch Dreiräder mit Einzelradlenkung angeboten, die sich wie Zweiräder beim Lenken in die Kurve legen und so insbesondere in der Stadt wendiger und einfacher zu fahren sind.

+Übersicht über die Grunddaten einiger für die jeweilige Bauform repräsentativer ModelleMarke (Land) Modell zirka-Preis (2024,Grundausstattung) Antrieb Plattform-AbmessungL × B in cm Leergewichtin kg zul. Gesamtgewichtin kg (inkl. Fahrer) Bauform/TypOmnium (DK)Cargo V3Cargo V3 abgerufen am 30. März 20243.000 €konv.83 × 5018175FrontladerLarry vs Harry (DK)Bullitt3.600 €konv.70 × 4623180VorderladerRiese & Müller (D)Load 60Load 60 abgerufen am 30. März 20245.700 €elektr.80 × 6736200VorderladerMaderna (A)MCS TruckMCS Truck abgerufen am 30. März 20242.700 €konv.80 × 6028200Hinterlader (Zweirad)Radkutsche (D)MusketierMusketier Classic auf radkutsche.de abgerufen am 30. März 20244.700 €konv.120 × 9068300Hinterlader (Dreirad)BTWINCargobike R500E Longtail3.000 €elektr.individuell durch An-bauteile konfigurierbar38208LongtailTern (TWN)GSD auf ternbicycles.com abgerufen am 27. Oktober 20244.100 €elektr.individuell durch An-bauteile konfigurierbar34200Longtail

mini|Coffee-Bike, Internationale Tourismus-Börse Berlin (2016)

Einsatzgebiete

Alltagsmobilität wie z. B. Kindertransport, Haustiertransport, Einkäufe etc. Leihfahrrad z. B. in Verleihsystemen oder auch bei Baumärkten und Möbelhäusern. Kindertransporter: Ausflüge mit Kleingruppen in der Kindertagesbetreuung Radlogistik: Lieferfahrrad, Kurier-, Express-, Paket-, Postdienste, Werksfahrrad Verkaufsfahrrad, Gastronomie, drei- oder vierrädrig und oft mit Verdeck als Regen- und Sonnenschutz, etwa als rollende Kaffeebar mit Kaffeemaschine Eisfahrrad zum Verkauf von Speiseeis Handwerker- und Werkstattfahrzeug: Straßen- und Fensterreinigung, Bikekitchen (bei Critical-Mass-Veranstaltungen), Schornsteinfeger, Bestattungsfahrrad,Sonderanfertigung Bestattungsfahrrad, Velofracht GmbH, Berlin, abgerufen am 5. April 2026 Messer- und Scherenschleifer usw. Werbe-, Info- und Aktionsfahrzeug (z. B. als Übertragungswagen für Liveübertragungen)

Geschichte mini|Nachbau der Laufmaschine von Karl Drais im Musée du Septennat. Hinter dem Fahrersitz befinden sich Vorrichtungen zur Gepäckbefestigung.

Die Geschichte des Fahrrads erfährt erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts vermehrte Aufmerksamkeit. Da Lastenräder häufig von kleinen, örtlichen Herstellern gefertigt wurden und sie vor allem im Alltag zum Einsatz kamen, gibt es – insbesondere im Vergleich zu Rennfahrrädern – kaum Unterlagen über sie. Auch der organisierte Einsatz von Arbeitsradflotten, zum Beispiel bei Postunternehmen, ist kaum dokumentiert. Die Geschichte des Lastenrads und seiner Verwendung ist entsprechend mit Unsicherheiten behaftet.

Vorläufer Bereits für die 1817 von Karl von Drais erfundene Laufmaschine, dem Vorläufer des Fahrrads, wurde eine Verwendung für den Lasten- und Personentransport vorgeschlagen. Spätere Draisinen hatten einen Holm hinter dem Fahrersitz, auf dem Gepäck verzurrt werden konnte, alternativ konnte auch eine Holzplattform als Gepäckträger montiert werden.

