mini|Das Pantanal nach der Regenzeit mini|Lage des Pantanal mini|Pantanal, Mato Grosso, Brasilien
Das Pantanal (von , , auch: Pantanal Matogrossense) ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Die UNESCO erklärte das Gebiet im Jahr 2000 zum Biosphärenreservat.Pantanal Biosphere Reserve, Brazil UNESCO, aufgerufen am 8. März 2022Das Sumpfgebiet ist fast halb so groß wie Deutschland und befindet sich größtenteils in Brasilien, während etwa ein Drittel in Bolivien und Paraguay liegt. Bis zu sechs Monate im Jahr steht das Gebiet völlig unter Wasser und dient als wichtiger Rückzugsort für zahlreiche Tiere und Pflanzen.Pantanal: Land unter Wasser (vom 22.05.2020) WWF, aufgerufen am 8. März 2022
Das Pantanal liegt zwischen den Großlandschaften der Trockenwälder und -savannen des Gran Chaco im Westen und der Feuchtsavanne des Cerrado im Osten. Die Region befindet sich in einer Flussniederung mit zahlreichen Süßwasserseen (im Süden auch isolierte Salzseen – Salinas genannt), die von zahlreichen Flüssen gespeist und vom Río Paraguay, dem das Gebiet speisenden und entwässernden Hauptfluss, durchflossen wird. Das Binnendelta wird von zahlreichen mäanderartigen Dammflüssen durchzogen, welche die Flussniederung in der Regenzeit und bei Hochwasser des Rio Paraguay zum Großteil überschwemmen.Klaus Heine, Das Quartär in den Tropen, 2019, S. 295 Auch in der Übergangs- und Trockenzeit ist die Humidität noch sehr hoch.
Als Teil des Pantanal Conservation Complex wurde das artenreiche Feuchtbiotop unter Naturschutz gestellt und im Jahr 2000 zum Weltnaturerbe durch die UNESCO erklärt.Pantanal. Floodplain, South America Encyclopædia Britannica, aufgerufen am 8. März 2022 Dennoch ist sein Erhalt durch menschliche Aktivitäten wie Rinderzucht, Landwirtschaft (incl. Brandrodung) sowie durch Industrialisierung und den Kleinbergbau (insbesondere von GoldGold – alles andere als glänzend für die Umwelt WWF, aufgerufen am 8. März 2022) akut gefährdet.
Geographie mini|x150px|Nationalpark Chapada dos Guimarães: Panoramaaufnahme der äußeren Begrenzung des Pantanal
Lage Das Pantanal befindet sich im mittleren Südwesten von Brasilien in den Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul sowie dem Mato-Grosso-Plateau – kleine Teile des Pantanals reichen noch in den Osten der sich jeweils westlich anschließenden Nachbarstaaten Paraguay und Bolivien.
Das Pantanal ist von Süden her über die Städte Aquidauana, Miranda und Corumbá zu erreichen; von Südwesten über Carmelo Peralta, von Norden her über Barão de Melgaço, Cáceres, Poconé und von Puerto Suárez. Es liegt durchschnittlich nur knapp 95 m über dem Meeresspiegel.
Größe Die Größe der Flussaue variiert saisonal zwischen 140.000 (April bis September) und 210.000 Quadratkilometern (November bis März). Vom Norden bis Süden erstreckt es sich 600 km weit und schließt die Flüsse Río Paraguay, sowie seine Nebenarme, Rio Taquari und São Lourenço, mit ein.
Überschwemmungsland Der Río Paraguay hat auf seinem 600 Kilometer langen Weg durch die Tiefebene des Pantanal ein Gefälle von nur 30 Metern. Deshalb kann das Wasser, das aufgrund der Niederschläge im nördlichen Hochland über zahlreiche Flüsse in das Becken abfließt, das Gebiet nur sehr langsam wieder Richtung Süden verlassen. So werden einmal im Jahr, während der Regenzeit von November bis März, weite Teile der Tiefebene überschwemmt und zwei Drittel des Gebietes stehen teilweise metertief unter Wasser. So entsteht ein komplexes System aus Savannen, riesigen überschwemmten Wasserflächen, regenwaldartigen Flussgaleriewäldern und Trockenwäldern, ebenso wie ein Mosaik aus Flüssen, Seen und seichten Lagunen, deren Ausdehnung und Größe vom jährlichen Wechselzyklus von Regen- und Trockenzeit bestimmt werden. Während der Regenzeit zieht sich das Vieh – aber auch die wilden Tiere – in die Trockenwälder und auf die Uferdämme der Flüsse zurück, die jeweils durch Sedimentablagerungen entstanden und entstehen.
