Die burkinische Fußballnationalmannschaft tritt unter diesem Namen an, seit der westafrikanische Staat Obervolta 1984 in Burkina Faso umbenannt wurde.
Der Mannschaft ist es bisher noch nicht gelungen sich für eine Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Für den Afrika-Cup konnte sich die Mannschaft qualifizieren. Die Mannschaft belegt in der FIFA-Weltrangliste Platz 52 (Juli 2018). Größter Erfolg der seit der Unabhängigkeit der ehemaligen französischen Kolonie 1960 bestehenden Mannschaft war lange Zeit das Erreichen des vierten Platzes bei der Afrikameisterschaft 1998 im eigenen Land, bis bei der Afrikameisterschaft 2013 in Südafrika der Sprung ins Finale gelang, wo die Nationalmannschaft Nigerias 1:0 gewann.
Nationaltrainer ist seit März 2024 Brama Traoré. Der Spitzname Les Étalons (frz. ‚die Hengste‘) bezieht sich auf den Hengst der legendären Mossiprinzessin Yennenga aus dem 15. Jahrhundert.
Geschichte
1960er-Jahre mini|Flagge Obervoltas Eine obervoltaische Auswahl wurde schon vor der im August 1960 von Frankreich erlangten Unabhängigkeit zusammengestellt. Für das Jahr 1959 sind zunächst Roubilat, später Bernier als Namen von sélectionneurs überliefert.Sanogo, S. 81 Das Team soll im April 1959 zu einem Spiel gegen Niger angetreten sein, das unter zweifelhaften Umständen verloren worden sein soll.Sanogo, S. 18 (Bisher keine weitere Quelle für dieses Spiel bekannt)
Im April 1960 wurden in Antananarivo (Madagaskar) die Jeux de la Communauté ausgetragen, bei denen Wettbewerbe in verschiedenen Sportarten zwischen Athleten aus dem französischen Mutterland, den Überseegebieten und den Mitgliedern der Communauté française ausgetragen wurden. Am 13. April kam die obervoltaische Mannschaft zu einem 5:4-Sieg gegen Gabun, dem im Viertelfinale eine 1:6-Niederlage gegen Gastgeber Madagaskar folgte. Im Aufgebot standen folgende 15 Spieler von sechs verschiedenen Vereinen: Ahmadou Bamba, Seydou Bamba, Kalifa Diabaté, Zingoudi Kaboré, Henri Koblavi, Robert Koblavi, Sotigui Kouyaté, Baba Maïga, Bernard Ouédraogo, Emmanuel Ouédraogo, Kabirou Sall, Cazimir Siba, Idrissa Sidibé, Fousséni Traoré und Lamine Traoré. Im Dezember 1961 trat Obervolta bei den Jeux de l’Amitié 1961 in Abidjan (Elfenbeinküste) an, dem Nachfolgewettbewerb für die nun unabhängig gewordenen Staaten, auch solchen, die nicht zum französischen Kolonialreich gehört hatten. Einem 5:1-Sieg gegen Liberia standen ein 1:1-Unentschieden gegen die Zentralafrikanische Republik und eine 1:2-Niederlage gegen Gastgeber Elfenbeinküste gegenüber. Auch bei den Jeux de l’Amitié 1963 in Dakar (Senegal) zwei Jahre später nahm Obervolta wieder mit einer Fußballauswahl teil. Der 0:4-Niederlage gegen Gabun folgten zwei weitere Spiele, wobei Gegner und Ergebnisse unklar sind.Die Quellen widersprechen sich hier: Gambia oder Réunion als zweiten Gegner, anschließend Sieg oder Niederlage gegen eine französische Auswahl Zu den Spielern von 1960 gesellten sich nun einige junge Talente wie Sibiri Ango Traoré, François Tapsoba und Dakarois.
Nachdem der nationale Fußballverband 1964 Mitglied des Weltverbandes FIFA und der Kontinentalföderation CAF geworden war, nahm Obervolta an der Qualifikation zu den Panafrikanischen Spielen 1965 teil, scheiterte aber in seiner Gruppe als Dritter unter fünf Mannschaften. 1967 beteiligte sich das Nationalteam erstmals an den Ausscheidungsspielen zum Afrika-Cup, musste sich aber Algerien und Mali geschlagen geben. 1966 war nach den Obervoltaern Moussa Namoko, Issaka Tanli, Martin Kaboré und Mamadou Ouattara mit dem Franzosen Guy Fabre zum ersten Mal ein ausländischer Profitrainer engagiert worden. Unter Fabre wurde die Talentsichtung auf das ganze Land ausgeweitet, nachdem die Nationalspieler zuvor nur aus den beiden großen Städten Ouagadougou und Bobo-Dioulasso rekrutiert worden waren. Für Trainingslager im Ausland wurden finanzielle Anstrengungen unternommen, so kam es zu einem Testspiel in Marseille gegen Olympique Marseille.
Insgesamt waren die Leistungen der Nationalmannschaft in den Anfangsjahren schwankend, da es am Willen fehlte, den Fußball im Lande strukturell zu verbessern. Schon die Teilnahme, das heißt das Austragen von Freundschaftsspielen unter obervoltaischer Flagge, war den Verantwortlichen genug.Joseph Bonzi: L’ombre de 98. In: Afrique Football. Spécial CAN Mali 2002. Évry 2002, S. 42 Vor allem in den Anfangsjahren der Herrschaft von Staatspräsident Sangoulé Lamizana (im Amt von 1966 bis 1980) wurde Fußball als nachrangig bewertet.
1970er-Jahre mini|Otto Pfister war Ende der 1970er-Jahre Trainer in Obervolta In den 1970er-Jahren kam es durch den Anstieg privaten Unternehmertums im Lande zu einem vermehrten Engagement im Fußball und auch die Politik setzte mit der Einrichtung eines Sportministeriums 1971 ein Zeichen.Sanogo, S. 43f
In den Qualifikationsspielen zu den Panafrikanischen Spielen 1973 in Lagos (Nigeria) setzte sich das Team gegen Niger und Dahome durch. In der qualitativ ausgeglichenen Gruppe, die nach dem Rückzug Togos drei Mannschaften umfasste, erreichte Obervolta mit drei Siegen in vier Spielen den ersten Platz. Basis des Erfolges der im 4-3-3-System spielenden Mannschaft war die starke Abwehr um Boukary Ouédraogo (genannt Panier), während die relativ geringe Körpergröße des Torwarts Sidiki Diarra und die Stürmer mit überstürztem, ungeschicktem Spiel und übertriebenem Individualismus Schwachpunkte darstellten.La Haute-Volta sans prétention. In: France Football, Nr. 1396, 2. Januar 1973 Beim Turnier verlor Obervolta unter Trainer Bernard Bayala alle drei Spiele gegen Kongo, Guinea und Ägypten, galt Beobachtern zufolge aber als eine der großen Offenbarungen des Turniers. Das favorisierte Guinea, den späteren Finalisten, um Chérif Souleymane brachten sie mit quirligem Spiel ins Wanken, konnten die Niederlage aber nicht verhindern.Pierre Zogo: Niveau moyen. In: France Football, Nr. 1400, 30. Januar 1973 Gegen Ägypten ging die Mannschaft schnell mit zwei Toren in Führung, verlor aber doch mit 2:4.
Die AM-Qualifikation für 1974 endete mit einer 0:5- und einer 1:4-Niederlage gegen das überlegene Zaire. 1976 nahm Obervolta zum ersten Mal an einer WM-Qualifikation teil, scheiterte aber an der Elfenbeinküste. Während des Engagements des Deutschen Otto Pfister konnte Obervolta als Nachrücker für die Elfenbeinküste 1978 zum ersten Mal an einer Afrikameisterschaft teilnehmen und trotz dreier Niederlagen (gegen Ghana, Nigeria und Sambia) in der Vorrunde international auf sich aufmerksam machen. Pfister, der im Rahmen deutsch-obervoltaischer Zusammenarbeit zu seinem Posten gekommen war, fungierte zugleich als technischer Berater des Verbandes. Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit formulierte das Sportministerium einen Aktionsplan für die Nationalmannschaft.Dramane Compaoré: Un entraineur allemand pour les Étalons. In: France Football, Nr. 1604, 4. Januar 1977 Die Nationalmannschaft profitierte zu diesem Zeitpunkt von der Qualität und dem Mannschaftsgeist des erfolgreichen Teams Kadiogo Club Ouagadougou, das ebenfalls von Pfister trainiert wurde.Sanogo, S. 47
Weitere bedeutende Spieler der 1960er- und 1970er-Jahre waren André 39, Cyrille Bandaogo, Abdoulaye Compaoré, Harouna Diakité, Boubacar Fofana, Guiré, Hubert Hien, Joseph Kaboré (genannt Sap Olympique), Jérémie Koblavi, Mamadou Koïta (genannt Sorcier), Justin Mevi, Thomas Nignan, Pascal Ouédraogo (genannt Docteur Ballon), Drissa Traoré (genannt Dri Ballon), Nouhoun Traoré, Soumaïla Traoré (genannt Assurance), Jacques Yaméogo und Paul Yaméogo.
