mini|Paul Maar auf der Frankfurter Buchmesse 2025 Paul Maar (* 13. Dezember 1937 in Schweinfurt) ist ein deutscher Kinderbuchautor, der vor allem durch sein Buch Eine Woche voller Samstage von 1973 bekannt wurde. Er arbeitet auch als Illustrator, Übersetzer, Drehbuch- und Theaterautor.

Leben mini|Paul Maar bei einer Lesung (2007)

Kindheit und Jugend

Paul Maar wurde nach dem frühen Tod seiner Mutter bis zur erneuten Heirat seines Vaters von Hausmädchen betreut. Während der langjährigen Kriegsgefangenschaft seines Vaters (USA, Großbritannien und Frankreich) zog Paul Maar mit seiner Stiefmutter zum Stiefgroßvater ins ländliche Obertheres, wo dieser in seiner Gastwirtschaft den Gästen oft Geschichten erzählte, die er über Wochen immer weiter ausdehnte. Dadurch erhielt Paul Maar ein Gefühl dafür, wie man aus einem Vorgang eine Erzählung macht. Der Großvater ermunterte ihn auch, seine selbsterfundenen Geschichten in einem Heft aufzuschreiben.

Als Maars Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, zog die Familie zurück an den alten Wohnort. Nun lebte er in einer lesefeindlichen Umgebung. Er sei von seinem Vater eher am Lesen gehindert als dazu ermuntert worden. Darüber hinaus waren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Kinderbücher verfügbar. Die einzigen Kinderbücher im Haus seien eine Ausgabe von Grimms Märchen, Robinson Crusoe, Die Indianergeschichten von Drabben und Die Geschichte vom hölzernen Bengele (Pinocchio) gewesen. Mangels einer öffentlichen Bibliothek, und weil die privaten Leihbüchereien hohe Gebühren verlangten, lieh sich Paul Maar kostenlos Erwachsenenbücher in der Bibliothek des Amerika-Hauses Schweinfurt aus, auch wenn er sie nicht immer verstand. Weil er daheim nicht lesen durfte, deponierte er die Bücher bei einem Freund, den er unter dem Vorwand besuchte, dort Hausaufgaben zu machen. Er las dann in dessen Zimmer, während der Freund mit seinem Bruder draußen Fußball spielte.

Maars Vater, ein Handwerksmeister, war sowohl über den „missratenen Sohn“ als auch über die verlorenen Jahre seiner Kriegsgefangenschaft frustriert. Später sagte Maar, er habe in dieser Zeit keine Bücher über Kinder in einer ähnlichen familiären Situation lesen wollen. Als Kind sei er oft von stärkeren Jungen drangsaliert worden. Diese Erfahrung kehrt auch häufig in seinen Büchern wieder: So wird Martin Taschenbier von Klassenkameraden gehänselt, seiner Buchfigur Lippel geht es nicht anders.

In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt vertrat Paul Maar die Theorie, dass Kinderbuchautoren eine extreme Kindheit hatten:

Ausbildung und erster Beruf Paul Maar besuchte das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Schweinfurt und machte sich bereits dort mit seiner künstlerischen Begabung und als Autor für die Schülerzeitung einen Namen. In der Abiturklasse lernte er seine spätere Frau Nele Ballhaus kennen, die von einer Mädchenschule kam, um ihr Abitur an einer staatlichen Schule abzulegen.

Nach der Reifeprüfung studierte Maar an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. In den Semesterferien arbeitete er als Bühnenbildner und Theaterfotograf am Fränkischen Theater Schloss Maßbach. Nach Abschluss seines Studiums wurde er Referendar in Stuttgart-Feuerbach. Sechs Jahre arbeitete er als Kunsterzieher am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim und am Eduard-Spranger-Gymnasium in Filderstadt.

In der Büchersendung Lesenswert im SWR Fernsehen am 19. November 2020 nannte und erläuterte Paul Maar drei Bücher, die sein Leben und Schreiben nachhaltig prägten, nämlich Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne, Die Abenteuer des Tom Sawyer von Mark Twain und Seelandschaft mit Pocahontas von Arno Schmidt.Lesenswert. TV-Literatursendung, 19. November 2020, 30 Min. Moderation: Denis Scheck. Regie: Norik Stepanjan. Redaktionsleitung: Frank Hertweck. Eine Produktion des SWR Fernsehen

Schriftsteller mini|Paul Maar (2021) Kinderbücher schrieb Maar erst, als er selbst Kinder hatte. In einem Interview sagte er: Enttäuscht über die mangelnde Qualität damaliger Kinderbücher schrieb Maar 1967 die Geschichten über einen tätowierten Hund. Er zeigte das fertige Manuskript einer Buchhändlerin der Stuttgarter Buchhandlung Wendelin Niedlich, die es kurz darauf an einen Verlagsvertreter weitergab, der ihr die Neuerscheinungen des Jahres vorstellte. Wenig später erhielt Maar eine Einladung der Hamburger Verlagsgruppe Friedrich Oetinger. Der Verleger Friedrich Oetinger machte ihm klar, dass ihm das Manuskript gefalle, aber falls Maar daran denke, ein Kinderbuch zu schreiben, um sich danach der „ernsten“ Literatur zuzuwenden, dann könne er sein Manuskript gleich wieder einpacken. Er habe keine Lust, einen jungen Autor aufzubauen, der sich zu schade sei, für Kinder zu schreiben. Friedrich Oetinger nahm ihm das Versprechen ab, sich auch weiterhin der Kinderliteratur zu widmen, und so blieb Maar bei der Kinderliteratur, obwohl er für Erwachsene schreiben wollte.„Ich habe mir einen kindlichen Humor bewahrt“. Radio-Interview mit Kinderbuchautor Paul Maar in der Sendung "Zwischentöne" im Deutschlandfunk (DLF), 21. Februar 2021, 89 Min. Moderation: Tanja Runow. Eine Produktion von Deutschlandfunk, Köln Als Kunstlehrer wollte Paul Maar das Buch selbst illustrieren, aber der Verlag stimmte dem nicht zu. Zum Illustrieren kam er erst, nachdem das Buch sich als Erfolg herausgestellt hatte.

Zum Theaterautor wurde Maar, als sich ein Theaterintendant darüber beklagte, dass es keine neuen Theaterstücke für Kinder gebe und er immer wieder Dornröschen oder Die sieben Geißlein spielen müsse. Das Ergebnis war Maars erstes Theaterstück Der König in der Kiste. Dabei lernte er auch, auf der Bühne umzusetzen, was er am Schreibtisch entwickelt hatte. Wenig später verfasste er sein nächstes Stück, Kikerikiste, das ein großer Erfolg wurde und auch im Ausland zur Aufführung kam. Aus Maars Sicht wurde dieser Erfolg allerdings zu einem Hemmschuh, denn er glaubte, mit einem neuen Stück nicht dieselbe Qualität zu erreichen, und schob deshalb die Arbeit an Theaterstücken vor sich her. Stattdessen schrieb er weitere Kinderbücher.

Nach den ersten Erfolgen als Schriftsteller gab Maar den Kunsterzieherberuf auf und arbeitet seit 1976 als freier Autor und Illustrator. Seit 1997 ist er Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Im Jahr 1998Henning Fangauf: Paul Maar gibt Auskunft. In: Theater der Zeit. 12. Ausgabe, Henschel Theaterverlag, Berlin 2007, S. 30. stiftete Paul Maar ein nach ihm benanntes Stipendium zur Förderung von Nachwuchsautoren des Kinder- und Jugendtheaters. Das Stipendienprogramm war auf eine Dauer von zehn Jahren befristet und wurde im Dezember 2008 eingestellt.Kürschners Deutscher Literatur-Kalender (2008/2009), 66. Jahrgang, De Gruyter, Berlin 2008, S. 1817, ISBN 978-3-11-097128-6.

Nach einer Herzoperation 2019, bei der Paul Maar eine neue Herzklappe eingesetzt wurde, verbrachte er drei Wochen zur Reha in der oberbayrischen Privatklinik Lauterbacher Mühle am Großen Ostersee.Wormser Zeitung, Nr. 154, 246. Jahrgang, 7. Juli 2021: „Vom Sams und von Sirenen“ Artikel von Christian Hoffmann über eine Lesung von Paul Maar aus seiner Autobiografie Wie alles kam in der Alten Feuerwache in Mannheim, Metropolregion-Seite. VRM GmbH & Co. KG, Mainz. S. 17. Während des Reha-Aufenthaltes besuchte ihn sein Sohn Michael Maar in Begleitung des Literaturagenten Matthias Landwehr. Der Literaturagent regte Paul Maar dazu an, ein autobiografisches Sachbuch für Erwachsene zu schreiben, als Rückblick auf sein Leben, woraufhin Maar die freie Zeit während der Rehabilitation dafür nutzte, erste Textentwürfe für dieses Buchprojekt niederzuschreiben. Im August 2020 erschien dieses Buch schließlich unter dem Titel Wie alles kam – Roman meiner Kindheit im S. Fischer Verlag.

Maars Werk und seiner Person wird ein Museum gewidmet, dessen Eröffnung 2027 in Hallstadt geplant ist.

Privates Maar lebt in Bamberg und hat drei Kinder. Zusammen mit seiner Frau Nele Maar übersetzte er Kinderbücher und -stücke aus dem Englischen. Auch seine Tochter Anne Maar und sein Sohn Michael Maar sind Schriftsteller.

Literarische Bedeutung mini|Paul Maar auf der Leipziger Buchmesse am 19. März 2011 Maars bekannteste Werke sind die Geschichten, die vom Sams, einem hintergründig-frechen Fabelwesen, handeln und unter dem Titel Das Sams, Sams in Gefahr sowie Sams im Glück in Bamberg verfilmt wurden. Die Geschichten um das Sams haben autobiografische Elemente, da Herr Taschenbier, der „adoptierte“ Papa des Sams, genauso schüchtern ist, wie es der junge Paul Maar war. Das Sams ist das genaue Gegenteil davon: frech und vorlaut. Das Aussehen des Sams wurde von Maars Kindern mit bestimmt, die erst nach mehr als zwanzig Entwürfen mit dessen Aussehen einverstanden waren. Die Wunschpunkte sollten eigentlich Sommersprossen sein. Aber da Paul Maar, abgelenkt durch einen Telefonanruf, vergaß, den Pinsel, mit dem er vorher den blauen Anzug des Sams ausgemalt hatte, auszuwaschen, vermischte sich die braune Farbe für die Sommersprossen mit dem Blau, sodass diese in Blau und später in sogenannte Wunschpunkte umgedeutet wurden.

Auch für die strenge Frau Rotkohl gab es ein Vorbild, allerdings unter einem anderen Namen: Sie war die Hausmeisterin, die den Kindern der Familie Maar das Spielen im und am Mietshaus vergällte. Besonders erheiterte es seine Kinder, wenn sie Geschichten hörten, in denen diese Frau das Gegenteil von dem sagen musste, was sie sagen wollte.

Maars Bücher enthalten viele literarische Anspielungen, zum Beispiel auf E.T.A. Hoffmanns Werke und dessen Aufenthalt in Bamberg: Das Doppelgängermotiv bei E.T.A. Hoffmann wiederholt sich bei Martin Taschenbier, der ebenfalls einen Doppelgänger hat. Auch Hoffmanns sprechender Hund Berganza kommt bei Ein Sams für Martin Taschenbier vor. In einer Schlüsselerzählung E.T.A. Hoffmanns gibt es das fremde Kind, und schon beim ersten Auftauchen wird das Sams das fremde Kind genannt. In E.T.A. Hoffmanns Erzählung Das fremde Kind gibt es zwei Kinder mit den Namen Felix und Christlieb. Die beiden Aufwartefrauen im Schullandheim heißen danach Frau Felix und Frau Christlieb. Die Familie Taschenbier wohnt in der E.T.A.-Hoffmann-Straße, und Martins Bus fährt am Schillerplatz ab, denn am Bamberger Schillerplatz steht das E.T.A.-Hoffmann-Haus, Hoffmanns ehemalige Wohnung. Auch auf die Dichtung, insbesondere die dadaistische und die Nonsenspoesie, gibt es Anspielungen, so einige auf Morgensterns Galgenlieder und manche auf Ernst Jandl.

Maar ist auch für viele Klassiker der Augsburger Puppenkiste verantwortlich und hat daneben weitere Kinderbücher geschrieben. Außerdem entwirft er Bildergeschichten für Zeitschriften. Von seinen eigenen Werken ist er unter anderem am meisten mit Lippels Traum und Anne will ein Zwilling werden zufrieden.

Manche seiner Kindertheaterstücke sind dauerhaft erfolgreich, insbesondere sein Klassiker Kikerikiste (1972) zum Beispiel wird weltweit von Russland, Europa bis in die USA (Noodle Doodle Box) häufig inszeniert.

Werke