mini|JG Thirlwell (2016) James George „JG“ Thirlwell (* 29. Januar 1960 in Melbourne, Australien), auch bekannt unter den Namen Foetus (und weiteren Variationen dieses Namens), Steroid Maximus, Clint Ruin, Wiseblood und Manorexia u. a., ist ein australischer Sänger, Komponist und Produzent aus dem No-Wave- und Post-Industrial-Umfeld. Er wird von vielen Künstlern als Vorbild genannt, darunter Alexander Kaschte, Marilyn Manson oder Trent Reznor. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine zahlreichen Zusammenarbeiten mit anderen Musikern.

Jugend und Ausbildung

Über Thirlwells Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Er ist im Umkreis der Stadt Melbourne in Australien aufgewachsen und studierte dort kurzzeitig Kunst. Ende der 1970er Jahre siedelte er nach London um, um Künstler zu werden. Dort fing er an als Grafiker zu arbeiten.Nihilismus im Bigband-Gewand. In: Berliner Zeitung, 5. Oktober 2001.

Musikalische Karriere

Die frühen Jahre (1979–1982) Ende der 1970er und Anfang der 1980er spielte er in einigen Londoner Bands, darunter die Post-Punk-Band PragVEC. Durch das Bandkonzept sah er sich bald in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt und verließ die Gruppe wieder, um seine eigene musikalische Vision zu verfolgen. In seinen Worten:

1981 gründete Thirlwell sein eigenes Label Self Immolation, dessen erste Veröffentlichungen in Frankreich gepresst wurden. Aus Ersparnisgründen produzierte er seine Stücke völlig alleine. Im Januar 1981 erschien die Debütsingle OKFM/Spite Your Face und ein paar Monate später die 45er Wash It All Off. Beide waren auf 1000 Stück limitiert und nach einigen Wochen bereits vergriffen. Die ebenfalls limitierte Auflage des Debütalbums Deaf betrug 1500.

Bei seinen ersten Auftritten in New York hob sich Thirlwell deutlich von der lokalen No-Wave-Szene ab. Trashige Soundelemente mit verstörenden Texten brachten ihm den Ruf eines „perversen Psychopathen“ ein. Daraufhin lockte die Neugier viele Besucher in seine Gigs. Schon zu der Zeit verwendete er für seine Tonträger verschiedene Pseudonyme, die stets um den Begriff Foetus kreisten. Um nicht von der Musik abzulenken, vermied er es, sein Gesicht auf den Covers abzudrucken. Das Coverartwork übernahm der gelernte Grafiker seit den 1980er Jahren selbst.

Mit einer Single und dem zweiten Album Ache perfektionierte er 1982 einen düsteren Discosound. Die streng limitierte LP war bereits nach Tagen ausverkauft.micksinclair.com abgerufen am 7. Dezember 2009. Zu der Zeit wurde Foetus zum ersten Mal von John Peel im britischen Radio gespielt und der Name erlangte auch außerhalb der Undergroundszene Bekanntheit. Thirlwell plante eine Dreifach-LP namens Foetus on the Beach, welche allerdings nie veröffentlicht wurde. Teile davon kamen später auf das Album Sink. Auch war sein Projekt 1982 erstmals auf Compilations vertreten. Die letzte Veröffentlichung im Alleingang war die – wie üblich limitierte – EP Custom Built for Capitalism.

Noch gegen Ende desselben Jahres lernte Thirlwell Musiker der Londoner Clubszene kennen, darunter Marc Almond. Im nächsten Jahr tourte er als Vorgruppe mit dessen Band Soft Cell durch England und die USA. Mit Almond, Lydia Lunch und Nick Cave gründete er die Immaculate Consumptives und tourte mit ihnen und anderen Künstlern durch England. Auch fanden in diesem Jahr die ersten Fernsehinterviews statt. Später startete er mit Roli Mosimann das Nebenprojekt Foetus Flesh, welches später in Wiseblood umbenannt wurde. Kurz vor Ende des Jahres produzierte er noch das Album Kickabye von Anni Hogan, worauf u. a. Marc Almond und Nick Cave zu hören sind.

Aufstieg im Underground (1984) 1984 unterschrieb Thirlwell einen Plattenvertrag mit dem Label Some Bizarre, bei dem auch Bands wie Soft Cell unter Vertrag standen. Somit konnte er seine Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Sein drittes Album Hole fand großen Zuspruch bei verschiedenen Musikmagazinen und wurde häufig in diversen Radiostationen gespielt. Hier fanden sich bereits die Töne, mit denen spätere Bands wie Nine Inch Nails Weltruhm ernten würden. Es folgte die erste umfangreiche Tour durch die USA, England und Teile Europas. Später wurde das Album weltweit veröffentlicht.