Gewerbliche Nutzung

Anfänge Von James Starley 1877 entworfene Dreiräder lösten einen fast zehn Jahre währenden Dreiradboom aus. Viele dieser Räder wurden rasch für den Fracht- und Personentransport umgebaut. Im Gegensatz zu etablierten Pferdefuhrwerken konnten diese zwar weniger Gewicht transportieren, verdreckten aber die Straßen nicht und verursachten weniger Arbeit und laufende Kosten als Pferde. Gleichzeitig waren Fahrräder zu dieser Zeit teure Statussymbole der Oberschicht, sodass auch gewerbliche Lastenräder als modern und zukunftsweisend galten. Mit der industriellen Produktion und damit steigenden Verfügbarkeit von Fahrrädern sowie der beginnenden Motorisierung begann das Interesse an Lastenrädern und deren sozialer Status jedoch bereits ab der Jahrhundertwende zu sinken.

Ab der Jahrhundertwende Vor der Einführung des Selbstbedienungskonzepts oblag es üblicherweise dem Händler, verkaufte Waren auch zuzustellen. In Kombination mit einer aufstrebenden Mittelschicht, wachsendem Konsum, der Verstädterung und niedrigen Lohnkosten führte dies um die Jahrhundertwende zu einem hohen Bedarf an innerstädtischer Transportkapazität. So wurden Fahrräder für die Auslieferung von Backwaren (Bäckerfahrrad), Fleischwaren (), Post (Postfahrrad) und weiterer Waren genutzt, ebenso dienten sie als mobile Werkstätten, um Ausrüstung zu Arbeitsstellen zu transportieren und als mobile Verkaufsstände. Dabei hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch keine komplexe Logistik herausgebildet, die Fahrer waren meist direkt bei dem jeweiligen Betrieb angestellt, dessen Waren sie transportierten, häufig handelte es sich auch um Nebentätigkeiten von Gesellen oder Hilfsarbeitern.

Bei den im Stadtbild weit verbreiteten Lastenrädern handelte es sich entweder um handelsübliche Fahrräder mit entsprechenden Anbauten, Bäckerräder oder Drei- oder Vierräder; Long Johns kamen erst später auf. Statt anfälligen Luftreifen wurden häufig schlechter rollende Vollgummireifen verwendet. Wie fast alle damaligen Fahrräder waren sie schwer und hatten keine Gangschaltung, was ihre Verwendung auf Gebiete mit flacherer Topographie beschränkte. Tagsüber dienten sie zudem als Werbeträger, nachts wurden sie in den Hinterhöfen und Schuppen der Stadt abgestellt.

Bewegt wurden mehrspurige Lastenräder fast ausschließlich von männlichen und häufig jugendlichen Fahrern. Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung waren häufig schlecht und die Arbeit stigmatisiert. Bereits ab 1910 bildeten sich Formen der gewerkschaftlichen Organisation. Wenn Frauen damals Radtransporte erledigten, dann meist mit vergleichsweise leichter Ladung wie Briefen auf handelsüblichen Fahrrädern.

Die Verwendung von Lastenrädern in Europa und den USA erlebte in den 1930er-Jahren ihren Höhepunkt, zu diesem Zeitpunkt finden auch Anhänger erstmals Verbreitung. Auch während und nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es aufgrund von Material- und Treibstoffmangel wieder zu einem vermehrten Einsatz.

Einfluss der Massenmotorisierung mini|Bäckerrad (1955), das in sehr ähn­licher Form von diversen Herstellern produziert wurde, 100 kg Zuladung Der zunehmende Motorisierungsgrad führte zuerst in den USA und nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Europa zu einer Verdrängung von Lastenrädern. Ein Auto stand für Wohlstand, während Lastenräder mit körperlicher Arbeit und niedrigen sozialem Status assoziiert wurden. In der autogerechten Stadt wurden Lastenräder als Verkehrshindernis wahrgenommen.