1980er-Jahre Im Jahr 1981 kassierte Obervolta die bis heute höchste Niederlage mit einem 0:7 in Algerien anlässlich der Qualifikation zur Afrikameisterschaft 1982. Die Revolution Thomas Sankaras im Jahre 1983 änderte die Situation des Fußballs im Lande. Es bestand nun ein deutlicher politischer Wille zur Förderung des Sports, die unter Blaise Compaoré seit seiner Herrschaft 1987 über das nun Burkina Faso genannte Land ihren Höhepunkt finden sollte. Unter seinem Einfluss entwickelte sich ein wirkliches Bewusstsein für die Nationalmannschaft. Den Rahmen für die weitere Entwicklung für dieses Bewusstsein boten feste Spieltermine. Priorität in den 1980er-Jahren war die Teilnahme an den Westafrikameisterschaften (CSSA Nations Cup) 1982 (in Benin), 1984 (im eigenen Land), 1986 (in Ghana) und 1987 (in Liberia). 1982 gelang das Erreichen des Dritten Platzes im Elfmeterschießen gegen die Elfenbeinküste. Im November 1984 hatte sich das Team zum ersten Mal nach der Revolution Thomas Sankaras, jetzt als Burkina Faso, bei einem internationalen Wettbewerb präsentiert. Nationaltrainer während der 1980er-Jahre waren Daniel Coulibaly, Soumaïla Diallo und Pihouri Webonga.
Zu Ende des Jahrzehnts wurde Burkina Faso vom Deutschen Heinz-Peter Überjahn betreut. Erst 1988 nahm die Auswahl wieder an einer WM-Qualifikation teil, scheiterte aber an Libyen. Auch die Teilnahme an der AM-Qualifikation für 1990 war mit dem Ausscheiden gegen Gabun schnell beendet.
1990er-Jahre Anfang der 1990er-Jahre kam es zu kurzen Gastspielen des Brasilianers Carlos Barrios und des Algeriers Amokrane Oualiken. In der AM-Qualifikation für 1992 scheiterte Burkina Faso nur knapp, zog sich aber anschließend nach anfänglicher Meldung von den Qualifikationsspielen zur WM 1994 und nach zwei absolvierten Begegnungen anlässlich der AM-Qualifikation 1994 zurück. Eine Wende kam 1992 mit der Verpflichtung des ehemaligen Nationalspielers Idrissa Traoré (genannt Saboteur). Traoré verjüngte das Team und erfuhr breite Unterstützung, unter anderem von Staatspräsident Blaise Compaoré, und profitierte von den Impulsen, die Anfang der 1990er-Jahre von zahlreichen Akteuren ausgingen, um den Fußball im Land zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt konnte zum ersten Mal von einer echten Nationalmannschaft gesprochen werden, da die Arbeit des Teams, dem nun regelmäßige Unterstützung durch die Bereitstellung der notwendigen Mittel zuteilwurde, erstmals langfristig ausgerichtet war.Sanogo, S. 62 1996 konnte sich das Land denn auch zum ersten Mal aus eigener Kraft für die Afrikameisterschaft qualifizieren, ein Ziel, das den Verantwortlichen besonders wichtig gewesen war, um die Ausrichtung des folgenden Turniers im eigenen Land auch sportlich zu legitimieren. Trotz einer guten Qualifikation wurde das Turnier zu einer großen Enttäuschung. Konnte in der Qualifikation noch das Team von Marokko aus dem Wettbewerb geworfen werden, folgten in Südafrika drei Niederlagen, zwei 1:2-Niederlagen gegen Sierra Leone und Algerien sowie ein deutliches 1:5 gegen Sambia. Traoré wurde in Folge durch seinen Assistenten Calixte Zagré ersetzt. Als Burkina Faso bei der Qualifikation zur WM 1998 sechs Spiele in Folge verlor, wurden nacheinander der Bulgare Iwan Wuzow, der im November Nationaltrainer 1996 geworden war, und der Ghanaer Malik Jabir entlassen.
Um das Turnier im eigenen Land 1998 zu einem sportlichen Erfolg werden zu lassen, wurde dem Franzosen Philippe Troussier alle erdenkliche Unterstützung zuteil. So wurden Trainingslager im Ausland und Testspiele organisiert sowie der Trainerstab erweitert. Nach einer Auftaktniederlage gegen Kamerun gelang mit zwei Siegen gegen Algerien und Guinea der Einzug ins Viertelfinale gegen Tunesien, das im Elfmeterschießen bezwungen werden konnte. Die Étalons profitierten dabei von der Unterstützung des euphorischen Heimpublikums. Im Halbfinale schied das Team mit 0:2 gegen Ägypten aus; am Ende stand Platz 4 zu Buche, nach einer dramatischen Niederlage gegen die Demokratische Republik Kongo im Elfmeterschießen. Nach dem Abschied Troussiers führte der Franzose Didier Notheaux die Étalons durch die Qualifikation für 2000, wurde aber trotzdem vom Verband entlassen.
2000er-Jahre mini|hochkant|Bernard Simondi war Trainer von 2005 bis 2006