mini|Joop Westerweel Die Gruppe Westerweel war eine niederländische Widerstandsgruppe während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Gruppe um den überzeugten Pazifisten und Lehrer Joop Westerweel und seiner Frau Wilhemina bildete sich im Sommer 1941 in den Niederlanden und bestand über dessen Tod hinaus bis Kriegsende.
Die Mitglieder der Gruppe Westerweel organisierten Ausweispapiere, Verstecke und Fluchtmöglichkeiten vor allem für aus NS-Deutschland geflohene jüdische Kinder und Jugendliche. Die Gruppe war schon dadurch ungewöhnlich, dass sie aus Juden und Nichtjuden bestand.
Der Schwerpunkt ihrer Aktivitäten lag in den Niederlanden sowie den angrenzenden Staaten, insbesondere Frankreich. Insgesamt rettete die Gruppe um die 300 Juden. Damit gilt sie als eine effektivsten Widerstandsgruppen in den Niederlanden.
Mitglieder Die jüdischen ebenso wie nichtjüdischen Mitglieder waren eine kleine Gruppe Niederländer, hauptsächlich Freunde, Bekannte und Kollegen von Joop. Die jüdischen Mitglieder waren Teenager oder Twens im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, die aus Mittel- und Osteuropa stammten. Zusätzlich gab es einen Anteil von jungen Halutzim (zionistische Jugendbewegung), unter anderem Max Windmüller und Menachem Pinkhof.
Der Name Der Name Gruppe Westerweel wurde erst nach Kriegsende von ehemaligen Mitgliedern zu Ehren Joop und Wilhelmina Westerweels angenommen. Solange sie bestand, hatte sie keinen festen Namen.
Aktionen Als die deutschen Besatzer im Jahre 1942 mit der Deportation der niederländischen Juden begannen, lernte Westerweel eine kleine Gruppe junger Zionisten (Halutzim) um Joachim („Schuschu“) Simon kennen, welche sich auf einem Bauernhof in der Nähe seines Hauses auf ein Leben in Israel vorbereiteten. Als die Gruppe am 15. August 1943 vom Jüdischen Rat den Hinweis erhielt, dass ihre Mitglieder deportiert werden sollten, organisierte Joop Westerweel gemeinsam mit seinen Unterstützern für alle 50 jungen Halutzim Verstecke. 33 von ihnen überlebten den Krieg. Die anderen wurden entdeckt und deportiert, nachdem man sie verraten hatte. Schon bei dieser Aktion entwickelten die später so genannte Gruppe Westerweel eine Arbeitsweise, die sie bis Kriegsende forsetzen sollte. Im ersten Schritt machten sie von allen bei ihnen neu angekommenen Juden Passfotos, die sie dann dafür nutzten, gefälschte Ausweispapiere herzustellen. Mit diesen konnten einige in den Niederlanden überleben. Andere meldeten sich mit falscher Identität als niederländische Zivilarbeiter zum freiwilligen Arbeitseinsatz nach Deutschland.
Für die anderen organisierten Westerweel und Simon Fluchtmöglichkeiten für die Jugendlichen. Dies gelang ihnen auf Wegen durch Belgien, Frankreich, der Schweiz und Spanien. Simon reiste 1942 nach Frankreich, um Kontakte mit dem jüdischen Untergrund zu knüpfen. Im Dezember 1942 und Januar 1943 wurden die ersten Gruppen von Halutzim über Belgien nach Frankreich geschmuggelt. Von dort aus konnten sie dann über die grüne Grenze nach Spanien fliehen. Bei einer dieser Aktionen wurde Simon dann im Januar 1943 im Süden der Niederlande von den Deutschen verhaftet und starb in Haft.
Die Nachricht vom Tod Simons spornte die Aktivitäten der Gruppe Westerweel an, die bald 20 Mitglieder umfasste. Im Februar 1944 begleitete Westerweel eine Gruppe Halutzim zur französisch-spanischen Grenze in den Pyrenäen. Weniger als einen Monat später wurde er selbst bei dem Versuch verhaftet, zwei Jungen über die Niederländische Grenze nach Belgien zu schmuggeln. Er wurde zum Konzentrationslager Vught gebracht und gefoltert, verriet aber keinerlei Informationen über seine Mitstreiter. Am 11. August 1944 wurde er hingerichtet. Seine Gruppe fuhr jedoch mit der Arbeit fort und schmuggelte noch weitere 200 Juden nach Frankreich. Insgesamt unterstützte die Gruppe Westerweel ca. 300–400 Halutzim und rettete einen Großteil von ihnen.
Gedenken miniatur|Der Westerweel Gedächtniswald in der Nähe von Haifa Joop und seine Frau Willy (Wilhelmina) werden 1964 in Yad Vashem zu Gerechten unter den Völkern ernannt An das Wirken der Gruppe wird heute in Yad Vashem erinnert. Im Westerweel-Gedächtniswald, in der Nähe von Haifa, steht ein Denkmal für Joop Westerweel, Max Windmüller und ihre Mitstreiter aus der jüdischen Widerstandsbewegung.
Literatur Shaul Sagiv: „In ungleichem Kampf“ Christlich-jüdische Rettungsaktion der Westerweel-Gruppe. Von Köln nach Holland durch Westerbork über Frankreich und Spanien nach Israel 1924- 1947. 2001 ISBN 3-89649-626-3
Weblinks Yad Vashem: Niederländische Gerechte unter den Nationen: Johan Gerard and Wilhelmina Dora Westerweel Yad Vashem: Johan (Joop) Westerweel Digitaal Joods Monument: Westerweel group
Einzelnachweise
Kategorie:Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Niederländischer Widerstand 1940–1945 Kategorie:Judenrettung Kategorie:Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus