Die Lockheed Martin F-35 Lightning II ist ein Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug der fünften Generation, das aus dem Joint-Strike-Fighter-Programm (JSF) des US-Verteidigungsministeriums hervorgegangen ist. Es soll in den Luftstreitkräften vieler westlicher Staaten die F-16 Fighting Falcon oder noch ältere Flugzeuge ersetzen, wobei die US Air Force weiterhin der mit Abstand größte Abnehmer bleibt. Es ist das vierte von der US Air Force beschaffte Muster eines Kampfflugzeuges mit Stealth-Technik – nach Indienststellung von F-117 Nighthawk (1983), B-2 Spirit (1993), F-22 Raptor (2005) – und das erste, das auch in Partnerländer exportiert wird.

Definition Die F-35 ist ein Mehrzweckkampfflugzeug, das je nach Land die General Dynamics F-16, McDonnell Douglas F/A-18, General Dynamics F-111 und die AV-8B-Harrier-II-Jets ersetzen soll, in Deutschland die Panavia Tornado. Ziel des Projekts ist es, ein Kampfflugzeug mit Stealth-Technik und moderner Avionik zur Verfügung zu stellen, dessen Stealth-Fähigkeiten gegenüber den F-22 zwar verringert sind, das aber aufgrund des daraus resultierenden niedrigeren Preises die Anschaffung großer Stückzahlen ermöglicht. Die F-35 schließt damit die Lücke zwischen dem Luftüberlegenheitsjäger F-22 Raptor der US-amerikanischen Luftwaffe und der F/A-18E/F Super Hornet der US Navy, die nur über beschränkte Stealth-Fähigkeiten verfügt.

Produktionsvarianten mini|F-35C-Variante auf USS Carl Vinson (CVN 70) mit eingeklappten Flügeln (31. März 2023)

Die F-35 (JSF) wird in drei Hauptvarianten gefertigt, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Abnehmer abgestimmt sind. Alle drei Typen verfügen über Tarnkappenfähigkeiten, solange keine Waffen an Außenpositionen mitgeführt werden. F-35A: Ein konventionell startendes und landendes Flugzeug (CTOL) für die US Air Force und den Export. F-35B: Ein Kurzstartflugzeug mit Senkrechtlandekapazität (STOVL) für das US Marine Corps, die italienische Marine, die japanische Marine und Royal Air Force (RAF)/Royal Navy (RN). Auch die Variante F-35B ist für den Flug mit Überschallgeschwindigkeit konzipiert. F-35C: Eine trägergestützte Variante für die US Navy, das US Marine Corps (sowie zwischendurch auch für RAF/RN erwogen) mit größeren Tragflächen, einklappbaren Tragflächenenden, verstärktem Fahrwerk mit doppeltem Bugrad sowie Fanghaken.

Geschichte mini|hochkant|X-35A, fotografiert aus einer KC-135 Stratotanker

X-35 JSF

Die Anforderungen für den JSF entstanden im Joint-Advanced-Strike-Technology-Programm (JAST) ab 1993. Im Rahmen des Programms baute Boeing die X-32, wohingegen Lockheed Martin mit der X-35 antrat. Es wurden zwei X-35-Maschinen gebaut, mit denen bewiesen werden sollte, dass die Anforderungen an den JSF erfüllt werden können. Besonders die Einsatzfähigkeit der VTOL-Technik musste demonstriert werden.

Die Basisversion des JSF, die X-35A, absolvierte ihren Erstflug am 24. Oktober 2000 in Palmdale (Kalifornien/Vereinigte Staaten). Bereits im November war das Testprogramm abgeschlossen, woraufhin mit den Umbauarbeiten zur X-35B begonnen werden konnte. Die X-35B ist ein Flugzeug, das senkrecht starten und landen kann (VTOL), wobei aber hauptsächlich die STOVL-Variante genutzt wird. Der erste Schwebeflug über einem Gitterrost fand am 22. Februar 2001 statt. Der erste Übergang vom Schwebe- zum Horizontalflug gelang am 3. Juli auf der Edwards AFB (USA), der Übergang vom Horizontalflug zur Senkrechtlandung war am 16. Juli 2001 erfolgreich. Die letzte Variante des JSF, die X-35C, ist für den Einsatz auf herkömmlichen (Katapult-)Flugzeugträgern (CV) ausgelegt. Die Hauptunterscheidungsmerkmale sind die vergrößerten Tragflächen, das verstärkte Fahrwerk und der Fanghaken am Heck. Der Erstflug fand am 16. Dezember 2000 in Palmdale (Kalifornien/USA) statt; zwischen dem 3. Januar 2001 und dem 10. März 2001 wurden 250 simulierte Flugzeugträger-Landungen durchgeführt.

