mini|Freundinnen, Gemälde von Jerry Weiss, 2003 Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander,Freundschaft. duden.de; abgerufen am 16. November 2013. das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. Eine in einer freundschaftlichen Beziehung stehende Person heißt Freund beziehungsweise Freundin. Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften. Schon antike Philosophen wie Aristoteles und Marcus Tullius Cicero haben sich mit der Freundschaft auseinandergesetzt.

Im übertragenen Sinne bezeichnet Freundschaft ein gutes und oft vertraglich geregeltes politisches Verhältnis zwischen Völkern oder Nationen (zum Beispiel „deutsch-französische Freundschaft“). Das Gegenteil von Freundschaft ist Feindschaft.

Wortgeschichte Bis ins 17. und 18. Jahrhundert wurde im Deutschen sprachlich nicht zwischen erworbener und angeborener Freundschaft unterschieden, sodass „Freundschaft“ und „Verwandtschaft“ synonym gebraucht werden konnten. Auch in vielen Dialekten ist die Bedeutung Freund = Verwandter bis in die Gegenwart durchaus üblich.

Das Wort Freund als ‚Vertrauter, jemandem innerlich verbundener Mensch‘ bildete sich vom althochdeutsch friunt im 8. Jahrhundert, mittelhochdeutsch vriunt ‚Freund, Nächster, Geliebte(r), Verwandte(r)‘ als Substantivierung des Partizip Präsens von asächs. friohon, aeng. frēogan, anord. frjá, got. frijōn ‚lieben‘, welches zu der unter frei subsumierten Wurzel gehört. Davon abgeleitet bezeichnet Freundschaft für das ‚Vertrauensverhältnis‘, ahd. friuntscaf (8. Jh.), -scaft (11. Jh.), mhd. vriuntschaft, auch ‚Blutsverwandtschaft‘.Freund im Etymologischen Wörterbuch nach Pfeifer im DWDS, abgerufen am 13. November 2013.

Vriunt bezeichnet neben dem durch Sympathie und Vertrauen Verbundenen bis in die Mundarten der Gegenwart auch den Blutsverwandten. Dieser wird seit dem 15. Jahrhundert überwiegend mit dem Zusatz „angeborener“ oder „gesippter“ Freund bezeichnet. Die Bedeutung umfasst eine, auf Grund bestimmter Umstände „freundlich gesinnten Person“ (seit dem 13. Jh.), einen „(gleichberechtigten) Partner mit übereinstimmenden Zielen, Interessen“ und einen „männlichen Geliebten, Lebenspartner (einer Frau)“, der von der allegorischen Bedeutung „von Christus als Geliebtem der Seele“ abgeleitet ist. Freund wird auch als Bezeichnung für ein Tier „zu dem eine persönliche, einer menschlichen Freundschaft nachempfundene emotionale Bindung aufgebaut“, gebraucht.

Regional werden in Mitteldeutschland, Süddeutschland, Österreich und der Schweiz, meist umgangssprachlich Spezi oder Spezel als Synonyme für Freund gebraucht. Die Bedeutung entstammt einer Verkürzung von „Spezial (2. Hälfte 18. Jh.), älter specialer Freund (1. Hälfte 18. Jh.), Specialfreund (2. Hälfte 17. Jh.).“Spezi im Etymologischen Wörterbuch nach Pfeifer, online im DWDS, abgerufen am 13. November 2013. Heute ist damit ein „besonders guter, intimer Freund“ gemeint. Zur sprichwörtlichen Speziwirtschaft (österr.: Freunderlwirtschaft), siehe auch Nepotismus.

Einen Busenfreund nannte man im 18. Jahrhundert einen „sehr vertrauten Freund“. Heute wird dieser Ausdruck nur noch ironisch verwendet. Aktuelle Entsprechungen sind die umgangssprachlich verwendeten Bezeichnungen bester Kumpel, Homie oder Buddy .

Soziologie Begriffsbestimmung mini|Kinderfreundschaft

Der Soziologe Ferdinand Tönnies weist auf den Aspekt der Gleichheit als Basis für Freundschaft hin: Freundschaft sei „am ehesten gegeben durch Gleichheit oder Ähnlichkeit des Berufes oder der Kunst“.Ferdinand Tönnies: Gemeinschaft und Gesellschaft, 6./7. Auflage, Berlin 1926, S. 15. Er vertritt die Auffassung, dass Arbeit einander verbinde und Freundschaften entstehen lasse, und als geistiges Band der Beteiligten wirke. Freundschaft ist laut Tönnies mentaler Natur und beruht auf Zufall oder freier Wahl. Freundschaft sei als „Gemeinschaft des Geistes“ kategorisiert.Ferdinand Tönnies: Gemeinschaft und Gesellschaft. 1. Buch, § 6