Flora und Fauna mini|Jaguar am Tres Irmãos, einem Nebenfluss des Cuiabá mini|Sumpfhirsch im Pantanal mini|Ein großer Ameisenbär mini|Sumpfhirsch im Pantanal Mit seinen zahlreichen Flussarmen, Feuchtwäldern und Trockenzonen ist das Pantanal der Lebensraum von mehr als 1700 Pflanzenarten, 240 Fischarten, sowie rund 60 Amphibien- und 100 Reptilienarten. Es ist auch der Lebensraum von etwa 650 Vogelarten, darunter zahlreiche verschiedenen Papageienarten. Etwa 35 Millionen Kaimane bevölkern das Pantanal, eine höhere Konzentration von ihnen gibt es nirgendwo auf der Welt.
Wenn der Río Paraguay von Oktober bis März das Pantanal überflutet, sind große Teile des Sumpfgebiets von riesigen Victoria-Seerosen bedeckt.
Es leben allerdings auch zahlreiche Menschen im Pantanal, 2001 waren es auf der Fläche des Biosphärenreservats mehr als 2,8 Millionen.
Säugetiere Angaben zu den in Pantanal lebenden Säugetierarten schwanken zwischen 80Besser als der Amazonas Neue Zürcher Zeitung, aufgerufen am 8. März 2022 und 120 Spezies.
Nirgendwo auf der Welt werden Jaguare so groß wie im Pantanal, wo sie ein Gewicht von bis zu 158 kg erreichen können. Passend dazu gibt es im Pantanal auch die größten Nagetiere der Welt, die bis zu 70 Kilogramm schwer werdenden Capybaras, die an riesige Meerschweinchen auf langen Beinen erinnern. Über einige der seltenen endemischen Arten, wie den vom Aussterben bedrohte Große Ameisenbär, welcher sich ausschließlich von Termiten und Ameisen ernährt, ist noch relativ wenig bekannt. Um ihren Schutz besser zu ermöglichen, hat die deutsche Zoologin Lydia Möcklinghoff die Tiere für mehr als ein Jahr begleitet.Zoologin in Brasilien:"Der Ameisenbär ist nicht die hellste Kerze auf der Torte" Deutschlandfunk Nova, aufgerufen am 8. März 2022
Zu den Säugetieren, die im Pantanal vertreten sind, zählen unter anderem:Tiere im Pantanal (Pantanal Portal, aufgerufen am 8. März 2022)
Vogelwelt Allein auf den Flächen, die jährlich überschwemmt werden, wurden 444 Vogelarten registriert, während im ganzen Pantanal etwa 656 Arten von Vögeln leben.
Im Pantanal lebt die weltweit größte Population von Hyazintharas.
Der Riesenstorch Jabiru wird auch als Symbol des Pantanals bezeichnet.
Zu den Vogelarten, die im Pantanal vertreten sind, zählen unter anderem:
Fischfauna mini|Dourado im Pantanal In den Flüssen, Lagunen und Überschwemmungsflächen des Pantanals lebt eine hohe Zahl an Fischarten, deren Lebenszyklus von den Regen- und Trockenzeiten bestimmt wird.Hugmar Pains Silva/Carolina J. da Silva/A. C. Petry, Fish communities of the Pantanal wetland in Brazil: Evaluating the effects of the upper Paraguay river flood pulse on baía Caiçara fish fauna, in: Aquatic Ecology Nr. 44(1), S. 275–288, März 2010.Hugmar Pains Silva/Carolina J. da Silva/A. C. Petry, Fish communities of the Pantanal wetland in Brazil: Evaluating the effects of the upper Paraguay river flood pulse on baía Caiçara fish fauna, in: Aquatic Ecology Nr. 44 (1), S. 275–288, März 2010Cleber J. R. Alho/Luiz M. Vieira, Fish and wildlife resources in the pantanal wetlands of Brazil and potential disturbances from the release of environmental contaminants. Environmental Toxicology and Chemistry, Bd. 16. 1997Y. R. Suarez/M. Petrere Jr/A. C. Catella, Factors determining the structure of fish communities in Pantanal lagoons (MS, Brazil), in: Fisheries Management and Ecology. 8, 2001, S. 173, .Lúcia. A. F. Mateus/Jerry M. F. Penha/Miguel Petrere, Fishing resources in the rio Cuiabá basin, Pantanal do Mato Grosso, Brazil. Neotrop/Ichthyol. Bd. 2. Nr. 4. Porto Alegre/Brasilien. 2004 Zu den dominierenden Spezies gehören große Raubfische wie Dourados (Salminus maxillosus), Traíras, Tucunaré-Pfauenbarsche (Cichla temensis) und kleinere wie Pfauenaugenbuntbarsche (Astronotus ocellatus). In den seichteren und sandigen Bereichen gibt es Süßwasserrochenarten wie z. B. Potamotrygon falkneri, des Weiteren Schwarmfische wie die stark vertretenen Lambari-Rautensalmler (Astyanax bimaculatus), Piraputangas (Brycon microlepis und Brycon hilarii) und Pacús (Piaractus mesopotamicus). Eine wichtige Rolle zur Aasbeseitigung spielen Piranhas wie Natterers Sägesalmler (Pygocentrus nattereri), Schwarzband-Sägesalmler (Serrasalmus spilopleura) und Serrasalmus marginatus.Fabiane Silva Ferreira, Wagner Vicentin, Fábio Edir dos Santos CostaI und Yzel Rondon Súarez: Trophic ecology of two piranha species, Pygocentrus nattereri and Serrasalmus marginatus (Characiformes, Characidae), in the floodplain of the Negro River, Pantanal. Acta Limnol. Bras. vol.26 no.4 Rio Claro Oct./Dec. 2014 Außerdem trifft man dort Welsarten wie Zungarowelse (Jáu, Paulicea luetkeni), Pintados (Pseudoplatystoma corruscans) und Bullauge-Schaufelwelse (Jurupoca Hemisorubim platyrhynchus) an.