Mit Roli Mosimann verschlug es ihn in die Niederlande und nach Norwegen, wo die beiden die ersten Tracks für ihr Projekt Wiseblood im Studio einspielten.derstandard.at abgerufen am 7. Dezember 2009.

1984 erschienen weitere drei EPs herausgebracht, von denen es eine (Wash/Slog) in den britischen Indie-Jahrescharts auf Platz 5 schaffte. Zudem wurde noch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Lydia Lunch verstärkt. Auch auf diversen Samplern ist Thirlwell vertreten. Auch wirkte er wieder bei Projekten von Marc Almond mit.

Anfang 1985 kam der erste Tonträger von Wiseblood in Form einer EP (Motorslug) heraus, welche in der Londoner Newwaveszene zum Clubhit wurde. Etwas später wurde die Box The Foetus Of Excellence veröffentlicht. Sie war auf 836 Stück limitiert, genau die Anzahl, die vonnöten war, um den Break Even Punkt zu erreichen. Die Box war nach wenigen Tagen ausverkauft und ist noch heute ein viel gesuchtes Sammelstück. Die Box enthielt keine Tonträger, dafür aber ein T-Shirt und erreichte die britischen Pop-Charts, ohne dabei Musik zu beinhalten, dies gelang bis heute keinem Künstler mehr.Diskografie auf foetus.org unter „more informations“; abgerufen am 7. Dezember 2009.

Höhepunkt und die Zeit danach (1985–1990) mini|links|hochkant=1.2|JG Thirlwell (1985) Noch im selben Jahr wurde das vierte Album Nail veröffentlicht, das in Journalisten- und Fankreisen als die beste Veröffentlichung von Foetus gilt. Es erreichte Spitzenpositionen in diversen Votingcharts und war in vielen Musikmagazinen vertreten, in einigen Ländern gelang ihm damit sogar der Einstieg in offizielle Verkaufscharts. Durch den Erfolg dieses Albums wurden zudem noch die ersten beiden Alben auf CD neu veröffentlicht. Kurz danach führte eine erste große Welttournee Thirlwell von England über die USA bis nach Japan. Bei dieser Tour gab es auch die erste große Kontroverse, als er auf der Bühne pro Konzert 5–10 Schweineköpfe aufspießte, oder sich eine AK-47 um den Bauch schnallte. In New York ließ er sich vor seinem Publikum kreuzigen. abgerufen am 12. Dezember 2009.

Die belgische Band Front 242 zeigte sich begeistert von diesem Album, worauf Thirlwell in deren Vorprogramm durch Europa tourte.foetus.org abgerufen am 12. Dezember 2009.

Im Jahr 1985 spielte er in zwei Kurzfilmen von Richard Kern namens Submit to Me Now und The Right Side of My Brain mit. abgerufen am 12. Dezember 2009.

Kurze Zeit später erschien das Wiseblood-Album Dirtdish. Für die nächsten anderthalb Jahre stand dieses Projekt für Thirlwell im Vordergrund. Um nicht in der Versenkung zu verschwinden, veröffentlichte er im Jahr 1987 zwei EPs der Foetus-Serie.

In der Zeit arbeitete er wieder vermehrt mit anderen Künstlern zusammen und veröffentlichte mit Marc Almond unter dem Namen The Flesh Volcano die EP Slut und mit Lydia Lunch die EP Stinkfist. Nach einigen Konzerten widmete er sich wieder einem neuen Foetus-Album.

Thaw wurde im Frühjahr 1988 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zwar lagen die Verkaufszahlen etwas hinter denen der beiden Vorgängeralben, aber das Publikum und die Magazine lobten die stilistische Entwicklung. Es folgte eine Tour durch Europa, bei der Foetus auch das erste Mal in Österreich auftrat.

Von der Tour wurde das auf insgesamt 6000 Stück limitierte live Album Rife veröffentlicht. Ende 1988 wurde die erste Compilation unter dem Namen Sink gepresst, welche bis dato unveröffentlichte Stücke enthielt.