Georg Simmel beschreibt in seinem Standardwerk Soziologie (1908) die Freundschaft differenziert und als graduelles Phänomen. Freundschaft fängt für ihn in dem Moment an, in dem sich zwei Menschen kennenlernen, also um ihre gegenseitige Existenz wissen. Von dieser Basis aus können die beiden verschieden weit in die „Sphäre“ des anderen eindringen. Die Tiefe und der Umfang des Eindringens hängen von dem ab, was preisgegeben werden soll. Diese Grenze ist in der Freundschaft bekannt – der andere wird sie nicht einfach überschreiten. Einen Sonderfall der Freundschaft sieht Simmel in der Ehe: Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Ehe ihren Charakter gewandelt hat. War bei Montaigne die Ehe noch ein Handel, so ist die Ehe in der Moderne eher von Liebe gekennzeichnet. Wenn die Ehe also eine Liebesbeziehung ist, so wirkt ein freundschaftliches Element.

Siegfried Kracauer beschreibt Freundschaft als das engste geistige Verhältnis, das die loseren Beziehungen der Kameradschaft, Fachgenossenschaft und Bekanntschaft mit einfasst. Er beschreibt die wahrhafte Freundschaft, die für ihn in der Pflege ähnlicher Gesinnungen besteht und gemeinsame Entwicklungen voraussetze. Es müsse eine Übereinstimmung in den Idealen und im Welt- und Menschenbegreifen vorhanden sein. Freundschaft sei auch durch das Wachstum mit- und durcheinander geprägt: „Während ich überall sonst genötigt bin, mich in tausenden Lebenskreisen zu zersplittern, hier ein Stückchen zu nehmen, dort ein Quentchen zu geben, darf ich ihm so gesammelt und umfänglich nahen, wie ich bin und wie ich mich fühle. Meine Existenz ist ihm voll gegenwärtig, er kennt mein Verhältnis zu den Menschen, und versteht, warum ich so und nicht anders handeln muss, denn noch zu dem widersprechendsten Tun hat er die inneren Verbindungsfäden in Händen.“Siegfried Kracauer: Über die Freundschaft. Essays. Suhrkamp 1971, S. 46 f.

Für Robert R. Bell beinhaltet Freundschaft folgende Aspekte: “[…] friends must be seen as equals by one another. […] friendship is seen as voluntaristic and highly personal […] the development of friendship is based on private negotiations and is not imposed through cultural values or norms.”Robert R. Bell: Worlds of Friendship. London 1981, S. 10. Demzufolge sieht auch er die Gleichheit als wichtigen Aspekt in Freundschaften. Freundschaft sei freiwillig und persönlich, und die Entwicklung von Freundschaft basiere auf privaten Verhandlungen und wird nicht von kulturellen Werten oder Normen beeinflusst.

Im Wörterbuch der Soziologie wird Freundschaft von Karl-Heinz Hillmann beschrieben als: „soziologisch schillernder Begriff für eine besonders persönlich gefärbte Form direkter sozialer Beziehungen, die – ohne spezifische Rollenverpflichtung – freiwillig und auf längere, nicht fixierte Dauer eingegangen wird“.Günter Hartfiel, Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 410). 3. Auflage. Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-41003-6, S. 224.

In Abgrenzung zu anderen sozialen Beziehungen erläutern Argyle & Henderson Freundschaft als eine Form der menschlichen Beziehungen, die nicht, wie die Ehe, durch eine Zeremonie begründet sei und auch nicht, wie zwischen Arbeitskollegen oder Verwandten, abhängig von irgendwelchen Rollenbezügen. Freundschaft umschließe Menschen, die einander mögen und gern gemeinsam bestimmte Dinge unternehmen. Des Weiteren sei Freundschaft freiwillig und ohne klar umrissene Regeln.Michael Argyle, Monika Henderson: Die Anatomie menschlicher Beziehungen. Spielregeln des Zusammenlebens. Junfermann, Paderborn 1986, S. 80 f. Für Robert Hays ist Freundschaft ein flexibler, dynamischer und multidimensionaler Prozess, dessen Struktur und Funktionen je nach beteiligten Individuen, dem Umfeld und dem Entwicklungsstand der Freundschaft variieren.Robert Hays: Friendship. In: Steve Duck (Hrsg.): Handbook of personal Relationships. John Wiley and Sons, Chichester / New York u. a. 1988, S. 391–408, hier S. 391.