Die Artenvielfalt ist jedoch rückläufig, im Jahr 2001 wurden noch 269 Fischarten registriert, während es 2020 nur noch 240 waren.
Naturschutz Ein Teil des Gebietes steht unter Naturschutz; der Nationalpark Otuquis in Bolivien im Dreiländereck Brasilien-Bolivien-Paraguay mit 9034 km², der Nationalpark Pantanal Matogrossense in Brasilien mit 1350 km² und der Nationalpark Río Negro in Paraguay mit 1238 km² sind die drei größten Schutzgebiete. Sie sind 2001, 1993 bzw. 1995 der Ramsar-Konvention beigetreten. Der Global Nature Fund und Ecotrópica haben das Pantanal zum „Bedrohten See des Jahres 2007“ ernannt.
Im Jahr 2000 ernannte die UNESCO den Nationalpark Pantanal Matogrossense, sowie drei angrenzende, private Schutzgebiete der brasilianischen Umweltschutzorganisation Ecotrópica (Gesamtfläche 1878 km²) zum Weltnaturerbe. Im gleichen Jahr wurde das gesamte Pantanal innerhalb Brasiliens zum Biosphärenreservat erklärt.
Im Jahr 2002 wurde der gesamte in Bolivien liegende Anteil des Landes am Pantanal unter den Schutz der Ramsar-Konvention gestellt. Auf einer Fläche, die etwas größer ist als die Schweiz, hat sich die bolivianische Regierung verpflichtet, mögliche Auswirkungen auf die Umwelt bereits bei der Planung von Bauvorhaben (wie Wasserstraßen, Autobahnen, Ent- und Bewässerungskanälen sowie Öl- und Gaspipelines) streng zu prüfen.
Bedrohung und Gefahren durch menschliche Aktivitäten Eine Studie der Umweltorganisation Conservation International do Brasil kam 2021 zu dem Ergebnis, dass die natürliche Pflanzenwelt bereits bis zum Jahr 2050 komplett ausgelöscht sein könnte, wenn die Zerstörung im gleichen Tempo weitergeht wie bisher. Die Online-Plattform MapBiomas hat errechnet, dass sich die Wasseroberfläche in dem Schwemmgebiet in den vergangenen dreißig Jahren, also seit etwa 1990, um 29 Prozent reduziert hat.
Viehzucht und industrielle Nutzung Insbesondere im brasilianischen Teil des Pantanal stellt die Umwandlung von Feuchtgebietsflächen in Weideflächen für Rinder und Zuckerrohrplantagen nach Angaben des WWF noch immer ein ernst zu nehmendes Problem dar. Im brasilianischen Teil des Pantanal werden große Mengen Rindfleisch erzeugt. Nach den Bränden, bei denen 30 Prozent des Gebietes 2020 abbrannten, gab Greenpeace eine Studie in Auftrag, die nahelegt, dass wahrscheinlich Menschen für das Ausmaß der Brände mitverantwortlich waren. Dabei wurden insgesamt 15 brasilianische Rinderzüchter identifiziert, die mit den verheerenden Bränden in Zusammenhang stehen sollen. Alle der dabei identifizierten Betriebe befinden sich am Rand des Pantanal-Gebiets und waren bereits in der Vergangenheit durch Umweltverstöße oder Auffälligkeiten bei der Grundstücksregistrierung aufgefallen.Making Mincemeat of the Pantanal Greenpeace, aufgerufen am 8. März 2022