1990 wurden einige Nebenprojekte ins Leben gerufen, zum Beispiel veröffentlichte er die Single Powerhouse unter dem Namen Garage Monsters und startete das Instrumentalprojekt Steroid Maximus. Unter dem Namen Foetus Inc. wurde die Single Butterfly Potion herausgebracht, es war das letzte Mal, dass Thirlwell sein Pseudonym änderte. Später ging er mit den Einstürzenden Neubauten auf Tour.

Rückschläge (1991–1994) Zu Beginn des Jahres 1991 wurden eine EP mit Lydia Lunch und eine weitere von Wiseblood veröffentlicht. Eine geplante Tour kam nicht zustande, denn im selben Jahr wurde Wiseblood aufgelöst. Zur gleichen Zeit etwa erschien das erste Album von Steroid Maximus, einem Instrumental-Projekt. Die Tonträger verkauften sich allerdings schleppend und die nachfolgende Tour erwies sich als nicht sehr erfolgreich. Später kündigte Thirlwell seinen Plattenvertrag mit Some Bizarre und zog von London nach New York, wo 1992 ein zweites Album von Steroid Maximus erschien.

Eine Tour konnte er aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht durchführen, er fiel in ein künstlerisches Tief und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Er hatte mit schweren Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen und sein ungesunder Lebensstil raubte ihm zusätzlich die Kraft. Spätere Veröffentlichungen wurden von seinen Fans nicht goutiert.

Anfang 1993 wurde sein zweites Live-Album und eine Live-VHS veröffentlicht, die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1990–1991.

1994 blieb es ruhig um ihn.

Stilwechsel und Welttournee (1995–1997) 1995 unterschrieb Thirlwell einen Vertrag beim Majorlabel Sony BMG für sein nächstes Album. Zunächst wurde die EP Null veröffentlicht, welche noch Remixe aus früheren Zeiten beinhaltete. Sein Album Gash wurde mittels größerer Promotion weltweit veröffentlicht, allerdings blieben die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen des Labels zurück, obwohl ein Video zu Verklemmt gedreht und auf MTV gespielt wurde. Allerdings war die nachstehende USA-Tour ziemlich erfolgreich und der Vertrag wurde verlängert. Der Big Band Sound hob sich deutlich von seinem früheren Stil ab und brachte ihm Kritik seiner Fans ein, die darin Mainstream-Gebaren witterten.

Zu Beginn 1996 brach Foetus mit voller Live-Bandbesetzung zu einer großen Welttournee mit insgesamt 89 Konzerten in allen Teilen der Welt auf. Einige Mitschnitte der Tour sind auf der Live-Compilation Boil zu hören. Da die Aufnahmen allerdings klangtechnisch schlecht waren, wurde das Album ein Flop. Kurz danach verlor er den Plattenvertrag und unterzeichnete im selben Jahr noch bei Thirsty Ear. Thirlwell nutzte dieses Label vor allem, um seine alten Alben wieder zu veröffentlichen, dadurch waren nun Tonträger wie Slut, Dirtdish und Sink auch als CD erhältlich.

Ende 1997 brachte er zusammen mit Lydia Lunch die EP York heraus, danach zog er sich für die nächsten drei Jahre zurück.

Aktuell (2001 bis Heute) 2001 erschien mit Flow sein letztes Album auf Thirsty Ear, bevor er zum Indielabel EctopicEnds wechselte. Flow war sowohl qualitativ als auch textlich wieder auf einem höheren Niveau als seine 1990er Jahre Produktionen. abgerufen am 12. Dezember 2009

Auch seine Nebenprojekte fanden Zeit, um wieder beachtet zu werden, so wurde von Steroid Maximus ein neues Album veröffentlicht und das Orchester Manorexia ins Leben gerufen. 2003 war er unter dem Namen Baby Zizanie in Italien auf Tour.

2004 wurde (not adam) die Vorabsingle zu seinem Album Love veröffentlicht, ein Jahr später folgte dann der Longplayer. 2005 spielte Thirlwell mit insgesamt 18 Musikern mit Steroid Maximus beim Donaufestival in Krems und erfüllte sich damit einen Lebenstraum.bericht des 2005er kremser donaufestival. skug.at; abgerufen am 16. September 2009.

Im Jahr 2006 wurde Thirlwell damit beauftragt, für die Serie Venture Brothers den Soundtrack zu komponieren. Seither veröffentlichte er unter seinem Namen nur noch kleinere Produktionen, wie Damp, eine Compilation, welche man nur auf der offiziellen Seite kaufen konnte. 2007 wurde ein Remixalbum zu Love veröffentlicht.