Alle drei Varianten haben die Überschallfähigkeit nachgewiesen. Aufgrund der zahlreichen Änderungen am Flugzeug gehen beide X-35 an Museen. Die X-35C wurde am 16. Juli 2003 an das Patuxent River Naval Air Museum übergeben, die X-35A/B am 26. September 2003 an das Smithsonian Udvar-Hazy National Air and Space Museum.

Weiterentwicklung zur F-35 mini|F-35A Prototyp AA-1 mini|Senkrechtlandung des F-35B-Prototyps BF-2 mini|Aufdruck der beteiligten Staaten am Rumpf

Am 26. Oktober 2001 wurde entschieden, den Konstruktionsvertrag für den zukünftigen Joint Strike Fighter an Lockheed Martin zu vergeben. Für die weitere Entwicklung und Produktion schloss sich Lockheed Martin mit BAE Systems und Northrop Grumman zum Lockheed Martin F-35 JSF Team zusammen. Mit der Entwicklung des Antriebssystems wurden sowohl Pratt & Whitney als auch ein Konsortium aus Rolls-Royce und General Electric beauftragt. Die Regierung unter George W. Bush beschloss jedoch, den 2,4 Milliarden Euro schweren Vertrag mit Rolls-Royce aufzulösen, wodurch Pratt & Whitney alleiniger Hersteller der F-35-Triebwerke wurde. Am 13. Juli 2004 begann der Produktionsstart für die Testflugzeuge.

Israel äußerte Anfang 2010 Interesse an einer zweisitzigen Variante F-35D.

Am 13. Juli 2004 begann die Produktion der 22 neuen Prototypen (davon 14 flugfähig) mit dem Triebwerk Pratt & Whitney F135. Die Schubvektordüse und die Vertikalflugsteuerung war unter Zukauf von Daten aus der Entwicklung der Jak-141 entwickelt worden. Dazu hatte Lockheed Martin 1991 mit Jakowlew eine Zusammenarbeit vereinbart, die bis 1997 dauerte.Florian Ion Petrescu, Relly Victoria Petrescu: Lockheed Martin. Germany 2013. Books on Demand, ISBN 978-3-8482-6053-9, S. 85 Google Books (englisch).

Am 15. März 2006 berichtete Spiegel Online, die Tarnkappentechnik könne laut US-Verteidigungsministerium wahrscheinlich nicht den ursprünglichen Versprechen gerecht werden.Spiegel.online: Neuer US-Kampfjet sorgt für Ärger. In: Spiegel Online, 15. März 2006. Australiens Verteidigungsminister Brendan Nelson äußerte daraufhin Bedenken bezüglich des Flugzeugs; die britische Regierung (3. Kabinett Blair) drohte (aus anderen Gründen) sogar mit dem Ausstieg aus der Entwicklung.Stephen Fidler: In: ft.com, Financial Times, 26. Mai 2006, abgerufen am 27. März 2025 (englisch).

Am 7. Juli 2006 verkündete der Generalstabschef der US-Luftwaffe, General T. Michael Moseley, am Lockheed Martins Standort Fort Worth (Texas) den Namen der F-35: Sie heißt nun Lightning II und steht damit in der Tradition der ebenfalls von Lockheed gebauten P-38 Lightning, eines Jagdflugzeugs des Zweiten Weltkriegs, und der English Electric Lightning, eines britischen Abfangjägers der 1960er Jahre.

Am 12. Dezember 2006 unterzeichnete Brendan Nelson in Washington D.C. eine Absichtserklärung zur Beteiligung Australiens am Joint-Strike-Fighter-Programm (JSF). Für das Jahr 2007 waren dem US-Verteidigungsministerium nur Mittel für zwei F-35A genehmigt worden, für 2008 waren 6,1 Mrd. US-Dollar für die Produktion von zwölf Maschinen eingeplant, davon sechs F-35A und sechs F-35B. Für das Finanzjahr 2009 waren vom US-Verteidigungsministerium 16 Maschinen eingeplant.

Mit einem Volumen von knapp 400 Milliarden US-Dollar allein für die US-Streitkräfte und einer geplanten Produktion von mehr als 2700 Maschinen gilt es (Stand Ende 2018) als teuerstes Rüstungsprogramm der Welt. Die Entwicklung und Endfertigung der Maschinen findet zwar in den Vereinigten Staaten, die Herstellung vieler Baugruppen und Subsysteme jedoch im Rahmen von industrieller Teilhabe auch in mehreren Partnerländern statt.

Entwicklungspartner Insgesamt sind neun Staaten an der Entwicklung der F-35 beteiligt, elf planen die Anschaffung dieses Typs, davon zwei nur mehr als Option. Ausgehend von den Vereinigten Staaten als Hauptentwickler sind die anderen Staaten in sogenannte Partnerlevel unterteilt. Dies gibt unter anderem an, welchen Einfluss ein Staat auf die Entwicklung und wie viel Einblick er in die Technik des Flugzeuges hat. Die prozentualen Anteile am Programm richten sich vor allem nach den Investitionen der jeweiligen Staaten.

