mini|300px|Eine von Wurmröhren überkrustete Kammmuschel.

Die Kalkröhrenwürmer (Serpulidae, eingedeutscht auch „Serpeln“) sind eine Familie, die aus etwa 80 Gattungen besteht. Die Arten bleiben meist kleiner als die der verwandten Federwürmer (Sabellidae). Sie leben sessil in Röhren aus ausgeschiedenem Kalk, die durch einen Deckel (Operculum) aus Horn oder Kalk (siehe zur Beschaffenheit auch Operculum der Schnecken) verschlossen werden können. Das Operculum entstand aus einem umgewandelten Tentakel. Kalkröhrenwürmer leben von winzigen organischen Partikeln und Einzellern, die sie mit ihrer Tentakelkrone aus dem vorbeiströmenden Wasser filtern.

Merkmale Die Vielborster der Familie Serpulidae sind am deutlichsten daran zu erkennen, dass sie sowohl eine Tentakelkrone als auch eine Röhre aus Kalk besitzen, worin sie sich von den Sabellidae unterscheiden und weshalb sie den deutschen Namen Kalkröhrenwürmer tragen. Genauso wie die Sabellidae haben sie eine deutliche Unterteilung in die Körperregionen Thorax und Abdomen, was an der umgekehrten Stellung der Borsten und einer Fäkalrinne deutlich wird. Ebenso haben sie gleich den Sabellidae in ihren Segmenten auch ein Paar vorderer Nephridien mit einem einzelnen Ausgang zur Ausscheidung. Die Kalkröhrenwürmer werden je nach Art zwischen 2 mm und über 10 cm lang, wobei die Kalkröhre eine mehrfache Länge des Wurms haben kann. Der Thorax hat 3 bis 12 borstentragende Segmente, letzteres in der Gattung Filograna. Die Anzahl der borstentragenden Segmente des Abdomens liegt zwischen 10 bei einigen kleinen Arten und über 100 bei größeren Arten der Gattungen Laminatubus, Spirobranchus und Protula. Das erste Borstensegment trägt lediglich Notochaeten.

Die Tentakeln (Radiolen) der Kalkröhrenwürmer dienen sowohl dazu, kleine Nahrungspartikel einzufangen und durch Tätigkeit ihrer Cilien dem Mund zuzuführen, als auch als Kiemen der Atmung. Hierzu wird Blut in einzelnen, blind endenden Tentakelgefäßen mit wechselnder Fließrichtung in die Tentakel ein- und ausgepumpt. Von hier fließt das Blut durch das Bauchgefäß zum Körperende und von dort durch den Darmsinus, im Vorderabschnitt durch ein Rückengefäß und ein circumoesophageales Ringgefäß wieder nach vorn. Als Blutfarbstoff dient bei allen diesbezüglich untersuchten Arten im Plasma gelöstes Chlorocruorin, doch hat das rot gefärbte Blut in der Gattung Protula möglicherweise Erythrocruorin. Ein zentrales Herz fehlt; das Blut wird durch Bewegungen von Myoepithelzellen der Blutgefäße transportiert.

Verbreitung und Beispielarten Im Atlantik, Mittelmeer, Nord- und westliche Ostsee lebt der Dreikantwurm (Pomatoceros triqueter). Ebenfalls in heimischen Gewässern, sowie im Atlantik, Arktischen Meer, dem Nordpazifik, im flachen Wasser, aber auch in Tiefen bis 5000 Meter lebt der Posthörnchenwurm (Spirorbis spirorbis). Im tropischen Indopazifik lebt der Weihnachtsbaumwurm (Spirobranchus giganteus) in Steinkorallenkolonien der Gattung Porites. Eine weltweite Verbreitung hat der Bunte Kalkröhrenwurm (Serpula vermicularis).

Kalkröhrenwürmer treten im Golf von Mexiko, an der Küste Texas bei Baffin Bay, in großen Massen auf und bilden ein Serpulidenriff und bei Bermuda Serpulidenatolle mit Durchmessern bis 30 Meter.

Fossilien Die kalkigen Röhren der Serpuliden sind fossil gut erhaltungsfähig. Es gibt sie seit der mittleren Trias vor etwa 240 Millionen JahrenOlev Vinn & Harry Mutvei (2009): Calcareous tubeworms of the Phanerozoic. Estonian Journal of Earth Sciences 58 (4): 286–-296 . Sie hatten in der Vergangenheit eine größere Bedeutung als Riffbildner als heute.

Gattungen Amplaria Knight-Jones, 1973 Anomalorbis Vine, 1972 Apomatus Philippi, 1844 Bushiella Knight-Jones, 1973 Capeospira Pillai, 1970 Chitinopoma Levinsen, 1884 Circeis Saint-Joseph, 1894 Crucigera Benedict, 1887 Dexiospira Caullery & Mesnil, 1897 Dextralia Knight-Jones, 1973 Ditrupa Berkeley, 1835 Eulaeospira Pillai, 1970 Ficopomatus Sauthern, 1921 Filograna Oken, 1815 Filogranella Ben-Eliahu & Dafni, 1979 Filogranula Langerhans, 1884 Galeolaria Lamarck, J.B. de (1818) Hyalopotamus Marenzeller, 1878 Hydroides Gunnerus, 1768 Janua Saint-Joseph, 1894 Josephella Caullery & Mesnil, 1896 Laminatubus ten Hove & Zibrowius, 1986WoRMS: 328604 Tiefsee-Symbiose: Methan auf dem Speiseplan, auf wissenschaft.de vom 3. April 2020Shana K. Goffredi, Ekin Tilic, Sean W. Mullin, Katherine S. Dawson, Abigail Keller et   al.:Methanotrophic bacterial symbionts fuel dense populations of deep-sea feather duster worms (Sabellida, Annelida) and extend the spatial influence of methane seepage, auf Science Advances Band 6, Nr. 14, 3. April 2020. eaay8562, doi:10.1126/sciadv.aay8562 Leodora Saint-Joseph, 1894 Metavermilia Bush, 1904 Neodexiospira Pillai, 1970 Neovermila Day, 1961 Nidificaria Knight-Jones, 1984WoRMS: AlphaID=129636 Paradexiospira Caullery & Mesnil, 1897 Paralaeospira Caullery & Mesnil, 1897 Pileolaria Claparede, 1870 Placostegus Philippi, 1844 Pomatoceros Philippi, 1844 Pomatoleios Pixell, 1912 Pomatostegus Schmarda, 1861 Protolaeospira Pixell, 1912 Protula Risso, 1826 Pseudochitinopoma Zibrowius, 1969 Pseudovermilia Bush, 1907 Salmacina Claparede, 1870 Semivermila Imajima, 1978 Serpula Linnaeus, 1767 Simplicaria Knight-Jones, 1973 Spirobranchus Blainville, 1818 Spirorbis Daudin, 1800 Vermiliopsis Saint-Joseph, 1894 Vinearia Knight-Jones, 1984WoRMS: AphaID=129643

Literatur Stanley J. Edmonds: Fauna of Australia, Volume 4A. Polychaetes & Allies. The Southern Synthesis 4. Commonwealth of Australia, 2000. Class Polychaeta. S. 249–256, Family Serpulidae. Koralle Meerwasseraquaristik-Fachmagazin Nr. 20 Röhrenwürmer, April/Mai 2003,

Einzelnachweise

Weblinks

World Register of Marine Species (WoRMS), WoRMS-Suche

Kategorie:Canalipalpata (Ringelwürmer)