mini|Paul Sudeck, um 1920 Paul Hermann Martin Sudeck (* 28. Dezember 1866 in Pinneberg; † 28. September 1945 in Saalfeld/Saale) war ein deutscher Chirurg.
Leben mini|Grabplatte für Paul Sudeck auf dem Familiengrab auf dem Friedhof Ohlsdorf Paul Sudeck studierte Humanmedizin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 1885 wurde er Mitglied der schwarzen Verbindung Derendingia (seit 1897 Tübinger Burschenschaft Derendingia).Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 493. 1890 promovierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zum Dr. med. Seine Ausbildung begann er bei Eduard von Rindfleisch. Danach arbeitete er als Assistenzarzt am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg-Eppendorf, wo er sich habilitieren konnte. 1919 folgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor. 1923 wurde er als Nachfolger von Hermann Kümmell Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Eppendorf. 1935 wurde er emeritiert.Hans Killian: Meister der Chirurgie. Thieme, Stuttgart 1980, S. 415 Nach dem Wahlsieg und der Machtergreifung der Nationalsozialisten unterzeichnete Sudeck am 11. November 1933 das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main 2005, S. 615. Die in der Nähe des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf gelegene Sudeckstraße ist nach ihm benannt.
Er ist der Schwiegervater des Chirurgen Helmut Remé (1909–1980), Professor für Chirurgie in Lübeck.
Paul Sudeck wurde auf der Familiengrabstätte Sudeck/Vogler, Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, Planquadrat M 24 (etwa gegenüber Wasserturm/Cordesallee), spiegelbildlich dem Familiengrab Vogler, beigesetzt.Prominenten-Gräber
Leistungen Paul Sudeck wendete 1901 den sogenannten ÄtherrauschPaul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 57. mit Äther als kurzwirkendem Narkotikum bzw. AnästhetikumAlbert Faulconer, Thomas Edward Keys: Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 2, S. 979, Fußnote. an und führte die Narkose mit Lachgas in Deutschland wieder in die Chirurgie ein. Seine Hauptleistungen bestanden auf dem Gebiet der Knochenchirurgie: Er befasste sich mit den Veränderungen der Knochenstruktur, der Kallusbildung bei Knochenbrüchen und Pseudoarthrosen. Die von ihm im Jahre 1900 beschriebene Reflex- oder Algodystrophie trägt als Morbus Sudeck seinen Namen. Heute wird für das Krankheitsbild der Begriff Komplexes regionales Schmerzsyndrom verwendet.
Ehrungen Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft (1941) Ehrenmitglied der Vereinigung Nordwestdeutscher ChirurgenZur Geschichte der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen, 125. Tagung, 12.–14. Juni 1980, S. 24. Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (1943) Ein Studentenwohnheim in Hamburg war bis 2016 nach Paul Sudeck benannt.
Literatur
Der Arzt als Begutachter auf dem Gebiete der Unfall- und Invalidenversicherung, in: Handbuch der Sozialen Medizin. Bd. 8, Fischer, Jena 1906.
Weblinks Online-Recherche – Staatsarchiv Hamburg: 622-2/64 Paul Sudeck, 1867-2005 (Bestand) David Tamplin: Wissenschaftliches Gutachten zur NS-Belastung Hamburger Straßennamen, erstellt im Auftrag des Staatsarchivs Hamburg, November 2017, veröffentlicht von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg im Januar 2020 (online). Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene
Einzelnachweise
Kategorie:Chirurg Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Hamburg) Kategorie:Burschenschafter (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1866 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann Kategorie:Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie