mini|Anwar as-Sadat (1980)rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=notpageimage|Unterschrift as-Sadats in arabischer Schrift

Anwar as-Sadat, auch Anwar el Sadat, ägyptisch-arabisch Mohamed Anwar el-Sadat (; * 25. Dezember 1918 in Mit Abu el-Kum, Gouvernement al-Minufiyya; † 6. Oktober 1981 in Kairo), war ein ägyptischer Staatsmann. Von 1970 bis 1981 bekleidete er das Amt des Staatspräsidenten.

Mit Gamal Abdel Nasser und anderen war er Mitbegründer des Geheimbunds der Freien Offiziere, seit dem Staatsstreich 1952 bekleidete er hohe Ämter. Als Nasser 1970 starb, wurde er sein Nachfolger als Staatspräsident. Sadat führte Ägypten zwar in den Jom-Kippur-Krieg 1973, löste das Land in der Folge jedoch aus der engen Bindung an die Sowjetunion und schloss 1979 einen Friedensvertrag mit Israel. Für seine Bemühungen im Friedensprozess mit Israel erhielt er zusammen mit Menachem Begin 1978 den Friedensnobelpreis. Er fiel 1981 einem Attentat von Gegnern seiner Politik zum Opfer.

Leben

Kindheit und Jugend Anwar Sadat wurde unter dem Familiennamen Sadati geboren. Er war sehr mit seiner Heimat und seinem Heimatdorf, Mīt Abu 'l-Kūm (ميت أبو الكوم) im Nildelta, verbunden, was auch daran zu erkennen ist, dass er die gesamten Erlöse seiner Biographie sowie das Preisgeld seines Nobelpreises dem Dorf schenkte, aus dem er stammte. Sadat war stets stolz auf seine ländliche Herkunft und betonte, dass er ursprünglich ein Fellache, also ein Bauer sei.

Sadat wuchs mit seinen 13 Geschwistern in Mit Abu 'l Kum bei seiner Großmutter auf, während sein Vater, Muhammad Muhammad al-Sadati, mit seiner zweiten Frau Chairallah im Sudan lebte, wo er bei einem britischen Sanitätstrupp als Dolmetscher arbeitete. Sadat erlebte in seiner Kindheit Krankheit, Armut und Analphabetismus. Diese frühen Eindrücke spiegelten sich in seiner späteren Sozialpolitik wider, in der er sich für Armenfürsorge, ein gutes Gesundheitssystem und Bildung für alle einsetzte. 1924 bezog er mit seinem Vater eine Wohnung im Kairoer Vorort Kubri el-Kubba.

Die folgenden Jahre als Heranwachsender in Kairo waren für Sadat geprägt von der Suche nach sich selbst. Nachdem sich Sadat kurze Zeit für die Schauspielerei interessiert hatte und sich auch für Rollen bewarb, entschied er sich schließlich doch für den Eintritt in die Armee, die zu dieser Zeit ein hohes Ansehen genoss. Mit einigen Schwierigkeiten schaffte er es, in die Militärakademie aufgenommen zu werden, die er nach einem neunmonatigen Kurzlehrgang im Februar 1938 als Leutnant der Infanterie verließ.

Widerstand Nach seiner Entlassung von der Militärakademie heiratete er 1940 Iqbāl Māḍī (إقبال ماضي), die Tochter des Ortsvorstehers seines Heimatdorfes Mīt Abu 'l-Kūm, mit der er zwei Kinder, Rudayyah Sadat und Camila Sadat hatte. Er wurde dann in den Kairoer Vorort Maadi zu einer Fernmeldeeinheit versetzt, wo sein politisches Interesse zu keimen begann. Dies bedeutete vor allem, dass die Frustration über den Status Ägyptens als Quasi-Vasallenstaat Großbritanniens in ihm wuchs. Er fand es empörend, dass Ägypten von einer Monarchie abhängig war, die nicht ägyptisch war, und dass die ägyptischen Politiker die britische Herrschaft in Ägypten tolerierten und sogar legitimierten.

Sadat war zu der Überzeugung gekommen, dass Ägypten nur durch Gewalt sowohl von den Engländern als auch von der herrschenden korrupten Regierung jener Zeit befreit werden könne. Dazu wollte er eine Organisation innerhalb der Streitkräfte bilden, um die Revolution auszuführen. Während seiner Stationierung im oberägyptischen Manqabad (Sudan) fand er einige Gleichgesinnte. Zu dieser Zeit begegnete er auch erstmals Gamal Abdel Nasser. 1939 gründeten sie dann die erste geheime Organisation von Militärs, die sich The Free Officers (Freie Offiziere) nannte und von Nasser geleitet wurde.

Im Februar 1941 griff auch der Zweite Weltkrieg auf Nordafrika über und machte Ägypten zum Kriegsschauplatz. Die Sympathien der Ägypter lagen dabei auf Seiten der Deutschen, die die verhassten Briten bekämpften und mit denen man keine schlechten Erfahrungen gemacht hatte. Die Erfolge, die General Rommel anfangs in Nordafrika verbuchen konnte, wurden bewundert.

Auch Sadat, der im Sommer 1941 nach Marsa Matruh versetzt wurde, war von diesem Mann fasziniert. Doch bei ihm blieb es nicht bei der bloßen Bewunderung für den Feind seines Feindes, sondern er schmiedete heimlich Pläne, wie man sich die Deutschen nützlich machen könnte. Er geriet in Kontakt mit einem Geheimbund innerhalb der ägyptischen Luftwaffe, dessen Ziel es war, Kontakt mit den Deutschen aufzunehmen und mit deren Hilfe die Briten zu vertreiben. Sadat wurde Mitglied dieser Truppe, und es kam tatsächlich zu einem Verschwörungsversuch mit zwei deutschen Spionen. Sadat sollte diesen dabei behilflich sein, einen Sender bei den Briten einzuschleusen. Das Komplott flog auf, und Sadat wurde von der britischen Sicherheitspolizei verhaftet. Er wurde zunächst ins Ausländergefängnis in Kairo gebracht und dann Ende 1942 in ein Gefängnis im 260 Kilometer südlich gelegenen Minieh verlegt.

Im Oktober 1944 gelang es Sadat, aus einem Militärhospital zu fliehen, nachdem er zwei Jahre in verschiedenen Gefängnissen verbracht hatte. Fortan musste er als Flüchtling im Untergrund leben. Die Jahre der Inhaftierung waren nicht spurlos an Sadat vorübergegangen. Im Gefängnis hatte er viel Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen. Obwohl er nun von seiner Gruppe isoliert war, hörte er nicht auf, sich als Teil dieser Gemeinschaft zu fühlen und weiter für das Ziel der Revolution zu arbeiten.

Nach seiner Flucht – der Krieg war beendet – wurde Sadat zum politischen Kämpfer, als Ziel immer noch die Beseitigung der Briten vor Augen. Er verstrickte sich in verschiedene Mordkomplotte gegen die ägyptische Führungsriege, die mit der britischen Besatzungsmacht zusammenarbeitete. Das erste Ziel der Verschwörer war Mustafa an-Nahhas Pascha, der Führer der Wafd-Regierung, die mit Hilfe eines britischen Ultimatums 1942 installiert worden war. Als ein Attentat auf ihn scheiterte, wurde Amin Osman, ebenfalls ein Mitglied der Regierung Nahhas, zur nächsten Zielscheibe. Diesmal gelang der Anschlag: Osman wurde am 6. Januar 1946 erschossen. Sadat und seine Komplizen wurden festgenommen.

Zwei Jahre wartete Sadat auf seinen Prozess, der ab Januar 1948 stattfand und 84 Sitzungen beanspruchte. Kritiker bezeichnen ihn als Farce. Der Vorsitzende Richter des Kollegiums, das schließlich elf der Angeklagten einschließlich Sadats freisprach, erhielt später aus seinen Händen die höchste ägyptische Auszeichnung, die Nil-Kette.

1949 heiratete er Jehan Sadat, geborene Safwat Raouf. Das Paar bekam drei Töchter und einen Sohn.

Aufstieg mini|hochkant|Sadat im Jahr 1953 Nach der Revolution von 1952 ging König Faruq I. am 26. Juli ins Exil. Am 18. Juni 1953 wurde die Republik Ägypten ausgerufen und fortan hatte der Revolutionäre Kommandorat, wie sich der Führungsrat der Freioffiziere nun nannte, das Sagen. Nach einigen internen Debatten wurde Ägypten im März 1953 zur Republik erklärt. Muhammad Nagib wurde zum ersten Präsidenten ernannt und viele Mitglieder des revolutionären Kommandorats wurden zu Ministern; Nasser bekleidete den Posten des Innenministers. Sadat übte von 1954 bis 1956 das Amt des InformationsministersSadat Mohammed Anwar As, Harenberg Personenlexikon, Dortmund 2000, S. 859. aus und war Herausgeber der Zeitschriften Al Jumhuriya und Al Tahrir. Ab 1957 war Sadat Vizevorsitzender und ab 1960 Vorsitzender der Nationalversammlung, was er bis zum Jahr 1968 blieb. Zwischenzeitlich existierte vorübergehend die Vereinigte Arabische Republik. In den Jahren 1964 bis 1966 und 1969 bis 1970 war Sadat Vizepräsident von Ägypten.mini|Nasser und Parlamentspräsident Sadat bei ihrer Vereidigung 1965 mini|hochkant|Nasser und Chruschtschow leiten 1964 mit Vizepräsident Sadat die Füllung des Assuan-Stausees ein Der Sechstagekrieg von 1967 brachte den arabischen Staaten und damit auch Ägypten eine empfindliche Niederlage. Nach dem Suizid des Verteidigungsministers Abd al-Hakim Amr blieben von dem Revolutionären Kommandorat neben Nasser nur noch Hussein Shafei, Zakarah Muhi ad-Din und Anwar as-Sadat übrig. Nasser arbeitete am Wiederaufbau der Armee und des Landes. Mit Nassers Tod am 28. September 1970 übernahm Sadat als Vizepräsident das Präsidentenamt – wie von der Verfassung vorgesehen – kommissarisch. Hernach gab es eine Übergangszeit von 60 Tagen. Am 15. Oktober 1970 wurde Sadat durch ein Referendum als neuer Präsident Ägyptens bestätigt.

Der lange Weg zum Frieden und Fragen der Innenpolitik

Die gescheiterte Friedensinitiative von 1971 Anwar Sadat stand zu Beginn seiner Amtszeit vor großen Herausforderungen. Der Sechs-Tage-Krieg von 1967 hatte in Ägypten und in der gesamten arabischen Welt ein Trauma hinterlassen.

Sadat setzte sich 1971 in einem innenpolitischen Machtkampf durch. Große Differenzen gab es vor allem mit der pro-sowjetischen Gruppe um Ali Sabri, die alles daransetzte, Sadats Macht zu beschneiden. Doch dieser zeigte schnell, dass er mit der Macht umzugehen wusste: Er besetzte alle wichtigen Positionen in Regierung, Kabinett und Massenmedien mit loyalen Unterstützern.

Sadats erster und unerwarteter außenpolitischer Schritt war das Verkünden einer Friedensinitiative am 4. Februar 1971, also nur vier Monate nach seiner Machtübernahme. Er hatte das Jahr 1971 als Jahr der Entscheidung proklamiert, das er nicht verstreichen lassen wollte, ohne einen Fortschritt im Streit mit Israel errungen zu haben. Der Inhalt seines Friedensplans war folgender: Israel sollte sich aus dem Sinai bis zu den Pässen zurückziehen; im Gegenzug würde Ägypten den Sueskanal wiedereröffnen. Im Anschluss sollte ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet werden, Ägypten würde die diplomatischen Beziehungen zu den USA wiederherstellen, und schließlich sollte mit Hilfe des UN-Sondergesandten für den Nahen Osten, Gunnar Jarring, ein Friedensvertrag mit Israel geschlossen werden.

Die 1971 von Sadat verkündete Friedensinitiative hatte bei weitem nicht die Wirkung wie sein Vorstoß sechs Jahre später. Es schien, dass die Zeit für eine solche Initiative noch nicht reif war, und es bestanden ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit Sadats, der nur durch fehlende militärische Mittel an einer Fortsetzung des Abnutzungskriegs mit Israel gehindert worden war. Die erste offizielle Reaktion aus Israel kam von Premierministerin Golda Meir in einem NBC Interview vom 6. Februar 1971. Eine detailliertere und vorsichtigere Reaktion der Premierministerin gab es am 9. Februar nach einer langen Debatte in der Knesset. Ihr seien die Äußerungen Sadats „viel zu vage“, sagte sie, und sie sehe in ihnen die „Wiederholung üblicher Phrasen“.

Die erste größere außenpolitische Tat Sadats war die Unterzeichnung eines Freundschafts- und Bündnisvertrags mit der Sowjetunion am 27. Mai 1971. Dies verwirrte nicht zuletzt die Amerikaner, denn es war ihnen unverständlich, warum Sadat zuerst die ägyptischen pro-sowjetischen Regierungsmitglieder beseitigt hatte und anschließend einen solchen Vertrag unterzeichnete. Sadat gelang es trotz stärkster Überwachung durch die Geheimdienste der UdSSR, der USA und Saudi-Arabiens, seine außenpolitischen Motive zu verbergen. Insgeheim hatte er sich aber wohl schon längst dazu entschieden, was er am 8. Juli 1972 in die Tat umsetzte: die Ausweisung aller sowjetischen Experten. Anlass für diesen drastischen Schritt war das erneute Ausbleiben sowjetischer Waffenlieferungen. Sadat verfügte, dass alle Experten (ca. 15.000) Ägypten binnen einer Woche verlassen sollten und sämtliche Ausrüstung, darunter vier MiG-25-Flugzeuge, in die UdSSR zurückgebracht werden sollten.

Der Jom-Kippur-Krieg 1973 und die Folgen