Im Dezember 2010 plante Lockheed Martin mit einer Gesamtanzahl von bis zu 3156 Maschinen:

Level Anteil[%] Staat F-35A F-35B F-35C Level 0 88,8 1.763 353 347 Level 1 5,1 12 126 – Level 2 2,5 60 30 – 2,0 46 – – Level 3 0,4 0–100 (+16 Option)2019 storniert – – 0,4 72 – – 0,3 52 – – 0,3 27 – – 0,1 0 (65–88 Option) – – 0,1 107 40 – SCP 50 – – 45 – – Gesamt 100 Gesamt 2.217–2.413 549 347 Anmerkungen: Die Zahlen für Italien stammen vom Juni 2012, die für das Vereinigte Königreich und Belgien vom Juli 2025, die für Australien vom April 2014.

Erprobungsprogramm Die F-35A startete am 15. Dezember 2006 in Fort Worth zu ihrem Erstflug, der jedoch wegen technischer Probleme schon nach 32 Minuten beendet werden musste. Nachdem es Anfang Mai 2007 durch ein kurzzeitiges Versagen der Bordstromversorgung beinahe zu einem Absturz kam, ruhte der Testflugbetrieb der F-35Gerhard Hegmann: In: ftd.de, Financial Times Deutschland Online, 28. November 2007. bis zum 7. Dezember 2007. In: lockheedmartin.com, Lockheed Martin 2007 (englisch). Die erste dem Serienstand entsprechende F-35A (AF-1) hatte am 19. Dezember 2008, die erste F-35B am 21. Januar 2009 ihren Rollout.Flug Revue, März 2009, F-35 macht Fortschritte. , S. 47. Die AF-1 absolvierte ihren Jungfernflug am 14. November 2009. In: fliegerweb.com, 17. November 2009, abgerufen am 27. März 2025. Am 25. Februar 2011 hob die erste F-35A (AF-06) aus der Serienproduktion ab. Am 5. Mai 2011 wurde die erste F-35A (AF-07) an die U.S. Air Force ausgeliefert.

Am 11. Juni 2008 flog der F-35B-Prototyp erstmals, allerdings ohne dabei die STOVL-Eigenschaften zu testen. Die Maschine wurde von BAE-Testpilot Graham Tomlinson geflogen. In: lockheedmartin.com, Lockheed Martin (englisch). Die Annäherung an den Schwebeflug war ursprünglich für Anfang 2009 vorgesehen, In: lockheedmartin.com, Lockheed Martin (englisch). der erste STOVL-Testflug fand am 7. Januar 2010 statt. Während dieses Testfluges wurde erstmals im Horizontalflug der Liftfan während etwa 14 Minuten getestet. Die erste Senkrechtlandung fand am 18. März 2010 mit dem Prototyp BF-1 statt. Die vorgegebene Landefläche war 30 mal 30 Meter groß. Am 3. Oktober 2011 erfolgte die erste vertikale Landung des F-35B-Prototyps BF-2b auf der Wasp.

Am 28. Juli 2009 fand der Rollout des ersten F-35C-Prototyps (CF-1) statt. Der Erstflug folgte am 6. Juni 2010. Im Rahmen der Erprobung erfolgte die erste Trägerlandung der F-35C am 3. November 2014 auf der Nimitz vor der Küste San Diegos.

Niederländische und italienische Exemplare wurden im Partnerwerk von Leonardo S.p.A. und Lockheed Martin bei Cameri montiert, wo bis November 2021 zudem bereits 180 Flügelpaare auch für in den USA hergestellte Flugzeuge gebaut wurden, pro Monat gut 6 Stück. Komponenten wie Triebwerke und Fahrgestelle wurden aus den USA und Großbritannien zugeliefert, 32 fertige Flugzeuge verließen bis November 2021 das Werk. Erste Rumpfteile waren im Juni 2013 aus den USA in Italien eingetroffen und am 12. März 2015 hatte die erste F-35 für Italien ihren Rollout.

Seit dem 18. Mai 2015 erprobte das US Marine Corps auf der Wasp den Einsatz des Flugzeugs von einem amphibischen Landungsschiff (LHD – Landing Helicopter Dock) aus mit sechs Maschinen. Im Juni und Juli 2015 folgten erste Luftkampftests gegen F-16D. Dabei stellte sich heraus, dass die F-35 der F-16 teilweise im Kurvenkampf unterlegen ist. Ein Testpilot sagte, die F-35 sei , was er der geringeren Flügelfläche gegenüber der F-15E sowie dem geringeren Nachbrennerschub bei ungefähr gleichem Gewicht zuschrieb.

Im Oktober 2020 warfen zwei F-35A Übungsmodelle der B61-12-Atombombe ab und schlossen damit ihren technischen Zertifizierungsprozesses für die taktische Atombombe ab.