Der Deutsche Volkshochschul-Verband e. V. (DVV) ist der Dachverband für die VHS-Landesverbände, in denen 827 Volkshochschulen in Deutschland organisiert sind. Er fördert die Weiterbildung und die Bildungsarbeit in den Volkshochschulen. Zudem agiert er als Fachverband und als Interessenvertreter der Volkshochschulen und ihrer Landesverbände auf Bundes-, europäischer und internationaler Ebene.
Aufgaben Interessenvertretung Als zentrale Aufgabe des DVV als dem „Verband der Verbände“Martin Rabanus: Deutscher Volkshochschul-Verband. In: Ekkehard Nuissl, Josef Schrader, Rolf Arnold (Hrsg.): Wörterbuch Erwachsenen- und Weiterbildung. Julius Klinkhardt Verlag. Bad Heilbrunn, 2023, S. 95 f., ISBN 978-3-8252-8743-6, Online-Version. gilt die Interessenvertretung der deutschen Volkshochschulen und ihrer Landesverbände auf Bundes-, europäischer und internationaler Ebene.Süssmuth, Eisfeld: Volkshochschule. Erwachsenenbildung/Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung (2018), , S. 781.
Hierzu zählen in den 2020er Jahren beispielsweise der Widerstand gegen Pläne zur Umsatzsteuerpflicht für bestimmte VHS-Kurse,Volkshochschulen mit Steuer-Sorgen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Oktober 2019. Initiativen, um im geplanten Demokratiefördergesetz die politische Jugend- und Erwachsenenbildung als eigenständiges Handlungsfeld auf Bundesebene zu verankern, oder die Mitwirkung an einer Neufassung der Integrationskursverordnung, um dort dysfunktionale Kosteneinsparungen zu verhindern.
Fach- und Netzwerkarbeit Der DVV unterstützt die Kooperation und den Austausch von Erfahrungen der Mitglieder beziehungsweise bestimmter Mitgliederkreise zu Fach- und Querschnittsthemen. Dieser Austausch findet in der Regel in Bundeskonferenzen, Arbeitskreisen und Ausschüssen statt.
Themenschwerpunkte für die Volkshochschulen Insbesondere die Bundesgeschäftsstelle befasst sich mit Projekten und Themen, die gesellschaftlich aktuell und für die Volkshochschularbeit vor Ort relevant sind. Das sind vor allemKuper, Schemmann: Institutionen der Weiterbildung. Lehrbücher für die Erwachsenen- und Weiterbildung. Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8252-6223-5, S. 64. Digitalisierung in der Weiterbildung (zum Beispiel mit einer speziellen Cloud, mit einer bundesweiten Kursdatenbank oder einem Lernportal) Integration von Zugewanderten (unter anderem durch Sprachkurse), Alphabetisierung, Grundbildung und Schulabschlüsse, Arbeits- und Berufswelt, politische und kulturelle Jugend- und Erwachsenenbildung, Gesundheitsbildung.
Darüber hinaus erbringt die Bundesgeschäftsstelle Informations-, Beratungs- und Unterstützungsleistungen, beispielsweise in organisatorischen, rechtlichen oder Marketing-Fragen. Die pädagogische und didaktische Arbeit der Volkshochschulen wird ebenfalls unterstützt, etwa durch digitale Tools, spezielle Fortbildungsangebote, Materialien oder Handreichungen.
Internationale Zusammenarbeit Seit Jahrzehnten hat der DVV seine internationalen Aktivitäten im Institut für internationale Zusammenarbeit (DVV International) gebündelt. Sie beziehen sich auf die außerschulische, außerbetriebliche und außeruniversitäre Jugend- und Erwachsenenbildung. Das Institut ist hier als „Sozialstrukturträger“ Partner des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In ausgewählten europäischen, afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern fördert das Institut gemeinsam mit Partnern vor Ort beziehungsweise in der Region den Aufbau von tragfähigen Strukturen der Jugend- und Erwachsenenbildung.
Projekte und Fördermittel Der DVV wirbt überdies bundesweite, europäische oder internationale Projekte und Fördermittel ein oder unterstützt dabei. Im Erfolgsfall leitet er sie an die projektumsetzenden Akteure (Landesverbände, Volkshochschulen, Fachstellen etc.) weiter oder führt die entsprechenden Projekte selbst durch.Siehe hier die Hinweise in Beispiele für in Vergangenheit und Gegenwart akquirierte und (mit) durchgeführte Projekte sind: Auf- und Ausbau des VHS-Lernportals, einem vom DVV entwickelten digitalen Lernangebot für Grundbildung und Deutsch als Fremdsprache, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Förderung der im DVV angesiedelten „Zentralstelle für Politische Jugendbildung“ mit Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes; das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert über die „Zentralstelle“ die Durchführung von jährlich 100 bis 150 Maßnahmen zur politischen Kinder- und Jugendbildung an Volkshochschulen.Marvin Reinhart: Kürzungen im Haushaltsentwurf sorgen für Kritik. In: Thüringische Landeszeitung (Weimar), 4. November 2023. Auch im Projekt talentCAMPus leitet der DVV eingeworbene Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an lokale Akteure weiter, die damit Bildungsmaßnahmen im Bereich der kulturellen Kinder- und Jugendbildung durchführen. Als einer von 33 Programmpartnern erhält der DVV hierfür seit 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Mittel aus dem Programm „Kultur macht stark“. Allein in der Förderphase von 2013 bis 2017 konnten so bundesweit rund 2000 Maßnahmen umgesetzt werden, die rund 45.000 Kinder und Jugendliche in rund 240 Städten, Gemeinden und Landkreisen erreichten.Thomas Junk: Landkreis setzt weiter auf den „talentCAMPus“. Haldensleber Volksstimme, 13. Februar 2018.
Dachmarke vhs Die bundesweite Markenführung der Dachmarke vhs erfolgt ebenfalls durch den DVV. Sie existiert seit 2013 und kann von allen Landesverbänden sowie den ihnen angeschlossenen Volkshochschulen genutzt werden.Veranstaltungsraum wird erneuert. VHS-Zweckverband genehmigt Wirtschaftsplan. In: Neue Westfälische, 15. November 2013.
Organisation Gremien Mitgliederversammlung, Mitgliederrat und Vorstand sind die entscheidenden Gremien des DVV. Die Mitgliederversammlung setzt sich aus Delegierten der ordentlichen Mitglieder (also der VHS-Landesverbände), dem DVV-Vorstand und je einer von den drei Kommunalen Spitzenverbänden (Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund) entsandten Person zusammen. Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand, dem sieben Personen mit Stimmrecht und sechs Personen mit beratender Stimme angehören (Stand: 2024). Die Amtsperiode des Vorstands beläuft sich auf vier Jahre. Zu den Vorstandsmitgliedern zählen die Präsidentin (seit 2015 Annegret Kramp-Karrenbauer) und der Vorsitzende (seit 2019 Martin Rabanus). Dem Mitgliederrat gehören höchstens jeweils zwei Vertreter der ordentlichen Mitglieder des DVV an, ferner die Präsidentin, der Vorsitzende sowie je eine von den drei kommunalen Spitzenverbänden entsandte Person.
Personal und Sitz Der DVV beschäftigt eine hauptamtliche Geschäftsführung. Im Verband arbeiten rund 140 Personen (Stand: 2023). Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Bonn.
Beteiligungen Der DVV ist mit 40 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter des Grimme-Instituts,Interimschef bei Grimme. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 2024. das sich mit Medien und Kommunikation befasst und jährlich den Grimme-Preis verleiht. Die telc gGmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des DVV, sie betätigt sich als Sprachtestanbieter und entwickelt Sprachzertifikate und Testsysteme.
Mitgliedschaften Der DVV ist in rund 20 Organisationen Mitglied, überwiegend solche, die sich mit Bildung und Weiterbildung befassen.
Kooperation Als Organisation der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung wird Arbeit und Leben vom Deutschen Gewerkschaftsbund und vom DVV getragen.