Ann Elisabeth Auhagen definiert Freundschaft als „[…]eine dyadische, persönliche und informelle Sozialbeziehung […] die Existenz der Freundschaft beruht auf Gegenseitigkeit. […] Freundschaft besitzt für jeden der […]Freunde einen Wert, welcher unterschiedlich starkes Gewicht haben und aus verschiedenen inhaltlichen Elementen zusammengesetzt sein kann.“Ann Elisabeth Auhagen, Maria v. Salisch (Hrsg.): Zwischenmenschliche Beziehungen. Hogrefe, Göttingen 1993, S. 207. Ursula Nötzoldt-Linden definiert Freundschaft als: „eine auf freiwilliger Gegenseitigkeit basierende dyadische, persönliche Beziehung zwischen nicht verwandten, gleichgeschlechtlichen Erwachsenen in einer Zeitspanne“.Ursula Nötzold-Linden: Freundschaft: Zur Thematisierung einer vernachlässigten soziologischen Kategorie. VS, 1994, ISBN 3-531-12551-6, S. 29.

Kulturelle Prägung des Freundschaftskonzepts Die Ausgestaltung von Freundschaften hängt auch von den Lebensbedingungen ab, die sich von Kultur zu Kultur oft stark unterscheiden und sich im Lauf der Zeit ändern. So ist der Freundschaftsbegriff in Deutschland und Frankreich von der Vorstellung einer „Seelenverwandtschaft“ geprägt, die sich im literarischen Freundschaftskult des 18. Jahrhunderts widerspiegelt (vgl. Göttinger Hainbund). Voraussetzung für ein solches Freundschaftskonzept war unter anderem die zunehmende Mobilität, die die Zwangsbindung ans Geburtsmilieu lockerte und eine Wahl des eigenen sozialen Umfeldes (Freunde, Sexualpartner) ermöglichte.

In Nordamerika ist ein vor allem auf die Gefühlswelt ausgerichtetes Verständnis der Freundschaft kulturgeschichtlich weniger verwurzelt. Die räumliche und soziale Mobilität der Bevölkerung ist hier insgesamt höher als in Europa, vor allem in den höheren sozialen Schichten. Deshalb wird die Fähigkeit, in einer neuen Umgebung schnell Kontakte zu schließen und Anschluss zu finden, als sehr wichtig erachtet. Die Pflege „tiefer“ Beziehungen ist in Einwanderungsländern wie den USA weitaus stärker als in Europa der Familie vorbehalten.

Bei Personen, die räumlich voneinander getrennt leben mussten, war früher das Schreiben von Briefen ein wichtiges Mittel zur Pflege der Freundschaft. Im 20. Jahrhundert hat die allgemeine Mobilität enorm zugenommen. Errungenschaften wie das Telefon ermöglichten die Pflege von Freundschaften auch über große Entfernungen hinweg (siehe auch Fernbeziehung).

Durch die mittlerweile weitverbreitete private Nutzung des Internets können Freundschaften noch schneller und auch gezielter gefunden werden. Social Media ermöglichen darüber hinaus unkomplizierte „Freundschaften“ auch ohne persönliche Begegnung. In virtuellen sozialen Netzwerken können Benutzer sehr viele „Freunde“ haben, auch solche, die sie nie gesehen haben, von denen sie kaum etwas wissen und die sie auch nicht persönlich kennenlernen wollen.

Philosophie Aristoteles mini|Die Freunde Harmodios und Aristogeiton versuchten 514 v. Chr., die athenischen Tyrannen Hippias und Hipparchos zu ermorden.Statuengruppe des Kritios und Nesiotes (römische Kopie).

Aristoteles betonte in seiner Nikomachischen Ethik drei Motive, um Freundschaften einzugehen: Freundschaft um des Wesens willen, des Nutzens willen und der Lust willen. Freundschaft ist für ihn eine eigenständige Sozialbeziehung, die in der Gemeinschaft höchst notwendig und nicht mit anderen Bindungen identisch ist. Dabei betont er die Wichtigkeit der Gleichheit der Beteiligten, dass gemeinsames Aufwachsen und Gleichaltrigkeit großen Einfluss auf Freundschaft habe: „Vollkommene Freundschaft von trefflichen Charakteren, die gleich sind“. Treffliche seien einander gut, nützlich und angenehm. „Freundschaft hat Werte und Lust zum Ziel und beruht auf Wesensgleichheit.“Beide Zitate nach der Aristoteles-Werkausgabe 1956 (Berlin, Hg. Grumach), Band 6, S. 174.