Geschichte Vorgeschichte Zwischen Gründungsboom und Krise (1918 bis 1933) Einige Volkshochschulen entstanden bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Der eigentliche Gründungsboom setzte jedoch erst nach der Ausrufung der Weimarer Republik, in den Jahren 1918 bis 1920, ein.Süssmuth, Eisfeld: Volkshochschule. Erwachsenenbildung/Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung (2018), , S. 767.Kuper, Schemmann: Institutionen der Weiterbildung. Lehrbücher für die Erwachsenen- und Weiterbildung. Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8252-6223-5, S. 59. 1927 konstituierte sich der Reichsverband der deutschen Volkshochschulen.Hans Tietgens: Geschichte der Erwachsenenbildung. In: Rudolf Tippelt, Aiga von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, 6. Auflage, Band 1, Springer VS, Wiesbaden 2018, S. 19–38, ISBN 978-3-531-19978-8, , hier S. 35. Die Weltwirtschaftskrise belastete die Volkshochschulen schwer, vor allem, weil ihnen die Mittel gekürzt wurden.
NS-Zeit (1933 bis 1945) Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten schalteten diese auch die Volkshochschulen gleich. Einige der Leitungen und Dozenten emigrierten und versuchten, im Ausland vergleichbare Bildungsangebote zu schaffen.Hildegard Feidel-Mertz: Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus. In: Rudolf Tippelt, Aiga von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, 6. Auflage, Band 1, Springer VS, Wiesbaden 2018, S. 39–58, ISBN 978-3-531-19978-8, , hier S. 41–46. Innerhalb Deutschlands wurde der Reichsverband der deutschen Volkshochschulen 1933 aufgelöst. An seine Stelle trat im Jahr darauf zunächst die Hauptstelle für Volkshochschulen am Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. Noch im selben Jahr wurde das Volkshochschulwesen dem Reichsschulungsamt der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront als Deutsches Volksbildungswerk angeschlossen. Bereits 1933 legte ein Erlass fest, dass die Volkshochschulen nationalsozialistisches Gedankengut zu fördern hatten.Hildegard Feidel-Mertz: Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus. In: Rudolf Tippelt, Aiga von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, 6. Auflage, Band 1, Springer VS, Wiesbaden 2018, S. 39–58, ISBN 978-3-531-19978-8, , hier S. 51, dort auch die Zitate.
Wiederaufbau (1945 bis 1952) Zwischen 1945 und 1949 gründeten die neu eröffneten beziehungsweise wiedereröffneten Volkshochschulen in den WestzonenDazu Horst Siebert: Erwachsenenbildung in der Bundesrepublik Deutschland. Alte Bundesländer und neue Bundesländer. In: Rudolf Tippelt, Aiga von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, 6. Auflage, Band 1, Springer VS, Wiesbaden 2018, S. 59–88, ISBN 978-3-531-19978-8, , hier S. 61. Landesverbände beziehungsweise Regionalverbände. Im Oktober 1949 bildete sich die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände deutscher Volkshochschulen.Helmuth Dolff: Zeittafel zur Geschichte des deutschen Volkshochschul-Verbandes. In: Deutscher Volkshochschul-Verband (Hrsg.): 25 Jahre Deutscher Volkshochschul-Verband. Westermann. Braunschweig 1978, S. 261–274, hier S. 261–263. Verbände auf regionaler Ebene gab es in Nordwürttemberg, Südwürttemberg, Nordbaden und Südbaden. Auf ihrer IV. Konferenz wählte sie im April 1952 Theodor Bäuerle zu ihrem Präsidenten.Helmuth Dolff: Zeittafel zur Geschichte des deutschen Volkshochschul-Verbandes. In: Deutscher Volkshochschul-Verband (Hrsg.): 25 Jahre Deutscher Volkshochschul-Verband. Westermann. Braunschweig 1978, S. 261–274, hier S. 265.
Verbandsgründung und Expansion (1953 bis 1973) +Abfolge der Präsidentschaften Name von bis Theodor Bäuerle 1953 1956 Hellmut Becker 1956 1974 Dieter Sauberzweig 1974 1988 Rita Süssmuth 1988 2015 Annegret Kramp-Karrenbauer 2015 Am 17. Juni 1953 tagte die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände deutscher Volkshochschulen im Schöneberger Rathaus von Berlin und wandelte sich in den Deutschen Volkshochschul-Verband mit Bäuerle als Präsidenten um.Erhard Schlutz: Von der Verbandsgründung bis heute – Fünf Jahrzehnte Volkshochschulgeschichte. In: Geschichte – Geschichten – Gesichter. Ein halbes Jahrhundert Deutscher Volkshochschul-Verband e. V., Bonn 2003, ISBN 978-3-88513-766-5, S. 34–59, hier S. 35.